Glasfaser in Deutschland

Wer oder was bremst den Breitbandausbau?

Marc Kessler, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederkommunikation beim Breko Bundesverband Breitbandkommunikation e.V., wirft im Interview u.a. einen Blick auf die Bremsfaktoren beim Breitbandausbau in Deutschland.

Marc Kessler, Presseverantwortlicher beim Breko

Marc Kessler vom Breko-Verband: „Die Netzbetreiber des Breko setzen auf reine, zukunftssichere Glasfaser und bauen lokal und regional zukunftssichere Glasfasernetze bis in die Gebäude.“

ITM: Herr Kessler, wer oder was sind die Bremsfaktoren beim Breitbandausbau in Deutschland?
Marc Kessler:
Durch die Vectoring-Entscheidungen der Bundesnetzagentur und das damit u.a. verbundene Quasi-Monopol des Ex-Monopolisten Deutsche Telekom in den so genannten Nahbereichen – den in der Regel besonders lukrativen Gebieten in einem bestimmten Radius um die Hauptverteiler, die meist in der Ortsmitte liegen – ist es vor allem 2015/2016 zu einer starken Investitionsverunsicherung und -zurückhaltung gekommen. Dies kehrt sich nun langsam wieder um, nachdem die neue Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag ausdrücklich den „Netzinfrastrukturwechsel zur Glasfaser“ und Gigabit-Bandbreiten bis 2025 erreichen will. Daher müssen wir den Koalitionsvertrag nun hin zu einem flächendeckenden Glasfaserinfrastrukturziel weiterentwickeln – damit reine Glasfaser nicht nur möglichst, sondern direkt bis in alle Gebäude ausgerollt wird. Die Netzbetreiber des Breko setzen auf reine, zukunftssichere Glasfaser und bauen lokal und regional zukunftssichere Glasfasernetze bis in die Gebäude oder bis direkt zum Anschluss des Kunden.

Eine weitere Herausforderung stellt die aktuelle Fassung des DigiNetz-Gesetzes (DigiNetzG) dar. Die ursprüngliche Idee des Gesetzes: Wenn Straßen überhaupt geöffnet werden – etwa im Zuge von Sanierungsarbeiten, im Falle von Neubauten oder bei Verlegung anderer Infrastrukturen wie Strom-, Wasser- oder Gasleitungen –, sollen Synergien genutzt und Glasfaserleitungen gleich mitverlegt werden können. Das Problem in der Praxis: Das Gesetz wird derzeit vielfach dazu missbraucht, (zusätzliche) Glasfaserleitungen kostengünstig mitzuverlegen und damit Überbau/Doppelausbau zu erzeugen, wenn Gebiete erstmalig mit Glasfaser erschlossen (und aus diesem Grunde die Straße geöffnet wird) und hierfür öffentliche Mittel genutzt werden. Dadurch werden die Glasfaserausbauprojekte der Erstausbauenden gefährdet und vielfach sogar unrentabel. Das BMVI hat die Problematik erkannt und plant zurzeit eine Überarbeitung des Gesetzes. Der Breko bringt sich hierbei konstruktiv mit ein.

Nicht zuletzt stellen auch die knappen Tiefbaukapazitäten in Deutschland eine Herausforderung dar. Die vorhandenen Tiefbaukapazitäten sollten daher sinnvoll und effizient für einen Glasfaserausbau in der Fläche in Anspruch genommen werden. Der parallele Ausbau (Doppelausbau/Überbau) von Glasfasernetzen ist nicht nur volkswirtschaftlich unsinnig, sondern bindet auch vorhandene Tiefbauressourcen. Doppelausbau bindet Baukapazitäten an der falschen Stelle. Daneben sollte die Vergabe von Fördermitteln im Rahmen eines langfristigen Förderplans dosiert und nur als punktuelle Ergänzung des eigenwirtschaftlichen Ausbaus erfolgen, um eine „Überförderung“ zu vermeiden und den eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau zu stärken. So können die Tiefbaukapazitäten besser verteilt und ein weiterer Anstieg der Tiefbaupreise zumindest begrenzt werden. Diese sind nicht zuletzt aufgrund der Vielzahl parallel laufender Förderverfahren, enger Ausbaufristen und hoher in Aussicht gestellter Fördersummen erheblich gestiegen, was wiederum den Förderbedarf erhöht.

