Management-Tools

So hilft DCIM bei der RZ-Verwaltung

Die Nutzung spezieller Software für das Data Center Infrastructure Management (DCIM) kann das Berufsleben von Rechenzentrumsleitern leichter machen.

RZ-Verwaltung wird dank DCIM zum Kinderspiel.

Obwohl die Marketing-Verantwortlichen einschlägiger Outsourcing- und Software-as-a-Service-Anbieter seit Jahren nicht müde werden, ihr eigenes IT-Bezugsmodell als für Mittelständler besonders prädestiniert anzuprangern, sieht die Realität in vielen Betrieben anders aus: Noch immer findet man zahlreiche mittelständische Firmen, die nicht nur ihr eigenes Rechenzentrum, sondern an einem anderen Standort gleichzeitig auch noch das Backup-RZ in Eigenregie betreiben. Dabei spielt die Größe solcher Datenzentren keine Rolle, sodass die Bandbreite vom kleinen Server-Raum bis hin zum großflächigen Rechenzentrum reicht. Eines gilt jedoch für alle Örtlichkeiten: Ohne entsprechendes Software-System für das Infrastruktur-Management läuft in der Organisation und Verwaltung von Server-Raum, Rechenzentrum & Co. heutzutage kaum noch etwas.

Während sich das klassische System-Ma­nagement vorrangig der Verwaltung von Servern, Speichern und den darauf aufsetzenden Anwendungen widmet, konzentrieren sich Tools für das sogenannte Data Center Infrastructure Management, kurz DCIM, speziell auf das Handling von RZ-Komponenten. Dabei gibt es im DCIM-Umfeld mittlerweile eine Flut an Lösungen verschiedener Anbieter, sodass die Auswahl eines geeigneten Tools für die Anwender nicht immer ganz einfach ist.

Router und Switche nicht vergessen

Generell sollten die Verantwortlichen bei der Auswahl einer neuen DCIM-Software darauf achten, dass sie entsprechend breit ausgelegt ist und ein umfängliches Monitoring des Rechenzentrums bietet. „Dazu gehören Features wie das Monitoring von Hardware ebenso wie von Applikationen. Klassische Netzwerkkomponenten wie Router, Switche oder Firewalls sollten ebenso integriert werden können wie Server und Peripheriegeräte oder auch Umgebungssensoren zur Kontrolle von Feuchtigkeit oder Temperatur“, erklärt Fabian Konitzko, Partner Account Manager bei Paessler.

Bei der Auswahl sollte man darauf achten, dass das System multivendor-fähig ist. „Das bedeutet, dass sich Geräte und Daten verschiedener Hersteller über offene APIs und Standardschnittstellen wie Modbus TCP, SNMP, Web-Services – auch bidirektional – einbinden lassen, um flexibel bei der Hardware zu bleiben“, betont Michael Chrustowicz, Consultant und Solution Architect bei Schneider Electric. Ebenso wichtig sei ein modularer Aufbau, mit dem Mittelständler klein beginnen und bei Bedarf einfach skalieren könnten. „Die Module sollten Funktionalitäten wie Kapazitätsmanagement, Energieeffizienz und Kostenmodule beinhalten und sowohl über offene Schnittstellen zu IT-Systemen wie V-Center, V-Sphere, Microsoft Scom, HP Openview, Dell Operations Manager oder Cisco UCS Manager verfügen als auch eine möglichst große CMDB-Gerätedatenbank über alle Rechenzentrumsgeräteaspekte beinhalten“, so Chrustowicz weiter.

Intelligente Analyseverfahren

In diesem Zusammenhang gilt generell, dass die DCIM-Lösung möglichst viele Geräte und Protokolle bereits „out of the box“ unterstützt. Laut Fabian Konitzko könne allerdings aufgrund der vorherrschenden Vielzahl unterschiedlicher Geräte und Applikationen keine Lösung auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Daher sei die Existenz einer dokumentierten API besonders wichtig, um nicht-standardisierte Komponenten ebenfalls in das zentrale Monitoring einbeziehen zu können.

