Komplexe Lizenzmetriken

Software-Lizenzen: Wann wird es wieder einfach?

Was ist dran am Vorwurf, die Software-Hersteller hätten kein Interesse an einer Simplifizierung der Lizenzmetriken? Und kann die Nutzung von Software aus der Cloud zu einer Standardisierung und Simplifizierung der Lizenzmodelle beitragen?

  • Aspera-Geschäfts­führer Olaf Diehl.

    „Problematisch wird es immer dort, wo die Hersteller einer Software die technischen Möglichkeiten des Einsatzes noch nicht in ihren Bestimmungen nachvollzogen haben“, so Aspera-Geschäfts­führer Olaf Diehl.

Gerade virtuelle Umgebungen bergen die Gefahr erheblicher Nachfinanzierungen. „Der Einspareffekt in der Hardware wird dann durch die Software-Kosten mehr als aufgefressen. Je komplexer die Infrastruktur mit unterschiedlichen Playern, desto höher das kaufmännische Risiko“, so auch Jürgen Osang. Vereinfachte Modelle wie Preis per Terrabyte oder Pay-per-Licence gebe es schon seit Jahren, allerdings seltener von den Software-Anbietern als vielmehr von unabhängigen Projektfinanzierern wie CHG-Meridian.

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Häufig wird nicht nur unterschwellig der Vorwurf laut, die Hersteller hätten kein Interesse an einer Simplifizierung der Lizenzmetriken. Und bis zu einem gewissen Grade sind die Anwender ja mitverantwortlich, wenn sie neueste Technologien einführen, ohne Gedanken an die Lizenzierungsproblematik zu verschwenden. „Problematisch wird es immer dort, wo die Hersteller einer Software die technischen Möglichkeiten des Einsatzes noch nicht in ihren Bestimmungen nachvollzogen haben oder eine IT-Organisation die neue Architektur im Sinne der Erhebung und Interpretation von Nutzungsdaten nicht beherrscht.“ Daraus folgt nicht automatisch, so Olaf Diehl von Aspera, dass man eine Lösung verwerfen muss – aber wenigstens ein Workaround und eine Risikoabschätzung müssen sein.

Lösungsvorschlag Cloud

Vielleicht kann ja die Nutzung von Software aus der Cloud zu einer Standardisierung und Simplifizierung der Lizenzmodelle beitragen? Mit dem Trend zu cloud-basierten Services beobachtet man bei Flexera hier momentan ein Umdenken. Immer häufiger komme es nun zu Verträgen mit variablem Preismodell und ermäßigten Gebühren, solange ein Mindestmaß an Nutzung nicht überschritten werde. Prominentestes Beispiel sei das Microsoft Enterprise Agreement, bei dem der Kunde die Cloud-Services von Azure nutzen kann und nur mehr bezahlen muss, wenn die Nutzungsdauer über ein vorher definiertes Limit hinausgeht.

Weniger optimistisch bewertet man die Situation bei Aspera. Cloud-basierende Konzepte erforderten eine Sichtung der bestehenden Verträge und Einsatzszenarien sowie eine dedizierte Entscheidung dahingehend, welche Produkte wo wie betrieben werden und mit welchen Lizenzen aus welchen Verträgen sie lizenziert sind. Verträge können die Übertragung auf Systeme eines Providers erlauben, teilweise muss man diese Option aktivieren – in anderen Fällen hält der Provider die Lizenzen vor. Letztlich also nichts Neues, außer, dass neue Datenquellen und vertragliche Fragen beachtet werden müssten. Neu sei allerdings, dass die Kunden in der Regel keinen Einfluss und auch keine Einsicht in die technischen Plattformen der Cloud-Services haben.

Letztlich lautet die Frage, ob ein Cloud-Provider alle Details zu den Nutzungen überhaupt teilen will. Je nach Art des Cloud-Services ist die Anzahl der Lizenzen für den Zugriff auf eine Applikation wie Salesforce Zweck der Vereinbarung. Hier ist die minimale Anzahl der richtigen Lizenzen die Aufgabe des Lizenzmanagement-Teams. Der Provider hat jedenfalls ein Interesse daran, möglichst viele und teure Lizenzen anzubieten. Dieser Konflikt ist in vielen Fällen im Standard ungelöst und erfordert  individuelle Verhandlungen, welche Daten dem Kunden im Detail zur Verfügung gestellt werden.

Vielleicht ist die Cloud langfristig aber doch das Ende für komplexe Lizenzstreitigkeiten und Audits. Zumindest dann, wenn man die Cloud des jeweiligen Software-Herstellers nutzt. Wenn nicht dort, wo dann sollten alle Lizenzrichtlinien hinterlegt und durch den Lizenzgeber bzw. Service-Provider nachprüfbar sein? „Es kann also eigentlich keine falsche Lizenzierung mehr geben – zumindest sollte das, rational gedacht, so sein. Bis wir aber dort ankommen, wird noch viel Zeit vergehen“, glaubt Bastian Brand von FCS.

Außerdem steht dann nach wie vor die Frage im Raum, wer den Anwendern garantiert, dass in der Cloud alles entsprechend ihrer speziellen Anforderungen lizenziert oder dass das passende Angebot verkauft wurde. Am Ende sind Cloud-Anbieter eben auch nur gewinnorientierte Unternehmen … 

Bildquelle: Thinkstock / iStock

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