Drei Fragen an Patrick Cowden, Nutanix und Dietmar Ulrich, Orchestra Service

Trendthema SDS - was Mittelständler wissen müssen

Fast jede Software, die Speicher verwaltet oder virtualisiert wird heute als SDS-Produkt (Software-defined Storage) tituliert. Ohne taugliche Standards wird es angesichts inkompatibler Technologien oft sehr schwierig, Produkte mehrerer Hersteller in einer SDS-Infrastruktur zu kombinieren. Zwei Experten geben Auskunft, wie Mittelständler mit dem Trendthema SDS umgehen sollten.

  • Patrick Cowden, Nutanix

    „Mit hyperkonvergenten Angeboten können Kunden zahlreiche Silos in der Infrastruktur in einer einzigen Lösung konsolidieren.“ Patrick Cowden, Nutanix

  • Dietmar Ulrich, Orchestra Service GmbH

    „Software-defined Storage erfüllt den Bedarf von morgen. Wird mehr Kapazität benötigt, kann dank Hardware-Unabhängigkeit einfach skaliert werden.“ Dietmar Ulrich, Orchestra Service GmbH

Software-definierter Speicher (Software-defined Storage, SDS) ist eines der beliebtesten Modewörter der Branche und hat Software-defined Networking (SDN) als Virtualisierungstrend abgelöst. Die Hersteller versprechen: Mit SDS-Technologie lässt sich ein gemeinsam genutzter Speicher-Pool mit Server-Kapazität erstellen, ohne eine dedizierte Infrastruktur für „Storage Area Networking“ (SAN) oder Network Attached Storage (SAN) verwenden zu müssen. Die Idee: Speicherung und Verwaltung der Daten sind von der dafür benutzten Hardware getrennt.

Hinzu kommt auf Hardware-Seite der Trend zur Hyperkonvergenz. Gemeint ist die Tendenz, Anwendungen, SDS und Virtualisierungs-Software zusammen mit Prozessoren, Speicher- und Netzwerktechnologie auf einem einzigen physischen Server-System unterzubringen. SDS sollte dabei mit verschiedenen Virtualisierungstechnologien (wie VMware, Hyper-V oder Linux KVM) auf ein- und demselben Speicher funktionieren, auf den auch die virtualisierten Anwendungen zugreifen. Das sorgt für mehr Flexibilität und Interoperabilität, um in kleinerem Umfang beginnen und die SDS-Infrastruktur zu einem späteren Zeitpunkt beliebig erweitern zu können.

SDS-Produkte sind, je nach Provenienz des Herstellers, als software-basierte „Virtual Storage Appliance“ (VSA), als Speichersystem, als in Openstack integriertes Produkt oder als sofort einsetzbare hyperkonvergente Appliance verfügbar. Allerdings gibt es nach wie vor keine einheitliche Definition von SDS, geschweige denn praxistaugliche Standards. Weil fast alle einschlägigen Hersteller mitmischen wollen, werden vorhandene Produkte einfach umbenannt – in der Hoffnung, Beachtung zu finden.

In der Folge wird heute fast jede Software, die Speicher verwaltet oder virtualisiert, als SDS-Produkt tituliert. Ohne taugliche Standards wird es angesichts der inkompatiblen Technologien oft sehr schwierig, Produkte mehrerer Hersteller in einer SDS-Infrastruktur zu kombinieren – also einheitliche Services und Automatismen für Verwaltung, Orchestrierung, Provisionierung und Datenschnittstellen zu schaffen und so dem Ziel der horizontalen Skalierung näher zu kommen und neue Speicherressourcen wie SSD, Festplatten oder auch Tape je nach Bedarf einfach bereitzustellen. IT-MITTELSTAND hat deshalb zwei Experten dazu befragt, wie Mittelständler mit dem Trendthema SDS umgehen sollten.

ITM: Was macht Software-defined Storage für Mittelständler interessant?
Dietmar Ulrich:
Eindeutig die höhere Flexibilität. Die Neubeschaffung einer klassischen Storage-Lösung erfolgt in einem drei- bis fünfjährigen Zyklus. Das ist ein langer Zeitraum im Vergleich zur Dynamik, die wir auf Seiten der Applikationen erleben. Bei der Kaufentscheidung wird es zunehmend schwer bis unmöglich, künftige Anforderungen oder das Wachstum zu berücksichtigen. Es fehlt schlichtweg eine valide Prognose. Annahmen zur Entwicklung ähneln leider oftmals einem Blick in die Glaskugel. Das Resultat sind hohe Kosten durch unter- oder überdimensionierte Systeme, die kaum Erweiterungsmöglichkeiten bieten.
Software-defined Storage erfüllt den Bedarf von heute und morgen. Wird mehr Performance, mehr Kapazität oder eine höhere Datensicherheit benötigt, kann dank Hardware-Unabhängigkeit entsprechend skaliert werden. Automatismen erlauben den Aufbau eines Service-Konzeptes.

