IaaS aus der deutschen Public Cloud

US-Cloud-Anbietern Anteile abluchsen

Geht es um Public-Cloud-Lösungen für Infrastructure as a Service (IaaS) beherrschen bislang US-amerikanische Cloud-Anbieter den Markt. Mit ihrer in Deutschland produzierten „Open Telekom Cloud“ will der Bonner Konzern den Marktführern nun Anteile abjagen.

  • Telekom-Rechenzentrum in Biere

    Die Telekom Cloud befindet sich u.a. im firmeneigenen Rechenzentrum in Biere in Sachsen-Anhalt.

  • Telekom-Rechenzentrum in Biere

    Blick in die Kommandozentrale im Telekom-Rechenzentrum in Biere

  • Open Telekom Cloud

    Mit der Open Telekom Cloud wollen die Bonner den US-amerikanischen IaaS-Marktführern nun Marktanteile abjagen.

Im Jahr 2015 haben Cloud-Computing-Dienste die Mehrheit aller deutschen Unternehmen erreicht und besonders im Mittelstand Nutzer hinzu gewonnen, so weist es der aktuelle Bitkom-Cloud-Monitor aus. Vor allem für Dienste aus der Public Cloud sollen dabei die Zeichen auf grün stehen: 25 Prozent aller Unternehmen hierzulande nutzen sie – und wenn der Eco-Verband und die Unternehmensberatung Arthur D. Little Recht behalten, wird die Public Cloud bis 2019 um rund 40 Prozent im Jahresschnitt weiter wachsen. Das größte Stück vom Public-Cloud-Kuchen soll danach 2019 an Infrastructure as a Service (IaaS) gehen, mit einem Umsatzanteil von 40 Prozent.

Aktueller Spitzenreiter unter den Anbietern für IaaS-Dienste aus der Public Cloud ist Amazon Web Services (AWS). Laut Eco und Arthur D. Little liegt ihr Marktanteil in Deutschland bei rund 30 Prozent. Microsoft, IBM und Google kommen zusammen auf 20 Prozent. Inzwischen schicken sich auch deutsche Cloud-Provider an, den Platzhirschen die Position streitig zu machen. Sie wollen dabei mit ihrem Standortvorteil punkten – und dürfen sich durch den Bitkom-Cloud-Monitor bestätigt fühlen. Denn die wichtigsten Kriterien deutscher Unternehmen bei der Auswahl ihres Cloud-Providers sind ein Rechenzentrumsstandort ausschließlich in Deutschland („Must Have“ für 76 Prozent) und ein Hauptsitz des Anbieters in Deutschland („Must Have“ für 72 Prozent).

Zwar hat Amazon Ende 2014 ein AWS-Rechenzentrum in Frankfurt/Main eröffnet. Doch mit dem Standortfaktor eines Hauptsitzes in Deutschland kann beispielsweise die Deutsche Telekom dagegenhalten. Sie bietet die IaaS-Leistungen ihrer im März 2016 gestarteten Public-Cloud-Lösung Open Telekom Cloud aus einem Rechenzentrum in Biere in Sachsen-Anhalt sowie dessen Zwillings-Rechenzentrum in Magdeburg, und unterliegt automatisch den strikten deutschen Datenschutzgesetzen.

Load Balancer im Einsatz

Über ein Self-Service-Portal oder programmierbare Schnittstellen (APIs) greifen Unternehmen auf die Cloud-Lösung zu. Mit Sicherheitsmaßnahmen wie der Einrichtung einer Virtual Private Cloud beschränken sie den Zugriff auf ihre Daten und ausgewählten Ressourcen wie Betriebssystem, Server, Speicher und Datenbank. Diese werden nach Bedarf und ohne Mindestabnahmemenge bereitgestellt. Die Services „Autoscaling“ und „Elastic Load Balancer“ sollen Rechenleistungen automatisiert an wechselnden Ressourcenbedarf und Lastspitzen anpassen und Lasten gegebenenfalls auf mehrere Server verteilen. Via API lassen sich Cloud-Ressourcen an die eigene IT ankoppeln, auch über einen IP-VPN-Tunnel.

Doch für welche Unternehmen lohnt sich der IaaS-Einsatz aus der Public Cloud? Ein Bedarf für den flexiblen Bezug von IT-Ressourcen ist branchenunabhängig bei Unternehmen aller Größen feststellbar. Sei es ein Webshop im Weihnachtsgeschäft, ein Start-up während der App-Entwicklung oder ein Großunternehmen wie ein Autohersteller beim virtuellen Crashtest: Sie alle müssen saisonale Schwankungen und temporäre Lastspitzen bewältigen. Insbesondere für Anwendungsfälle wie Test- und Entwicklungsumgebungen, E-Commerce-Lösungen und Backup/Disaster-Recovery lassen sich durch Public-Cloud-Infrastrukturen „Quick Wins“ erzielen, so die Analysten von Crisp Research.

Ein weiterer Vorteil des bedarfsabhängigen Bezugs von Speicher, Rechenleistung & Co. ist finanzieller Art: Unternehmen müssen nicht in teure, weil für Spitzenlasten dimensionierte und daher meist ungenutzte eigene IT-Infrastrukturen investieren, die zudem wartungs- und personalintensiv sind. Stattdessen nutzen sie ein Pay-per-use-Bezahlmodell. Die Cloud-Lösung der Bonner basiert zudem auf der offenen Openstack-Architektur, wodurch ein sogenannter Vendor-Lock-in vermieden wird. Ein Umzug zu einem anderen Anbieter ist stets möglich, und die Openstack-Module, die die einzelnen Services wie Speicher, Rechenleistung oder Netzwerk liefern, sind weiter verwendbar.

Wer mit seinen Applikationen aus einer bestehenden Cloud-Umgebung in die Open Cloud umziehen will, nutzt die Cloud Container Engine. Hiermit sollen sich die Anwendungen innerhalb weniger Minuten per Knopfdruck auf eine andere Plattform verschieben lassen. Aufgrund beständiger hoher Nachfrage hat die Telekom inzwischen damit begonnen, die Kapazitäten der beiden Rechenzentren in Sachsen-Anhalt bis 2018 um 150 Prozent zu erweitern.

Bildquellen: Thinkstock/iStock, Deutsche Telekom

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