Cloud-Lösungen im Vergleich

Was kosten Cloud-Services?

Günstige und flexible Services aus der Cloud für standardisierte IT-Prozesse sind verlockend. Mittelständische Unternehmen sollten potentielle Cloud-Lösungen allerdings genau kalkulieren und Preise vergleichen.

Dreh- und Angelpunkt jeglicher Leistungsvereinbarung in der Cloud ist die Frage: Wie genau werden Cloud-Services abgerechnet?

Gegenüber dem Vorjahr nahm der Einsatz cloud-basierter Speicher-, Backup- oder Serverdienste im industriellen Mittelstand von 18 auf 20 Prozent zwar leicht zu. Dies geht aus einer aktuellen Studie des Marktforschungsinstituts Pierre Audoin Consultants (PAC) im Auftrag der Freudenberg IT hervor. Für die repräsentative Untersuchung befragte das Marktforschungsinstitut in einer zweiten Welle rund 130 IT-Entscheider und Produktionsleiter mittelständischer Fertigungsunternehmen in Deutschland. Von den Befragten – und nun kommt das Aber – lehnen jedoch etwa 40 Prozent Cloud Computing grundsätzlich ab, so ein weiteres Studienergebnis

Hohe Sicherheitsbedenken geben laut Studie zudem einen Hinweis darauf, warum dem Private-Cloud-Modell der Vorzug gegeben wird, das vermeintlich höhere Sicherheitsstandards gegenüber dem Public-Cloud-Modell bietet.

Das Unbehagen gegenüber fremdgehosteten Cloud-Services ist im klassischen Mittelstand also immer noch groß. Ob zu Recht oder nicht, diesen Aspekt hat IT MITTELSTAND kürzlich aufgearbeitet (Heft 5/2014). Man kann das Thema Public Cloud aber auch unter dem nüchternen Aspekt der Wirtschaftlichkeit angehen und durchkalkulieren, ob sich ein Szenario in den Wolken überhaupt lohnt.

Bei der webbasierten Auslagerung firmeninterner Daten auf externe Server kann der Anwender die Hardware der Cloud mieten und die Administration in der eigenen IT-Abteilung verorten („Infrastructure as a Service“, „Platform as a Service“). Der Kunde kann aber auch die Software komplett extern verwalteten lassen („Software as a Service“).

Für beide Modelle gilt: Cloud-Angebote sind dort sehr kosteneffizient, wo standardisierte Prozesse abgebildet werden. Wenig standardisierte, unternehmensspezifische Prozesse lassen sich daher nur bedingt in fremdgehosteten Cloud-Anwendungen abbilden. Dies sei die erste Kostenfalle, warnt Stefan Keller: „Hier muss mit hohen Aufwendungen in der Vorbereitung und bei der Anpassung der Prozesse gerechnet werden.“ Der Vertriebsleiter von Noris Network sieht die zweite Kostenfalle in der IT-Administration versteckt: „Dort wo Cloud-Anwendungen nicht in die interne IT-Administration eingebunden sind, droht administrativer Doppelaufwand. Die Kostentransparenz sinkt und es tun sich Sicherheitslücken auf.“ Die dritte Kostenfalle ist laut Keller das Fehlen von Ausstiegsklauseln und entsprechende Probleme beim Providerwechsel. „Ich wundere mich immer wieder, wie wenig Unternehmen Vorsorge für einen Providerwechsel oder den Rückzug in die interne IT treffen.“

Den Wechsel regeln

Nach wie vor ist der Wechsel oder Rückzug ein vernachlässigtes Thema: Unternehmen sollten bei Verträgen mit Providern darauf achten, dass deren Unterstützung beim Ausstieg geregelt ist. Auch für den Ausstieg lassen sich Organisation, Dateiformate, Service Level oder Kostensätze im Voraus festlegen, um später Probleme oder unliebsame Überraschungen zu vermeiden. „Systematische Empfehlungen zum kontrollierten Umzug oder Rückzug gibt ein spezifischer Leitfaden des Eurocloud Verbandes mit dem Titel ‚Leistungsstörungen und Vertragshaftung in der Vertragsabwicklung’“, hat Jörg Mecke, Bereichsleiter Cloud Platforms & Business Productivity bei Fritz & Macziol, einen Literaturtipp parat. Der Leitfaden wurde zwar für Österreich herausgegeben, gibt aber auch Anwendern in Deutschland Orientierung.