Damit nicht genug sollten DCIM-Lösungen über umfassende Echtzeitanalyse- und Reporting-Funktionen verfügen, mit denen sich übersichtliche und gleichzeitig aussagekräftige Reports und Trendanalysen zu allen RZ-Ressourcen erstellen lassen, etwa zu Platz-, Netz-, Server-, Strom- und Kühlkapazitäten. „Die Analysen werden auf Basis der durch das DCIM-System erfassten Daten erstellt und ermöglichen eine präzisere Planung, durch die in der Folge beispielsweise Hotspots vermieden und Kühlsysteme rechtzeitig hinzugeschaltet oder angepasst werden können“, erläutert Peter Wastl, Principal Solutions Engineer bei Emerson Network Power. Überdies sollte mit der DCIM-Lösung ebenfalls ein mobiles Management über entsprechende Endgeräte möglich sein, so Wastl. Denn dies erhöhe die Flexibilität, spare Zeit und senke die Ausfallquote.

Ruft man sich die Entwicklungen der letzten Jahre ins Gedächtnis, wird schnell klar, dass das Management von IT-Infrastrukturen im  Zuge von Nutzung von Virtualisierung und hybrider Cloud-Strukturen (on premise, public, private Cloud) eher komplizierter als einfacher geworden ist. Zuletzt mischten Begriffe wie Konvergenz und Hyperkonvergenz den Markt für IT-Infrastrukturen auf.

Dahinter verbirgt ein ganzheitlicher Architekturansatz, der mehrere Ebenen im Rechenzentrum – neudeutsch Layer – in einer Appliance bündelt, darunter Storage-, Netzwerk-, Server- und Virtualisierungsressourcen. In der Regel sind hyperkonvergente Systeme Appliances eines Herstellers, bei denen die Management-Software die volle Kontrolle über alle Layer ausübt. Der Vorteil solcher Systeme liegt nach Ansicht von Branchenexperten darin, dass man nicht für jede Infrastrukturebene eigene Lösungen anschaffen muss. Vielmehr lassen sich dank integrierter Systeme einerseits Kompatibilitätsprobleme vermeiden und andererseits das IT-Management automatisieren und damit auch vereinfachen.

Was bringt Hyperkonvergenz?

Stellt man sich solch eine Appliance ins Rechenzentrum, könnte der Aufwand für den gesamten Infrastrukturbetrieb auf ein Minimum reduziert werden, so könnte man meinen. Denn wer bräuchte dann noch spezielle Verwaltungs-Tools für die Rechenzentrumsumgebungen? Die DCIM- und Monitoring-Anbieter hingegen sehen ihre Felle noch lange nicht wegschwimmen. Vielmehr werden eigenständige DCIM-Tools auch künftig ihre Daseinsberechtigung haben, da sie einige Vorteile bieten“, betont Peter Wastl und zählt die Vorzüge gleich auf: Im Gegensatz zu hyperkonvergenten Systemen sind sie herstellerunabhängig und liefern den Anwendern eine neutrale Sicht auf ihre Infrastrukturen. Sie sind keine isolierten Punktlösungen, die sich nur in einer individuellen Umgebung einsetzen lassen, sondern übergreifende Gesamtlösungen, die sämtliche Informations-Pools einer Infrastruktur dank entsprechender Schnittstellen übersichtlich darstellen. Zudem sind eigenständige DCIM-Lösungen laut Wastl nicht vorkonfiguriert, sondern lassen sich durch ihre skalierbare Architektur flexibel an Veränderungen oder Erweiterungen anpassen.

Daneben besteht ein Rechenzentrum selbst beim Einsatz hyperkonvergenter Systeme aus weit mehr als nur diesen: „Es müssen Umgebungsparameter einbezogen werden, Applikationen, zusätzliche Netzwerkgeräte, externe Anbindungen etc.“, zählt Konitzko auf. Darüber hinaus würde man vor allem in kleineren und mittleren Firmen aufgrund der hohen Kosten seine Rechenzentren wohl kaum ausschließlich mit hyperkonvergenten Systemen ausstatten, sodass ein zentraler Überblick über die komplette Infrastruktur nach wie vor unverzichtbar ist.

Bildquelle: Thinkstock / iStock

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