CRM-Lösung: Interview mit Marcus Dressler, Eckart Hener, Peter Nowottny, Ravensburger

Vertriebssoftware modernisiert

Der Ravensburger Buchverlag entschied sich für die Einführung einer neuen CRM-Lösung, um dem eigenen Anspruch – im Vertrieb eine Vorreiterolle zu übernehmen – gerecht zu werden. Worauf es bei der Implementierung der neuen CRM-Software für den Außendienst des Buchverlags ankam, schildern CIO Marcus Dressler (r.), Projektleiter Eckart Hener (mittig) und der Vertriebsleiter des Buchverlags, Peter Nowottny.

  • Marcus Dressler (r.), CIO von Ravansburger, Projektleiter Eckart Hener (mittig) und der Vertriebsleiter des Buchverlags, Peter Nowottny.

  • Marcus Dressler (mittig), Peter Nowottny (r.) und Eckart Hener sind von der neuen CRM-Software des Anbieters Adito überzeugt.

  • Im Frühjahr und Herbst erscheinen bei Ravensburger jeweils 200 bis 220 Neuheiten.

  • „Unser Anspruch ist es, auch im Vertrieb eine Vorreiterrolle zu übernehmen“, so Peter Nowottny, Vertriebsleiter bei Ravensburger.

ITM: Herr Nowottny, jedes Kind kennt Ravensburger. Wie sehen Sie Ihre Marktposition?
Peter Nowottny:
Ravensburger ist führender Anbieter von Puzzles, Spielen und Beschäftigungsprodukten in Europa und einer der führenden Anbieter von Kinder- und Jugendbüchern im deutschsprachigen Raum. Das blaue Dreieck zählt zu den renommiertesten Markenzeichen in Deutschland.

ITM: Kinder sind allerdings selten die Käufer?
Nowottny:
Richtig, Kinder sind die Nutzer, aber in den allerwenigsten Fällen die Käufer. Gekauft werden unsere Produkte von Eltern, Großeltern, Verwandten und Freunden. Natürlich bieten wir auch viele Produkte für Erwachsene an.

ITM: Wie digital ist Ihre Zielgruppe bereits?
Markus Dressler:
Natürlich spüren wir den digitalen Wandel und positionieren uns entsprechend. Es gibt z.B. die Ravensburger Digital, die klassische Spiele und Digitalisierung in hybriden Produkten zusammenbringt. Auf der anderen Seite ist Digitalisierung ein Treiber für Veränderung im Buchbereich. Wir setzen uns damit auseinander, wie heute und speziell in der Zukunft unsere Zielgruppe lesen wird.

Nowottny: Tatsache ist, dass die meisten belletristischen Werke eins zu eins in Form eines E-Books lieferbar sind. Wenn wir uns jedoch die Hauptnutzergruppe vor Augen halten, hat der Großteil unserer Produkte allerdings keine belletristische Ausrichtung. Vielmehr produzieren wir Pappbilderbücher, die sehr haptisch und speziell für Kinder gemacht sind. Insofern machen wir die Entwicklung zwar mit, sie spielt in unserer Zielgruppe aber noch eine eher untergeordnete Rolle.

ITM: Wie viele Neuentwicklungen bringen Sie im Jahr heraus?
Hener:
Das lieferbare Programm allein des Buchverlags umfasst aktuell rund 2.000 Titel. Zweimal jährlich, jeweils im Frühjahr und Herbst, erscheinen jeweils 200 bis 220 Neuheiten. Um etwa dieselbe Anzahl Titel wird das Programm auch laufend bereinigt.

ITM: Für welche Bereiche sind Sie jeweils zuständig?
Dressler:
Herr Nowottny kommt ursprünglich aus der IT und ist heute Vertriebsleiter des Buchverlags, Herr Hener kommt ebenfalls aus der IT, war später jahrelang im Vertrieb des Spieleverlags tätig und kehrte schließlich zurück in die IT der AG. Ich selbst bin CIO der Ravensburger AG.

