Faktoren bei der Digitalisierung

So lässt sich langfristig Erfolg herbeiführen

Wer auf dem Weg zur Digitalisierung nachhaltig zu den Gewinnern zählen möchte, ist gut beraten, nicht nur seine IT-Strukturen und Anwendungen zu erneuern, sondern auch auf Wissensaufbau und reorganisierte Workflows zu setzen.

  • Ohne Weiterbildungsmaßnahmen der Belegschaft kein Erfolg bei der Digitalisierung

    Ohne Weiterbildungsmaßnahmen der Belegschaft kein Erfolg bei der Digitalisierung

  • Prof. Dr. Tobias Brückmann

    Prof. Dr. Tobias Brückmann lehrt an der IUBH Internationale Hochschule in Bad Honnef das Fachgebiet Software Engineering und ist Geschäftsführer der Campuslab GmbH.

Die technologische Evolution hat mit der Digitalisierung ihre nächste Stufe erreicht und folgt einer eigenen Dynamik, die keine Rücksicht auf unreflektierte Best Practices, etablierte Geschäftsprozesse oder die Unternehmensgröße nimmt. Daher ist die Digitale Transformation nicht nur ein Obligatorium für große und größte Unternehmen, sondern betrifft ebenso deutsche mittelständische Unternehmen – unabhängig davon, ob es sich um einen Betrieb mit zehn oder zweihundert Mitarbeitern handelt. Dies stellt den Mittelstand zwar vor Herausforderungen, aber schafft neben der Wettbewerbsfähigkeit auch einzigartige Chancen, um über sich hinauszuwachsen.

 

Digitalisierung ist mehr als die Technologien

Die Digitalisierung von Produkten, Dienstleistungen, Workflows oder des Kundenkontakts erfordert selbstverständlich die Einführung neuer Technologien. Doch dies ist nur eine notwendige Bedingung auf dem Weg zum Erfolg, aber längst keine hinreichende. Der im April 2019 veröffentlichte KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand lieferte durch die Befragung von 10.000 mittelständischen Unternehmen in Deutschland eine aussagekräftige Momentaufnahme: Über die Hälfte der befragten Unternehmen gab an, im Rahmen der digitalen Transformation den Kontakt mit Kunden und Zulieferern zu digitalisieren sowie die IT-Strukturen und Anwendungen zu erneuern. Der Aufbau von Know-how und die Reorganisation des Workflows bleiben mit Abstand auf dem dritten und vierten Platz.

 

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

 

Change-Prozesse sind das A und O

Dabei sind insbesondere diese zwei Bereiche ebenfalls wichtige Faktoren, die über den langfristigen Erfolg auf dem Weg zur Digitalisierung entscheidend sind. Die Betonung liegt hierbei auf der Langfristigkeit, denn die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Digitalisierung neben der Einführung neuer Technologien unbedingt auch Change-Prozesse erfordert, die auf folgende Punkte abzielen:

• Kurze Innovationszyklen: Entwicklung von digitalen Produkten/Dienstleistungen wird in kurzen Zeitabständen realisiert.
• Flexibilität: Fähigkeit, sich schnell an veränderte Anforderungen oder Marktsituationen anzupassen.
• Kundenzentriertheit: Möglichst alle Kundenbedarfe und -wünsche werden in einem direkten Dialog über verschiedene Kanäle ermittelt – und schnell bedient.

Gemeinsam haben diese Faktoren, dass die Schnelligkeit ein Schlüsselkriterium darstellt – auch wenn die technologischen Bedingungen zur Erfüllung dieses Kriteriums umgesetzt werden, darf eine weitere Bedingung nicht außer Acht gelassen werden: die Mitarbeiter.

 

Die Zeit bei der Einführung beachten

Neue Technologien können nicht einfach so eingeführt werden, sondern müssen oft mit angepassten Workflows und immer mit Weiterbildungsmaßnahmen für die Belegschaft einhergehen, nämlich im Rahmen einer langfristigen Strategie – und nicht nur als punktuelle Maßnahme. Insbesondere zur Erreichung der notwendigen Flexibilität ist oftmals eine grundlegende Anpassung von Geschäftsprozessen erforderlich, und zwar abteilungsübergreifend. Somit stellt die Digitale Transformation mittelständische Unternehmen nicht nur vor technologiebedingte finanzielle Herausforderungen. Auch unternehmenskulturelle Hürden müssen zugunsten einer flexiblen Organisation überwunden werden. Doch gerade hier können sich Widerstände auftun, die auf Unsicherheiten in der Führungsebene oder fehlende Expertise in Bezug auf grundlegende Change-Prozesse zurückzuführen sind.

Dabei stellt die Digitalisierung des Mittelstandes nicht automatisch ein Risiko dar, sondern bietet einzigartige Chancen, um über den üblichen Aktionsraum hinauszuwachsen und sich sogar global zu positionieren.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok