Drei Fragen an...

Vorteile des IT-Recyclings

Drei Fragen zum IT-Recycling an die Experten Daniela Matysiak, Spezialistin Umwelt- und Gerätesicherheit bei Kyocera Document Solutions Deutschland GmbH und Klaus Form, Head of Service Delivery bei CHG-Meridian.

  • Klaus Form, CHG-Meridian

    „Bei Refurbishment geht es um die professionelle Gerätewiederaufbereitung für eine zweite Nutzungsphase.“ Klaus Form, CHG-Meridian

  • Daniela Matysiak, Kyocera Document Solutions Deutschland

    „Wir haben ein europaweites Rücknahmesystem für leere Tonerboxen installiert, die dann zentral in Belgien recycelt werden.“ Daniela Matysiak, Kyocera Document Solutions Deutschland

Durch Recycling ausgedienter Endgeräte hat Apple im Jahr 2015 rund eine Tonne Gold zurückgewonnen, heißt es im jüngsten Umweltbericht des US-Konzerns. Bei Aluminium, das Apple auch in neuen Geräten wiederverwendet, seien es sogar gut 2.000 Tonnen gewesen. Ob sich das ökonomisch gelohnt hat, ist nicht direkt ersichtlich. Ökologisch sinnvoll ist das Recycling auf alle Fälle, denn insgesamt hat Apple im vergangenen Jahr durch die Rücknahme gebrauchter Geräte 27.831,43 Tonnen Rohstoff gewonnen respektive Abfall vermieden.

Unter dem Schlagwort „Green IT“ haben sich längst viele IT-Leiter, aber auch große Hersteller der Branche der guten Idee der Nachhaltigkeit verpflichtet, zumal sich damit – Beispiel Energieverbrauch – auch Kosten einsparen lassen. Einer der Vorreiter ist der Technologiekonzern Kyocera, bei dem Umweltschutz fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie ist. Als eine der ersten japanischen Firmen bekannte sich Kyocera bereits 1991 in der „Environmental Charta“ öffentlich zum Umweltgedanken und entwickelte einen umfassenden Aktionsplan.

Fast neuwertige Gebrauchtgeräte

Aber auch bei Notebooks, PCs und Monitoren lohnt sich die Rücknahme. Denn hier handelt es sich ebenso wenig wie bei den viel kostspieligeren Server- und Speichersystemen in der Regel nicht um „Elektronikschrott“, der nur zerlegt und wiederverwertet wird, sondern um durchaus brauchbare Geräte mit einem beträchtlichen „Restwert“, die wieder vermarktet werden. Das gilt insbesondere für „Rückläufer“ aus Leasing-Verträgen bei Großfirmen, Banken oder Versicherungen, die topaktuelle Geräte – teilweise in sehr großen Stückzahlen – leasen und nach geringer Nutzungsdauer gegen andere Geräte austauschen, um technisch auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Bevor solche fast neuwertigen Gebrauchtgeräte wieder in den Handel kommen, findet in der Regel eine qualitätsgesicherte Überholung und Instandsetzung statt. Dieses „Refurbishing“ bzw. „Aufpolieren“ gibt es auch bei Druckern und Kopierern, sogar bei Toner- und Tintenkartuschen. Unabhängig von der Herstellergarantie gilt auch für Refurbished-Produkte – wie im Handel üblich – eigentlich die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren; sie kann allerdings vom Anbieter auf ein Jahr beschränkt werden, weil das Gerät gebraucht ist.

In IT-Konzernen wie Cisco, HPE, IBM, Netapp und Oracle widmen sich ganze Abteilungen dem Verkauf refurbishter Hardware. Denn gerade Rechenzentren weichen im Zuge der immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen vermehrt auf refurbishte Server und Speicher aus, denn sie erhalten damit praxiserprobte Hardware, während neueste Technologien als fehlerbehaftet gelten und in der Produktiv­umgebung zum Sicherheitsrisiko werden. Weil die Kernanwendungen meistens zehn bis fünfzehn Jahre betrieben werden, sind Gebrauchtsysteme als Hardware-Plattform für die meisten Anforderungen mehr als ausreichend. Einige Unternehmen haben sich auf die Vermarktung gebrauchter Server-Hardware spezialisiert, darunter auch Leasing-Firmen, die teilweise auch internationalen Weiterverkauf anstreben. Denn der Export „refurbishter“ Geräte erleichtert aufgrund der niedrigen Kosten die Ausstattung finanzschwacher Kunden in Entwicklungsländern mit vernünftigen IT-Systemen – auch wenn diese nicht der „Dernier Cri“ der Branche sind.