Vor dem Umzug oder Ausstieg steht aber für die meisten Mittelständler immer noch der Einstieg in die fremdgehostete Cloud – wenn sie denn wollen. Sind unkritische Prozesse und passende Services identifiziert, gilt es, Tarife zu vergleichen und wo möglich, individuell zu verhandeln.

Stefan Keller macht diesbezüglich mittelständischen Unternehmen allerdings wenig Hoffnung: „Die meisten Cloud-Anwendungen sind bereits sehr effizient aufgesetzt, die Spielräume für Verhandlungen sind eng. Standardisierung in Angeboten, Prozessen und Preisen ist ja Teil des Cloud-Modells.“ Effizienzpotentiale für Cloud-Anbieter entstehen meist mittelfristig durch den technischen Fortschritt. Laut Keller ergibt es mehr Sinn, die Preise regelmäßig einer Überprüfung mit Angeboten für Neukunden zu unterziehen und zum Ende der Laufzeiten konsequent die Verlängerung zu verhandeln.

Individuelle Cloud-Angebote

Thomas Stossberg, Sales Director Cloud Services bei NTT Europe Ltd. Germany, einer Tochtergesellschaft von NTT Communications (NTT Com), widerspricht mit einem individuellen Angebot: „Abhängig von der Menge an Speicher, RAM bzw. CPU, die pro Monat mindestens abgenommen wird und evtl. vereinbarten Mindestlaufzeiten, erhalten unsere Kunden individuell auf ihr Geschäft abgestimmte Tarife. Unser Standardtarif beinhaltet keine Mindestabnahme an Ressourcen und ist monatlich kündbar.“ Unter den Anbietern setzt sich diese monatliche Kündbarkeit mehr und mehr durch, vorherrschend sind aber nach wie vor Laufzeiten von 12 bis 24 Monaten.

Auch der Cloud-Dienstleister Simple-ASP verzichtet auf Mindestlaufzeiten. Dieser Anbieter war bereit, eine beispielhafte Rechnung von Services aus der Cloud aufzumachen (siehe untenstehende Tabellen). So errechnet der Anbieter bei einem zehnköpfigen Unternehmen, das fünf Jahre lang die Softwaretools Hosted Exchange, Hosted Lync und Hosted Sharepoint anwendet, eine Ersparnis gegenüber der Eigenanschaffung von knapp 60.000 Euro.

Die Abrechnung kontrollieren

Dreh- und Angelpunkt jeglicher Leistungsvereinbarung ist die Frage: Wie genau wird abgerechnet? Jörg Mecke erklärt die Spielregeln der Branche: „In der Regel bekommt die IT-Abteilung eine monatliche Gesamtabrechnung für alle Nutzer der Cloud. Abgerechnet werden Speichernutzung, virtuelle CPUs oder Zahl der Nutzer von Applikationen.”

Handlungsbedarf besteht noch bei der Frage, wie der Anwender diese Volumina und Zeiten nachprüfen kann. Anwender nutzen bisher noch keine Art „Software Asset Management“ als proaktive Nutzungsbeobachtung mit dem Ziel, eine Rechnungsprüfung von Cloud-Anbietern zu ermöglichen. „Es wäre für Anwender sinnvoll, damit das vorherrschende Treu-und-Glauben-Prinzip abzulösen“, fordert Jörg Mecke.