Patrick Cowden: Software-gesteuerte Lösungen reduzieren den Bedarf an Spezial-Hardware oder beseitigen ihn gar ganz. Diese Angebote nutzen Standard-Hardware und erlauben durch umfangreiche Software-Funktionen einfache Nutzung und Betrieb. Dabei bieten sie Kunden kontinuierlich neue Funktionen und Updates, ohne dass dafür neue Spezial-Hardware beschafft werden muss. Mittelständische Unternehmen sparen zudem häufig schon bei der Erstanschaffung. Darüber hinaus erhalten sie einen kontinuierlichen Nutzen durch neue Funktionen und Verbesserungen, die noch nicht Teil der ursprünglich erworbenen Software-Version waren. Das bedeutet einen großen Gewinn für die Kunden.

ITM: Welche Standards und Schnittstellen sind bei der Auswahl und Implementierung von SDS-Lösungen entscheidend?
Cowden:
Allgemein sollte jede Lösung, für die sich ein Kunde entscheidet, erweiterbar sein und einen hohen Automatisierungsgrad ermöglichen. Das sorgt nicht nur dafür, dass allgemeine administrative Aufgaben automatisch ablaufen können, sondern sich auch unterschiedliche Komponenten miteinander integrieren lassen. Schnittstellen wie Rest-APIs und Befehle wie Powershell-Commandlets spielen dabei eine äußerst wichtige Rolle.

Ulrich: In puncto Standards sehen wir noch einiges an Nachholbedarf auf Seiten der Hersteller. In einem Schritt zuvor muss der Begriff des Software-defined Storage definiert werden. Das Verständnis für SDS und die Ansätze am Markt unterscheiden sich zum Teil enorm. Ebenso kommt es immer wieder zur Verwechslung mit der seit vielen Jahren bekannten Storage-Virtualisierung.
Kunden sollten bei der Auswahl darauf achten, dass ein möglichst großes Spek­trum an Software-Plattformen unterstützt wird. Ansonsten besteht schnell Gefahr, sich eine Insellösung ins Haus zu holen. Gleiches gilt selbstverständlich für die darunterliegende Hardware. SDS ist nur ein Teil in der Gesamtstrategie zum Software-defined Datacenter, daher sind die Integrationsmöglichkeiten in die anderen Schichten immens wichtig. An dieser Stelle muss betont werden, dass es sich bei Software-defined Storage um eine disruptive Technologie handelt, die ebenfalls in die IT-Prozesse eingreift.

ITM: Bei der SDS-Implementierung können auch hyper-konvergente Systeme zum Einsatz kommen. Worin sehen Sie die wichtigsten Vorteile gegenüber klassischen SAN- und NAS-Lösungen oder externen/internen Speichersystemen am Server?
Cowden:
Die Vorteile hyperkonvergenter Angebote sind eng verwandt mit den generellen Vorteilen von software-gesteuerten Lösungen. Darüber hinaus aber senken bis hin zu eliminieren hyperkonvergente Angebote die Komplexität traditioneller SAN- und NAS-Umgebungen. Sie verschmelzen Rechenleistung, Speicher und Virtualisierung in einer einfach zu bedienenden schlüsselfertigen Appliance.

Dadurch können Kunden zahlreiche Silos in der Infrastruktur in einer einzigen Lösung konsolidieren. Das reduziert den Zeitaufwand, den IT-Mitarbeiter auf das Management unterschiedlicher Aspekte ihrer Infrastruktur verwenden müssen. Außerdem entfällt der Bedarf an speziellen IT-Kenntnissen. Hyperkonvergente Angebote verschaffen IT-Experten umgekehrt mehr Zeit für das Management von Anwendungen und Services. Denn diese sind es, die zur Wertschöpfung im Unternehmen beitragen.

Ulrich: Der wichtigste Vorteil ist die Zeit- und damit verbundene Kostenersparnis. Die klassische Infrastruktur besteht aus zahlreichen komplexen Komponenten. Bei der Beschaffung, bei Anpassungen und ebenso beim Einspielen von Software-Updates muss peinlichst genau auf das Zusammenspiel geachtet werden. Ansonsten kracht es und dann haben Kunden es im Fehlerfall mit vielen Herstellern zu tun.

Hyper Converged Infrastructures vereinfachen Entscheidungen und reduzieren den Planungsaufwand. Im Idealfall gibt es einen Single Point of Contact für Support-Anfragen – unabhängig davon, ob der Hypervisor, die Storage-, Server- oder Netzwerkressourcen betroffen sind. Die Erweiterung in definierten Bausteinen bietet dem Kunden eine Vorhersagbarkeit zur Leistungsfähigkeit und den Kosten. 

 

 

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok