Bund begünstigt IT-Unternehmen ab 2020

Steuerrückzahlung für Entwicklungsprojekte

Für Software-Unternehmen ist es bisher schwierig, Fördermittel für ihre Forschungs- und Entwicklungsprojekte (FuE) von EU, Bund oder Land zu bekommen. Der Grund: Die Gutachter erkennen meist keine technischen Risiken in der Entwicklung und lehnen die Zuschussanträge ab.

Forscher diskutieren ein Modell

Für Personalausgaben im F&E-Bereich können auch IT-Unternehmen demnächst Steuerrückzahlungen geltend machen.

Nun bekommt die IT-Branche eine neue Möglichkeit, um ihre innovativen Projekte zu fördern. Denn ab kommendem Jahr können Unternehmen Ausgaben für Forschungs- und Entwicklungspersonal (FuE) rückwirkend steuerlich geltend machen. Die steuerliche Zulage muss zwar ebenfalls beantragt werden, allerdings werden die Anforderungen vermutlich geringer sein.

Ein immenser Vorteil gegenüber der klassischen Projektförderung ist, dass innovative Projekte sofort begonnen werden können. Bei der bisher üblichen Förderung dagegen müssen Betriebe zunächst einen sehr umfangreichen Antrag stellen und mit dem Projektstart bis zur Bewilligung der Gelder warten. Das kann sich über Monate hinziehen und steht den schneller werdenden Entwicklungszyklen der Wirtschaft und agiler Projektarbeit entgegen.

Nachteil des sogenannten Forschungszulagengesetzes, das der Bundestag Anfang November verabschiedete: Der Bund fördert nur die Personalkosten plus einen Aufschlag von 20 Prozent für die Lohnnebenkosten sowie Auftragsentwicklungen, nicht aber Material, Reisekosten oder Geräte. Wesentlich ist, dass sich die IT-Unternehmen pro Projekt entscheiden müssen, ob sie auf die klassische Projektförderung setzen oder die steuerliche Förderung. Deshalb rät Michael Zahm, Geschäftsführer von Partner für Innovation und Förderung (PFIF) kleineren und mittleren Unternehmen zu prüfen, welche Förderung sie nutzen können, denn eine Doppelförderung für ein FuE-Projekt ist ausgeschlossen. Seine Tipps:

  • Die steuerliche Förderung ersetzt nicht die Projektförderung
    Denn bei letzterer können Unternehmen deutlich höhere Zuschussquoten von bis zu 60 Prozent beantragen und weitere Kostenblöcke ansetzen. Deshalb ist eine höhere Förderung möglich, auch wenn diese Mittel der Versteuerung als außergewöhnlicher Ertrag unterliegen und deshalb nachträglich deutlich reduziert werden. Für Software-Unternehmen bedeutet das, vor Projektstart zunächst zu prüfen, ob ein lukrativerer Zuschuss beantragt werden kann. Falls das nicht möglich oder sinnvoll ist, können sie die Steuerzulage nutzen. 
  • Die steuerliche Zulage muss ebenfalls beantragt werden
    Die Anforderungen werden allerdings gegenüber der klassischen Projektförderung weniger bürokratisch sein. Auch wird der Innovationsanspruch vermutlich geringer sein, als für die Projektförderung. Als Faustformel könnte sich erweisen, dass sich ab vier Personen in der Forschung und Entwicklung der bürokratische Aufwand für Antrag und Nachweis finanziell lohnt, vermutet Zahm.
  • Software optimieren reicht nicht
    Trotz niedrigeren Anforderungen muss das Vorhaben grundsätzlich der Grundlagenforschung, der angewandten Forschung oder der experimentellen Entwicklung dienen, sagt der Förder-Versteher aus Lahr bei Freiburg. Es reicht voraussichtlich keine Optimierung bereits bestehender Software.
  • Die steuerliche Zulage kommt rückwirkend
    Größter Unterschied der beiden Fördervarianten ist, dass die steuerliche Förderung erst rückwirkend nach Abschluss des Geschäftsjahres der Firma beantragt werden kann. Der Entwickler von Software muss die Projektkosten für das Finanzamt nachvollziehbar dokumentieren und von anderen Projekten abgrenzen können, sagt Zahm und empfiehlt Unternehmen, ab Anfang kommenden Jahres, sämtliche Stunden des Personals inklusive der Führungskräfte bis zum Geschäftsführer für laufende FuE-Projekte zu dokumentieren.

Bildquelle: Getty Images/iStock

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