Editorial

Vornehme Zurückhaltung?

Die Wogen schlugen hoch, als Edward Snowden im Juni mit hochbrisanten Informationen zur Spionagetätigkeit von NSA und britischem Geheimdienst an die Öffentlichkeit ging. Sämtliche Sachverhalte rund um Prism und Tempora aufzuführen, würde an dieser Stelle jedoch zu weit führen. Dennoch sei ein kurzer Blick auf die Nicht-Reaktionen der IT-Branche gestattet.

Die Wogen schlugen hoch, als Edward Snowden im Juni mit hochbrisanten Informationen zur Spionagetätigkeit von NSA und britischem Geheimdienst an die Öffentlichkeit ging. Sämtliche Sachverhalte rund um Prism und Tempora aufzuführen, würde an dieser Stelle jedoch zu weit führen. Dennoch sei ein kurzer Blick auf die Nicht-Reaktionen der IT-Branche gestattet.

In der Regel greifen IT-Anbieter aktuelle Ereignisse gerne auf, um die eigenen Technologien und Produkte ins rechte Licht zu rücken. So rief der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im Frühjahr 2010 zahlreiche Anbieter von Web- und Videokonferenzen auf den Plan. Aufgrund des damals verhängten Flugverbots über weiten Teilen Europas wurden diese nicht müde, die Vorteile ihrer virtuellen Meetings zu preisen. Ähnliche Aktivitäten kann man auch bei anderen Naturkatastrophen feststellen, etwa bei dem jüngsten Jahrhunderthochwasser. Just zu diesem Zeitpunkt betonten nicht wenige Backup- oder Hochverfügbarkeitsspezialisten, wie sicher und verfügbar sie doch kritische Geschäftsdaten in ihren Rechenzentren vorhalten können.

Anders nach den Enthüllungen Snowdens: Die Größen der ITK-Branche hielten die Füße still, vor allem US-amerikanische Anbieter übten vornehme Zurückhaltung und offizielle Statements waren bzw. sind bis dato Fehlanzeige. Lediglich hiesige Sicherheitsspezialisten machten darauf aufmerksam, dass ausgeklügelte Verschlüsselungssysteme oder Security-Lösungen mit dem Siegel „Made in Germany“ (ausreichend) Schutz vor ausländischen Spionagemaßnahmen bieten könnten.

Seltsam scheint auch, dass sich die Anbieter von (Public-)Cloud-Computing-Lösungen derzeit extrem bedeckt halten. Seltsam deshalb, da sie in der Zeit vor dem Bekanntwerden des Skandals nicht müde wurden, die Vorzüge der Wolke immer wieder zu betonen. Eine solche Zurückhaltung lässt bestimmte Schlüsse zu. Vielleicht sind die viel gepriesenen Cloud-Services, selbst wenn diese in deutschen bzw. europäischen Rechenzentren vorgehalten werden, doch nicht so sicher wie gedacht? Oder will man sich zunächst aus der Schusslinie heraushalten und abwarten, bis sich die Wogen wieder geglättet haben? Wir sind gespannt, wie es weitergeht, was die Branche aus diesen Vorfällen lernt und inwieweit der Gesetzgeber in Zukunft solchen Spionagefällen einen Riegel vorschieben will.

Bildquelle: © Thinkstock/Hemera

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