Alte Hardware aufpolieren

So sparen Unternehmen mit gebrauchter Hardware

Werden in die Jahre gekommene Hardware und Peripheriegeräte ausgemustert, sind sie mitunter noch lange nicht am Ende ihres Lebenszyklus' angekommen. Vielmehr lassen sich Altmodelle entsprechend aufpoliert und in den Unternehmen an bestimmten Stellen sinnvoll einsetzen.

  • Christoph Laves, Geschäftsführer  der IT-Budget GmbH

    „Grundsätzlich fallen gebrauchte Geräte von Händlern im gewerblichen Bereich unter deren Gewährleitungspflicht von einem Jahr.“ Christoph Laves, Geschäftsführer der IT-Budget GmbH

  • Alfried Netzband, Geschäftsführer  der Technogroup IT-Service GmbH

    „Server und Storage haben ihren Lebenszyklus erst dann erreicht, wenn die von den Kunden betriebenen Applikationen und Datenbanken diese an ihre Leistungsgrenzen bringen.“ Alfried Netzband, Geschäftsführer der Technogroup IT-Service GmbH

  • Reinhold Aschenbrenner, Supply Chain Manager bei Fujitsu

    Reinhold Aschenbrenner, Supply Chain Manager bei Fujitsu: „Im Geschäftsumfeld wird nahezu die gesamte gebrauchte IT-Produktpalette angefragt – von PC und Notebook über Bildschirme bis hin zu Servern und komplexen Storage-Umgebungen.“

  • Michael Loidl, Geschäftsführer bei K&L Electronics

    Laut Michael Loidl, Geschäftsführer bei K&L Electronics, sollte man hinsichtlich der Entsorgung ausgedienter Hardware auf eine BSI-zertifizierte Datenlöschung achten.

  • Dirk Bader, Produkt Marketing  bei Lexmark Deutschland

    „Wir raten dazu, gut ausgelastete Output-Geräte nach vier bis sechs Jahren zu ersetzen.“ Dirk Bader, Produkt Marketing bei Lexmark Deutschland

Keine Frage, jede Hardware im Rechenzentrum kommt irgendwann einmal in die Jahre. Manche Systeme früher, andere wiederum später. Dabei hängt die Nutzungsdauer der Geräte meist von den jeweiligen Anforderungen des Anwenders und dem Auslastungsgrad ab. Christoph Laves, Geschäftsführer der IT-Budget GmbH in Wiesbaden, erkennt folgenden Trend: Zwar können Server und Storage-Einheiten durchaus fünf bis zehn Jahre in Nutzung bleiben, solange es keine technischen Defekte gibt. Aufgrund neuer Software-Releases, auslaufender Leasing-Verträge etc. würden die Geräte jedoch meist nur drei bis fünf Jahre genutzt. Desweiteren ist die Lebensdauer von Klimaanlagen über zehn Jahre bei sorgfältiger Wartung keine Seltenheit, ebenso wie die von Racks. „Letztere werden allerdings oft mit den Servern ausgetauscht, da der qualifizierte Rückbau bzw. Ausbau der Einheiten teurer käme als die Neuanschaffung“, erklärt Laves.

Daneben sollten die Batterien der USV-Anlagen – je nach Hersteller – alle drei bis fünf Jahre ausgetauscht werden, da deren Lebensdauer von zahlreichen Einflussgrößen abhängig ist. „Es hängt nicht allein von der Qualität des Akkus ab. Vielmehr spielen insbesondere der Ent- und Ladehub, die Ladeschlussspannung sowie die Stärke der Lade- und Entladeströme eine bedeutende Rolle hinsichtlich der Lebensdauer von USV-Anlagen“, erläutert Alfried Netzband, Geschäftsführer bei der Technogroup IT-Service GmbH in Hochheim.