ITM: Wann und warum macht Recycling in der Informationstechnik Sinn – bei Systemen wie PCs, Servern oder Druckern, aber auch bei Verbrauchsmaterialien wie etwa Toner- und Tintenkartuschen oder Datenträgern?
Daniela Matysiak:
Aufgrund unserer einzigartigen Ecosys-Technologie ist die Bildtrommel unserer Multifunktionsdrucker extrem langlebig und kann meist über die Lebensdauer im System verbleiben. Daher sind unsere Tonerboxen keine Kombikartuschen, sondern reine Tonerboxen aus einem sortenreinen Kunststoff. Dies reduziert für den Nutzer das Abfallaufkommen bis zu 75 Prozent und somit natürlich auch die Kosten.

Unsere Tonerboxen sind dadurch sehr gut für das Kunststoff-Recycling geeignet. Daher haben wir ein europaweites Rücknahmesystem für leere Tonerboxen installiert. Unsere gesammelten Boxen werden dann zentral in Belgien recycelt. Das heißt, dass die Kunststoffboxen geschreddert werden und das Kunststoffgranulat so wieder einer neuen Verwendung zugeführt werden kann.

Klaus Form: Wir sprechen eher von einem Refurbishment, also einer professionellen Gerätewiederaufbereitung für eine zweite Nutzungsphase. Pro Jahr bereiten wir rund 500.000 Geräte auf, nur fünf Prozent davon werden am Ende durch Fachfirmen wirklich recycelt. In unserem eigenen Technologie- und Servicezentrum in Groß-Gerau leisten wir einen wesentlichen Beitrag zu unserem Geschäftsmodell, denn mit jedem vermarkteten Gerät gelingt es uns, den Technologielebenszyklus der Geräte unserer Kunden zu verlängern und in ein zweite Nutzungsphase zu übergeben. Das gilt auch für Komponenten und noch original verpackte Verbrauchsmaterialien.

ITM: Wie kann denn ein „Refurbishing“ für mehr Nachhaltigkeit (etwa beim Energieverbrauch) und für mehr Langlebigkeit sorgen?
Form:
Ich bin davon überzeugt, dass ein professionelles Refurbishment für mehr Nachhaltigkeit und Langlebigkeit sorgt. Wir müssen aber auch realistisch bleiben. Drei Jahre alte Geräte, die bei uns in die Zweitvermarktung gehen, sind immer noch sehr leistungsfähig. Bei älteren Geräten ist es mitunter jedoch sinnvoll, Akku, Festplatte oder Lüfter auszutauschen, um die Energieeffizienz des Gerätes zu verbessern. Vor allem sehe ich aber echten Nutzen darin, wenn wir am Ende eines Nutzungszeitraums sämtliche Daten auf den Geräten löschen. Allein in 2015 haben wir mehr als 100.000 Geräte so zertifiziert gelöscht. Das ist eine unschätzbare Wertsteigerung am Ende eines Nutzungsintervalls von IT-Geräten. Wir ermöglichen so, dass alle Geräte, die wir weitergeben, absolut keine Daten mehr von den Vorbesitzern enthalten. Das ist in der Branche nicht immer der Fall.

Matysiak: Für die Rückgabe von Altgeräten haben wir ein Rücknahmesystem geschaffen. Aufgrund unseres indirekten Vertriebskonzepts kommen hierüber aber nur sehr wenige Systeme zu uns zurück, viel mehr werden zum Großteil über den Fachhandel zurückgenommen. Ein zentrales Refurbishing in Japan würde auch aus ökologischen Gründen keinen Sinn machen – Refurbishing muss vor Ort passieren.
Unsere Händler besitzen umfangreiches technisches Know-how, sodass viele von ihnen Altgeräte wieder aufbereiten und weiterverkaufen oder aber Komponenten als Ersatzteile nutzen. Hier wird sowohl aus ökologischen als auch aus ökonomischen Gründen auf eine möglichst effiziente Wiederverwendung geachtet.

ITM: Welche Vorteile hat ein Kunde durch recycelte Produkte? Die bezahlt er ja auch durch veraltete Technik, in der Regel also durch höhere Betriebskosten und Nachteile bei der Funktionalität.
Matysiak:
Wir bieten selbst keine recycelten Produkte an und können keine Stellung beziehen.

Form: Ich bin davon überzeugt, dass viele Kunden, die sich für ein wieder aufbereitetes Gerät entscheiden, dies vor allem aus Kostengründen getan haben. Ein drei Jahre genutztes und dann professionell aufbereitetes Gerät kann fast genauso viel wie ein Neugerät. Technisch hat es da ohnehin keine Quantensprünge gegeben.

Das mag bei mobilen Endgeräten etwas anders sein – beim Desktop-PC, beim Notebook oder beim Drucker sind wir längere Produktnutzungszyklen gewohnt. Somit bekommen die Kunden ein Endgerät zu einem Bruchteil des ursprünglichen Anschaffungspreises. Wir vermarkten fast 50 Prozent unserer Gebrauchtgeräte in Deutschland, den Rest innerhalb der EU. Und ich bin sicher, dass die Nutzer von Gebrauchtgeräten keine Kompromisse bei Betriebskosten und Funktionalität eingehen.

Bildquelle: iStock

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