Zu guter Letzt setzt sich der Breko für die Verschlankung und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren in Städten, Kreisen und Kommunen ein und will die Akzeptanz alternativer, innovativer Verlegetechniken – z.B. per Mini- oder Micro-Trenching (die minimal-invasive Verlegung der Leitungen in ca. zehn bis 30 Zentimetern Tiefe), die Verlegung der Glasfaser in Abwasserrohren oder die Nutzung vorhandener Freileitungen zur oberirdischen Verlegung – erhöhen. Beide Aspekte sind wichtige Beiträge der Kommunen, um den flächendeckenden Glasfaserausbau in Deutschland zu fördern. Gemeinsam mit unseren Mitgliedsunternehmen stellen wir direkt vor Ort die richtigen Ansprechpartner für Bürgermeister, Landräte und weitere mit dem Thema „Breitband“ Beauftragte in Stadt und Land. Konsequenterweise haben wir uns das Motto „Nicht ohne meinen Bürgermeister!“ klar auf die Fahnen geschrieben.

ITM: Ein jüngst zusammengestelltes zehnköpfiges Gremium soll nun „wirklich“ Tempo machen bei der Digitalisierung. Wie schätzen Sie das zukünftige Wirken des Digitalrats der Bundesregierung ein?
Kessler:
Der Fokus des neu geschaffenen Digitalrats liegt nicht primär auf dem aus unserer Sicht zunächst wichtigsten Thema: der Schaffung der besten digitalen und zukunftssicheren Infrastruktur in Deutschland – einer reinen Glasfaserinfrastruktur bis in alle Gebäude. Diese Infrastruktur ist zentral für alle künftigen Anwendungen (Künstliche Intelligenz, E-Health-Dienste, Connected Cars, Virtual Reality, Cloud-Dienste, M2M…) und für die Sicherung von Wachstum und Wohlstand in Deutschland. Gleichwohl sind wir optimistisch, dass der Digitalrat die Nachfrage nach zukunftssicheren Glasfaseranschlüssen und das Bewusstsein hierfür in Politik und Gesellschaft vorantreiben und auf diese Weise auch den Glasfaserausbau in Deutschland beschleunigen kann.

ITM: Wo wird Deutschland Ihrer Meinung nach Ende 2018 in Sachen Breitbandausbau stehen?
Kessler:
Durch die angesprochene Strategie der Bundesregierung, die nun sehr deutlich auf Glasfaser setzt, sind wir optimistisch, den Rollout mit zukunftssicheren Glasfaseranschlüssen in Deutschland weiter erheblich voranbringen zu können. Die mehr als 180 Netzbetreiber des Breko stellen schon heute knapp 60 Prozent (alle Wettbewerber der Telekom: gut 80 Prozent) aller in Deutschland verfügbaren, direkten Glasfaseranschlüsse (FTTB/FTTH).

Besonders positiv zu erwähnen ist auch die in der Novelle des Bundesförderprogramms nun enthaltene Möglichkeit des „Förder-Upgrades“/„Technologie-Upgrades“: Bereits bewilligte Förderprojekte, die noch auf kupferbasierte Anschlüsse (VDSL/VDSL Vectoring) setzen, können bis Ende des Jahres zu reinen Glasfaserausbauprojekten mit Glasfaseranschlüssen bis in die Gebäude oder bis direkt zum Nutzer aufgewertet werden. Auf diese Weise werden die betreffenden Regionen gleich mit zukunftssicheren, reinen Glasfaseranschlüssen erschlossen. Ein erneuter, kostenintensiver Ausbau dieser Gebiete in wenigen Jahren, der abermals Tiefbaukapazitäten in Anspruch nimmt, entfällt damit.

In puncto Regulierung haben wir mit unserem „Strategiepapier Glasfaserzukunft“ genau das vorgeschlagen, was die Große Koalition nun ebenfalls für sinnvoll hält: Die künftige Glasfaserwelt kann zugunsten frei verhandelter Open-Access-Kooperationsmodelle zwischen den Netzbetreibern und der BNetzA als „Schiedsrichter“ durchaus mit weniger (aber nicht ganz ohne) Regulierung gestaltet werden. Diese Entwicklung wird auch die Breko-Handelsplattform als bundesweite Open-Access-Plattform (das „Ebay für Glasfaseranschlüsse“) weiter beschleunigen. Handelsplattformen wie die Breko-Handelsplattform bringen Anbieter und Nachfrager auf einfache und rechtssichere Weise zusammen und forcieren durch die bessere Auslastung bestehender Glasfasernetze den weiteren Glasfaserausbau, da mehr Mittel zur Verfügung stehen. Allerdings muss es einen klar geregelten Übergang von der heutigen Kupfer- in die künftige Glasfaserwelt geben, damit der nach wie vor marktmächtige Ex-Monopolist seine Kunden nicht unter Ausschluss des Wettbewerbs einfach auf eine neue Technologie umstellt.

Bildquelle: Breko

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