„Wir nehmen auch Wellenbewegungen wahr“

Was bringt die „Cloudifizierung“?

„Entscheidend ist, was man durch die ‚Cloudifizierung‘ erreichen möchte“, so Christian Winterfeldt, Director Sales Modern Datacenter (MDC) bei Dell EMC Deutschland, im Interview. Der erste und wichtigste Schritt sei die Definition der Kriterien, anhand derer die IT-Services bereitgestellt würden.

Christian Winterfeldt, Director Sales Modern Datacenter bei Dell EMC Deutschland

„Ein Wechsel des Cloud-Providers kann je nach Anbieter sehr komplex werden“, warnt Christian Winterfeldt von Dell EMC Deutschland.

ITM: Herr Winterfeldt, wie viel Vertrauen schenkt der Mittelstand anno 2019 dem Cloud Computing?
Christian Winterfeldt:
Um diese Frage zu beantworten, muss man zunächst den Begriff Cloud genauer definieren. Aus unserer Sicht ist die Cloud kein Ort, in der ein Operating Model wie IT betrieben wird. Cloud Computing umfasst dementsprechend schlicht die Umsetzung einer massiven Standardisierung und Automatisierung innerhalb eines Unternehmens. Das Ziel ist, ein Cloud Operating Model zu etablieren, das es ermöglicht, schnell, standardisiert und kosteneffizient IT-Services bereitzustellen. Diese IT-Services können z.B. eine virtuelle Maschine, eine Plattform, ein Container, ein Backup-Ziel, ein Speicherort und vieles mehr sein. Wo diese Services betrieben werden, ist letztlich abhängig von Aspekten wie Latenz, Kosten, Data Locality und Data Governance. Tatsächlich kann sich die „Landing Zone“ dieser IT-Umgebung sowohl im eigenen Rechenzentrum wie auch bei einem Public-Cloud-Provider befinden.

Wir sehen, dass unsere Kunden auch im Mittelstand bestimmte Workloads zwischen verschiedenen Landing Zones verschieben wollen. Diejenigen, die schon mehr Erfahrungen gesammelt haben, achten darauf, dass dies keine Einbahnstraße ist. Das heißt, dass der Weg vom eigenen Rechenzentrum hin zum Public-Cloud-Provider A, zum Public-Cloud-Provider B und wieder zurück ins eigene Rechenzentrum möglich sein muss. Stellt das Operating Model das zur Verfügung, ist Vertrauen einfach.

ITM: Inwieweit hat sich hier die Einstellung der Unternehmer zu Cloud Computing in den letzten zwei, drei Jahren gewandelt?
Winterfeldt:
Cloud Computing nimmt stetig zu. Aber wir nehmen auch Wellenbewegungen wahr. Manche Kunden, die konsequent eine Cloud-First-Strategie ausgerufen hatten, haben Workloads unter hohem Kostenaufwand wieder zurück in das eigene Rechenzentrum geholt. Die grundsätzliche Richtung ist jedoch eine zunehmende Adaption von Multi-Cloud-Szenarien. Mittelständische Unternehmen beginnen damit, ihren IT-Betrieb zu standardisieren und zu automatisieren. Sie setzen Cloud-Operating-Systeme wie VMware ein und transferieren Workloads je nach Bedarf in die Public Cloud und wieder zurück in die Private Cloud. Neue agile Anwendungen, die auf Container-Technologie und Platform as a Service (PaaS) aufsetzen, starten meist auf APIs von Public-Cloud-Providern. Sind diese Anwendungen dann erfolgreich und steigt der Bedarf an Performance, weil sie ein hohes Netzwerkvolumen verursachen und viele Daten generieren, kommt oft die Kostenüberraschung. Doch mit dem richtigen Cloud-Operating-System ist es einfach, diese Workloads auf günstigere Landing Zones wie das eigene Rechenzentrum oder zu anderen Cloud-Providern zu verschieben.

