Interview mit Klaus Hufnagel und Werner Habryka, Active-Logistics

„Transportmanagement aus einem Guss!“

Im Gespräch mit den beiden Active-Logistics-Geschäftsführern Klaus Hufnagel (Sprecher) und Werner Habryka

Klaus Hufnagel und Werner Habryka, Active-Logistics

Klaus Hufnagel und Werner Habryka, Active-Logistics

Die Logistikbranche hat sich von der Krise erholt – der Trend im weltweiten Güterverkehr zeigt klar nach oben. Nicht nur die zuletzt arg gebeutelten Nutzfahrzeughersteller verspüren Aufwind, sondern auch die maritime Logistik sowie auf Speditionen, Reedereien und Fluglinien spezialisierte IT-Dienstleister. Mehr denn je gefragt sind heute IT-Systeme, die den globalen, intermodalen Warenfluss auf Straße, Schiene, Wasser und in der Luft abbilden, um durch intelligente Planung und Automation die Stückkosten für Transport und Lagerung zu senken.

Um die Transportkosten pro Stück zu ermitteln, kalkulieren viele Unternehmen natürlich die Kosten für Personal, Fahrzeuge und Kraftstoff sowie Posten für Wartung und Instandhaltung der Flotte. Auch Mautgebühren, Transitkosten und Versicherungsprämien werden hinzuaddiert.

Nicht immer wird daran gedacht, dass für Verwaltung und Stellplätze der Fahrzeuge ebenso Kosten anfallen wie etwa durch Zinsen für laufende Kredite zur Finanzierung der Fixkosten. Andere Kostentreiber, wie eine suboptimale Disposition bzw. Touren- und Einsatzplanung von LKW und Fahrern, werden allzu oft noch vernachlässigt. Unnötige Kosten entstehen ebenfalls, wenn bei Lieferspitzen oder bei Krankheit eines Mitarbeiters Laderaum hinzugekauft werden muss. Durch Outsourcing an Logistikdienstleister lassen sich solche Kosten eliminieren, denn diese Provider setzen spezielle Tourenplanungssoftware ein, um die Zahl der benötigten LKW spürbar zu reduzieren, erklären die beiden Active-Logistics-Geschäftsführer Klaus Hufnagel und Werner Habryka.

ITM: Die Autobahn gilt als Deutschlands größtes Lager. Welche Rolle spielt heute das Transportmanagement in modernen Logistiklösungen – auch im Vergleich zum Bestands- und Lagermanagement?
Werner Habryka:
Im Transportmanagement können die Speditionen heute Geld verdienen oder auch verlieren, während die Prozesse im Lager weitgehend optimiert sind und keinen externen Einflüssen unterliegen. Der LKW jedoch kann im Stau stehen oder eine Panne haben. Während der Transport im Lager kein großes Thema mehr ist, müssen die Spediteure auf der Straße dafür sorgen, dass ihre Verkehre gut getaktet und ihre LKW ausgelastet sind.

ITM: Was heißt das für die Software?
Klaus Hufnagel:
Sie muss eine Disposition in Echtzeit und ein zeitnahes Controlling ermöglichen. Beispielsweise sollte bei einer Anfrage schnell klar sein, ob sich mit dem Transport Geld verdienen lässt oder nicht.

Habryka: Im Transportmanagement trennt sich die Spreu vom Weizen, denn im Lager arbeiten Speditionen sehr effizient. Teilweise mit Hilfe von komplexer Lagersoftware und „Pick by Voice“, teilweise auch nur mit Excel. Das heißt aber auch: Der Preis für das Einlagern einer Palette hat sich bei 1,80 Euro eingependelt. Damit lässt sich kaum noch Geld verdienen.

Hufnagel: Groß im Kommen ist derzeit gerade bei mittelständischen Spediteuren das Thema Tourenoptimierung. Dazu kommen spezielle Software-Werkzeuge zum Einsatz, klassisch für den Fernverkehr. Neuerdings werden aber auch vermehrt Nahverkehrstouren optimiert, vor allem in Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet. Wenn viele LKW oft im Stau stehen, ist Tourenoptimierung gefragt – mit Tools, die verschiedene Parameter in Echtzeit einbeziehen können, z.B.: Wo ist ein Stau? Wie lang ist er? Lohnt es sich, den Stau zu umfahren? Antworten auf solche Fragen werden immer wichtiger; das zeigt auch die Nachfrage unserer Kunden. Dabei helfen die vielen Daten, die – auch mobil – erfasst und dann in die Firmenzentrale weitergeleitet werden.

ITM: Diese Datenflut muss aber auch in Echtzeit verarbeitet werden können...
Habryka:
Genau. Dafür sind nicht nur performante Server und adäquate Speichersysteme nötig, sondern auch Software-Systeme, die mit diesen Daten etwas anfangen. Beispielsweise mit den Positionsdaten von Fracht und LKW oder mit Zustellquittungen und Schadensmeldungen durch den Fahrer.
Hufnagel: Sie brauchen ja Systeme, die diese Datenmenge nicht nur in Echtzeit anzeigen können, sondern aus diesen Daten auch einen Mehrwert generiert. Das unterschätzen viele.

ITM: Mit Active Logneo entwickeln Sie derzeit eine brandneue Transportmanagementsoftware als SaaS-Lösung. Warum?
Hufnagel:
Gute Frage, denn unsere bewährten Software-Pakete sind funktional auf einem guten Stand. Doch die heute nötige Flexibilität lässt sich architekturbedingt nicht mehr gewähr­leisten.
Habryka: Denken Sie auch an einen weltweiten Einsatz oder an die einfache Programmierung durch die Anwender selbst. Das würde ein derart umfangreiches Re-Design bedeuten, dass eine Neuentwicklung wirtschaftlicher ist. Wir werden unser Know-how im Transportmanagement also in eine neue Form bringen.

Hufnagel: Wobei festzuhalten ist, dass wir auch unsere bisherigen Lösungen mindestens bis 2015, vielleicht auch bis 2016 weiter entwickeln werden. So bringen wir jetzt neue Module für Teil- und Komplettladungen oder für die Integration von neuen Anwendungen für Customer Relationship Management (CRM) oder Business Intelligence (BI) auf den Markt. Irgendwann werden wir aber einen Schnitt machen müssen, weil diese Lösungen sich nicht mehr zehn Jahre lang weiterentwickeln lassen.

ITM: Können Sie schon etwas zum Preis der SaaS-Lösung sagen?
Habryka:
Wir wollen zum gleichen Preis 40 Prozent mehr Leistung bieten als vergleichbare SaaS-Lösungen. Der Preis pro User für Land-, Luft- und Seefracht soll unter 100 Euro im Monat liegen. In diesem Preis sind alle Lizenzen- und Wartungsgebühren enthalten – eigene Serversysteme und Datenbanken benötigt der Kunde ohnehin nicht mehr. Mit der neuen SaaS-Lösung reagieren wir also auf den Preisdruck, den unsere Kunden an uns weitergeben. Tagessätze von 1.500 Euro gehören längst der Vergangenheit an – die kann selbst eine SAP nicht mehr durchsetzen.

ITM: Wann wird die neue SaaS-Software fertig?
Hufnagel:
Wir haben sie jetzt so weit entwickelt, dass wir bei einem internationalen Kunden ein erstes Pilotprojekt gestartet haben. Das soll im 4. Quartal den Live-Betrieb aufnehmen. Denn wenn wir wachsen wollen, dann vor allem im Ausland, da wir in Deutschland schon eine sehr gute Marktposition erreicht haben. Dafür brauchen wir entsprechende Software.
Wir sind derzeit aber auch in Gesprächen mit zwei deutschen Unternehmen, die Active Logneo schwerpunktmäßig im Luft- und Seefrachtbereich einsetzen wollen.

Habryka: Der Zeitplan sieht vor, dass wir in den nächsten zwei bis drei Jahren vor allem Luft- und Seefrachtlösungen anbieten werden. Ab 2014 oder 2015 soll dann verstärkt die Vermarktung der Landverkehrsfunktionalität folgen.

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