Rundum-Sorglos-Pakete

Systemhäuser werden zum Cloud-Provider

Der Systemhausmarkt ist im Wandel, denn die Kunden verändern sich. Sie setzen vermehrt auf Cloud-Services und verabschieden sich von On-Premise-Lösungen. Systemhäuser sollten sich dieser Tatsache anpassen, wenn sie nicht auf der Strecke bleiben wollen.

Wolken und blauer Himmel

Viele Unternehmen setzen bereits auf ERP-/MES-Lösungen aus der Cloud.

Immer mehr IT-Services werden an Cloud-Provider abgegeben. Neben einfachen Büroanwendungen wandert insbesondere Software, die Marketing-, Sales- und Support-Abteilungen nutzen, in die Cloud. Viele Unternehmen setzen sogar bereits auf ERP-/MES-Lösungen aus der Cloud und reduzieren Schritt für Schritt ihre unternehmenseigenen Rechenzentren. Die aktuellen Zahlen des IT-Branchenverbandes Bitkom zeigen, wie schnell sich dieser Wandel vollzieht: Gut zwei Drittel aller Unternehmen nutzen Cloud Computing schon heute extensiv, ein weiteres Fünftel plant den Einsatz in absehbarer Zeit.

Dieser sich weiter verstärkende Trend, IT-Services an Cloud-Provider auszulagern, verändert zwangsläufig auch die Geschäftsaktivitäten von Systemhäusern. Sie müssen auf diese Entwicklung reagieren, wenn sie weiter erfolgreich am Markt agieren wollen. Eine Möglichkeit dafür wäre es, verstärkt Managed Services anzubieten und sich zu einem modernen Service-Provider fortzuentwickeln. Unternehmen fragen diese Art von Dienstleistung verstärkt nach, da im Zuge der „Cloudifizierung“ der Business-IT ein Schrumpfungsprozess der IT-Organisationen eingesetzt hat. Es ist in vielen Fällen ineffizient, bestimmte Aufgaben mit der eigenen IT selbst zu erledigen. Das Systemhaus als Managed Service Provider (MSP) kann also nun beispielsweise Rundum-Sorglos-Pakete aus bereitgestellter Cloud-Infrastruktur, Netz-Services, Storage, Anwendungen und IT-Security anbieten.

Damit agiert das Systemhaus bei einer Infrastrukturlösung in der Public Cloud als Fullservice-Dienstleister für seinen Kunden. Seine Mitarbeiter administrieren die Cloud-Services, kümmern sich um die Authentifizierung der Benutzer, unterstützen in der Nutzung und vieles mehr. Es entsteht eine Dreiecksbeziehung aus Kunde, Systemhaus und Cloud-Anbieter. Das wiederum birgt für Systemhäuser die Gefahr der Aufweichung der eigenen Marke, denn das Systemhaus erscheint aus Kundensicht nur noch als Handlanger des großen Cloud-Providers, ohne dem Endkunden zusätzlichen Nutzen zu bieten.

Virtuelle Rechenzentren

Um die eigene Arbeit und den damit verbundenen Mehrwert sichtbar zu machen, können Systemhäuser aber auch selbst als Cloud-Service-Provider auftreten und dabei ihre eigene Marke nutzen. Unter anderem dafür haben alle großen Cloud-Anbieter eigene Programme für Vertriebspartner aufgesetzt. Sie eignen sich aber lange nicht für jedes Systemhaus. Erforderlich sind oftmals aufwändige Schulungen und Zertifizierungen der Mitarbeiter sowie meistens auch ein Mindestumsatz, was wiederum ein finanzielles Risiko mit sich bringt. Zudem droht ein Vendor-Lock-in, wenn die Infrastruktur der eigenen Kunden zu stark an proprietäre Features des Providers angepasst wird.

Lösungen, bei der Systemhäuser und Reseller ihre Markenidentität bewahren und zugleich finanzielle Sicherheit genießen, sind virtuelle Rechenzentren in der Public Cloud. Diese ähneln einem traditionellen Data Center, bieten jedoch zahlreiche hochautomatisierte Features, die Systemhäuser bei der Administration unterstützen. Zudem lassen sich alle Infrastrukturressourcen problemlos in beide Richtungen skalieren.

Die Partnerlösung von Gridscale beispielsweise adressiert die Herausforderungen für Systemhäuser, indem sie ihnen die Möglichkeit bietet, selbst zum Cloud-Provider mit eigener Marke zu werden (White-Labeling) oder die Public-Cloud-Infrastruktur ihren Kunden zur Verfügung zu stellen (Grey-Labeling). Die Grey-Label-Lösung besteht gewöhnlich aus einer Subdomain für den jeweiligen Reseller und einer standardisierten Benutzeroberfläche. Das Design der White-Label-Lösung dagegen kann angepasst werden. So können Systemhäuser sie flexibel an ihre Corporate Identity anpassen. Der Endkunde, der die Cloud-Services bucht, sieht eine eigene Admin-Oberfläche des Systemhauses. Wie die großen Provider bietet es ihm einen individuellen, nutzungsbasiert abgerechneten Cloud-Service. Die Identität des Systemhauses ist zu jeder Zeit sichtbar, das Partner-Panel ist über eine eigene Subdomain des Partners erreichbar.

Ein gutes Beispiel dafür ist ein Basisdienst Website-Hosting. Er enthält ein leistungsfähiges Load-Balancing der Server-Last. Falls notwendig, kann auch die Anzahl der Prozessoren und der verfügbare Speicherplatz innerhalb von Sekunden vergrößert oder über die Autoscaling-Funktionen automatisch angepasst werden. Für die Verwaltung ist der Aufwand dabei dank der starken Automatisierung und der einfach zu bedienenden Klickoberflächen sehr gering.

Man könnte das entstehende Geschäftsmodell als „Data Center as a Managed Service“ beschreiben. Systemhäuser erreichen bei der Weitervermarktung nun auch kleinere und mittelgroße Unternehmen ohne großes IT-Know-how. So erhalten Systemhäuser im Wandel die Chance, ihren Markt nicht nur zu halten, sondern auch zu erweitern.

Bildquelle: Gridscale / Shutterstock

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