Kostenlos kann teuer werden

Vorsicht vor Freeware im Finanzbereich!

Im Interview warnt Erik Heinrich, Geschäftsführer der Trifinance GmbH, dass bei kostenlosen Finanzlösungen Vorsicht geboten sei, da meist nur eine eingeschränkte Funktionalität geboten werde und der Zukauf von zusätzlicher Funktionalität notwendig sei.

Erik Heinrich, Trifinance

„Es ist durchaus möglich, dass Freeware die steigenden Anforderungen irgendwann nicht mehr gerecht werden kann“, meint Erik Heinrich, Geschäftsführer der Trifinance GmbH.

ITM: Herr Heinrich, welche Faktoren beeinflussen derzeit die Entwicklung von modernen Finanzsoftware-Lösungen?
Erik Heinrich:
Die moderne Finanzsoftware wird insbesondere durch die Themenstellungen „Big Data“ und „Mobilität geprägt“. Demnach muss zeitgemäße Finanzsoftware große Datenmengen effektiv aufbereiten und bereitstellen können. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Finanzsoftware-Lösungen die Möglichkeit bieten, die Daten bzw. Reports mobil abrufen zu können.

ITM: Welche Rolle spielt hierbei die Internationalisierung von mittelständischen Unternehmen – sei es in Form von Tochtergesellschaften im Ausland oder in Form von grenzüberschreitendem An- und Verkauf von Produkten und Dienstleistungen?
Heinrich:
Die Internationalisierung von mittelständischen Unternehmen spielt dabei eine wichtige Rolle. Diese geht mit neuen Herausforderungen einher, wie z.B. verschiedene sowohl technische als auch kaufmännische Voraussetzungen und Anforderungen.

ITM: Unterschiedliche Währungen, Kursschwankungen und verschiedenen hohe Umsatzsteuersätze in den einzelnen Ländern: Inwieweit sind dies Hürden für eine Finanzsoftware?
Heinrich:
Die genannten Themen haben unmittelbare Auswirkung auf die Flexibilität bzw. Anpassbarkeit der Finanzsoftware hinsichtlich der Bedürfnisstruktur des jeweiligen Unternehmens. Ferner gilt es, Schnittstellen zu anderen Informationsquellen vernünftig abzubilden – eine besondere Herausforderung für Software-Lösungen in Bezug auf Stabilität und Sicherheit.

ITM: Mit welchen weiteren Stolpersteinen müssen Mittelständler im Rahmen ihrer Finanzbuchhaltung rechnen, wenn sie international aktiv sind?
Heinrich:
Durch internationale Aktivitäten steigen die Anforderungen an die eingesetzte Software. Diese muss in der Lage sein, unterschiedlichste Finanzbuchhaltungsstandards verschiedener Länder aufzunehmen und harmonisieren zu können. In diesem Zusammenhang spielt das Thema „Konsolidierung“ eine große Rolle – eine unabdingbare Anforderung an eine international einsetzbare Finanzsoftware.

ITM: Welche Rolle spielt indes das Thema „Mobilität“ im Bereich „Finanzsoftware“ – etwa in Form von mobiler Finanzbuchhaltung? Nutzen Mittelständler das?
Heinrich:
Die Thematik „Mobilität“ erfährt seit mehreren Jahren zunehmend einen Zuwachs an Bedeutung. Es ist für Führungskräfte oder Projektmanager im Finance-Bereich immer wichtiger, auch vor dem Hintergrund einer steigenden Internationalisierung und der damit verbundene Zunahme an Dienstreisen, mobil via Smartphone oder Tablet auf die Finanzbuchhaltung zugreifen zu können. Diese Entwicklung ist ebenfalls im Mittelstand wiederzufinden.

ITM: Worin sehen Sie die Vor- und Nachteile?
Heinrich:
Die Vorteile liegen in der Mobilität, Flexibilität und in der Bereitstellung hoch aggregierter Informationen. Die Nachteile sehe ich in der Sicherheit und Stabilität bei der Software.

ITM: Wie ist es denn konkret um die Sicherheit bestellt, wenn Anwender von unterwegs über ihr mobiles Endgerät auf die Unternehmensfinanzen zugreifen und finanzielle Geschäfte tätigen?
Heinrich:
Aufgrund der Tatsache, dass über das mobile Endgerät auf Unternehmensfinanzen zugegriffen wird, ist Sicherheit sehr wichtig und unabdingbar. Ein sicherer Transfer sensibler Daten muss gewährleistet werden.

ITM: Stichwort „Freeware“: Inwieweit lohnt sich diese für Mittelständler? Oder ist Vorsicht geboten bei kostenlosen Finanzlösungen?
Heinrich:
Bei kostenlosen Finanzlösungen ist Vorsicht geboten, da meist nur eine eingeschränkte Funktionalität geboten wird und der Zukauf von zusätzlicher Funktionalität notwendig ist. Es ist durchaus möglich, dass Freeware die steigenden Anforderungen irgendwann nicht mehr gerecht werden kann. Darüber hinaus ist bei Freeware das Risiko höher, dass der Support eingestellt oder die Software nicht weiterentwickelt wird.

ITM: Wie sollten Anwender letztlich bei der Anbieter- und Lösungsauswahl vorgehen? Was muss eine moderne Finanzsoftware für den Mittelstand heutzutage leisten können?
Heinrich:
Grundsätzlich sollten die Anwender möglichst viele verschiedene Angebote unterschiedlicher Software-Anbieter einholen und vergleichen. Dabei sollten sie nicht nur auf den Preis achten. Neben den aktuellen Anforderungen an eine solche Finanzsoftware sollte diese insbesondere auch die möglichen zukünftigen Anforderungen des Unternehmens abdecken können.

ITM: Wie wird sich der Bereich „Finanzsoftware“ Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren weiterentwickeln?
Heinrich:
Die Themen „Mobilität“ und „Big Data“, aber auch „Sicherheit“ werden weiterhin eine starke Entwicklung nehmen und eine herausfordernde Aufgabe für die Software-Entwicklung darstellen.

Bildquelle: Trifinance

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