IT-Fachkräfte finden

„Weiterbildung ist das A und O“

„Weiterbildung ist das A und O für den Erfolg von Unternehmen und auch von Arbeitnehmern“, betont Christian Umbs, Managing Director bei Robert Half, im Interview. Jedoch sei es aufgrund der schnellen Entwicklungen und Veränderungen bei den Anforderungsprofilen nicht immer einfach, die richtigen Weiterbildungen anzubieten bzw. für sich zu finden.

Christian Umbs, Managing Director bei Robert Half

„Wir empfehlen Unternehmen, aktuelle und individualisierte Seminare und Schulungen anzubieten“, so Christian Umbs, Managing Director bei Robert Half.

ITM: Herr Umbs, inwieweit wird der deutsche Mittelstand anno 2019 tatsächlich durch einen IT-Fachkräftemangel ausgebremst?
Christian Umbs:
Die Chancen und Wahlmöglichkeiten für IT-Fachkräfte sind deutlich gestiegen, weil immer mehr Spezialistenwissen gefragt wird, das schwer zu finden ist. Das führt zu einer höheren Wechselbereitschaft bei den Mitarbeitern. Gerade mittelständische Unternehmen müssen jetzt noch stärker die eigenen Vorteile für IT-Fachkräfte deutlich machen und verschiedene – auch individuelle – Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung umsetzen.

ITM: Wie groß sind denn die derzeitigen Qualifikations- und Wissenslücken der Arbeitssuchenden und Mitarbeiter? Woran hapert’s?
Umbs:
Eine der größten Herausforderungen ist, dass sich im Zuge der Digitalisierung und des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz die Anforderungen sehr schnell verändern. Alles ist im stetigen Wandel – da kann die Ausbildung nicht immer mithalten. Es liegt auch an den Unternehmen, sowohl neue als auch bestehende Mitarbeiter ständig weiterzubilden und sie in die Lage zu versetzen, neue Technologien zu nutzen. Um Mitarbeiter in-house zu schulen und Wissenslücken zu schließen, bietet es sich an, mit freiberuflichen Experten oder Interim-Managern zusammenzuarbeiten. Sie geben ihr Know-how an das Team oder einzelne Mitarbeiter weiter.

ITM: Welchen konkreten Einfluss hierauf haben Trends wie Digitalisierung, Internet of Things (IoT) und Künstliche Intelligenz (KI)?
Umbs:
Diese Trends haben die Arbeitswelt bereits jetzt maßgeblich beeinflusst und verändert und werden dies auch zukünftig tun. Viele monotone Aufgaben werden automatisiert, wodurch Fehler reduziert werden. Zwar besteht die Möglichkeit, dass Jobs wegfallen. Jedoch entstehen andere Aufgabengebiete und Anforderungen, zu denen sich Mitarbeiter fortbilden können. Wir sehen eine Entwicklung hin zu transdisziplinären Teams, die das große Ganze im Blick halten und mehrere Fachbereiche vereinen.

ITM: Welche Rolle spielt demnach das Thema „IT-Weiterbildung“ in mittelständischen Unternehmen – seitens der Arbeitgeber, seitens der Arbeitnehmer?
Umbs:
Eine sehr große – und zwar für beide Seiten. Weiterbildung ist das A und O für den Erfolg von Unternehmen und auch von Arbeitnehmern. Jedoch ist es aufgrund der schnellen Entwicklungen und Veränderungen bei den Anforderungsprofilen nicht immer einfach, die richtigen Weiterbildungen anzubieten bzw. für sich zu finden. Über die Hälfte der mittelständischen Unternehmen setzen laut unserer Arbeitsmarktstudie auf externe Fortbildungen. 39 Prozent arbeiten zur Weiterbildung ihrer Mitarbeiter mit Branchenverbänden zusammen.

ITM: Mit welchen konkreten Maßnahmen lassen sich Qualifikations- und Wissenslücken z.B. hinsichtlich IoT und KI schließen?
Umbs:
Wir empfehlen Unternehmen, aktuelle und individualisierte Seminare und Schulungen anzubieten – extern oder intern. Dabei können Unternehmen ihren Mitarbeitern finanzielle Unterstützung bei Kursen zur beruflichen Zertifizierung oder einem Aufbaustudium bieten. Auch die Teilnahme an Online-Kursen ist eine gute Möglichkeit. Wir empfehlen, sich individuell mit dem Mitarbeiter auszutauschen und seine Bedürfnisse zu klären. Dementsprechend kann das Training gestaltet werden.

ITM: Woran scheitern IT-Weiterbildungsmaßnahmen seitens der Arbeitgeber / seitens der Arbeitnehmer oftmals? Was sind die großen Hemmnisse?
Umbs:
Hier spielt der Zeitfaktor eine entscheidende Rolle: Die technologischen Entwicklungen sind oftmals schneller als Prozesse im Unternehmen. Wichtig ist, dass die Weiterbildungsmaßnahme mit einem konkreten Ziel bzw. Mehrwert für das Unternehmen verbunden ist. Der Mitarbeiter sollte sein neu erlangtes Wissen direkt einsetzen können. Wenn der Mitarbeiter beispielsweise ein Training zu einer bestimmten Software erhält, sollte sie auch im Unternehmen im Einsatz sein oder zumindest kurz vor der Einführung stehen.

ITM: Inwieweit kann KI gar bei der Jobsuche bzw. Suche nach IT-Talenten helfen?
Umbs:
In vielen Unternehmen wird Künstliche Intelligenz im Bewerbungsprozess getestet, etwa durch Chatfunktionen auf der Webseite. Pre-Screening-Systeme beispielsweise führen Persönlichkeitstests durch. Diese Technologien befinden sich allerdings noch in den Kinderschuhen. Immer mehr Unternehmen setzen auch Applicant Tracking Systems (ATS) ein. Sie scannen Bewerbungen auf bestimmte Inhalte und Schlüsselbegriffe, die wichtig für die Position sind. Bei Diskrepanzen oder fehlender Übereinstimmung wird die Bewerbung aussortiert. Damit können sie den Einstellungsprozess verkürzen und optimieren. Software kann und wird bei der ersten Auswahl des richtigen Bewerbers immer öfter zum Einsatz kommen und unterstützen. Die Auswahl komplett ersetzen kann KI nicht. Ich glaube fest daran, dass am Ende keine KI das persönliche Kennenlernen ersetzen wird.

ITM: Welche Skills müssen Arbeitnehmer anno 2019 und für die Zukunft mitbringen, um für ihre Arbeitgeber attraktiv zu sein und zu bleiben?
Umbs:
Im IT-Bereich ist das Thema „Sicherheit“ nach wie vor ganz weit oben auf der Agenda. Entsprechend gefragt sind Cybersecurity-Spezialisten. Aber auch Experten für Cloud-Technologie oder Künstliche Intelligenz haben wenig Schwierigkeiten, einen neuen Job zu finden. Unabhängig von der fachlichen Kompetenz kommt es aber auch immer auf die Soft Skills an: Zwischenmenschliche und soziale Kompetenzen wie Kommunikations- und Teamfähigkeit bleiben weiterhin wichtig.

Bildquelle: Robert Half

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