Markus Schwarz (Nemetris GmbH) im Steckbrief

Typische Beraterphrasen kommen nicht gut an

IT-MITTELSTAND befragt die Verantwortlichen der großen IT-Anbieter. Diesmal: Markus Schwarz, Geschäftsführer bei der Nemetris GmbH.

Markus Schwarz

Um als IT-Spezialist im Mittelstand Erfolg zu haben, bedarf es einer Sprache, mit der sich die Menschen im Mittelstand wohlfühlen. meint Markus Schwarz, Geschäftsführer bei der Nemetris GmbH.

Unter Mittelstand verstehe ich ...

... wenig originell, aber schlicht zutreffend: das unverzichtbare Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Mittelständler machen den mit Abstand größten Anteil der Unternehmen in Deutschland aus, sie sind in allen Regionen vertreten und häufig mit ihrer Innovationskraft Weltmarktführer in ihren Nischen. Für uns ist der Mittelstand außerdem die wichtigste Kundengruppe – denn gerade Mittelständler haben Interesse an Digitalisierungslösungen, mit denen sie ihre Wettbewerbsvorteile sichern oder sogar ausbauen können. Dafür bieten wir die passende Software und tiefes Prozess-Know-how an.

Der Mittelstand hebt sich von Großkonzernen dadurch ab, dass …

... er deutlich agiler und flexibler handelt – und das immer schon. Gerade das hat den Mittelstand zum Innovationstreiber gemacht: Herausforderungen erkennen, Lösungen finden und dann schnell umsetzen. Das gilt für die eigenen Produkte, aber auch für die Prozesse. Gleichzeitig sind die Budgets im Mittelstand kleiner als bei Konzernen. Deshalb werden Investitionen kritischer geprüft. Hinzu kommt, dass Entscheidungen mit einem langfristigen Blick getroffen werden. Bei Konzernen, in denen Investoren das Sagen haben, ist das anders. Für uns heißt das: Wir müssen vielleicht manchmal mehr Überzeugungsarbeit leisten. Wenn uns das gelungen ist, geht es aber sehr schnell und unkompliziert weiter.

Um als IT-Spezialist im Mittelstand Erfolg zu haben, bedarf es ...

... einer Sprache, mit der sich die Menschen im Mittelstand wohlfühlen. Die typischen Beraterphrasen kommen nicht so gut an. Wichtig ist, die spezifischen Geschäftsprozesse und die aktuellen Herausforderungen in ihrer Tiefe zu verstehen, um mit dem eigenen Angebot genau darauf eingehen zu können. Das sollte vor allem anfangs ganz konkret passieren; die Verantwortlichen sollten also nicht mit dem ganzen Portfolio erschlagen werden. Wenn eine Partnerschaft gewachsen ist, sind Mittelständler aber durchaus offen für neue Vorschläge. Aber dafür muss erst einmal Vertrauen entstanden sein.

Was die IT anbelangt, hinkt der Mittelstand ...

... angesichts des Tempos der Digitalisierung weltweit häufig ein wenig hinterher. Allerdings gilt das auch für viele große Unternehmen in Deutschland. Das hängt damit zusammen, dass der Mittelstand sich Investitionen sehr gut überlegt. Es fehlt aber nicht an der Einsicht, dass neue Technologien notwendig sind, um die eigenen Produkte um digitale Services zu erweitern und digitale Geschäftsmodelle aufzubauen. Auch nicht an der Bereitschaft. Deshalb gehe ich davon aus, dass der Mittelstand hier schnell aufholt.

Die durchschnittliche IT-Grundausstattung im Mittelstand besteht aus …

... einem zentralen ERP-System, an das heterogene Insellösungen angebunden sind. Diese decken die unterschiedlichen Funktionen im Unternehmen ab, passen aber nicht immer optimal zusammen. Mit Industrie 4.0 ändern sich gerade die Anforderungen an die IT-Landschaft und an die Geschäftsmodelle enorm. Das sollte der Mittelstand zum Anlass nehmen, das ganze Thema strategisch anzugehen: also Geschäftsmodelle, Produkte und Services sowie Technologie zusammenzudenken und eine Vision zu entwerfen. Die kann dann entlang einer Roadmap Schritt für Schritt umgesetzt werden.

Charakteristisch für IT-Investitionsentscheidungen im Mittelstand ist, dass ...

... ein Projekt einen klaren Nutzen verspricht – gerne mit einem Return on Invest unter drei Jahren – und zeitlich überschaubar ist. Mit Blick auf die Digitalisierung ist es also gut, wenn die Einführung einer neuen Technologie sich sofort bezahlt macht, gleichzeitig aber auch zur Gesamtstrategie passt. Was dabei beachtet werden sollte: Industrie-4.0-Lösungen verschaffen häufig erhebliche Wettbewerbsvorteile, die sich über den ROI nicht ausdrücken lassen.

Die typischen IT-Probleme des Mittelstandes sind, dass ...

... die IT-Abteilungen mit kleinen Budgets auskommen müssen, mit wenigen Mitarbeitern besetzt sind und gleichzeitig sehr viele Aufgaben erledigen sollen – vom Support bis zur Implementierung. Eine Ursache dafür ist, dass die IT im Mittelstand häufig noch als Kostenfaktor gesehen wird.

Als Lösung für diese Probleme favorisiere ich ...

... einen Wandel im gesamten Unternehmen: Das Management muss die IT als Wertschöpfungsfaktor verstehen und entsprechend ausstatten. Die IT muss diese Rolle aktiv suchen und annehmen. Sie muss etwa Impulse dafür geben, wie sich Unternehmen sinnvoll digitalisieren können. Dafür ist es erforderlich, dass sie nicht nur auf die Technologie schaut, sondern auch auf die Business-Seite. Hinzu kommt: IT-Landschaften werden immer komplexer und können nicht mehr von einem Anbieter alleine realisiert werden. Wir glauben an Ökosysteme, an denen sich unterschiedliche Partner beteiligen.

Handlungsbedarf auf IT-Seite im Mittelstand sehe ich ...

... vor allem bei der Strategie. Unternehmen benötigen heute zwingend eine digitale Strategie, die Hand in Hand mit der Firmenstrategie geht. Nur so können sich Unternehmen angesichts der vielen neuen Möglichkeiten konsequent auf ein Ziel zubewegen.

Persönliche Daten

Name: Markus Schwarz
Alter: 47 Jahre
Familienstand: geschieden,
zwei Kinder
Hobbys: im Sommer Motorrad-
fahren, im Winter Skifahren

Karriere

Ausbildung: Diplom-Betriebswirt
Beruflicher Werdegang: Seit 2015 treibt Markus Schwarz als Geschäftsführer den operativen und strategischen Aufbau der von ihm gegründeten Nemetris GmbH voran. Vorher verantwortete er bei der Management- und IT-Beratung MHP als Senior Manager u. a. das strategische Thema Industrie 4.0. Von 2005 bis 2013 war er in verschiedenen Positionen bei Freudenberg IT beschäftigt – stets im Bereich der produktionsnahen IT. Seine Karriere startete er bei Infor Global Solutions.
Derzeitige Position: Geschäftsführender Gesellschafter bei der Nemetris GmbH

Bildquelle: Nemetris GmbH

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