RZ: Modernisierung, Neubau oder Outsourcing?

Trends im Rechenzentrum

Analog zur zunehmenden Digitalisierung der Geschäftsprozesse sind die Anforderungen an einen adäquaten Rechenzentrumsbetrieb massiv gestiegen. Für viele Mittelständler besteht daher akuter Handlungsbedarf. Modernisierung, Neubau oder Outsourcing lauten die Alternativen.

Serverraum

Kein Geschäftsfeld kann auf die Unterstützung durch die IT-Infrastruktur verzichten, konstatiert Wolfgang Heinhaus, Spezialist für die Planung und Umsetzung neuer Data Center bei der Experton Group. „In vielen Unternehmen ist das Data Center auf eine Hochverfügbarkeit ausgerichtet, virtuelle und redundante Server und Speichersysteme sind heute Standard. Die Systeme dürfen nicht mehr ausfallen. Dagegen wird die technische Infrastruktur in den Rechenzentren (RZ) oft noch vernachlässigt und entspricht nicht den heutigen Anforderungen, um die Ausfallsicherheit der IT-Systeme auch zu gewährleisten. Energie, USV, Netzersatz, Löschsysteme, Klimatisierung usw., die für den Betrieb eines sicheren Data Centers erforderlich sind, gehören auf den Prüfstand“, fordert Heinhaus.

Die Energieeffizienz in Rechenzentren hat neben der Auswirkung auf die Umwelt eine hohe Bedeutung für die Betreiber der Rechenzentren. Ein erheblicher Anteil der Betriebskosten eines Rechenzentrums entfallen auf die Stromkosten. Daher sollten Betreiber ein hohes Interesse an einem ressourceneffizienten Betrieb haben. Neben dem kontinuierlichen Monitoring, das für alle Rechenzentren unabdingbar geworden ist, sind nach Meinung von Peter Wäsch, Geschäftsführer der RZ-Products GmbH, einem Tochterunternehmen der Data Center Group, besonders für mittelständische Unternehmen Verfügbarkeit und Energieeffizienz die wohl wichtigsten Funktionen eines Data Centers. „Die richtige Anpassungsfähigkeit entscheidet, ob das Data Center zunächst nicht unnötig Investitions- und Betriebskosten verursacht und später doch erweiterbar ist. Damit Data-Center-Betreiber das größtmögliche Energie-Einsparpotential von vornherein nutzen können, müssen sie ihr Rechenzentrum skalierbar halten. Die richtige Planung beeinflusst damit maßgeblich Energieeffizienz und Kosten“, so Wäsch. Benötigt das Rechenzentrum zunächst wenige Server, sollte laut Wäsch auch die Kühlung angepasst sein. Wächst das Unternehmen, müssen mehr Server eingesetzt werden. Diese brauchen mehr Energie und gleichzeitig mehr Aufwand für die Kühlung. Für eine gute Skalierbarkeit eignen sich für Mittelständler daher flexible RZ-Konzepte wie Raum-in-Raum-Systeme, Container oder für sich einzeln gesicherte und gekühlte Mini-Rechenzentren, so Wäsch.

DCIM ist Grundvoraussetzung

Eine Einschätzung, die von Guido Wiemar, Manager Enduser Sales bei Schneider Electric IT Division, geteilt wird. Industrie 4.0, Big Data und das Internet of Things (IoT) sind seiner Ansicht nach verantwortlich dafür, dass die Anforderungen an Skalierbarkeit und Effizienz in Rechenzentren rasant ansteigen. „IT- und In-frastrukturlösungen müssen folglich enger zusammenwachsen. Neben der Vernetzung kommt es in einem modernen Data Center darauf an, verschiedene Tools zu verwalten und die energieeffiziente Stromversorgung sicherzustellen. Da gerade der Mittelstand die Ausgaben im Auge behalten muss, hilft eine Data-Center-Infrastructure-Management-Software (DCIM) maßgeblich dabei, die Kosten zu senken und Ressourcen effizient einzusetzen. Sie ermöglicht ein umfassendes Monitoring der Infrastruktur und bildet eine wichtige Grundlage für Energieeffizienzmaßnahmen“, so Wiemar.

