Software Asset Management

Virtualisierung bringt Komplexität fürs Lizenzmanagement

Die zunehmende Virtualisierung verändert das Aufgabenspektrum des Software Asset Managements (SAM). Zu On-premise-Lizenzen kommen nun virtualisierte und Cloud-Lizenzen hinzu. Gleichzeitig gehören Software-Audits durch die Hersteller mittlerweile zum Alltag, wodurch steigende Komplexität auf verstärkte Kontrolle trifft. Unternehmen haben daher gute Gründe, ihre SAM-Prozesse auf den Prüfstand zu stellen.

  • Virtualisierung sorgt für Komplexität

    Virtualisierung bringt Komplexität fürs Lizenzmanagement

  • Carsten Wemken, Comparex

    Carsten Wemken, Consultant Software Asset Management bei Comparex

Wie stark die Komplexität im Lizenzmanagement ansteigt, hängt davon ab, was Unternehmen virtualisieren. Die Spannbreite reicht von Infrastructure as a Service (IaaS), bei dem zusätzliche Rechnerkapazität angemietet wird, bis hin zum Software as a Service (SaaS), bei dem Unternehmen das tatsächliche Software-Endprodukt erwerben.

Jede einzelne Komponente bringt ihre eigenen Lizenzbestimmungen mit sich. Zusätzliche Komplexität entsteht durch die Interaktion der Elemente, etwa wenn SaaS-Produkte auf IaaS-Strukturen installiert werden. „Die meisten SaaS- und IaaS-Angebote stammen normalerweise von unterschiedlichen Herstellern. Die Kompatibilität lässt sich daher nicht immer voraussetzen“, erklärt Carsten Wemken, Consultant Software Asset Management bei Comparex. „Je mehr Produkte im Unternehmen im Einsatz sind, desto mehr Querverbindungen entstehen, deren Übereinstimmungen mit den Lizenzbedingungen wiederum überprüft werden müssen.“

Virtualisierung ist darüber hinaus nicht gleich Virtualisierung: Unternehmen können im eigenen Rechenzentrum Private-Cloud-Strukturen etablieren oder sie nutzen die Public Cloud von Herstellern wie Microsoft oder VMware. Aber je nachdem, ob eine dedizierte Cloud oder geteilte Cloud angemietet wurde, ergeben sich wieder Unterschiede in der Lizenzierung. Daneben existieren Zwischenlösungen, sogenannte Hybrid Clouds, bei denen ein Teil der Anwendungen im eigenen Rechenzentrum und andere wiederum auf der Plattform des Herstellers laufen.

Software-Lizenzen: Der Teufel steckt im Detail

Wie komplex virtualisierte Strukturen sein können, zeigt zum Beispiel das Zusammenspiel von Server-Applikationen von Microsoft und Virtualisierungstechnik von VMware. Über VMware implementieren Unternehmen virtuelle Server und organisieren Hosts sowie Cluster. Über die Funktion vSphere Distributed Resource Scheduler (DRS) lässt sich ein virtueller SQL-Server in einem Cluster automatisiert von Host zu Host flexibel zuteilen. Setzen Unternehmen nun Microsoft-Server-Applikationen ein, sind sie lizenztechnisch nur auf der sicheren Seite, wenn sie die Microsoft-Wartung „Software Assurance“ für umfassende Lizenzmobilität mitlizenziert haben. Ohne dieses Recht müssten Unternehmen jede theoretische Situation lizenzieren, also genau so viele SQL-Server-Lizenzen bezahlen wie Hosts in dem Cluster vorhanden sind. Durch ein Deaktivieren von DRS vermeiden Unternehmen dieses Szenario – müssen dies jedoch Microsoft nachweisen.

Generell ist es förderlich, wenn Lizenznehmer proaktiv auf die Software-Hersteller zugehen und ihre Software-Nutzung transparent offenlegen. Eine regelmäßige Übermittlung einer Lizenzbilanz beispielsweise sichert Unternehmen nicht nur rechtlich ab, sondern wirkt sich auch positiv auf die Zusammenarbeit aus.

Virtualisierte Oracle-Server

Bei Oracle-Servern, die über VMware virtualisiert sind, hingegen müssen immer mindestens alle Hosts eines Clusters lizenziert werden – egal ob DRS aktiviert ist oder nicht. Für Unternehmen, die aktuelle VMware-Versionen einsetzen, könnte das äußerst kostspielig werden. Denn ab VMware 5.1 ist es beispielsweise möglich, Server auch über Cluster-Grenzen hinweg migrieren zu lassen. Damit müssten sämtliche Cluster mit allen Hosts im vCenter lizenziert werden. Ab VMware Version 6 kann man sogar Server über vCenter-Grenzen hinweg migrieren. In diesem Fall müsste ein Unternehmen dann eigentlich alle eigenen Hosts lizenzieren.

Ein weiterer Fallstrick bei der Virtualisierung von Anwendungen ist die Lizenzierung von Desktop-Applikationen pro Endgerät, beispielsweise bei den Microsoft-Produkten Office, Visio und Project. Oftmals setzen Lizenzverantwortliche fälschlicherweise die Lizenzierung pro Endgerät mit der pro Anwender gleich. Sobald aber etwa Visio auf einem Server installiert ist und von jedem Rechner im Unternehmen gestartet werden kann, müssen für alle Geräte Visio-Lizenzen erworben werden – selbst wenn nur ein einziger Anwender das Recht hat, das Programm zu benutzen. Auch eine technische Begrenzung des Anwenderkreises ändert an der Lizenzvorgabe pro Endgerät nichts.

Virtualisierung potenziert Komplexität

Die Virtualisierung von Anwendungen verschärft somit die Komplexität im Lizenz-Management enorm. Die bekannte Vielfalt bei „normalen“ On-premise-Lizenzen lässt sich ebenso auf Virtualisierungsangebote übertragen. Dabei sollten Unternehmen bedenken, dass sich die Komplexität nicht einfach nur verdoppelt. Durch die Kombination unterschiedlicher Lizenztypen wird diese potenziert – genauso wie der Aufwand, alles im Blick zu behalten.
Der Inhalt von Audits und Compliance-Projekten verändert sich durch die neuen Lizenztrends dagegen nicht. Im Zentrum steht weiterhin die Lizenzbilanz, also der Abgleich der bezahlten Lizenzen mit den tatsächlich verwendeten. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, das vorhandene Lizenzwissen zu erweitern sowie regelmäßig zu aktualisieren.

„Zudem müssen die Prozesse zwischen den beteiligten Abteilungen, also Personal, Einkauf und IT, gut organisiert sein. In vielen Lizenzbestimmungen verbergen sich Wechselwirkungen, die leicht übersehen werden. Beispielsweise führen zusätzliche Prozessoren in einem Server bei manchen Anwendungen zu zusätzlichen Lizenzkosten“, beschreibt Carsten Wemken. „Dies verlangt nach organisatorischen Veränderungen, die sich nur teilweise durch Automatisierungen mit geeigneten SAM-Tools umsetzen lassen.“

Im Fokus des Lizenzmanagements bleibt dennoch der richtige Umgang mit den Software-Lizenzen. Der Aufwand dafür hängt natürlich von mehreren Faktoren ab: die Unternehmensgröße, die Anzahl der Hersteller, für deren Produkte Lizenzbilanzen benötigt werden, die Bandbreite der eingesetzten Software sowie die einzelnen Zielsetzungen der Unternehmen. Manche IT-Abteilung ist von diesem Aufwand für das Lizenzmanagement überfordert.

Anstatt alles autark umsetzen zu wollen, bieten sich spezialisierte Dienstleister unter Umständen als kosteneffizientere Alternative an. Sie unterstützen bei der Definition der richtigen Strategie und helfen bei der akkuraten Umsetzung. Durch deren umfangreiche Expertise und das aktuelle Know-how können sie oftmals kostengünstige Lösungen finden. In Form von Managed Services lassen sich sowohl das gesamte Lizenzmanagement als auch Teile davon auslagern.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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