ITM: Vertrieb ist ein gutes Stichwort: Im Buchverlag nutzen Sie seit gut einem Jahr die Vertriebssoftware, die seit längerem im Spieleverlag im Einsatz ist. Wie kam es dazu?
Dressler:
Als im Buchverlag Ende 2012/Anfang 2013 die Entscheidung fiel, die dortige Software für den Außendienst nicht nur aufgrund ihres Alters zu ersetzen, lag es nahe, zu schauen, was im Spieleverlag bereits im Einsatz war. So kam die CRM-Software des Anbieters Adito ins Spiel, mit dessen technischen Experten wir seit Jahren zusammenarbeiten.

ITM: Was war der Anlass für die Erneuerung der Vertriebssoftware?
Nowottny:
Es ist etwas sehr Buchspezifisches, dass die meisten Verlage im Bereich der Kundenbetreuung – und dort wiederum speziell im Außendienst – auf Standardsoftware setzen. Es gibt zwei große Anbieter, von denen einer uns seit gut 20 Jahren betreute. Weil das Unternehmen aus der Buchbranche kommt und die Software selbst nutzt, wurde sie entsprechend weiterentwickelt. Dies hat über viele Jahre unseren Ansprüchen genügt.

Die Initialzündung für eine Veränderung kam auf, weil wir sukzessive auch andere Vertriebswege intensiver betreuten und das Verhältnis zwischen klassischem Buchhandel und den neuen Vertriebskanälen immer mehr in Richtung der neuen Kanäle tendierte. Die Anforderungen des Handels und unsere eigene Vertriebsstrategie hatten sich markant verändert. Unsere Branchensoftware konnte diese neuen Bereiche nicht abdecken, die notwendige Diversifizierung fand nicht mehr statt.

ITM: Was macht Ihren Außendienst speziell?
Nowottny:
Wir gehören zu denen, die sich schon immer einen eigenen Außendienst geleistet haben, weil wir anders arbeiten als der Wettbewerb: Unsere Außendienstler und Key Accounter gehen nicht nur in den Buchhandel, sondern auch in Kaufhausfilialen mit Buchabteilungen und in den Bereich LEH. Da ergeben sich wechselnde Anforderungen in den täglichen Abläufen und während des gesamten Jahres, die unterstützt werden müssen. Unser Anspruch ist es, auch im Vertrieb die Vorreiterrolle zu übernehmen, denn sonst werden wir Mittelmaß. Die Zahl an Kunden ist in unserem Branchensegment sehr groß, es gibt laut Statistischem Bundesamt über 4.000 Betriebe im Bucheinzelhandel und über 2.200 Verlage allein in Deutschland. So etwas findet man im Konsumgüterbereich nicht. Wenn man mit elf Außendienstmitarbeitern im Buchverlag ganz Deutschland bearbeitet, muss man sehr gut planen. Es zählen Effizienz, strukturiertes Vorgehen und das Verarbeiten der gesamten Informationen.

ITM: Fließen die Informationen bidirektional?
Dressler:
Ja, der Informationsaustausch zwischen dem Serversystem und den PC-Clients der Außendienstlern erfolgt in beide Richtungen. Das wäre bei der Fülle der Informationen alleine im Kundenbestellwesen auch gar nicht anders zu handhaben.

ITM: An welches ERP-System ist die CRM-Software angedockt?
Dressler:
Es ist ein Standard-SAP-System, ERP 6.0. Aber den Kampf im Mark gewinnt man nicht mit einer Buchhaltungs- oder Personalabrechnungssoftware. Stattdessen gewinnt man mit Marketing, Vertrieb und der Supply Chain, die bei uns auch das Qualitätsmanagement und den Servicebereich umfasst. Genau hier haben wir uns mit Hilfsmitteln der SAP und von uns programmierten Eigenentwicklungen über die Jahre einen Maßanzug geschneidert. Da wir beispielsweise keine Standardauslieferung und keinen Standardvertrieb haben, wurde dieser Maßanzug überall dort geschneidert, wo individuelle Lösungen gefragt waren. SAP hatte und hat für uns allerdings teilweise einen Nachteil: Sie haben tolle Lösungen, die mitunter so gigantisch sind, dass Mittelständler mit ihnen manchmal überfrachtet sind.