Interessant ist für Unternehmen natürlich auch eine genaue Kostenverrechnung für einzelne Fachbereiche oder Arbeitsplätze. Frank Kottmann, Vorstandsmitglied der CHG-Meridian AG, bestätigt, dass eine genaue Nutzungsverrechnung der Cloud auf den Endnutzer oder eine Kostenstelle möglich ist: „Unsere Lösung misst, wie viel der einzelne Endnutzer an Rechenleistung aus der Cloud nimmt. Wir können den Kunden anbieten, die Cloud bis auf Kostenstellen von Anwendern zu verrechnen. Das ist für Unternehmen interessant, die sich fragen: Welche Ressourcen gebe ich wohin, wenn ich zentral in der Cloud hoste?“

Thomas Stossberg verweist auf die einfache Möglichkeit des Monitoring über ein Kundenportal. „Wir stellen auf Wunsch außerdem eine detaillierte Aufstellung der genutzten Ressourcen bereit – vergleichbar mit einem Einzelverbindungsnachweis.“ Beim Infrastructure-as-a-Service-Anbieter Profitbricks designt sich der Anwender sein Datacenter mit der benötigten Anzahl an Prozessoren und entsprechenden Speicherkapazitäten selbst. Innerhalb von Minuten können Ressourcen zu- oder abgeschaltet werden, so das, Versprechen. „Der Kunde zahlt nur das was er braucht, minutengenau abgerechnet. Über sein Kundenkonto kann er jederzeit Details einsehen“, erklärt Petra-Maria Grohs, Chief Sales Officer für EMEA und Asien bei Profitbricks.

Bei komplexen zeit-, volumen- und nutzerabhängigen Modellen hilft ein transparentes Reporting des Anbieters. Eine lückenlose Kontrolle durch die Kunden rechnet sich meist einfach nicht. Stefan Keller empfiehlt Stichproben in Fällen, bei denen sich die Kostenparameter mit niedrigem Aufwand intern erfassen und mit den abgerechneten Positionen abgleichen lassen. „Mit synchronisierten Active Directories sind Kontrolle und Abgleich leichter. Hier kann die interne IT ja feststellen, wann einem Nutzer die Rechte für die Cloud-Services eingeräumt wurden.”

Die interne IT sollte aber nicht nur im Nachgang Administration und Kontrolle übernehmen, sondern auch die wirtschaftliche Planung einer Migration in die Cloud aufmerksam begleiten. Die Nutzung von Cloud-Services ist Teil der IT-Strategie. „Wenn möglichst abgeschlossene Anwendungen und klar definierte, standardisierte Prozesse unter Mitarbeit von Fach- und IT-Abteilungen in die Cloud-Anwendung verlagert werden sowie Sicherheits- und Compliance-Fragen vorab geklärt sind, verlaufen Migrationsprojekte von internen Lösungen zum Cloud-Service effektiv“, berichtet Stefan Keller. Auf jeden Fall muss vorher gerechnet werden – ganz nüchtern:  „Eine fehlende Kapazitätsplanung und Wirtschaftlichkeitsberechnung vor dem Umstieg auf Cloud-Services kann sonst zu einem bösen Erwachen führen“, rät Jörg Mecke abschließend.




Wichtige Fragen vor dem Umstieg


Oftmals sind die Ziele in Bezug auf die Einführung von Cloud-Services unzureichend ausgearbeitet. Darüber hinaus werden häufig die Aspekte Monitoring, Konnektivität sowie Abhängig- und Zuständigkeiten vernachlässigt. Folgende Fragen sollten sich Interessenten vor dem Umstieg stellen:

  • Lässt sich ein etabliertes Ende-zu-Ende-Monitoring auch auf eine Cloud erweitern? Werden neue Tools benötigt?
  • Wurden Service-Management-Prozesse wie Incident- oder Problem-Management berücksichtigt? Werden auch hier evtl. neue Tools benötigt?
  • Welche Bandbreite, welche Latenz und welche Access-Technologien zur Anbindung von Cloud-Services sind erforderlich, um die gewünschte Performance und SLAs zu gewährleisten?
  • Wie wird beispielsweise ein konsistentes Backup-Konzept sichergestellt?
  • Welche Aufgaben werden weiterhin selbst, welche durch den Cloud-Provider übernommen?
  • Welche Security-Richtlinien sollen/müssen auch für die Cloud-Lösung gelten? Wurden diese Anforderungen berücksichtigt/sichergestellt?

 

 

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