Nicht nur Aufgabe der HR-Abteilung

Transparenz durch Talentmanagement

Im Interview betont Christian Grimm, Regional Sales Director Central & Eastern Europe bei Lumesse, dass das gesamte Unternehmen mitarbeiterzentriert denken und aufgestellt sein sollte. Dann werde Talentmanagement nicht allein die Aufgabe der HR-Abteilung sein.

Christian Grimm, Lumesse

„Es ist wichtig, dass Verantwortliche ihre Talente im Unternehmen kennen“, so Christian Grimm, Regional Sales Director Central & Eastern Europe bei Lumesse.

ITM: Ob Personal-Management-Software, Recruiting-Lösungen oder Bewerbermanagement – HR-Anbieter werben mit den unterschiedlichsten Lösungen. Herr Grimm, wie lässt sich an dieser Stelle das Thema „Talentmanagement“ einordnen? Was verbirgt sich konkret dahinter?
Christian Grimm:
Unter Talenten verstehen wir Menschen mit bestimmten Fähigkeiten und Eigenschaften, die für die Anforderungen in einem speziellen Bereich eines Unternehmens besonders geeignet sind. Dabei kann es sich um bestimmte intellektuelle, emotionale oder konstitutionelle Potentiale, Leistungen oder Erfahrungen handeln. Talent-Management-Lösungen vereinfachen effektiv und wirtschaftlich komplexe HR-Prozesse. Ein ganzheitlicher Talent-Management-Ansatz setzt sich aus unterschiedlichsten Instrumenten der Personalarbeit zusammen und wirkt als ein durchgängiges System. Talent-Management-Software hilft Unternehmen, die besten Kandidaten für sich zu gewinnen. Dazu gehört interne und externe Kandidaten zu identifizieren, Rollen und Funktionen bestmöglich zu besetzen, geeignete Mitarbeiter zu fördern, weiterzuentwickeln sowie an das Unternehmen zu binden. Die Lösung sollte dabei auf die speziellen Anforderungen des Unternehmens angepasst und die HR-Prozesse über die gesamte Organisation abgebildet werden können.

ITM: Welche Rolle spielt das Thema „Talentmanagement“ aktuell im Mittelstand?
Grimm:
Das Thema ist seit einigen Jahren auch im Mittelstand angekommen und wird stark diskutiert. Viele Unternehmen haben erkannt, dass sie im Kampf um die besten Mitarbeiter Gas geben müssen und setzen bereits unterschiedliche HR-Lösungen ein. Wir erhalten zahlreiche Anfragen von mittelständischen Unternehmen – Tendenz steigend. Diese haben erkannt, dass sie eine langfristige Mitarbeiterplanung über das gesamte Unternehmen hinweg betreiben müssen, um zukünftig im Wettbewerb mithalten zu können. Dabei führt der Weg weg von einzelnen Insellösungen hin zu einer unternehmensübergreifenden Software, die verschiedene HR-Prozesse für unterschiedliche Zielgruppen im gesamten Unternehmen abbildet.

ITM: Inwieweit kann Software helfen, die richtigen Talente/Mitarbeiter für eine zu besetzende Stelle zu finden?
Grimm:
Die Schlüsselwörter hierfür heißen Sichtbarkeit und Transparenz. Es ist wichtig, dass Verantwortliche ihre Talente im Unternehmen kennen. Das ist oftmals aber nicht der Fall. Eine übergreifende Talent-Management-Lösung trägt dazu bei, dass diese Sichtbarkeit und Transparenz gegeben ist. Sie gleicht aktuelle und zukünftige Jobanforderungen mit den Talenten ab. So können Personalverantwortliche erkennen, welche Profile zukünftig benötigt werden, welche Profile im Unternehmen bereits vorhanden sind und entsprechend auf zukünftige Positionen weiterentwickelt werden können.

ITM: Wichtig ist es nicht nur, Talente zu finden, sondern auch langfristig zu binden. Wie gestalten sich die modernen Methoden und Maßnahmen der Mitarbeiterbindung?
Grimm:
Mitarbeiterbindung und Fluktuation sind entscheidende Faktoren, die Unternehmen wirtschaftlich unter Druck setzen. Eine aktuelle Studie von Jobvite „Job Seeker Nation Study“ besagt, dass ca. 45 Prozent aller Berufstätigen passiv permanent auf der Suche nach neuen beruflichen Herausforderungen sind, obwohl sie mit ihrer aktuellen Stelle zufrieden sind. Dementsprechend wichtig ist es, Talente im Unternehmen zu identifizieren, ihnen einen klaren Entwicklungsweg aufzuzeigen und diesen umzusetzen. So können monetäre und qualitative Entwicklungsmaßnahmen sowie eine Mitarbeiterbindung sichergestellt werden.

ITM: Inwieweit greifen Talent-Management-Lösungen in das Thema „Personalförderung/-weiterbildung“ ein?
Grimm:
In der Vergangenheit wurden diese Themen oftmals isoliert voneinander betrachtet. Talentmanagement fokussierte sich auf Führungskräfte. Das hat sich geändert! Bei der Mehrzahl unserer Kunden umfasst Talentmanagement jetzt auch den Bereich „Fachkräfte“. Daher müssen hier Trainingsmanagement sowie E-Learning eng mit dem Talentmanagement verknüpft werden. Wenn es um die Entwicklungsmaßnahmen geht, kann nicht mehr das Gießkannenprinzip zum Einsatz kommen. Schulungen müssen gezielt auf die speziellen Anforderungen des Unternehmens und des einzelnen Mitarbeiters zugeschnitten sein.

ITM: Wie könnte sich das Talentmanagement der Zukunft gestalten?
Grimm:
Wichtig ist, dass jeder Mitarbeiter als ein Talent gesehen wird, und dass das gesamte Unternehmen mitarbeiterzentriert denkt und aufgestellt ist. Dann wird Talentmanagement nicht allein die Aufgabe der HR-Abteilung sein. Verantwortliche, die das erkannt haben, wissen auch, dass Talentmanagement einen wesentlichen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Unternehmens hat. Desweiteren ist es wichtig, die Vision des gesamten Unternehmens zu unterstützen. Wie will es in fünf Jahren aufgestellt sein, wenn sich der Markt, die Anforderungen an den Markt und die Fähigkeiten verändern.

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