ITM: Welche konkreten Chancen und auch Risiken sehen die Anwender in Cloud-Lösungen?
Winterfeldt:
Anwender haben durch Cloud-Lösungen die Möglichkeit, viel schneller IT-Services einzusetzen und damit auch schneller neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Time to Market ist ein wesentlicher Faktor. Für den IT-Betrieb bedeutet die Adaption von Cloud-Lösungen eine Standardisierung und Kosteneinsparung im eigenen Rechenzentrum – jedoch nur, wenn man es richtig macht. Eine massive Standardisierung und Automatisierung, aber auch die Veränderung von Prozessen sind notwendig, um erfolgreich ein Cloud Operating Model im eigenen Rechenzentrum umzusetzen.

Dabei kann man aber auch schnell den Überblick verlieren. Jeder Public-Cloud-Provider hat seine Vor- und Nachteile, eigene APIs und Kostenstrukturen, die sich oft auch verändern. Daher kann es zu Abhängigkeit, hohen Kosten und sogar zum Betriebsrisiko führen, wenn man konsequent alle Workloads einem einzigen Cloud-Provider anvertraut. Das Ziel sollte es also sein, mit dem richtigen Multi-Cloud-Ansatz und einem Cloud-Operating-Konzept das Verschieben von Workloads über Provider- und Rechenzentrumsgrenzen hinweg zu ermöglichen.

ITM: Welche Cloud-Variante ist für Mittelständler besonders sinnvoll und woran wird das festgemacht: Private Cloud, Public Cloud, Hybrid-Cloud, Multi-Cloud...?
Winterfeldt:
Der richtige Ansatz ist auf jeden Fall die Multi-Cloud. Dafür sollte man zuerst seine Hausaufgaben im eigenen Rechenzentrum machen und die IT-Infrastruktur modernisieren und automatisieren. Dann gilt es, eine Private Cloud aufzusetzen, die zunächst in eine und schließlich in mehrere Public Clouds wachsen kann. Die Multi-Cloud bietet für alle sich verändernden Szenarien die höchste Flexibilität.

ITM: Was sind übliche Laufzeiten bei der Nutzung von Cloud-Lösungen?
Winterfeldt:
Die Laufzeiten sind absolut flexibel. Je mehr Leistungen der Kunde einbringt, desto niedriger wird der Preis pro Einheit. Will man maximale Flexibilität, steigt natürlich der Preis je Einheit wieder an.

ITM: Wie komplex gestaltet sich ein möglicher Wechsel zu einem neuen Cloud-Anbieter?
Winterfeldt:
Ein Wechsel des Cloud-Providers kann je nach Anbieter sehr komplex werden. Vor allem kommt es auf die APIs an und wie das Cloud Operating Model diese nutzt.

ITM: Wie kann man als Anwender sicher sein, dass auch wirklich keine Unternehmensdaten beim vorherigen Anbieter verbleiben? Wie lässt sich das überprüfen?
Winterfeldt:
Seine Daten sichert man am besten, indem man nicht direkt nativ auf die APIs des jeweiligen Cloud-Providers aufsetzt. Das eigene Operating Model wie etwa die VMware Cloud Foundation ermöglicht es, ganze Workload-Domains von einem Cloud-Provider zu einem anderen zu verschieben.

ITM: Was raten Sie mittelständischen Anwendern, die sich anno 2019 für die Cloud entscheiden? Welche Strategie sollten sie fahren?
Winterfeldt:
Kunden sollten zunächst ganz genau ihre Workloads definieren, also: Was will ich in die Cloud geben und warum? Was ist meine Triebfeder, was sind die Kosten, welche Geschwindigkeit benötige ich und was ist mir sonst wichtig? Will ich klassische monolithische Anwendungen verschieben, die in einer virtuellen Maschine laufen (IaaS) oder agile Anwendungen, die auf Micro-Services basieren und in Containern betrieben werden (PaaS/CaaS)? Für beide Anwendungstypen gibt es Lösungen. Entscheidend ist, was man durch die „Cloudifizierung“ erreichen möchte. Der erste und wichtigste Schritt ist die Definition der Kriterien, anhand derer die IT-Services bereitgestellt werden.

Bildquelle: Dell EMC

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