01.02.2018 Das virtuelle Klassenzimmer

So führen Webinare zum Erfolg

Im Interview erklärt Lars Thomas, Vice President Product Development Communications and Collaboration bei LogMeIn, wie man Webinare am besten organisiert, worauf man hinsichtlich der Sicherheit achten sollte und für wen sie sich überhaupt lohnen.

  • Webinare als virtuelles Klassenzimmer

    Webinare stellen sozusagen ein virtuelles Klassenzimmer dar, da sie durch ihre Interaktivität Nachfragen ermöglichen und so das Lernergebnis vertiefen.

  • Lars Thomas, LogMeIn

    „Ein gutes Webinar ist keine Verkaufs-, sondern eine Informationsveranstaltung“, betont Lars Thomas, Vice President Product Development Communications and Collaboration bei LogMeIn.

ITM: Herr Thomas, wie sieht die Marktsituation im Bereich E-Learning im Moment aus?
Lars Thomas:
Der Bereich E-Learning hat sich in den letzten Jahren ständig weiterentwickelt, sodass der Branchenumsatz 2016 in Deutschland bei geschätzten 600 Mio. Euro lag. Kein Wunder, denn die digitalen Angebote ermöglichen ortsunabhängiges, flexibles Lernen. Bei einer vom Institut für Medien- und Kompetenzforschung durchgeführten Umfrage waren sich weit über die Hälfte aller Befragten sicher, dass der Umsatz der Branche in Deutschland bis 2020 um 60 bis 200 Prozent steigen wird. Und auch Unternehmen messen den Lösungen eine zentrale Bedeutung bei, vor allem der Kombination aus Präsenzveranstaltungen und zeit- und ortsunabhängigem Lernen – insgesamt also ein Markt, den man im Auge behalten sollte.

ITM: Welche Rolle spielen Webinare in diesem Kontext?
Thomas:
Webinare stellen sozusagen das virtuelle Klassenzimmer dar, weil sie durch ihre Interaktivität Nachfragen ermöglichen und so das Lernergebnis vertiefen. Ihr Einsatzgebiet ist vielfältig und reicht von firmeninternen Schulungen bis zu Seminaren für Kunden oder die Vorstellung neuer Produkte oder Services.

Die Tatsache, dass immer jemand da sein muss, der die Präsentation durchführt, ist Vorteil und – vermeintlicher – Nachteil zugleich. Der Vorteil für die Lernenden ist die Möglichkeit, eine Art persönlicher Beziehung zum Präsentierenden zu empfinden und unklare Punkte hinterfragen zu können. Natürlich ersetzt ein Webinar nicht das direkte Gespräch, aber von den vorhandenen E-Learning-Formen ist es die persönlichste. Der subjektiv empfundene Nachteil ist die Wahrnehmung, dass Webinare genau aus diesem Grund aufwendiger in der Umsetzung und weniger flexibel sind als andere Formen des E-Learnings. Das stimmt aber nur bedingt.

ITM: Warum? Inwieweit kann man die Erstellung von Webinaren automatisieren?
Thomas:
Moderne Lösungen für die Erstellung von Webinaren wie „GoToWebinar“ bieten die Möglichkeit, Live-Events zu simulieren, indem man die Webinare vorher aufzeichnet und speichert. Man kann sogar zwischendrin Handouts verteilen, Umfragen durchführen oder benutzerdefinierte Antworten geben. So entsteht weiterhin der Eindruck einer Echtzeitkommunikation.

Ein weiterer Vorteil: Das Webinar läuft reibungslos ab – gut für Leute mit Lampenfieber –, man kann es jederzeit wieder in gleichbleibender Qualität abhalten oder auch on demand auf dedizierten Plattformen wie „GoToStage“ zur Verfügung stellen. Und natürlich kann man automatisierte Reminder-E-Mails verschicken.

ITM: Ein Vorteil von E-Learning ist die Flexibilität – Lernen, wo und wann es gerade passt. Wie passen Webinare zu diesem mobilen Lebensstil?
Thomas:
Sie müssen entsprechend für die mobilen Kanäle optimiert sein. Aber auch hier hilft die Option, sie – z. B. über Website, Blog oder Social Media – jederzeit abrufen zu können. Dann sind sie ein genauso flexibles und hilfreiches Tool wie andere Methoden.

ITM: Neben professionellen Semiaranbietern nutzen auch viele Unternehmen Webinare zur Kommunikation von Inhalten. Wori liegt hier der Vorteil?
Thomas:
Webinare sind hilfreich bei der Generierung neuer Leads. Man erreicht ein breites Publikum, aber durch die nötige Registrierung genau die richtige, da interessierte Zielgruppe. Darüber hinaus kann man direkt mit ihr in Kontakt treten. Dabei sollte man allerdings nicht den Kardinalfehler machen, das Marketing allzu aufdringlich zu gestalten. Ein gutes Webinar ist keine Verkaufs-, sondern eine Informationsveranstaltung. Wenn man die Neugier eines Menschen weckt oder sein Bedürfnis nach Information befriedigt, ist das ein guter Ausgangspunkt für Geschäfte.

ITM: Wie sicher sind Webinare? Werden Übertragungen verschlüsselt?
Thomas: Bei Webinaren ist der Sicherheitsaspekt nicht ganz so kritisch wie bei Webkonferenzen – man hat sich ja letztlich dazu entschlossen, gewisse Inhalte mit Fremden bzw. einem breiten Publikum zu teilen und stellt so eine Öffentlichkeit her. Daher gilt: Vertrauliche Inhalte gehören nicht in ein Webinar. Trotzdem setzen wir natürlich auf maximale Sicherheit: Bei unserer Lösung werden die Anmelde- und Sitzungsdaten verschlüsselt übertragen und in unseren sicher geschützten Rechenzentren gespeichert. Genau wie alle unsere Produkte ist auch die Webinar-Lösung konform mit den aktuell gültigen Datenschutzrichtlinien; auch gibt es zusätzliche Sicherheitslevel.

ITM: Wie gut ist in der Regel die Qualität der Übertragungen? Muss eine sehr gute Breitbandverbindung bestehen, um an Webinaren teilzunehmen?
Thomas:
Wir empfehlen eine Bandbreite von mind. 1 Mbits/s up- und downstream. Bei ausreichender Bandbreite ist die Übertragung sehr gut. Eine Webcam-Stream kann in Full-HD-Auflösung übertragen werden. Aber selbst wenn man keine schnelle Leitung hat, ist das in der Regel kein Problem, da bei weniger Bandbreite die Qualität (Auflösung, Framerate) verringert wird. Bei sehr geringer Bandbreite kann man die Webcam deaktivieren und dem Audio-Part eines Webinars per Telefon beitreten. Beim Screen-Sharing verlängert sich dann die Zeitdauer bis zur vollständigen Bildübertragung – in den meisten Fällen laufen die Webinare aber reibungslos.

Bildquellen: Thinkstock/iStock, LogMeIn

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