Problemstellungen kollaborativ lösen

Welche Rolle spielt Social ERP?

Im Interview erklärt Andreas Anand, VP Consulting Services bei Infor, welche Rolle Social ERP anno 2015 spielen wird und welche Anforderungen Mittelständler erfüllen müssen, um auf geeignete Social-ERP-Tools setzen zu können.

Andreas Anand, Infor

Andreas Anand, VP Consulting Services bei Infor, sieht Social ERP als zukünftigen Wettbewerbsvorteil.

ITM: Herr Anand, inwiefern hat sich der Stellenwert von „Social Media“ für produzierende Mittelständler in den letzten Monaten gewandelt? Welche Bedeutung schreiben Sie dem Thema anno 2015 zu?
Andreas Anand:
Social-Media-Funktionen sind zwar nicht mehr brandneu in der Enterprise-Resource-Planning-Welt (ERP). Dennoch sind wir weit von einem flächendeckenden Einsatz entfernt. Wir sehen allerdings, dass vor allem nachrückende Generationen solche Oberflächenkonzepte einfordern. Wichtig ist nun, dass Unternehmen sie nicht nur als nettes Add-on sehen, sondern ihren Einsatz fördern, um damit produktiver arbeiten zu können.

ITM: Wie können mittelständische Unternehmen mithilfe von Social-Media-Funktionen ihre interne Kommunikation, aber auch den Austausch über die Lieferkette hinweg – etwa mit Partnern – verbessern?
Anand:
Anwender haben die Möglichkeit, sich mit einer Vielzahl von virtuellen Objekten zu verknüpfen. Diese Objekte können Ereignisse in unterschiedlichen Unternehmensbereichen repräsentieren, aber auch Maschinen, Produkte oder ganze Prozessketten. Über die Social-Business-Lösung lassen sich Updates abonnieren und in einem Feed anzeigen. Hier beginnt der Mehrwert für Firmen: Mittels weniger Aktionen können Ereignisse, ganze Konversationen oder natürlich Problemstellungen geteilt, diskutiert und kollaborativ gelöst werden.

ITM: Inwieweit kann Social ERP, wenn es denn reibungslos funktioniert, letztlich Pro­bleme in der Produktion und Logistik lösen?
Anand:
Ein paar Beispiele: Ein Angestellter aus der Disposition will prüfen, warum ein Auftrag nicht wie vereinbart geliefert werden kann. Er wählt das Objekt an, um die zugrunde liegende ERP-Anwendung aufzurufen. Sind weitere Anwendungen wie etwa eine Supply-Chain-Management-Lösung angebunden, kann der Nutzer dem Problem sofort auf den Grund gehen. Da die Social-Business-App die Verknüpfung zu Mitarbeitern aus anderen Abteilungen oder zu externen Partnern ermöglicht, lässt sich die Prozessstörung schnell teilen und gemeinsam bearbeiten. Alle hinzugeholten Anwender können über das Objekt den gesamten Kontext nachvollziehen. Wird etwa im Falle eines Logistikdienstleisters die Produktion einer Charge nicht rechtzeitig abgeschlossen, hilft eine solche Information dem Logistiker, die Abholung neu zu planen – das verbessert die Auslastung seiner Transportkapazitäten.

ITM: Social ERP ist keine neue Begrifflichkeit in der IT-Welt. Inwieweit können die hiesigen Anbieter hier anno 2015 überhaupt Innovationen präsentieren?
Anand:
Innovationen gab es in der jüngeren Vergangenheit durchaus – beispielsweise eine Verknüpfung nicht nur unter Mitarbeitern, sondern auch mit Maschinen in einem Social Business Network.

ITM: An welchen Stellen hakt es noch bei der Integration von Social-Media-Funktionen in Enterprise-Resource-Planning-Lösungen?
Anand:
Oft sind Middleware-Lösungen im Einsatz, mit denen die Anbindung kaum möglich ist. Mit einem flexiblen Framework lässt sich das hingegen umsetzen. Eine solche lose gekoppelte Architektur ermöglicht es, Lösungen von verschiedenen Herstellern miteinander zu verknüpfen.

ITM: Welche Anforderungen müssen Mittelständler erfüllen, um auf Social ERP setzen zu können?
Anand:
Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, müssen Unternehmen erkennen, dass Social Media kein Selbstzweck sind. Sie spiegeln vielmehr eine Entwicklung in der Geschäftswelt wider: Es ist heute und vor allem in Zukunft ein Wettbewerbsvorteil, wenn Mitarbeiter in der Lage sind, komplexe Problemstellungen kollaborativ zu lösen.

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