Neuer Digitalisierungsindex

Wie digital ist der deutsche Mittelstand?

Verschläft der Mittelstand die Herausforderungen der Digitalisierung? Wohl eher nicht, wie die Telekom-Studie „Digitalisierungsindex Mittelstand“ in Zusammenarbeit mit dem Analystenhaus Techconsult zeigt. Präsentiert wurde die Erhebung im Rahmen des Anwenderkongresses von „Telekom Dialog“ vergangene Woche in Berlin.

  • Telekom Dialog Kongress 2016

    Auf dem Anwenderkongress von "Telekom Dialog" in Berlin-Mitte drehte sich alles um die Herausforderungen der Digitalisierung.

  • Hagen Rickmann, Telekom

    Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom Deutschland, eröffnete den Anwenderkongress.

  • Telekom Dialog Kongress 2016

    Parallel zum Kongress fand eine Ausstellung u.a. mit verschiedenen Telekom-Partnern statt.

  • Telekom Dialog Kongress 2016

    Die Teilnehmer konnten Virtual Reality hautnah erleben.

Laut Studie* ergeben sich zwar je nach Branche und Größe unterschiedliche Umsetzungstempi, doch fast drei Viertel (72 Prozent) der befragten Unternehmen bewerten die Digitalisierung als bedeutend für ihre Firma und Branche. Nahezu die Hälfte (46 Prozent) realisieren bereits einzelne Transformationsprojekte, 27 Prozent haben eine übergreifende Digitalisierungsstrategie. Den Mittelständlern sind die Vorteile bewusst: 53 Prozent versprechen sich mehr Innovationskraft, 54 Prozent wollen sich neue Kunden und Märkte erschließen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass der Mittelstand mit der Digitalisierung schon deutlich weiter ist, als vielfach angenommen wird“, erklärt Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom Deutschland. „Ein Erfolgsrezept für Mittelständler war es seit jeher, neue Herausforderungen anzunehmen und sich flexibel anzupassen. Das zeigt etwa die frühe Automatisierung in der vom Mittelstand geprägten produzierenden Industrie. Auch die Globalisierung haben die meisten Firmen erfolgreich gemeistert. Für sie ist die Digitalisierung also ‚nur‘ eine – wenn auch mit hoher Geschwindigkeit ablaufende – weitere Etappe der Veränderung.“

Digitalisierung ist Chefsache

Im Rahmen des Anwenderkongresses positionierte sich der Bonner Konzern als „starker Partner für die Digitalisierung“. Vor diesem Hintergrund gab Hagen Rickmann in seiner Auftaktrede mittelständischen Unternehmen einige Tipps mit auf den Weg: So sollte jeder Betrieb für sich entscheiden, wie schnell man digitalisieren möchte und welches Tempo man sich selbst dabei zutraut. Desweiteren forderte er, dass Digitalisierung stets Chefsache sein müsse und daher stets auf Geschäftsführungsebene angesiedelt werden solle.

Nicht ganz unkritisch blickt Rickmann auf die Vergangenheit des eigenen Konzerns, für den er fundamentale Veränderungen in den nächsten Jahren prognostiziert. Dabei wollen die Bonner nicht nur mit der digitalen Transformation Schritt halten, sondern auch neue Geschäftsmodelle aktiv für sich nutzen. Somit wäre man künftig deutlich reaktionsschneller als zuletzt noch im Falle der Verbreitung des Messenger-Dienstes Whatsapp, der innerhalb kürzester Zeit das gesamte SMS-Geschäft obsolet werden ließ.

Mit Blick auf die Zukunft macht der Telekom-Geschäftsführer im Wesentlichen drei Trends aus: Zum einen wird der Markt für 3D-Drucker bis 2020 stark wachsen. Damit können insbesondere Automobilhersteller Kosten für Zulieferer und Logistik sparen, indem benötigte Kleinteile per 3D-Drucker selbst gefertigt werden. Firmen wie Lamborghini und Volvo haben mit solchen Szenarien bereits erste positive Erfahrungen gesammelt. Zum anderen bringt Rickmann die Technologien Augmented und Virtual Reality ins Spiel, die von prominenten Anbietern wie Microsoft (Hololens) und Samsung (Gear) vorangetrieben werden. Als Paradebeispiel führt er die App Pokémon Go an, die innerhalb von nur einer Woche unglaubliche 15 Millionen mal heruntergeladen wurde.

Als dritter Trend wird schließlich die Künstliche Intelligenz (KI) ausgemacht. Als Beispiel dienen die Google-Algorithmen, die im März dieses Jahres erstmals einen Menschen bei dem Brettspiel Go, das gemeinhin als das komplexeste Spiel der Welt gilt, schlagen konnten. Zudem vertreiben die Bonner künftig aktiv den digitalen Assistenten Amazon Echo, der im Haushalt dank des integrierten Services „Alexa“ sowohl die Spracherkennung als auch -steuerung ermöglicht.

Daten-Hosting in Deutschland

Neben dem Blick nach vorne hatte der Telekom-Geschäftsführer auch einige erfolgreich umgesetzte Beispiele für die Digitalisierung in petto: So führt die 4.200 Mitarbeiter starke Kanzlei Rödl & Partner mithilfe von Big-Data-Analysen aus der Cloud ihre Wirtschaftsprüfungen mittlerweile online durch. Desweiteren hat sich mit Schwaiger ein auf die Technik für Satellitenfernsehen spezialisiertes fränkisches Traditionsunternehmen für die „Open Telekom Cloud“ entschieden – und damit für ein Daten-Hosting in einem deutschen Rechenzentrum.

Die Sushi-Kette „Eat happy“, die in rund 160 Edeka- und Rewe-Märkten täglich Frischfischspezialitäten zubereitet, nutzt die Lösungen und Services der Bonner, um ihre Logistikkette zu digitalisieren und die komplette Warenversorgung bis hin zum Point of Sale elektronisch abzubilden. Nicht zuletzt hat der Anbieter die Fernbusse von Flixbus mit Wifi-Routern ausgestattet, sodass Fahrgäste während ihrer Reise sämtliche Internet- und Entertainment-Dienste nutzen können. Als netter Nebeneffekt sei damit auch die bessere Erreichbarkeit der Busfahrer möglich.

* Für die Studie befragten Analysten von Techconsult im Juni 2016 insgesamt 1.016 kleine und mittelständische Unternehmen verschiedener Branchen über die eigenen Digitalisierungsbestrebungen. Aus den Ergebnissen wurde ein Index entwickelt, der eine valide Messgröße für verschiedene Digitalisierungsaspekte bieten soll. Der Gesamtstudienbericht sowie die Branchenteilberichte stehen zum Download bereit.

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