Barrierearme ERP-Software

Von und für Menschen mit Handicap

Die AfB entwickelt barrierearme ERP-Software für ihre 440 Mitarbeiter, von denen 45 Prozent Menschen mit Behinderung sind. Deren Geschäftsführer Daniel Büchle erklärt die Idee des gemeinnützigen IT-Unternehmens.

  • Daniel Büchle, Geschäftsführer der AfB gGmbH

    „Besonderes ist, dass jeder Partner die ökologische Wirkung abrufen kann, die durch Remarketing seiner Hardware erreicht wurde“. (Daniel Büchle, Geschäftsführer der AfB gGmbH)

  • Mitarbeiter gibt Daten am PC ein

    Das gemeinnützige IT-Unternehmen AfB hat mit „Reform“ ein nachhaltiges Produkt entwickelt.

ITM: Herr Büchle, AfB hat ein eigenes ERP-System programmiert, das barrierearm ist. Was bedeutet das?
Daniel Büchle:
AfB benötigte eine Software-Lösung, die alle Prozesse des IT-Remarketings inklusive Controlling, IT-Asset-Reporting und CSR-Reporting verbindet und u.a. von Menschen mit Behinderung bedient werden kann. Unsere Lösung heißt „Reform“ und verfügt z.B. über eine entsprechend angepasste Benutzeroberfläche.

ITM: Welche speziellen Herausforderungen muss dieses Warenwirtschaftssystem erfüllen und was unterscheidet es von herkömmlichen Lösungen?
Büchle:
Alle AfB-Mitarbeiter arbeiten permanent mit dem System. Da viele von ihnen aus fachfremden Bereichen kommen, müssen sämtliche Prozesse durch die Lösung revisionssicher abgedeckt sein. Hinzukommen die Zugriffe unserer externen, rund 1.000 Partnerunternehmen, die u.a. Aufträge zur Abholung ihrer Gebraucht-IT platzieren, durchgehend den Bearbeitungsstatus ihrer Geräte verfolgen können und automatisiert Datenvernichtungsnachweise und Auditberichte erhalten. Besonderes ist, dass jeder Partner die ökologische Wirkung abrufen kann, die durch Remarketing seiner Hardware erreicht wurde.

ITM: Waren an der Entwicklung Menschen mit Behinderung beteiligt?
Büchle:
Ja, bei der Entwicklung von Reform und in den Projektteams. Software-Entwickler mit Behinderung haben das CRM-Modul für den Vertrieb eigenständig implementiert.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 3/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.


ITM: Welche Hürden gab es bei der Umsetzung und wie haben Sie diese gelöst?
Büchle:
Wir sind in vier Länder expandiert und unsere Prozesse müssen stetig angepasst werden. 2007 haben wir deshalb ein eigenes CRUD-Framework entwickelt, womit wir Module einfach, schnell und stabil implementieren können. Auch die zu verarbeitende Datenmenge war eine harte Nuss: Da unsere Partner den Bearbeitungsstatus ihrer Geräte durchgehend nachverfolgen können und wir diese Daten möglichst lange vorhalten möchten, arbeitet das System mit vielen Millionen Datensätzen. Daher mussten wir die Performance durch geeignete Caching-Mechanismen und eine nutzungsorientierte Datenbank-indizierung sicherstellen. Ohne eigene Software wären sicher Tool-Wechsel notwendig gewesen, die womöglich unser Wachstum gebremst hätten.

ITM: Wie schätzen Sie den Markt für nachhaltige Produkte ein?
Büchle:
Die Anzahl an IT-Refurbishern ist sehr hoch und der Bedarf an professionellen Software-Lösungen vorhanden. Sollten wir „Reform“ am Markt anbieten, gäbe es viele Interessenten.

Bildquelle: AfB

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