Neue Konzepte für Backup- und Hochverfügbarkeit

Umbruch bei der Datensicherung

Die technischen und organisatorischen Anforderungen an die Sicherungs- und Wiederherstellungsprozesse unternehmenskritischer Geschäftsdaten sind enorm gestiegen. Neue Konzepte zur Sicherstellung einer unterbrechungsfreien Datenverfügbarkeit sind gefragt.

Das enorme Datenwachstum, die steigende Virtualisierung sowie stagnierende oder sogar rückläufige IT-Budgets, zwingen die IT-Verantwortlichen zum Umdenken bei Datenschutz und -sicherung.

Nach den Ergebnissen des aktuellen Symantec-Sicherheitsberichts, haben gezielte Angriffe auf bestimmte Industriezweige im Jahr 2013 um 91 Prozent zugenommen. Dazu gehörte vor allem die Automobilindustrie, die 2013 das attraktivste Ziel für Hackerangriffe in Deutschland war. Mittelständische Unternehmen mit einer Größe von 251 bis 500 Mitarbeitern sowie Firmen ab 2.500 Mitarbeitern standen zunehmend im Fokus gezielter Attacken. Kleine bis mittelständische Unternehmen sind gemäß der Studie nach wie vor ein beliebtes Ziel, da sie oft weniger ausgefeilte Sicherheitssysteme zum Schutz des Netzwerks einsetzen und oftmals als Dienstleister und Zulieferer für größere Unternehmen fungieren.

„Ein großer Datenverlust kann auf einen Schlag so viel Schaden anrichten, wie 50 kleinere Angriffe“, erklärt Candid Wüest, Sicherheitsexperte bei ­Symantec. Intelligente Geräte, Apps und andere Onlinedienste werden zunehmend beliebter und damit für Cyber­attacken immer verführerischer. Laut Wüest sollten bei Sicherheitskonzepten die Daten im Mittelpunkt stehen. Wichtige Fragen lauten dabei: Wo werden sensible Daten vorgehalten? Wo und wie werden sie transferiert? Wer greift auf was zu? Auf Basis dieser Analyse muss ein passendes Schutzkonzept erstellt werden, das neben Technologien auch Richtlinien und Prozesse beinhaltet.

Veraltete Backup-Anwendung im Einsatz

Das enorme Datenwachstum, das ­Symantec auf jährlich 60 bis 70 Prozent beziffert, die steigende Virtualisierung sowie stagnierende oder sogar rückläufige IT-Budgets, zwingen die IT-Verantwortlichen zum Umdenken bei Datenschutz und -sicherung. Traditionelle Sicherungsmodelle reichen nicht mehr aus.

Desweiteren scheuen Rechenzentrumsbetreiber zu oft ein Update ihrer Systeme und nutzen stattdessen weiter dieselbe veraltete Backup-Anwendung, stellt David Davis, Online-Autor und VMware-Experte, immer wieder fest. Dies hat nach seiner Erfahrung folgenschwere Konsequenzen: „IT-Administratoren arbeiten ineffizient, Anwender werden mit unnötigen Ausfallzeiten und Datenverlusten konfrontiert und Unternehmen sind durch eine lückenhafte Datensicherung höheren Risiken ausgesetzt. Moderne Datensicherungslösungen sind kompatibel mit virtualisierten Umgebungen, arbeiten agentenlos, verfolgen einen stufenweisen Ansatz, umfassen Funktionen zur Verkleinerung des Backup-Archivs und sichern virtuelle Maschinen auf den beliebtesten Virtualisierungsplattformen“, so Davis.

„Unternehmen benötigen Lösungen, die sowohl physikalische als auch virtuelle Umgebungen abdecken können, ohne den Virtualisierungsnutzen zu schmälern. Überdies sollten diese möglichst optimal auf ihre jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten sein sowie ausreichende Absicherung und Flexibilität bieten“, ergänzt Sandra Adelberger, Director Product Marketing bei Acronis. „Viele Unternehmen nutzen zudem die Cloud als zusätzliche Alternative. Dabei sollte man darauf achten, Transparenz über den Ablageort der Daten zu erhalten und zu prüfen, welche Bestimmungen des Gesetzgebers wirklich zutreffen. Außerdem sollte eine Softwarelösung die Verschlüsselung der Daten sowie eine verschlüsselte Übertragung ermöglichen“, so Adelberger.