Gewinnen Mittelständler beispielsweise Großaufträge und müssen dadurch kurzfristig ihre IT-Kapazitäten aufstocken, sieht auch er in vorgefertigten Data-Center-Modulen einen guten Ansatzpunkt. „Sie vereinfachen die Planung und Installation erheblich. Zudem lassen sich Betriebskosten und Performance besser kalkulieren als in klassischen Rechenzentren. Neben kompletten physikalischen RZ-Infrastrukturen ist es möglich, einzelne Module nach Bedarf erweitern und so individuellen Anforderungen nachzukommen.“

Kostendruck behindert Innovation

Digitalisierung und IT-Transformation erhöhen die Komplexität innerhalb der IT-Organisation und bescheren den Verantwortlichen neue Prioritäten: Meist müssen die Kosten für den zuverlässigen Betrieb herkömmlicher Geschäftsanwendungen gesenkt und die Voraussetzungen für das Entwickeln neuer Anwendungen der nächsten Generation geschaffen werden. Für die dafür erforderlichen Investitionen haben CIOs und IT-Manager in der Regel jedoch nur ein und dasselbe, meist gleichbleibende IT-Budget zur Verfügung. „Um die anstehenden Herausforderungen dennoch bewältigen zu können, modernisieren die meisten deshalb zunächst die IT-Infrastrukturen ihres Unternehmens. Die IT-Industrie befindet sich im Umbruch – und der bringt außer Verwerfungen auch viele Möglichkeiten. Die Manager in jeder Industrie stehen vor der Frage, wie man herkömmliche IT-Ressourcen weiter vorhalten und gleichzeitig die Modernisierung des eigenen Rechenzentrums vorantreiben kann, um neue Anwendungen entwickeln und die Digitalisierung des eigenen Unternehmens unterstützen zu können“, stellt David Goulden, CEO des Information-Infrastructure-Geschäftsbereichs von EMC, fest. Aufgrund des Kostendrucks und steigender Personalengpässe nimmt nach Analysen der Experton Group tendenziell der Bedarf an Fremdleistungen im IT-Rechenzentrumsbetrieb zu. Managed Infrastructure Services und Managed Hosting sind neben Cloud-Lösungen die naheliegenden Alternativen zum Eigenbetrieb, stellen aber neue Herausforderungen an die „Retained Organization“, die nicht mehr den Betrieb, sondern den Dienstleister überwacht und managt.

Outsourcing gewinnt an Attraktivität

Wenn über die Modernisierung oder den Neubau des eigenen Rechenzentrums nachgedacht wird, sollte nach Meinung von Experton-Analyst Wolfgang Heinhaus auch Outsourcing in die Überlegungen mit einbezogen werden. Wenn eine Totalrenovierung in einem bestehenden Data Center ansteht oder ein Neubau in Betracht gezogen wird, summieren sich die Kosten nach seiner Erfahrung sehr schnell zu einem Millionenbetrag. Eine Alternative ist die komplette Auslagerung der IT-Infrastruktur an einen Housing- bzw. Colocation-Dienstleister.

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„Die Anbieter verfügen über ein hohes Maß an Sicherheit in ihren Gebäuden, das oft in eigenen Rechenzentren nur mit großem Aufwand und Kosten erreicht werden kann. Zugangskontrollen, Video-Überwachung und Überwachung durch entsprechendes Sicherheitspersonal rund um die Uhr sorgen dafür, dass kein Unbefugter Zutritt zum Data Center hat. Es werden Racks für einzelne Systeme, Cages für einen eigenen abgetrennten Bereich bis hin zu Suites (Rechenzentrum im Rechenzentrum) angeboten“, erklärt Wolfgang Heinhaus. Die IT-Infrastruktur bleibt im Besitz des Kunden. Der Betrieb kann weiterhin von den eigenen Adminis-tratoren ausgeführt werden. Von den Dienstleistern wird auch ein Managed Service angeboten, der Routineaufgaben für die Kunden übernimmt. Oft sind die Standorte in der Nähe des Kunden angesiedelt. In diesem Fall reicht ein Dark-Fibre-Kabel vom Kunden zum Data Center des Dienstleisters. Dabei müssen nicht einmal die IP-Adressen umgestellt werden.

Für die Kunden entfällt der hohe finanzielle Aufwand für die Aktualisierung der technischen Infrastruktur bzw. Errichtung eines neuen Rechenzentrums und sie können davon ausgehen, dass der Dienstleister seine Umgebung permanent den aktuellen technischen Gegebenheiten anpasst. Flächenerweiterungen beim Ausdehnen der eigenen IT-Infrastruktur sind kein Problem. Die meisten Dienstleister verfügen über entsprechende Reserveflächen. In Deutschland gibt es nach Studien der Experton Group derzeitig über 200 Anbieter. Das Interesse der Kunden hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen und wird sich nach den Prognosen der Marktbeobachter in den nächsten Jahren weiter verstärken.


Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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