ITM: Und hier kam die neue Vertriebssoftware ins Spiel?
Dressler:
Genau. Eckart Hener kannte den Anbieter Adito bereits mehrere Jahre aus dem Spieleverlag, er hatte in diesem Rahmen sogar selbst Teile des dortigen CRM-Systems mitentwickelt – ebenfalls ein Maßanzug für Ravensburger. Über diese Entwicklung wurden natürlich Prozesse geschaffen, die für uns auch international wichtig waren. Und wir glauben, dass wir damit heute ein System haben, das als Vor- bzw. Subsystem für unser ERP-System genau das richtige ist.

ITM: Was macht die gewählte Software zum geeigneten Vorsystem?
Dressler:
Die Software besitzt Funktionen, die für den Außendienst recht komfortabel sind. Diese Funktionen haben wir teilweise zusammen mit Adito entwickelt.

Eckart Hener: Als wir uns Ende der 80er entschlossen, Elektronik im Außendienst einzusetzen, war das ein Riesenschritt. Die Entwicklung des ersten Systems, des Vorgängers von Adito, war bereits eine Individualentwicklung. Das Feinpflichtenheft, die Masken und die Prozesse wurden damals von unserem Außendienst erstellt. Diese Grundeinstellung, Betroffene zu Beteiligten zu machen, hat sich bis heute nicht verändert.

ITM: Wie verlief die Entwicklungsarbeit mit dem Software-Anbieter?
Dressler:
Der Anbieter liefert die Technik, verfügt aber zudem über Projektverantwortliche, die zuhören können, das offene Gespräch führen und nicht versuchen, uns ihr Prozessdenken überzustülpen. Die Software selbst bietet uns einen umfangreichen Baukasten, auf dessen Basis wir unsere Prozesse abbilden konnten. Dies gelang nicht immer gleich zu einhundert Prozent, da gab es naturgemäß Diskussionen.

Hener: Der Softwarelieferant steht ja auch in einem Interessenskonflikt. Einerseits bietet er Standardwerkzeuge an, auf der anderen Seite stehen die individuellen Wünsche der Kunden. Wir haben beispielsweise lange über vermeintlich triviale Dinge diskutiert, wie z.B. welche Funktionalität auf der Leertaste liegt.

ITM: Wie weit geht diese Individualisierung?
Dressler:
Es gibt ja diese Faustregel „80-20 Prozent“, die auf unseren Fall jedoch überhaupt nicht zutrifft. Im CRM-Projekt des Buchverlags hatten wir den Riesenvorteil, dass wir aus dem Spieleverlag bereits wussten, was die Software leisten kann. Wir haben dann im Detail eruiert, was wir brauchen. Wir bewegen uns heute bei ca. 90 Prozent Erfüllungsgrad, auch gerade durch individuelle Entwicklungen. Das heißt, dass wir 90 Prozent von dem, was wir wollten, auch bekommen haben. Von den restlichen zehn Prozent werden fünf noch nachgeliefert. Die anderen fünf Prozent sind Wunschkonzert und bleiben unerfüllt.

ITM: Aber diese 80-20-Regel bezieht sich doch auf 80 Standard und 20 Hinzuprogrammierung?
Dressler:
Wir wussten schon im Vorfeld, aufgrund der Erfahrung aus dem Spieleverlag, dass der 80-Prozent-Standard für uns in keiner Weise realistisch ist. Damit wären wir bei unserem Außendienst durchgefallen. Die kleinen, aber feinen Änderungen machen den Unterschied …

Ein Beispiel: In unserem Falle ist es derzeit noch undenkbar, die Prozesse eins zu eins von Notebooks auf Tablets zu transferieren. Denn bei der Arbeitsgeschwindigkeit unserer Mitarbeiter kommt es auf jede Tastenkombination an. Funktioniert etwas nicht wie gewohnt, kommt direkt eine Mängelanzeige. Das geht soweit, dass wir bestimmte Prozessorleistungen bereitstellen, um den Mitarbeitern die notwendige Geschwindigkeit zu ermöglichen. Es bestand also die Notwendigkeit einer bestimmten Hardware, aber natürlich auch der Software. Mit 80 Prozent im Standard wäre unser Außendienst nie zufrieden gewesen.

ITM: Es wird doch immer so getan, als könnten die Digital Natives gar nicht mehr ohne Tablets und Smartphones?
Dressler:
Derzeit wäre ein Wechsel auf Tablets aufgrund der Menge der Dateneingaben absolut widersinnig. Das heißt nicht, dass dies so bleiben muss. Großartige Feldversuche streben wir jedoch nicht an, denn wir haben keine Zeit, die Mitarbeiter unnötig zu belasten.

Nowottny: Erst kürzlich haben wir das Thema „Tablet“ erneut evaluiert. Tatsache ist: An eine klassische Notebook-Tastatur mit bestimmtem Layout gewöhnen sich die Mitarbeiter in ihrer täglichen Arbeit sehr schnell.

ITM: Eine komplette Eigenentwicklung der Außendienstsoftware stand nicht zur Debatte?
Dressler:
Dinge, die besser bei Spezialisten aufgehoben sind, belassen wir auch dort und versuchen nicht, uns zu profilieren. Hinter dem Gewerk Adito steht hohe technische Professionalität. Bei SAP haben wir eine Workbench namens ABAP, die wir mit unserer Mannschaft beherrschen, zur Entwicklung von Außendienstsoftware aber nicht verwenden können. Hier müssen wir vielmehr mit einem Partner agieren, der über tiefgreifendes Hardwarewissen verfügt und zugleich die Softwarezyklen und Generationenwechsel im Blick hat.

Hener: Im Grunde ist unser CRM-System eine Individualsoftware, nur dass sie nicht durch unsere Leute entwickelt wird, da wir das Know-how nicht besitzen. Dies erledigt unsere verlängerte Werkbank Adito. Es ist keine Standardsoftware, sondern ein Standardbaukasten mit eigener Programmiersprache und Werkzeugen, mit denen man seine Masken und Prozesse abbilden kann.

ITM: Wie ist es denn um die Release-Fähigkeit bestellt?
Hener:
Die wird uns vom Anbieter garantiert, schließlich bewegen wir uns immer innerhalb des Funktionsumfangs. Es ist nicht zu unterschätzen, was der Baukasten an Möglichkeiten bereitstellt, um diese individuellen Anpassungen vorzunehmen.

ITM: Wie kam der Kontakt mit dem Anbieter zustande?
Dressler:
Nach einem Messebesuch wurde die Software samt Anbieter genauer durchleuchtet. Es gab das übliche Bieterverfahren, an dessen Ende wir uns für Adito entschieden. Man muss vielleicht noch ergänzen, dass wir natürlich das SD-Modul von SAP und ein Lagerverwaltungssystem im Einsatz haben. Die Aufträge werden an diese Systeme übergeben, in denen von der Preisfindung über die Kreditlimitprüfung bis zur Auslieferung alles Relevante abgewickelt wird – der eine Kunde will nur 5er-Kartons angeliefert haben, der nächste nur ganze Paletten, wieder andere wollen RFID-Chips. Reine Außendienstaktivitäten hingegen, wie Produktpräsentation, Auftragserfassung aber auch Kundenhistorie, finden hauptsächlich im Subsystem statt.

ITM: Wie gewährleisten Sie die Anbindung des Außendienstes?
Dressler:
Wir betreiben unsere IT für die gesamte Unternehmensgruppe zentral. Auf jedem Außendienst-Notebook befindet sich eine lokale Datenbank. Sobald über VPN eine Verbindung hergestellt wird, findet der Datenabgleich statt. Die Mitarbeiter können offline und online arbeiten.

Nowottny: Das war ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl. Mittlerweile wird suggeriert, dass man jederzeit überall online arbeiten könne. Dem ist jedoch nicht so, weil in Deutschland die entsprechende Bandbreite eben nicht flächendeckend gegeben ist. Hinzu kommt, dass Verkaufsgespräche nicht immer an der Fensterfront eines Büros, sondern teilweise im Lager oder Keller – zwischen Betonwänden – stattfinden. Deshalb gab es diese Online-Offline-Debatte nie wirklich.

ITM: Was war ausschlaggebend für die Zentralisierung der IT?
Dressler:
Teilweise die Compliance. Der wirkliche Treiber jedoch waren die Kosten und der Wunsch, Entscheidungen schnell umsetzen zu können.

ITM: Inwieweit wäre Cloud Computing eine Option?
Dressler:
Cloud Computing betreiben wir selbst. Wir nutzen Private und Public Cloud. Nehmen wir Weihnachten: Am 24.12. gegen 16.30 Uhr werden die Geschenke ausgepackt, woraufhin die Downloadraten für z.B. unseren Tiptoy-Stift schlagartig in die Höhe schießen. Letztes Jahr waren es 16 Terabyte in anderthalb Tagen. Diese Lastspitzen fangen wir über die Cloud ab. Auch Spiele-Applikationen aus unserer Internet-Welt wandern in die Wolke. Dafür werden in einem deutschen Rechenzentrum Breitbandanschlüsse und die notwendigen Server hinzugemietet.

ITM: Handelt es sich ausschließlich um geschäftsunkritische Daten?
Dressler:
Ausschließlich. Wir befürworten zwar Cloud Computing, aber wir werden keine unternehmenskritischen Daten in die Wolke ablegen. Es geht bislang lediglich um das Auffangen besagter Download-Lastspitzen rund um unsere Produkte.

ITM: Warum muss es ein deutsches Rechenzentrum sein?
Dressler:
Aus Datenschutzgründen, egal ob dort datenschutzwürdige Daten liegen oder nicht. Wir gehen hier den sichersten Weg. Unser Cloud-Rechenzentrum befindet sich ebenso wie das Backup-Rechenzentrum in Deutschland. Somit gilt deutsches Recht.

ITM: Ist es wirklich so einfach, Lastspitzen durch Cloud Computing aufzufangen?
Dressler:
Ja, solange man Mitarbeiter hat, die das Konzept verstehen und beherrschen. Wir haben einen Kollegen, der sich hauptsächlich mit dem Thema Cloud und dessen Spielregeln auseinandersetzt. Die Fragestellungen für ein Unternehmen sind andere als im privaten Umfeld: Braucht man einen Load Balancer oder welche Firewall ist nötig? Will heißen, dass man dem Cloud-Partner technische Kompetenz entgegenstellen muss. Wenn die entsprechende Infrastruktur steht, ist es relativ einfach, die Ressourcenregler rauf- und runterzuschieben. Das Erarbeiten der Spielregeln braucht aber Zeit, zusätzlich muss man intensiv testen. Natürlich spielen in diesem Zusammenhang auch rechtliche Aspekte eine Rolle.

ITM: Big Data ist ein neues Schlagwort – auch für Sie?
Dressler:
Wir verwalten zentral etwa 148 Terabyte an Daten, was viel zu klein ist für Big Data. Wir sind weder eine Versicherung noch ein Automobilkonzern. Hinter Big Data steht für mich die Auswertungsmöglichkeit verschiedenster Daten aus verschiedensten Systemwelten und -quellen. Und derart viele Systemwelten haben wir nicht.

ITM: Aber gerade im Außendienst ergeben sich doch eine Menge Daten, auch hinsichtlich Verkaufspotentialen?
Dressler:
Über diese Daten verfügen wir und werten sie über ein Informations- bzw. Cockpitsystem aus. Von dort fließen sie in das CRM zurück.

ITM: Welches System nutzen Sie?
Nowottny:
Wir haben uns seinerzeit mit dem BI-Ansatz befasst und auch einige Anbieter eingeladen, die ihre Lösungen vorstellten. Als Softwarelieferant machte Arcplan mit seiner Entwicklungsumgebung Dynasite das Rennen. Wir arbeiten in klassischen SQL-Welten und mit Cubes im Hintergrund. Die Berichtswelt entwickeln wir mit einer Toolbox selbst, die Datenbankleistung haben wir eingekauft.

Dressler: Wir haben trotzdem auch SAP BI im Einsatz, weil wir zwei Informationswelten haben. Peter Nowottny war im Buchverlag mit Vertriebsreporting der Vorreiter, dort war bereits eine BI-Welt entwickelt worden, bevor SAP BI überhaupt nutzbar war. An dieser Stelle kommt uns erneut zugute, dass wir Erfahrung darin haben, große Datenbestände von A nach B zu übertragen.

ITM: Worauf kommt es in Ihrem Falle an hinsichtlich BI?
Nowottny:
Im Frontend-Bereich werden die Daten von Controllern oder geschulten Sachbearbeitern ausgewertet, die eine wiederkehrende Funktion erfüllen. Sie arbeiten mit Selektionsbildern, und wenn klar ist, wonach sie suchen sollen, gibt es irgendwann ein Ergebnis. Ich hingegen habe einen gleichmäßigen wiederkehrenden Adhoc-Bedarf und Mitarbeiter im Front­end-Bereich, die nicht immer beurteilen können, ob die Daten plausibel sind. Dies heißt im Umkehrschluss: Ich muss alles vordenken. Ein Bericht ist für mich ein mit der Klientel abgestimmter, fertiger Bericht, der sich lediglich in einer Dimension Zeit oder im Wechsel von Kennzahlen bewegt. Und da spielt ein gut designter Cube eine sehr große Rolle. Das Ergebnis ist in der Regel sehr schnell da, und zwar für alle gleich und somit auch diskutierbar.

Anders ausgedrückt: Man kommt mit Excel an alle Datenbanken heran. Die Mitarbeiter müssen aber wissen, was sie tun. Denn die Ergebnisse müssen vergleichbar sein.

ITM: Wie wichtig sind der ständige Austausch und die Anpassung der Ziele?
Nowottny:
Ich verstehe, worauf die Frage abzielt. Jedoch: In meiner praktischen Welt gibt es weder diese große Kreativität noch viele neue Bedürfnisse. So vielfältig unser Geschäft in Bezug auf Kunden und Produkte auch ist, so relativ simpel ist letztlich das Berichtswesen.

Ravensburger ist ein zahlengesteuertes Unternehmen, wir versuchen unsere Informationen ordentlich zu visualisieren. Die Berichte in meinem Verantwortungsbereich des Vertriebs werden in der Regel monatlich erstellt, folglich setzen sich unsere Mitarbeiter zwölf Mal im Jahr an das System und schauen sich ihr Business gezielt und im Detail an. Da geht es in erster Linie darum, vorgefertigte Kennzahlen zu interpretieren, Plan-Ist-Vergleiche aufzustellen und Situationen und Entwicklungen zu erläutern.
Es kann einmal vorkommen, dass ein Mitarbeiter eine Kennzahl oder einen Bericht vermisst. Dann kann man über eine Verbesserung diskutieren.