So viel zu den Komponenten im Rechenzentrum. Doch auch in klassischen Arbeitsplatzumgebungen müssen Hardware und Peripheriegeräte nach einer gewissen Zeit weichen. „In der Regel werden Arbeitsplatzsysteme alle drei bis fünf Jahre ausgetauscht“, weiß Alfried Netzband. Grund dafür sei die Weiterentwicklungen der Betriebssysteme – insbesondere von Microsoft Windows. In der Regel spielen die Anwenderunternehmen immer wieder neu verfügbare Updates auf, bis die Hardware diese nicht mehr weiter unterstützt. Spätestens dann müssen die Kunden ihre Systeme erneuern, um von den aktuellen Betriebssystemfunktionen profitieren zu können.

Kaufkriterien für gebrauchte IT

  • Preis: Gebrauchte Geräte sind, obwohl häufig in den Performance-Werten nur geringfügig hinter Neugeräten angesiedelt, zu deutlich günstigeren Preisen zu bekommen als die Geräte, die erst seit wenigen Tagen oder Wochen auf dem Markt sind.
  • Verfügbarkeit: Gebrauchte Geräte sind in der Regel sehr schnell verfügbar und sofort einsetzbar. Sie eignen sich somit ideal für den direkten Ersatz von defekten Geräten.
  • Kompatibilität: Gebrauchte Geräte – insbesondere bei Ersatz- oder Erweiterungsbedarf einer existierenden Infrastruktur – fügen sich perfekt in die vorhandene Gerätelandschaft ein. Identische Betriebssysteme und Anwendungsprogramme, Ersatzteilvorräte und technisches Know-how der betreuenden Servicemitarbeiter erleichtern die Inbetriebnahme und den anschließenden sicheren Betrieb der Gerätschaften in einer homogenen Infrastruktur.

Mit speziellem Blick auf Output-Geräte berichtet Dirk Bader, Produkt Marketing bei Lexmark Deutschland, dass „der Austausch von Druckerersatzteilen prinzipiell von verschiedenen Parametern abhängt“. Hierzu zählt er die Häufigkeit der Nutzung bzw. Auslastung der Geräte, die Aufstellungsumgebung, die dort herrschenden Temperaturen oder die Art der Ausdrucke. Grundsätzlich rät der Hersteller dazu, gut ausgelastete Output-Geräte nach vier bis sechs Jahren zu ersetzen.

CO2-Emissionen senken

Haben in die Jahre gekommene Geräte ausgedient, werden sie nicht per se entsorgt. Vielmehr gelangen sie je nach Zustand in den Kreislauf der Wiederverwertung – neudeutsch Remarketing oder Refurbishing genannt. Der Handel mit gebrauchter Hardware floriert auch hierzulande, wobei sich so manches Schnäppchen machen lässt. Denn warum sollte man immer wieder Neuanschaffungen tätigen, wenn sich die eigene IT im Sinne der Nachhaltigkeit auch gut mit bereits genutzten Geräten betreiben lässt? Die Gründe dafür sind vielfältig: Entscheidend für die Anschaffung von recycelter Hardware sind oftmals begrenzte Budgets.

„Darüber hinaus werden Gebrauchtgeräte häufig für homogene IT-Umgebungen nachgekauft, da es die identische Hardware nicht mehr neu am Markt gibt“, berichtet Michael Loidl, Geschäftsführer bei K & L Electronics. Dasselbe gilt nicht nur für komplette Geräte, sondern auch für Ersatzteile für Reparaturen. Nicht selten spielt das Thema Nachhaltigkeit eine Rolle bei der Entscheidung zugunsten von Altmodellen. „Durch den Einsatz von refurbished Hardware nimmt der Kunde aktiv am Umweltschutz teil, Ressourcen werden geschont und CO2-Emissionen gesenkt“, so Netzband.

Technologieführer sind gefragt

Aktuell fragen Anwenderunternehmen unterschiedliche Geräte verstärkt nach. Heiß begehrt sind laut Alfried Netzband Tape-Storage, Disk-Storage und Server. Speziell für das Büroumfeld bemerkt Hartmut Lehmann, Field Marketing Manager bei Dell, eine zunehmende Nachfrage nach Desktops, Notebooks und Monitoren, da diese eher „Mainstream“ sind und von jedermann eingesetzt werden können. „Demgegenüber ist es schwieriger und aufwendiger Enterprise-Produkte wiederzuverwenden, da sie benutzerdefiniert zusammengestellt wurden“, so Lehmann. Laut Michael Loidl werde grundsätzlich nach hochwertigen Produkten der Technologieführer Ausschau gehalten. Die Gründe dafür: Hier seien die Verschleißerscheinungen weniger ausgeprägt, benötigte Treiber weit verbreitet und der Firmware-Support sei ebenfalls über einen längeren Zeitraum gegeben.

