Was Mitarbeiter wirklich wollen

So kann man Fachkräfte motivieren

Für das Glück am Arbeitsplatz ist der Chef zuständig. Mehr als jeder dritte Arbeitnehmer erwartet das von seinem Vorgesetzten. So lautet das Ergebnis einer aktuellen Gallup-Studie. Chefs sollten demnach darüber nachdenken, wie sie für ein besseres Betriebsklima sorgen können. Gutes Essen, flexible Arbeitszeiten oder Bürohunde können helfen.

  • 16 m hohe Kletterwand bei easysoft

    Neben einem Tischkicker können sich die Mitarbeiter von Easysoft auch an der 16 m hohen Kletterwand bewegen.

  • Tischkicker bei Easysoft

    Kicker, Tischtennisplatte, Slackline oder Kletterwand – die Mitarbeiter bei Easysoft haben die Wahl.

  • Finanzplaner Markus Sobau

    „Krankenversicherungspakete für die eigenen Mitarbeiter gibt es ab zehn Euro pro Monat und Beschäftigtem“,berichtet Finanzplaner Markus Sobau

Ausgeprägt ist nach einer Studie des Arbeitgeberbewertungsportals Kununu der Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten. Jeder zweite Beschäftigte möchte selbst entscheiden können, wann er wie viel arbeitet. 45 Prozent der Arbeitgeber bieten das an. Wer als Arbeitgeber dann noch Auszeiten finanziert, kann zusätzlich punkten. „Mit einem Zeitwertkonto sparen Mitarbeiter aus dem Brutto. Dazu verzichten sie auf einen Anteil ihres Monatsgehalts“, erklärt Finanzplaner Markus Sobau das Prinzip. Das Konto kann auch mit Überstunden, Boni oder Tantiemen gefüllt werden. Vorteil: Die Anlage muss erst bei Auszahlung versteuert werden. So bekommen Mitarbeiter höhere Zinsgutschriften und sparen Lohnsteuern. Gleichzeitig laufen Kranken- und Sozialversicherung weiter.

Sportliche Pausen  

Dass Benzingutschein, Weihnachtsfeier, selbst etwas mehr Lohn nicht reichen, um Mitarbeiter emotional an ein Unternehmen zu binden, weiß auch Andreas Nau: „Es geht um eine Grundhaltung.“ So verlangt der Geschäftsführer vom IT-Anbieter Easysoft laut Unternehmenswerten einerseits Bestleistung von seinen Mitarbeitern, kümmert sich andererseits aber auch um deren Gesunderhaltung. Konkret bedeutet dies: Wer sich nach einem schwierigen Telefonat abreagieren mag, sucht sich ein oder mehrere Partner für die Tischtennisplatte. Auch der 53-jährige Unternehmer und seine beiden Geschäftsführerkollegen Wilfried Hahn und Friedhelm Seiler finden sich hin und wieder für ein Spiel ein. Körper und Geist können sie aber auch auf der Slackline bewegen, die mitten in einem der drei Großraumbüros steht oder an der 16 m hohen Kletterwand, die sich vom Erdgeschoss bis in den dritten Stock zieht.

Kreativität fördern

Als Einzelmaßnahme ganz nett, funktioniert das Ganze nur, weil eine Grundüberzeugung dahinter steckt. Arbeit soll auch Freude bereiten. Angestellte, die im Arbeitstrott ermüden, und Programmierer, die betriebsblind auf den Bildschirm starren, sind nicht produktiv. „In unserer Branche wird nur mit frischen Ideen Geld verdient“, so Nau, „deshalb bieten wir unseren Mitarbeitern gute Arbeitsbedingungen, die Kreativität fördern.“ Das Interesse an den Mitarbeitern und der Kontakt bleiben auch bestehen, wenn Mitarbeiter in Elternzeit gehen. So war Tanja Höhn während ihrer knapp sechsjährigen Elternzeit immer zu Veranstaltungen eingeladen und ist seit August 2016 mit 30 Prozent wieder eingestiegen. Damit hat die Mitarbeiterin des Software-Unternehmens ausreichend zeitliche Flexibilität, um sich um ihre Kinder zu kümmern und konzentriert zu arbeiten. Mit einem firmeneigenen Laptop kann sie zusätzlich bequem auch von zu Hause arbeiten.

So wie Tanja Fröhn wollen ein Drittel der Beschäftigten arbeiten. 30 Prozent der Unternehmen ermöglichen das bisher. Übernimmt der Arbeitgeber für das Arbeiten im Home Office die Kosten für die Infrastruktur, wird der Wunsch noch schneller wahr. Wer trotzdem ins Büro geht, will wenigstens seinen Hund mitbringen – sofern er einen hat. Für 27 Prozent der Beschäftigten ist das ein großer Wunsch, den aber nur 15 Prozent der Arbeitgeber gut findet und zulassen. Noch. Ein Trend aus den USA belegt den Wandel. Alleine bei Amazon laufen angeblich 4.000 Hunde durch die Büroflure.

Loyalität geht durch den Magen

Eine Alternative zur Lohnerhöhung ist eine „Firmen-Card“. Auf diese können Arbeitgeber monatlich eine bestimmte Summe wie beispielsweise 50 Euro überweisen. Der Betrag steht dem Mitarbeiter netto als Sachbezug zur Verfügung. Er kann damit Essen gehen, sein Auto tanken oder das Geld sparen, um einen Urlaubsflug zu bezahlen. „So ein erlebbarer Vorteil ist mehr wert als 100 Euro Gehaltserhöhung, die versteuert werden muss“, weiß wiederum Finanzexperte Sobau.

Viele Mitarbeiter wünschen sich, dass der Chef bei der Altersvorsorge mithilft. Ein guter Rat für Firmen ist daher, eine betriebliche Altersvorsorge anzubieten. Für Beiträge, die diese in die private Rente der Mitarbeiter überweisen, entfallen anteilige Sozialversicherungsbeiträge. Legt der Chef diese 20 Prozent als Zuschuss obendrauf, zahlt das auch auf das gute Betriebsklima ein. Das ist laut Report des Personaldienstleisters Hays der wichtigste Grund, wieso Mitarbeiter bei einem Unternehmen bleiben. Und weil Liebe bzw. Loyalität sprichwörtlich durch den Magen gehen, ist die Qualität der Kantine ein beliebtes Gesprächsthema unter Kollegen.

Betriebliche Krankenversicherung

Wem hingegen die Gesundheit seiner Leute am Herzen liegt, für den ist eine betriebliche Krankenversicherung ein guter Tipp. Sie spart dem Arbeitnehmer die Ausgaben etwa für Zahnersatz oder Heilpraktikerbehandlung. Ganz wichtig: Schließt eine Firma mehr als fünf Verträge bei einem Versicherer ab, entfallen lästige Gesundheitsfragen. Das ist interessant für ältere Kollegen, Allergiker, Asthmatiker oder Mitarbeiter mit anderen chronischen Erkrankungen. Die Hays-Personalstudie zeigt überdies, dass es 41 Prozent der Beschäftigten wichtig ist, selbstständig zu arbeiten. So ist es für Mitarbeiter von Bedeutung, dass Chefs ihnen vertrauen und zutrauen, die gestellten Aufgaben eigenverantwortlich zu erledigen. Und im Sinne einer agilen Unternehmenskultur Aufgaben sogar eigenständig zu entwickeln. 

Bildquelle:Easysoft

©2018Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok