Cloud Service von Amazon Web Services

Videobibliothek on demand

Mit ihrer „Digital Concert Hall“ erreichen die Berliner Philharmoniker ein weltweites Publikum. Für die Bereitstellung der audiovisuellen HD-Konzertmitschnitte rund um den Globus sorgen Web- bzw. Cloud services auf Basis einer globalen IT-Infrastruktur.

Mit der „Digital Concert Hall“ betreibt das Berliner Ensemble eine eigene Video-Streaming-Plattform.

Nur wenige Klassikorchester-Ensembles haben es geschafft, zur Marke von Weltrang zu avancieren. Den Berliner Philharmonikern ist dies gelungen. Anders als bei der Musik setzt das weltberühmte Ensemble bei seinem Geschäftsmodell konsequent auf Moderne statt auf Klassik: So gründete man mit Unterstützung der Deutschen Bank 2008 die Berlin Phil Media GmbH als hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stiftung Berliner Philharmoniker, um eine eigene Video-Streaming-Plattform zu betreiben.

Die sogenannte „Digital Concert Hall“ sollte Fans rund um den Globus, die nicht schnell zum nächsten Konzert nach Berlin, Prag oder Salzburg jetten können, ein Konzerterlebnis bieten. Die perfekte Akustik im eigenen Konzertsaal sollte via Internet auf der ganzen Welt erlebbar gemacht werden. Auf www.digitalconcerthall.com stehen heute Live- und On-Demand-Aufnahmen aller Konzerte in der Berliner Philharmonie zur Verfügung– in voller Länge und HD-Qualität. Übertragen wird das Klassikerlebnis auf internetfähige Fernseher und Bluray-Disc-Play oder als mobile App für iPhone und iPad. Hierzu haben die Berliner ihr eigenes Content-Delivery-Netzwerk (CDN) aufgebaut und weiterentwickelt. Das zunächst über andere große Netzwerke betriebene System funktionierte nicht ganz so reibungslos wie erhofft. Eine zuverlässige Videoübertragung war jedoch entscheidend für die Kundenzufriedenheit. Einen Schritt nach vorn wollte man mit der Entscheidung machen, den audiovisuellen Content mithilfe von Amazon Web Services (AWS) und Adobe Media Server verfügbar zu machen. Seitdem liegen die Daten als Bibliothek im AWS-Rechenzentrum in Irland. Mehr als 200 gut dokumentierte Konzertmitschnitte lagern hier inzwischen, jedes neue Konzert der Philharmoniker wird direkt gespeichert und automatisch an alle Rechenzentren des Anbieters weltweit verteilt. Durch dieses Konzept fallen die Pufferaustauschzeiten bis zum Endkunden gering aus, woraus eine Zeit- und Kostenersparnis bei der Übertragung resultiert. Und: Die Kunden erhalten rund um den Globus verzögerungsfreie Videos in HD-Qualität.

So haben die Philharmoniker mittlerweile über 15.000 Kunden für ihre Digital Concert Hall gewonnen. Ein gutes Viertel davon wohnt in Deutschland, etwa 20 Prozent jeweils in den USA und in Japan. Angeboten wird der Video-on-Demand-Service aber auch in weiteren Ländern in Westeuropa sowie in Kanada, Südamerika und Australien. 14,90 Euro pro Monat zahlen Abonnenten für die Livekonzerte und die Nutzung des Archivs. „In wenigen Jahren wird dieses Archiv ein Onlinestandardwerk für klassische Musik sein“, erklärt Alexander D. McWilliam, Director Online Development bei der Berlin Phil Media GmbH.

Hohe Übertragungsqualität

„Da unsere Videobibliothek so groß und unser Publikum auf der ganzen Welt verteilt ist, mussten wir eine Lösung finden, die es ermöglicht, klassische Musikkonzerte in Bild und Ton garantiert unterbrechungsfrei zu genießen“, so McWilliam. Während die meisten großen Content Delivery Networks die Komplexität und Skalierbarkeit der Videobereitstellung in guter Qualität bewältigen, war keines in der Lage, rund um den Globus die Zuverlässigkeit und Leistung zu erzielen, die das Klassikpublikum erwartet. So fällt beim Videostreaming mit zunehmender Distanz die Datenübertragungsrate immer niedriger aus, bis eine zuverlässige HD-Übertragung an entfernten Standorten kaum noch möglich ist. Trotz Optimierungsversuchen mit mehreren Serverstandorten, höherer Time to Live, Cache-Vorwärmung oder Multi-Tier-Caches war das gewünschte Ergebnis, die Konzertvideos in möglichst gleichmäßig hoher Qualität weltweit zu verbreiten, durch verschiedene Provider nicht realisierbar.

Für die Einrichtung eines skalierbaren Geschäftsmodells mit Möglichkeiten zur weiteren Internationalisierung erwies sich Cloud Computing als einzige Lösung. Dabei fiel die Wahl auf die Amazon Web Service – genauer gesagt zunächst auf Tec Racer, einen Dienstleister, der sich in Deutschland einen Namen als Adobe-Media-Server-Solution-Provider gemacht hat und als Amazon-Partner fungiert.

Dabei sieht die Lösung wie folgt aus: Amazon hat einen Medienserver in jeder Region– außer in Singapur – installiert. Jeder dieser linux-basierten Medienserver speichert eine Kopie der gesamten Videobibliothek auf EBS-Volumes für möglichst kurze Suchzeiten. Die Umsetzung dauerte ungefähr einen Monat. Gestartet wurde mit drei Regionen, nämlich Irland, Virginia und Tokio. Sehr schnell wurde die Infrastruktur auf Oregon, São Paulo und Sydney erweitert.

„Der Cloud-Anbieter hat uns gut unterstützt und alles dokumentiert. Was bei anderen Providern eine Blackbox war, ist nun für uns transparent einsehbar und steuerbar. Durch die Umstellung auf die neue Infrastruktur haben Kundenbeschwerden bezüglich Pufferungsproblemen bei der Übertragung um 90 Prozent abgenommen, der Rest geht meist auf das Konto der sogenannten letzten Meile zum Kunden, die nicht überall so gut ausgebaut ist“, erklärt McWilliam.

Was die Zukunft angeht, zeigt er sich zuversichtlich und neugierig zugleich: „Wir sind gespannt, welches Wachstumspotential uns langfristig erwartet.“ Generell könnten sich künftig auch andere Orchester von Weltrang anschließen und ihre Konzerte über die Digital Concert Hall vertreiben. So könnte irgendwann ein eigener HD-Klassik-Kanal im Internet entstehen – damit würde ausgerechnet die Klassik in Sachen Zukunftsmusik ganz vorne mitspielen.


Die Berliner Philharmoniker

  • Branche: Kunst und Kultur
  • Gründung und Geschichte: Das Orchester ist seit 2002 als Stiftung des öffentlichen Rechts unter Trägerschaft des Landes Berlin organisiert.
  • Standort: Nachdem das alte Stammhaus in Berlin 1944 zerstört wurde, ist seit 1963 die von Hans Scharoun konzipierte neue Berliner Philharmonie am Kemperplatz in Tiergarten die Heimstätte des Ensembles.
  • Mitarbeiter: 128 Planstellen

www.berliner-philharmoniker.de

Bildquelle: © Thinkstock/iStockphoto

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