Digitale Transformation in der Pharmabranche

Strategien für die Zukunft

Immer mehr Unternehmen beschäftigen sich zwar mit der Digitalen Transformation, doch nicht alle setzen sie aktiv um. Anders beim deutschen Biotechnologie-Unternehmen Richter-Helm Biologics. Hier wurden gemeinsam mit externen Unterstützung entscheidende Weichen gestellt.

Blick ins Labor von Richter-Helm Biologics

Die Hightech-Fima Richter-Helm Biologics konnte Digitalisierungspotentiale identifizieren und eine digitale Kultur entwickeln.

In der Pharmabranche dauert die Entwicklung eines neuen Produkts aufgrund der notwendigen Forschungs- und Testprozesse meist mehrere Jahre. Trotzdem spürt auch sie einen wachsenden Zeitdruck. Dies liegt an den steigenden Anforderungen der Kunden – sowohl bei der Analyse und Bereitstellung von Daten als auch bei der Herstellung. Zudem verändern sich die Rahmenbedingungen und das Marktumfeld durch die Digitalisierung.

Vor zwölf Jahren als Joint Venture aus Vorgängerfirmen hervorgegangen, ist das mittelständische Unternehmen Richter-Helm Biologics GmbH & Co. KG (RHB) mit Hauptsitz in Hamburg seitdem stark gewachsen. Im Laufe der Zeit schaffte die Hightech-Firma immer mehr IT-Systeme an, wobei verschiedene Fachbereiche oft parallel gleiche oder ähnliche Lösungen kauften. Die Verantwortlichen wollten die Systeme konsolidieren sowie gleichzeitig Digitalisierungspotentiale identifizieren und eine digitale Kultur entwickeln. Dazu erstellte das Unternehmen eine Digitalisierungsstrategie. Diese führte zu einer zentralen Datenhaltung und verbesserte letztlich die Datennutzung und Arbeitsprozesse.

Da das hierfür nötige Know-how in den Bereichen Strategieentwicklung sowie Digitalisierungs- und Projektmanagement fehlte, band RHB für die Leitung des Gesamtprojekts den externen Dienstleister Campana & Schott ein. „Der Partner überzeugte uns durch detailliertes Wissen zu Digitalisierung, ein breites Portfolio und die professionelle Herangehensweise“, erklärt Christian Dürr, Bereichsleiter Finanzen, Administration und IT bei RHB. „Die Berater haben sich schnell in unsere Branche und Prozesse eingearbeitet und mit ihrer fachlichen Expertise zu IT-Systemen, Daten- und Projektmanagement verknüpft.“

Schritt für Schritt zur Digitalisierung

Bei einem so umfassenden Projekt wie dem Entwickeln und Umsetzen einer Digitalisierungsstrategie mussten die Beteiligten schrittweise vorgehen. So wurden zuerst die aktuellen Prozesse ermittelt und bewertet. Dies umfasste die Identifizierung der aktuellen IT-Landschaft – inklusive Systeme, Anwendungen und Technologien – sowie der vorliegenden Strukturen, Governance und strategischen Leitlinien. Aber auch die digitale Entwicklung der Marktbegleiter wurde betrachtet und erste Ideen zur Optimierung des Produktionsprozesses entwickelt.

Aus dieser Statusanalyse leiteten die Beteiligten eine optimale IT-Landschaft, die Soll-Excellence-Prozesse, zu entwickelnde Rollen und Strukturen sowie Digitalisierungspotentiale ab. Daraus sollte sich im dritten Schritt ein Regelwerk ergeben, damit auch in Zukunft die IT-Landschaft effizient bleibt. Um dies zu realisieren, wurden eine Roadmap, ein Maßnahmenkatalog und Umsetzungsempfehlungen entwickelt. Dies erfolgte alles agil, gemeinsam mit dem Kunden sowie nah an den individuellen Unternehmens- und Prozessgegebenheiten. Zum Beispiel dienten Workshops mit den verschiedenen Abteilungen bei RHB zur Erfassung der aktuellen Geschäftsprozesse. Es wurde eine BPMN-konforme (Business Process Model and Notation) Prozessdokumentation durchgeführt und diese digital umgesetzt. Auf dieser Basis entwickelten die Projektpartner digitale Soll-Prozesse, um Optimierungspotentiale aufzuzeigen.

Damit der Pharmaspezialist diese Optimierungspotentiale in Zukunft eigenständig realisieren kann, wurde ein Rollen- und Organisationskonzept entwickelt. Dieses sollte für die langfristige und nachhaltige Etablierung digitaler Themen bei RHB sorgen. Dies umfasste etwa eine neue Stelle für einen Projektleiter Digitalisierung, der gemeinsam mit den Leitern für IT, Prozess- und Datenmanagement den Wandel vorantreibt.

Nachhaltige Veränderungen

„Mit unserer neuen Digitalisierungsstrategie werden wir von zahlreichen Vorteilen profitieren“, sagt Christian Dürr. „Wir arbeiten viel effizienter, haben weniger Administrationsaufwand durch die Konsolidierung von Systemen und können unseren Kunden mithilfe der zentralen Datenhaltung schneller bessere Auswertungen liefern. Dazu beginnen unsere Mitarbeiter nun die digitale Brille aufzusetzen und fragen etwa: Welcher Prozess kann digital abgebildet werden? Welche Lösung ist für alle Abteilungen und Standorte die beste?“

Dieser Kulturwandel ist eine wichtige Folge der Workshops und der daraus abgeleiteten Digitalisierungsstrategie. Der Wandel wird auch durch ein umfassendes Change-Management unterstützt. Zudem ist RHB nun für neue Themen wie die Automatisierung von Produktions- und Verwaltungsprozessen oder Predictive Maintenance bereit. Zum Beispiel ist bei vielen Qualitätsprozessen die Dokumentation noch papierbasiert. Dies liegt an den zahlreichen Compliance-Vorschriften der Pharmabranche und historisch gewachsenen Prozessen. Die Vorgänge sollen nun durch digitale Workflows ersetzt werden, die eine große Zeitersparnis bringen. Schließlich ist rund die Hälfte der Belegschaft in Qualitätsprozesse involviert. Dabei darf aber die hohe Qualität der Abläufe nicht beeinträchtigt werden, um Compliance und Auditierungen nicht zu gefährden.

Die Richter-Helm Biologics GmbH & Co. KG (RHB)

Branche: Biotechnologie/Pharma
Geschäftsfeld: u. a. Entwickler und Hersteller mikrobieller biopharmazeutischer Wirkstoffe (rekombinante Proteine, Plasmid-DNA, Antikörper und Vakzine)
Gründung: 2007
Hauptsitz: Hamburg
Mitarbeiter: 205 Mitarbeiter an drei Standorten

Bildquelle: Richter-Helm-Biologics

 

 

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