IT im Mittelstand

Starker CIO und schlagkräftige IT-Abteilung

IT-MITTELSTAND befragt die Verantwortlichen der großen IT-Anbieter. Diesmal im Gespräch mit Matthias Moeller, CEO der Arvato Systems Group.

Matthias Moeller

Matthias Moeller, CEO der Arvato Systems Group favorisiert eine individuell zugeschnittene IT-Strategie, die ein starker, gut positionierter CIO mit einer schlagkräftigen IT-Abteilung unbedingt verfolgt.

Unter Mittelstand verstehe ich ...

... in erster Linie kleine und mittelgroße Unternehmen. In Deutschland sind dem Mittelstand aber auch große Firmen und mittelgroße Konzerne zuzurechnen. Das Spektrum ist hierzulande besonders groß – von Familienbetrieben mit langer Tradition über Unternehmen, die in ihrem Marktsegment weltweit führend sind, bis hin zu Konzernen mit Weltrang. Was alle Mittelständler vereint, ist ihre spezifische Gesellschafterstruktur. Anders als Aktiengesellschaften sind sie in Familienhand, eigentümergeführt oder einer Stiftung zugehörig. Und sie haben sich ihre Marktposition in der Regel hart erarbeitet, teilweise über mehrere Generationen hinweg.

Der Mittelstand hebt sich von Großkonzernen dadurch ab, dass ...

... die Unternehmen anders aufgestellt und organisiert sind. Vielerorts sind die Strukturen sehr flach und die Entscheidungswege entsprechend kurz. Das erlaubt Mittelständlern, auf Veränderungen flexibel und vor allem schnell zu reagieren. Mit ihren weltweit führenden Produkten und Services adressieren sie eine ganz bestimmte Kundenklientel und können sich daher auf einzelne Themen fokussieren. Das macht sie zu ausgewiesenen Experten in ihrem Bereich. Daneben gibt es eine weitere Erfolgskomponente: Mittelständische Firmen punkten mit ihrer Markt- und Kundennähe. Aufgrund der Verbundenheit mit ihrer Zielgruppe können sie Angebote und Dienstleistungen entwickeln, die den Anforderungen ihrer Kunden perfekt entsprechen.

Um als IT-Spezialist im Mittelstand Erfolg zu haben, ...

... bedarf es guter Kundenbeziehungen und eines optimalen Marktverständnisses. IT-Dienstleister sind gefordert, sich auf die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Kunden einzustellen und ihnen als Partner auf Augenhöhe zu begegnen. Die Zusammenarbeit sollte von Pragmatismus, Flexibilität und Agilität geprägt sein. Wichtig ist, die Prozesse des Mittelständlers zu verstehen, sich in seine Lage zu versetzen und aus dieser Position heraus Lösungen zu entwickeln, die seinen individuellen Bedarf kompromisslos abbilden. Zudem legen Mittelständler großen Wert auf Kontinuität: Sie  schätzen eine langfristig stabile, vertrauensvolle und kalkulierbare Zusammenarbeit.

Was die IT anbelangt, ist der Mittelstand ...

... hinsichtlich spezifischer Fragestellungen und Themen sehr gut aufgestellt. Es gibt optimale Lösungen für einen bestimmten Bedarf, die in die IT-Landschaft integriert sind und die Effizienz in diesem Bereich deutlich erhöhen. Allerdings geht diese Teilspezifizierung häufig zulasten einer IT-Roadmap, die viele Mittelständler nicht haben. Der Fokus auf spezifische Einzellösungen ist durchaus verständlich, wenn man Mittelständler als erfolgreiche Nischenanbieter betrachtet. Doch: Andere Prozesse, die man mittels Software optimieren könnte, finden keine Beachtung. Weil viele Daten und Systeme zumeist nicht in die IT-Systemlandschaft integriert sind, haben Mittelständler Schwierigkeiten damit, verschiedenste Aufgaben software-seitig zu unterstützen. Das kann zu einem ernsthaften Problem werden: Die digitale Transformation nimmt auf den deutschen Mittelstand keine Rücksicht, was technologische Innovationen und die Schnelligkeit ihrer Umsetzung betrifft. Haben Unternehmen zu wenig Know-how und Personal, um neue Software zu adaptieren und zu nutzen – was häufig der Fall ist –, können sie den Anschluss an die womöglich fortschrittlichere Konkurrenz verlieren.

Die typischen IT-Probleme des Mittelstands sind ...

... so verschieden wie die Unternehmen. Die IT-Strukturen sind in der Regel über viele Jahre gewachsen und entsprechend komplex. Hinzu kommt der Fokus auf lokal optimierte Einzellösungen. In solchen Fällen besteht großer Modernisierungsbedarf. Doch die nötige Optimierung ist aufgrund der siloartigen IT-Architektur und der fehlenden Gesamt-Roadmap häufig eine große Herausforderung. Daneben haben etliche Mittelständler Schwierigkeiten damit, alle Entwicklungen im Blick zu behalten bzw. die mannigfaltigen technologischen Möglichkeiten zu überwachen und zu orchestrieren. Und dann wäre da noch der Fachkräftemangel. Im Kampf um die besten Talente haben Mittelständler nicht selten das Nachsehen gegenüber internationalen Big Playern, die für den IT-Nachwuchs attraktiver sind.

Als Lösung für diese Probleme favorisiere ich ...

... eine individuell zugeschnittene IT-Strategie, die ein starker, gut positionierter CIO mit einer schlagkräftigen IT-Abteilung unbedingt verfolgt. Aber auch wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, geht es in den meisten Unternehmen nicht ohne die Unterstützung eines professionellen IT-Dienstleisters. Wichtig ist, dass sich Dienstleister und mittelständisches Unternehmen in Bezug auf ihre Größe und Struktur ähneln. Zudem sollte der IT-Spezialist über die nötigen Ressourcen, die geforderten Skills und die entsprechende Expertise verfügen, um Projekte zielgerichtet durchführen zu können.

Handlungsbedarf auf IT-Seite im Mittelstand sehe ich ...

... vor allem bei der Modernisierung veralteter IT-Strukturen. Um künftig erfolgreich zu sein, muss auch der Mittelstand die Strukturen für eine bimodale IT der zwei Geschwindigkeiten schaffen. Das kann nur mit einem Multi-Cloud-Ansatz gelingen. Die Entscheidung, welche Lösungen man in der sicheren Private Cloud eines deutschen Anbieters betreibt und welche man in die Public Clouds internationaler Anbieter wie Amazon Web Services, Microsoft Azure oder Google Cloud Platform auslagert, ist keine leichte.

Bildquelle: Arvato Systems Group

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