Medizintechnik-Unternehmen optimiert seine Daten

Überlebenswichtige BI

Bei Wilamed, einem Hersteller und Händler von medizinischen Geräten auf dem Gebiet der invasiven und nicht-invasiven Beatmung, haben Sicherheit und Präzision einen hohen Stellenwert. Die Produktionsbedingungen unterliegen höchsten Anforderungen. Neue Software-Bausteine haben dabei Einfluss auf die Qualität, Geschwindigkeit und Nachhaltigkeit der Prozesse des Mittelständlers: ein neues Enterprise Resource Planning (ERP) sowie die Erweiterung BI Professional mit Power BI von Microsoft.

  • Ein Krankenhauszimmer bei der Arztvisite

    Wilamed betreut weltweit über autorisierte Fachhandelspartner den Home-Care-Bereich, Kliniken, Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen.

  • Dennis Jung, IT-Leiter bei Wilamed

    Dennis Jung, IT-Leiter bei Wilamed

Aus dem kleinen Ort Kammerstein bei Nürnberg vertreibt das eigentümergeführte Medizintechnikunternehmen seine Produkte in über 60 Länder. Der Export macht einen Umsatzanteil von 70 Prozent aus. Auf Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Qualität legen die beiden Gründerinnen und ihre 130 Mitarbeitern großen Wert. So erzeugt das Unternehmen z.B. mehr Energie als es verbraucht: Wilamed setzt auf Solarenergie und Geothermie, wurde mehrfach für nachhaltige Maßnahmen im Bereich Klimaschutz und Energieeffizienz geehrt und 2018 als Energieeffizienz-Gewinner der Metropolregion Nürnberg ausgezeichnet.

Durch den neuen Gebäudekomplex, der die Extrusion von Atemschlauchsystemen und die Entwicklungsabteilung beherbergen wird, ist die Firmenfläche auf 7.500 Quadratmeter angewachsen. Der Neubau verfügt über das weltweit erste vierstufige Wärmerückgewinnungssystem.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Claudia Röttger-Lanfranchi und Hildegard Winkler gründeten das Unternehmen vor 21 Jahren mit vier Mitarbeitern. Zunächst widmeten sie sich der Behandlung von Schlafstörungen. Erst später setzten die Unternehmerinnen auf die respiratorische Patientenversorgung. Die Bilanz fasst Geschäftsführerin Röttger-Lanfranchi zusammen: „Wilamed ist heute in der Lage, das komplette Spektrum für die Intensivbeatmung anzubieten: Angefangen vom eigentlichen Beatmungsgerät über die aktive Atemgasbefeuchtung bis hin zu den unterschiedlichsten Patientenschnittstellen zur Behandlung von Neugeborenen, Kindern und Erwachsenen.“

Auswertungen überall, aktuell und unabhängig vom Gerät visualisieren

Wichtig für das Wachstum und die Produktqualität ist eine Informationstechnologie, die nicht nur mitwächst, sondern dem Unternehmen fortlaufend neue Möglichkeiten bietet. So ging Dennis Jung, IT-Leiter bei Wilamed, bereits 2014 mit Office 365 an 100 Arbeitsplätzen in die Cloud. Abas ERP und BI Professional folgten 2016. Ziel der Einführung war es nicht nur, alle Geschäftsprozesse von Einkauf über Fertigung und Lager bis Rechnungsstellung integriert in einem System zu steuern. Das Unternehmen hatte sich hohe Controlling-Vorgaben gesetzt. Neben tagesaktuellen Auswertungen für die Geschäftsführung und Abteilungsleitungen sollte auch der weltweite Vertrieb auf alle relevanten Informationen zugreifen können.  „Wir wollten den Mitarbeitern die Möglichkeit geben, Kennzahlen und Berichte selbstständig abzurufen”, sagt Dennis Jung.

Vor Einführung der neuen Unternehmenssoftware suchten sich die Mitarbeiter ihre Daten meist selbst zusammen, wobei die Qualität der Daten eher gering war. Jung wollte auch das Problem mit den zu langen Laufzeiten der Auswertungen lösen.

„Bei der Einführung des ERP-Systems haben wir bereits die Erweiterung BI Professional dazugekauft“, sagt Dennis Jung. „Ein Grund dafür war die Vielschichtigkeit der Auswertungen, die man fahren kann, beispielsweise welcher Umsatz zu welchem Artikel in welcher Region für welches Produkt in welcher Zeit erreicht wird. So war es möglich, die wichtigen Kennzahlen aus dem ERP-System für die Mitarbeiter zu visualisieren. Über Power BI ergänzen wir diese Informationen noch durch weitere Daten aus externen Datenbanken oder dem Personalmanagement-System“, erläutert der IT-Spezialist.

Business Intelligence zur Selbstbedienung

Wilamed betreut weltweit über autorisierte Fachhandelspartner den Home-Care-Bereich, Kliniken, Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen. Deshalb müssen Vertrieb und Kundenservice schnell auf Entwicklungen im In- und Ausland reagieren. Die Sales-Mitarbeiter können von überall  aus auf eine Oberfläche zugreifen, die unter anderem Umsätze, Entwicklungen, offene Aufträge oder verspätete Lieferungen darstellt. „Die Daten kommen aus den Cubes, die uns der Anbieter zur Verfügung stellt. Die Kollegen arbeiten aktiv an ihren Berichten mit“, schildert Dennis Jung. „Danach veröffentlicht unsere IT sie in der Cloud und die Nutzer können darauf über die BI-Weboberfläche oder die App zugreifen, nachdem sie sich identifiziert haben.“
 
Ein unerwarteter Nebeneffekt ist die Verbesserung der Datenqualität, denn ungebuchte Rechnungen oder Lieferscheine sowie falsche Artikelstammdaten werden nun identifiziert und direkt berichtigt. Jetzt fallen Artikel in falschen Produktgruppen oder nicht richtig zugeordnete Artikelmerkmale direkt auf. 

Mit der Hololens in die Zukunft blicken

Als nächstes plant Wilamed den Einsatz der Microsoft Hololens, die sich mit der BI-Lösung koppeln lässt. Der Mixed-Reality-Modus der virtuellen Brille bietet die Möglichkeit, einfach auf Dashboards zuzugreifen und die Daten überall hin mitzunehmen. Zunächst soll der Einsatz bei der Wartung von Maschinen getestet werden, insbesondere bei denen, die kontinuierlich überwacht und gewartet werden. Zum einen können Informationen durch die Vernetzung automatisch in das ERP-System übertragen werden. Zum anderen erhalten die Techniker permanent Daten zu Temperatur, Leistung oder Verbrauch auf ihre VR-Brille. Im Mixed Reality Mode kann der Techniker mit der Datenbrille aus bis zu 25 Metern Entfernung auf die Maschine schauen und Wartungsbedarf oder Probleme erkennen.

Diese Mixed-Reality-Anwendung kann aber noch mehr: In der ERP-Software lassen sich QR-Codes generieren, die sich beispielsweise auf ein Lagerregal beziehen. Der QR-Code wird ausgedruckt und am entsprechenden Regal im Lager befestigt. „Wenn Sie dann ins Lager gehen und sich mit der Hololens den Code anschauen, bekommen Sie eine Auswertung über diesen Bereich in der Datenbrille dargestellt, alternativ geht das auch mit Etiketten auf Produkten, um beispielsweise die Verkaufszahlen zu sehen“, berichtet Dennis Jung.

Über Wilamed
Gründung: 1997
Firmensitz: Kammerstein (Bayern)
Mitarbeiter: 130
Branche: Medizintechnik

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