IT-Anwendungen rund um die Uhr betriebsbereit

„Der moderne Geschäftsbetrieb ist längst nicht mehr nur auf acht Stunden an fünf Tagen in der Woche begrenzt“, unterstreicht Ratmir Timashev, CEO des Data-Protection-Spezialisten Veeam. „Wir befinden uns in der Ära des Always On Business. Das bedeutet für die Unternehmens-IT, dass sie Daten und Anwendungen praktisch ohne Ausnahme für alle Nutzer jederzeit verfügbar machen muss.“ Bislang erforderte die unterbrechungsfreie Verfügbarkeit von Anwendungen und Daten hohe Investitionen in vollständig r­edundante Systeme mit sofortigem Failover. Die sekundenschnelle Wiederherstellbarkeit hatte ihren Preis. Entsprechend wurden nur die allernötigsten Anwendungen auf diese Art abgesichert. Die Mehrzahl der Daten und Anwendungen jedoch wurde lediglich mit herkömmlichen Backup-Lösungen gesichert, deren Recovery Time Objectives und Point Objectives (RTPO) zwischen mehreren Stunden und mehreren Tagen lagen. Das wird den Anforderungen des Always On Business nicht gerecht.

Mit seiner Availability Suite hat Veeam nach eigenen Worten eine neue Lösungskategorie entwickelt, die einen RTPO von weniger als 15 Minuten für alle Anwendungen und Daten verspricht. Die Softwareplattform unterstützt Virtualisierungs- und Cloud-Umgebungen und verfügt über spezielle Funktionalitäten für Speicherinfrastrukturen verschiedener Hersteller wie HP, Netapp oder EMC. Mit Veeams Backup von Netapp Snapshot kann die IT beispielsweise mindestens alle 15 Minuten Backups von Snapshot erstellen, ohne dass dies die Produktionsumgebung nennenswert beeinflussen würde. Zusätzlich soll das Tool „Explorer“ für Speicher-Snapshots eine schnelle und komfortable Wiederherstellung einzelner Objekte aus Netapp Snapshot, Snapmirror und Snapvault ermöglichen.

Darüber hinaus will CA Technologies mit der Ende Mai vorgestellten Lösung Arcserve Unified Data Protection (UDP) den steigenden Anforderungen gerecht werden, den Schutz physischer, virtueller und cloud-basierter Systeme zu vereinfachen. Das Herzstück von Arcserve UDP ist laut Hersteller der neue ressourcenschonende Recovery Point Server (RPS). Dieser kombiniert globale Deduplikation auf Quellenseite, integrierte Block-Level-Replikation, AES-256-Bit-Verschlüsselung und gestaffelte Aufbewahrungsrichtlinien. Die Lösung bietet u.a. einen erweiterten Schutz virtueller Maschinen mit agentenlosem Schutz für VMware und Microsoft-Hyper-V-Umgebungen. Die umfassende Unterstützung führender Cloud-Plattformen soll die einfache Wiederherstellung, Migration oder Replikation kompletter Systeme, Applikationen und Daten von Cloud zu Cloud ermöglichen. „Die Architektur wurde von Grund auf neu entwickelt, um den Datenschutz zu vereinfachen. Eine einheitliche Architektur und ein zentrales webbasiertes Anwender-Interface vereinfachen die Benutzerführung. Mit unserer Lösung können Unternehmen Komplexität und steigende Kosten reduzieren, ohne an den Funktionen zu sparen. Einfach gesagt: es macht Einzellösungen obsolet“, verspricht Mike Crest, General Manager bei CA Technologies.

Konsolidierung der Datensicherung

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Symantec mit seiner kürzlich präsentierten Sicherungslösung Backup Exec 2014. Der Hersteller will damit ebenfalls eine ganzheitliche Lösung anbieten, die unternehmenskritische Daten durch ein leistungsstarkes, flexibles Backup in physikalischen wie virtuellen Umgebungen schützt. Die neue Version verfügt über die Funktionen und Eigenschaften der vorangegangenen Lösungen, bietet aber laut Hersteller, wesentlich schnellere Backups sowie Wiederherstellungen, Windows-Server-2012-Integration und eine verbesserte Einsicht in das Backup und Recovery Management. IT-Administratoren haben Backup-Aufgaben über eine zentrale Bedienoberfläche im Blick und sparen Zeit, indem sie die Daten mehrerer Server gleichzeitig sichern können. Darüber hinaus verfügt die Version über eine erweiterte Cloud-Unterstützung und nahtlose Migrations- sowie Update-Möglichkeiten.

„Das Konzept des einheitlichen Datenschutzes bietet Unternehmen Vorteile bei der Umsetzung von strengen RPOs (Recovery Point Objective) und RTOs  (Recovery Time Objective) über physikalische, virtuelle und cloud-basierte Umgebungen hinweg“, erklärt Eric Burgener, Research Director Storage Practice bei IDC. „Die Wirtschaftlichkeit wird die Konsolidierung in der Datensicherung vorantreiben, da immer mehr Administratoren versuchen, ihre Prozesse für Backup-, Recovery- und Business Continuity  in der heutigen heterogenen Welt zu vereinfachen“, prognostiziert Burgener.


Bildquelle: © Thinkstock/iStockphoto

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