Digitalisierung im Mittelstand

Sprung auf den Weltmarkt

Dank digitaler Technologien schaffen deutsche Mittelständler den Sprung auf den Weltmarkt, betont Thomas Spreitzer, Leiter Vertrieb kleinere und mittlere Unternehmen bei der Telekom Deutschland, im Gespräch mit IT-MITTELSTAND. Eine wichtige Rolle spielen dabei aus seiner Sicht nicht nur moderne Webpräsenzen, sondern auch stabile Infrastrukturen und effektive Sicherheitsmaßnahmen.

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    Die Internationalisierung stellt eine große Herausforderung für mittelständische Unternehmen dar. ((Bildquelle: Thinkstock/iStock))

  • Thomas Spreitzer, Telekom Deutschland

    „Die Digitalisierung betrifft mittlerweile jedes Unternehmen – allerdings mit unterschiedlicher Intensität“, betont Thomas Spreitzer, Telekom Deutschland.

ITM: Herr Spreitzer, welche Digitalisierungsprojekte sollten mittelständische IT-Verantwortliche angehen, um sich für die Zukunft optimal aufzustellen?
Thomas Spreitzer: Sehr häufig wird Digitalisierung als reines Technologiethema verstanden. Dies greift jedoch viel zu kurz, vielmehr muss das Thema ganzheitlich betrachtet und umgesetzt werden. Hinsichtlich der digitalen Ausrichtung gibt es generell keine Unterschiede zwischen Unternehmensgrößen.

ITM: Wer steuert Digitalisierungsprojekte?
Spreitzer: Während in Großunternehmen hunderte eigener IT-Mitarbeiter darauf angesetzt werden können, kümmern sich im Mittelstand nur wenige Beschäftigte um solche Projekte. Für größere Projekte greifen Mittelständler daher oft ihre Systemhäuser zurück. Mit dem Bezug von Managed Services oder Cloud-Lösungen lassen sich Personalengpässe in Digitalisierungsprojekten ebenfalls vermeiden.

ITM: Wie geht man Digitalprojekte am besten an?
Spreitzer: Zu Beginn gilt es, zu klären, wer zum Kundenstamm zählt, wen man ansprechen möchte und wie Kundenwünsche erfüllt werden können. Dabei erweisen sich digitale Technologien als Wegbereiter, um begrenzte Zielgruppen zu erweitern und Geschäftsprozesse zu beschleunigen.

Dabei war zuletzt für viele kleine und mittelständische Kunden die Entwicklung einer modernen Webpräsenz der erste Schritt zur Digitalisierung. Hinzu kamen Aktivitäten hinsichtlich der Suchmaschinenoptimierung, der Einbindung sozialer Kanäle oder Aktivitäten in Community-Portalen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Was raten Sie Mittelständlern?
Spreitzer:  Bevor sie neue Softwaresysteme anschaffen, sollten sie sich ihre Stärken vor Augen führen. Desweiteren müssen sie herausfinden, was sich ihre Kunden wünschen. Erst danach sollte die Suche nach den passenden Technologien beginnen. Anschließend sollte ein zügiger Projektstart erfolgen, wobei zunächst intensive Testphasen gefordert sind. Langwierige Analysen hingegen gilt es zu vermeiden. Denn will man alle Eventualitäten ausschließen, vergeudet man zu viel Zeit und verpasst schlimmstenfalls den Anschluss.

ITM: Welche Branchen sind die Vorreiter in Sachen Digitalisierung?
Spreitzer: In jeder Branche gibt es erfolgreiche Digitalisierungsprojekte. Ein Beispiel ist die Firma Rastal, die Trinkgläser insbesondere für die Gastronomie herstellt. Seit kurzem übermitteln eigens entwickelte „smarte Gläser“ mit integriertem und kodiertem Chip direkt an die Theke, welche Getränke gerade besonders gefragt sind.

Überdies wurde unser Partner Cumulocity in das Projekt einbezogen. Dieser ist auf die Datenakkumulation und Big-Data-Analysen spezialisiert. In Verbindung mit den smarten Trinkgläsern können so Verknüpfungen hergestellt werden, etwa bei welcher Musik der Bierkonsum steigt oder welche Beleuchtung für die optimale Trink-atmosphäre sorgt.

ITM: Mit welchen weiteren Angeboten unterstützen Sie Kunden bei der Digitalisierung?
Spreitzer: Wir bieten – unseren Wurzeln entsprechend – zahlreiche Kommunikationslösungen. Hinzukommen Technologien für agile Arbeitsplätze und für die Realisierung der Applikationsebene. Diese Komponenten benötigen in der Regel alle Digitalisierungsprojekte. Denn ganz gleich, ob man Daten mit seinen Partnern austauscht oder in die Cloud transferiert – die darunterliegende Infrastruktur und die Konnektivität müssen sicher und unterbrechungsfrei funktionieren.