Einen weiteren lukrativen Gebrauchtmarkt macht Christoph Laves aus. Seiner Ansicht nach bietet sich der Kauf gebrauchter Modelle insbesondere auch für Server-Schränke an. „Diese unterliegen kaum einer Abnutzung, sodass die gebrauchte Hardware praktisch genauso gut wie neue Modelle einsetzbar ist“, so Laves. Einzige Abstriche müsse man allerdings gelegentlich hinsichtlich der Optik machen, da gebrauchte Schränke Kratzer im Lack oder kleinere Dellen im Blech aufweisen können.

Für die Anschaffung gebrauchter Geräte sollte man sich generell an professionelle Händler oder Dienstleister wenden. Denn nicht selten kennen seriöse Anbieter die Vorbesitzer bzw. die vorherigen Nutzer der Hardware und wissen um deren Vorzüge oder Schwachstellen Bescheid. „Wichtig ist dabei, dass die Verfügbarkeit von Originalersatzteilen weiterhin sichergestellt werden kann und auch der technische Support für beispielsweise das eingesetzte Betriebssystem noch ausreichend lang erhalten bleibt“, betont Reinhold Aschenbrenner, Supply Chain Manager bei Fujitsu.

Beim Erwerb der gebrauchten Teile sollte man potentielle Schwachstellen im Blick behalten. So könne sich laut Reinhold Aschenbrenner der Akku mobiler Devices als empfindlich erweisen, da dieser einer schnelleren Alterung unterliegt als die übrige Hardware. „Daher ist es beispielsweise bei Notebooks von Vorteil, wenn Akkus nicht fest verbaut sind, sondern einfach – auch vom Nutzer selbst – ausgetauscht werden können“, rät Aschenbrenner. In diesem Zusammenhang verweist Michael Loidl auf vorhandene Qualitätsunterschiede bei gebrauchten Produkten und zählt insbesondere bewegte Teile wie Lüfter und Festplatten sowie Stromversorgungen zu möglichen Schwachstellen.

Endstation Recyclinghof

Sollte sich ausrangierte Hardware definitiv nicht mehr zur weiteren Verwendung oder Vermarktung eignen, heißt es endgültig Abschied nehmen. Dabei sollte IT-Hardware nach Meinung von Christoph Laves immer von Fachbetrieben entsorgt werden, vor allem wegen der Datensicherheitsaspekte, aber auch, um die ordnungsgemäße Entsorgung von giftigen Bestandteilen zu gewährleisten. Generell gilt Hardware im Recycling-Geschäft als „gern gesehene Ware“, da sie häufig wertvolle Edelmetalle wie Gold oder Seltene Erden wie Lanthan oder Yttrium enthält.

Auch Reinhold Aschenbrenner rät dazu, in puncto Ausmusterung von Altgeräten auf einen qualifizierten Entsorgungsfachbetrieb zu setzen. Hier reiche das Angebot häufig von der Löschung per Software mit speziellen dafür freigegebenen Programmen bis zur zertifizierten physikalischen Datenträgervernichtung. „Denn Geräte mit potentiell sensiblen Daten sollten weder in den Sammelcontainer am Recyclinghof geworfen noch auf Verkaufsplattformen im Internet angeboten werden“, unterstreicht Aschenbrenner. Nicht zuletzt verweist Michael Loidl auf Anbieter, die eine BSI-zertifizierte Datenlöschung garantieren können, wobei stets revisionssichere Löschprotokolle mit Zertifikat ausgestellt werden sollten. Entscheidet man sich gegen eine sichere Datenlöschung, dann helfe nur noch die grundlegende mechanische Zerstörung der Datenträger.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok