Selbst Bitkom mahnt verhalten:

Vorsicht bei Online-Produktbewertungen

Eine repräsentative Befragung von Bitkom Research unter 1.111 deutschen Online-Shoppern ab 14 Jahren zum Umgang mit Produktbewertungen brachte Erstaunliches zutage. Zwei Kernaussagen: Zum einen beeinflussen die Einschätzungen anderer Kunden die Kaufentscheidung vieler Verbraucher, zum anderen vertrauen lediglich 13 Prozent der Nutzer Online-Produktbewertungen grundsätzlich NICHT.

Erstaunlich ist dieses recht positive Ergebnis deshalb, weil schon seit längerem bekannt ist, dass Unternehmen Agenturen damit beauftragen, beschönigende und dadurch irreführende Bewertungen unter ihren eigenen Produkten und Dienstleistungen zu „platzieren“. Von verschiedenen Kennern und Insidern ist zu vernehmen, dass gar bis zu 80 Prozent aller Online-Bewertungen gefälscht bzw. inszeniert seien.

Selbst der Bitkom mahnt denn auch zur Vorsicht und fragt, wie verlässlich die Bewertungen von „Liane87“ oder „Der Kritiker“ wirklich sein können? „Tatsächlich kommen immer wieder Fälle von gefälschten Produktbewertungen ans Licht“, sagt Verbands-Chef Bernhard Rohleder. Deshalb müssten die Kunden in seinen Augen jedoch nicht auf diese Art Informationsmöglichkeit verzichten. Denn: „Viele Portale betreiben großen Aufwand, um manipulierte Bewertungen zu entfernen – zum Beispiel mit spezieller Software, die Fälschungsmuster erkennt, oder geschulten Mitarbeitern, die Fälschungen aufspüren. Der Verbraucher kann mithilfe einiger Kriterien auch selbst oft reale von falschen Bewertungen unterscheiden.“

Eine gesunde Portion Misstrauen ist laut Bitkom beispielsweise dann angebracht, wenn das Lob für ein Angebot allzu überschwänglich ausfällt. Auch besonders geschliffene Formulierungen können auf eine Fälschung hindeuten, wenngleich viele Fälscher inzwischen dazu übergegangen sind, absichtlich Grammatik- oder Rechtschreibfehler einzubauen, um ihre Bewertungen glaubhafter wirken zu lassen. Bei Reisen können authentische Fotos ein Indiz für die Echtheit des Beitrags sein. Generell gilt: Je mehr Bewertungen für ein Produkt oder eine Dienstleistungen abgegeben wurden, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Gesamtbild realistisch ausfällt. Gerade bei hohen Ausgaben, etwa für Luxusreisen, sollten Kunden zudem immer mehrere Quellen heranziehen, um sich einen verlässlichen Eindruck von der Qualität des Angebots zu verschaffen.

Es ist wie immer: Wo immer die Möglichkeit zu Betrug und Fälschung vorhanden ist, wird es Menschen geben, die genau dies tun. Gerade die Anonymität im Internet dient dabei als vortrefflicher Schutz. Und selbst wenn die Algorithmen zum Aufspüren falscher Bewertungen immer besser werden sollten, werden die Betrüger immer neue Wege der Manipulation finden.

Der Bitkom spricht von den großen Portalen, die großen Aufwand betreiben, faule Bewertungen ausfindig zu machen. Das tun sie aber doch nur deshalb, weil ihr eigenes Renommee und ihre Reputation auf dem Spiel steht. Welches Interesse haben jedoch private Vermieter von Ferienwohnungen oder nicht an Portale angebundene Produkt-, Reise- oder Dienstleistungsanbieter, Software zum Aufspüren einzusetzen? – Wohl kein allzu großes...

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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