15.01.2018 EU-Datenschutz-Grundverordnung

Verbraucher wollen Datenkontrolle einfordern

Nach dem Inkrafttreten der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Mai 2018 wollen europäische Verbraucher die Kontrolle personenbezogener Daten von den Unternehmen zurückfordern, wie eine aktuelle Umfrage ermittelte.

  • Umgang mit personenbezogenen Daten

    Europäische Verbraucher achten genau darauf, wie Unternehmen mit personenbezogenen Daten umgehen.

  • Pega-Studie zur EU-DSGVO

    Der Großteil der Befragten würde ein Geschäftsverhältnis aufgrund von Datenmissbrauch beenden.

Eine internationale Studie des Software-Anbieters Pegasystems hat ergeben, dass eine große Mehrheit der europäischen Verbraucher die neuen Rechte, die sie mit der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) erhalten, auch tatsächlich ausüben wollen. Informationen, die Unternehmen über sie sammeln, wollen sie sehen, begrenzen oder auch löschen. Mit der im Mai 2018 in Kraft tretenden EU-Verordnung müssen Unternehmen in der Lage sein, diesen Forderungen nachzukommen. Andernfalls riskieren sie hohe Geldstrafen.

Die EU-Datenschutz-Grundverordnung soll europäischen Konsumenten die Kontrolle über alle Daten geben, die Unternehmen über sie speichern und verarbeiten – von Name, Adresse und Telefonnummer bis zu Kaufhistorie, Web-Browsing-Aktivität und Echtzeitstandort. Betroffen sind damit insbesondere die Informationen, die Unternehmen typischerweise im Rahmen von CRM-Systemen verwenden. Da viele Unternehmen noch mit Legacy-Systemen arbeiten, wissen sie jedoch laut Studie oftmals gar nicht, wo überall in ihren siloartigen Organisationsstrukturen sie diese Informationen speichern. Von daher prognostizieren die Analysten von Gartner etwa, dass „bis Ende 2018 mehr als 50 Prozent der von der DSGVO betroffenen Unternehmen ihre Anforderungen nicht vollständig erfüllen werden“.

Damit Unternehmen besser abschätzen können, was sie ab Mai 2018 erwarten könnte, hat Pega mehr als 7.000 Konsumenten in sieben EU-Ländern befragt; darunter 1.188 in Deutschland. Eine große Mehrheit der Konsumenten erwartet von den Unternehmen Auskunft über die gespeicherten persönlichen Informationen. So wollen 90 Prozent wissen, wie Unternehmen ihre Daten verwenden; nur etwa vier Prozent hatten daran erklärtermaßen kein Interesse. Dementsprechend möchte auch eine große Mehrheit eine „direkte Kontrolle“ über die Nutzung persönlicher Daten durch Unternehmen haben: für 57 Prozent sei dies sehr wichtig, für weitere 31 Prozent zumindest noch wichtig.

Die Befragten gaben an, dass die Speicherung folgender Informationen für sie akzeptabel ist:

Basisdaten

  • E-Mail-Adresse: 77 Prozent
  • Name: 75 Prozent
  • Geschlecht: 60 Prozent
  • Postanschrift: 54 Prozent
  • Geburtsdatum: 52 Prozent
  • Familienstand: 43 Prozent
  • Telefonnummer: 29 Prozent
  • Anzahl der Kinder: 27 Prozent
  • Einkommen: 11 Prozent

Marketing-Daten

  • Kaufhistorie beim betreffenden Unternehmen: 42 Prozent
  • Kontakt-Logs mit dem betreffenden Unternehmen: 20 Prozent
  • Browsing-Verlauf auf der Website des betreffenden Unternehmens: 12 Prozent
  • Verbindung zu Social Media (etwa Twitter-Adresse): 11 Prozent
  • Kredithistorie: 11 Prozent
  • Erkenntnisse aus allgemein zugänglichen persönlichen Daten: 7 Prozent
  • Echtzeitlokalisierung: 7 Prozent
  • Öffentliche Social-Media-Aktivitäten: 7 Prozent
  • Daten von Dritten: 4 Prozent

Wie wichtig für die Konsumenten der Umgang mit persönlichen Daten ist, zeigen diese Antworten:

  • 93 Prozent der Befragten würden das Recht zur Löschung von Daten in Anspruch nehmen, wenn ein Unternehmen persönliche Daten in einer Weise nutzen würde, mit der sie nicht einverstanden sind.
  • 89 Prozent der Befragten erklärten, sie würden die Geschäftsverbindung zu einem Unternehmen beenden, wenn dieses persönliche Daten in einer Weise nutzen würde, mit der sie nicht einverstanden sind.
  • Korrespondierend dazu erklären 78 Prozent der Befragten, dass sie bevorzugt mit einem Unternehmen Geschäfte machen würden, das mit ihren Daten offen und transparent umgeht; 22 Prozent nahmen hier eine neutrale Position ein – Ablehnung wurde hier überhaupt nicht verzeichnet.

Der wichtigste Anlass für Konsumenten, von Unternehmen die Löschung von Daten zu fordern ist der Austausch von Daten mit anderen Unternehmen oder gar der Verkauf von Daten – 47 Prozent gaben dies als Hauptgrund an. Belästigungen durch Anrufe oder durch andere Marketingmaßnahmen für uninteressante Produkte spielen hier mit 20 Prozent eine geringere Rolle.

Dass auf Unternehmen tatsächlich eine Welle von DSGVO-Anfragen zukommen wird, könnten folgende Zahlen belegen: 26 Prozent der Befragten halten es für sehr wahrscheinlich, dass sie ab Mai 2018 von Unternehmen Informationen über den Umgang mit persönlichen Daten verlangen, bzw. dass sie die Nutzung von Daten begrenzen oder auch eine Löschung verlangen wollen; weitere 54 Prozent halten das noch für wahrscheinlich und nur 13 Prozent für unwahrscheinlich.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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