ITM: Welche Rolle spielen für Sie Referenzen bei der Auswahl von IT?
Dressler:
Ganz ehrlich – wenn man nach Referenzen fragt, wird einem kein IT-Anbieter ein misslungenes Projekt nennen. Andererseits: Wenn man heute SAP einführt, wird so mancher Mittelständler wahrscheinlich nicht genau wissen, was auf ihn zukommt, obgleich es tausende Referenzen gibt.

Im Grunde muss man bereit sein, auch einmal etwas zu riskieren, wenn man von etwas überzeugt ist. Wenn wir aus einem erklärbaren Grund mit Adito im Buchverlag gescheitert wären, wäre dies zwar gründlich daneben gegangen, doch wir wären als Verantwortliche vorangegangen, hätten sicherlich kein Lob bekommen, aber der Ravensburger Buchverlag wäre nie extentiell gefährdet gewesen, da wir stets ein Fallback-Szenario hatten. Wir haben es beispielsweise im Supply-Chain-Segment schon erlebt, dass wir auf wirklich bekannte Partner setzten, die plötzlich aufgekauft wurden. Dann waren die uns bekannten Gesichter auf einmal nicht mehr zu sehen.

ITM: Es muss auch menschlich passen?
Dressler:
Der menschliche Faktor und das Produkt sind die wesentlichen Faktoren. Hinzu kommt, dass wir bei Ravensburger nicht versuchen, überall die letzten zwei Prozent herauszupressen. Man kann das niedrigste Angebot annehmen, muss sich aber darüber im Klaren sein, dass sich der Dienstleister das entgangene Geld irgendwann zurückholen wird. Natürlich haben wir auch mit Adito hart verhandelt, haben jedoch nicht überzogen. Auf diese Weise entsteht Vertrauen und es geht bei zusätzlichen Dienstleistungsangeboten fair zu. Wir kündigen keine Partnerschaft leichtfertig auf, nur weil ein Mitbewerber ein vermeintlich unschlagbares Angebot macht.



Marcus Dressler

  • Alter: 54 Jahre
  • Familienstand: verheiratet, zwei erwachsene Söhne
  • Beruflicher Werdegang: Industriekaufmann, IT-Operator, Programmierer, Datenbankadministrator, Systemadministrator, Systemanalyst und Projektmanager, CTO, CIO
  • Derzeitige Position: CIO
  • Hobbys: alles außer Facebook


Peter Nowottny

  • Alter: 53 Jahre
  • Familienstand: verheiratet, ein Kind
  • Beruflicher Werdegang: Duales Studium der Betriebswirtschaft, erste Erfahrungen im Bereich Auslieferung/Export bei Ravensburger, danach mehrere Jahre IT-Tätigkeit als Organisator, 1996 Wechsel in den Vertrieb des Buchverlags
  • Derzeitige Position: Vertriebsleiter Service und Logistik
  • Hobbys: Familie, Reisen (Berge und Meer), Musik


Eckart Hener

  • Alter: 53 Jahre
  • Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
  • Beruflicher Werdegang: BWL-Studium an der FH Nürtingen, seit 1991 im Ravensburger Spieleverlag als Sales Information Manager, seit 2011 in der IT-Abteilung als Projektmanager
  • Derzeitige Position: Senior System Analyst und Project Manager
  • Hobbys: Sport und Reisen

 

Das ist Ravensburger
 Ravensburger ist führender Anbieter von Puzzles, Spielen und Beschäftigungsprodukten in Europa und einer der führenden Anbieter von Kinder- und Jugendbüchern im deutschsprachigen Raum. Das Programm umfasst – inklusive aller landesspezifischen Ausgaben – rund 8.000 verschiedene Produkte, die weltweit verkauft und zu 90 Prozent selbst gefertigt werden. 1.667 Mitarbeiter erwirtschafteten 2012 einen Umsatz von 330 Mio. Euro. 
www.ravensburger.de


Bildquelle: © Claus Uhlendorf

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