ITM: Was ist hinsichtlich des Datenmanagements entscheidend?
Spreitzer: Die Kunden benötigen IT-Infrastrukturen, auf deren Basis sich sämtliche Daten verarbeiten lassen. Darüber hinaus müssen die Daten auf jedem Endgerät sichtbar sein – und zwar mit demselben Formfaktor. Denn entscheidend zum Erfolg von Digitalisierungsprojekten tragen die Endanwender bei, die täglich mit den Geschäftsapplikationen arbeiten müssen.

Da wir sämtliche Anforderungen an die IT nicht für alle Branchen in gleicher Qualität liefern können, legen wir großen Wert auf unser Partnerökosystem.

ITM: Bei der Digitalisierung ist nicht alles Gold, was glänzt. So entstehen durch die Vernetzung sämtlicher Lebens- und Geschäftsbereiche zahlreiche neue Sicherheitsrisiken. Wie können sich die Kunden gegen Cyberattacken und IT-Ausfälle am besten wappnen?
Spreitzer: Prinzipiell sollten sie bei kritischen Geschäftsprozessen eine Offline-Funktionalität garantieren. So funktionieren beispielsweise die POS-Kassensysteme unseres Partners Enfore auch dann noch, wenn die Filialen nicht mehr mit dem Internet verbunden sind. Sobald die Systeme wieder online sind, werden die Daten automatisch synchronisiert. In diesem Zusammenhang raten wir unseren Kunden dazu, für kritische Fälle keinen reinen Cloud-Ansatz zu fahren, sondern einen hybriden Ansatz zu bevorzugen.

Generell spielt Cybersicherheit in den Unternehmen eine immer größere Rolle, wobei viele Mittelständler Attacken auf das Firmennetz gar nicht mitbekommen. Ein aktuelle Studie etwa besagt, dass sich durchschnittliche Hacker 220 Tage frei im Netzwerk bewegen, bevor ihnen die Sicherheitsverantwortlichen auf die Schliche kommen.

ITM: Wie stellen Sie sich hinsichtlich dieser Bedrohungsszenarien auf?
Spreitzer: Mit einer großen Sicherheitssparte. Insbesondere für mittelständische Unternehmen bieten wir Managed Security Services an, darunter den Betrieb und die Verwaltung von Firewalls und Antivirenlösungen. Allein damit können bereits einfache Attacken ausgeschlossen werden.

Weltweit beschäftigen wir viele ausgewiesene Security-Spezialisten. Aufgrund der bei unseren Kunden ermittelten Vorfälle und den Informationen von unseren weltweit betriebenen „Honeypots“ können wir neue Cyberbedrohungen unmittelbar erkennen und darauf reagieren. Mittels Intrusion Detection lässt sich dabei genau nachvollziehen, wie die Cyberkriminellen gerade agieren und was sie ausprobieren.

ITM: Neben der IT-Sicherheit sind schnelle Internetverbindungen der Verbreitung digitaler Technologien förderlich. Welche Rolle wird hier künftig der neue Mobilfunkstandard 5G spielen?
Spreitzer: Insbesondere im Mittelstand werden der Breitbandausbau und die damit verbundenen schnellen Internetverbindungen eine wichtige Rolle spielen. Dabei müssen es gar keine 5G- oder Glasfaserverbindungen sein, vielmehr können auch Kupferleitungen oder Vectoring eine ausreichende Breitbandversorgung sicherstellen. Nicht selten reichen Mittelständlern bereits Übertragungsraten von 100 oder 250 Mbit/s aus.

Größere Herausforderungen gilt es hingegen beim Autonomen Fahren oder bei der Realtime-Traffic-Steuerung zu meistern. Hier müssen große Datenmengen unmittelbar vor Ort verarbeitet werden, weshalb die großflächige Verbreitung von 5G enorm wichtig ist.

ITM: Welche Rolle spielt die Telekom im Rahmen des Breitbandausbau?
Spreitzer: Allein in diesem Jahr haben wir mehr als fünf Milliarden Euro in unsere Infrastruktur gesteckt und im nächsten Jahr werden es annähernd sechs Milliarden Euro sein.

Im Rahmen dessen haben wir in diesem Sommer ein Projekt in der Region Stuttgart gestartet. Dabei bauen und betreiben wir das Netz der Zukunft und investieren bis zu 1,1 Milliarden Euro. Gleichzeitig will die Region selbst eigene Leistungen im Wert von bis zu 500 Millionen Euro für den privatwirtschaftlichen Ausbau zur Verfügung stellen.

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