Covid-19 und die Folgen

„Wer jetzt nicht digitalisiert, wird abgehängt“

Thomas Spreitzer, Leiter Vertrieb KMU und Marketing Geschäftskunden bei der Telekom, schildert, warum sich konsequente Digitalisierung für Unternehmen über die Krise hinaus lohnt.

Thomas Spreitzer, Leiter Vertrieb KMU und Marketing Geschäftskunden bei der Telekom

Thomas Spreitzer, Leiter Vertrieb KMU und Marketing Geschäftskunden bei der Telekom.

ITM: Herr Spreitzer, als Vertriebschef sind Sie sehr nah an Ihren Kunden. Wie kamen die Unternehmen mit der Situation in den vergangenen Monaten zurecht?
Thomas Spreitzer:
Die Folgen des Lockdowns Mitte März haben vor allem die kleinen und mittelgroßen Betriebe in Deutschland sehr hart getroffen. Laut  McKinsey erwarten zwei Drittel dieser Unternehmen starke Umsatzrückgänge im zweiten Quartal; viele haben ihre Läden immer noch nicht wieder geöffnet. Aber bei unseren Kunden haben wir in den vergangenen Monaten gesehen: Wer frühzeitig auf Digitalisierung gesetzt hat, kam generell besser durch die Krise. Homeoffice ist da ein gutes Beispiel. Als die Büros schließen mussten, haben die Unternehmen mit hohem Grad an digitalen Lösungen schnell gesehen: Es geht auch aus der Ferne. Arbeiten von zu Hause dank VPN und schneller Internetanbindung, virtuelle Meetings via Microsoft Teams oder gemeinsames Arbeiten an Dateien über die Cloud sind nur einige Beispiele.

ITM: Lässt sich das mit Zahlen belegen?
Spreitzer:
Mit dem Digitalisierungsindex Mittelstand fragen wir jedes Jahr den Stand der Dinge in allen Branchen ab. Die Ergebnisse zeigen: Wer digital weit vorn ist, ist erfolgreicher. Die Hälfte der Unternehmen steigert zum Beispiel die Kundenzufriedenheit dank Digitalisierung. Wie die Lindner Hotels: Sie haben mit viel Kreativität sehr schnell eine neue Geschäftsidee entwickelt und bieten leerstehende Hotelzimmer als Homeoffice-Büros an. Zuvor hatten sie bereits digitale Services wie Online-Checkin und -Checkout, Zimmerzugang per Smartphone oder flächendeckendes WLAN für ihre Gäste umgesetzt. Fast 80 Prozent der Unternehmen, das zeigt unser Index ebenfalls, können mit der Cloud leichter Innovationen entwickeln. Das Start-up Airpaq – sie fertigen aus verschrotteten Airbags und Sicherheitsgurten nachhaltige Rucksäcke – hat auf Microsoft 365 aus der Cloud umgestellt und arbeitet jetzt länderübergreifend deutlich effektiver. Oder der Maschinenbauer BAM: Dessen KI-gestützte On-Demand-Manufacturing-Plattform läuft jetzt flexibel in der Microsoft Azure Cloud. Ich bin überzeugt: Die Erkenntnis, dass mit digitaler Hilfe vieles im Arbeitsalltag schneller und effizienter abläuft, wird unsere Arbeitswelt auf Dauer verändern. Auch nach der Krise.

ITM: Warum haben noch nicht mehr Unternehmen konsequent auf digitale Transformation gesetzt?
Spreitzer:
Viele Betriebe haben sich lange gescheut, bewährte Prozesse zu digitalisieren. Mangelnde Zeit und die Sorge vor hohen Kosten sind laut unserem Digitalisierungsindex die größten Hürden. Aber die Krise hat gezeigt, dass Zeit nicht mehr die Rolle spielt. Projekte, die früher ein Jahr Planungszeit benötigten, sind plötzlich innerhalb weniger Tage möglich. Covid-19 ist sozusagen der Brandbeschleuniger für die Digitalisierung. Je einfacher der Einstieg, desto schneller steigt bei den Entscheidern die Akzeptanz für Digitalisierungslösungen. Unternehmen sollten sich vorher genau überlegen: Was brauche ich – in meiner aktuellen Situation, aber auch auf die Zukunft ausgerichtet? Zum Beispiel Tools fürs Homeoffice, höhere Bandbreiten, sichere Zugänge zu den Firmendaten. Dann priorisieren und Schritt für Schritt umsetzen. Die Betriebe müssen jetzt die nötige Resilienz aufbauen, denn Corona wird uns noch lange begleiten. Und man muss es so klar sagen: Wer jetzt nicht handelt, wird abgehängt. Wer dagegen zielgerichtet digitalisiert, ist auch für die Zukunft gut aufgestellt.

Bildquelle: Telekom

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