Digitaler Wandel

Wie KI den Arbeitsmarkt antreibt

Technologiefirmen wie das Schweizer Start-up Starmind ziehen massenweise hochqualifizierte Mitarbeiter an. 2010 gegründet und spezialisiert auf Künstliche Intelligenz (KI) vernetzt das Digitalunternehmen mit 80 Mitarbeitern Konzerne, Eltern von Kindern mit Down-Syndrom oder das Internationale Rote Kreuz in Krisengebieten.

Pascal Kaufmann, Gründer des Schweizer Start-ups Starmind.

Pascal Kaufmann, Gründer des Schweizer Start-ups Starmind. ((Bildquelle: Starmind))

Datenspezialistin Laura Mascarell heuerte voriges Jahr in Küsnacht an. Laut Firmengründer Pascal Kaufmann war die 30-jährige Spanierin, die über Computer-Linguistik promoviert hat, eine von Tausend Bewerbern aus der ganzen Welt, die der Techfirma vorlagen. Von Fachkräftemangel keine Spur.

Dabei scheint der Markt leergefegt zu sein. Der Jobmonitor des Handelsblatts verkündete Ende 2018, dass der Fachkräftemangel in der Digitalwirtschaft bedrohliche Ausmaße annehme. Die Zahl der offenen Stellen in Deutschland sei um ein Drittel gegenüber dem Vorjahr auf 24.700 gestiegen. Software-Entwickler und Cloud-Experten werden dringend gesucht. Die meisten Jobs haben Betriebe aus Bayern und Baden-Württemberg zu vergeben.

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Zu Starmind hingegen strömen die Informatikerinnen. Mit einem Frauenanteil von 35 Prozent benötigt das Unternehmen keine Frauenquote. Diversität ist Neurowissenschaftler Kaufmann wichtig, weil diese positiv auf die Firmenkultur wirke. Informatikerin Mascarell fühlt sich am Arbeitsplatz „sehr inspiriert“, weil Menschen aus 20 Nationen in den Büros am Zürichsee arbeiten. Das Team entwirft Algorithmen. „Diese finden auf jede Frage in einem großen Netzwerk den passenden Experten“, präzisiert Mascarell.

Die Industrie wird zur Software-Welt

Doch nicht alle Betriebe können mit Leuchtturmprojekten einen Sog entwickeln. Im Arbeitsalltag süddeutscher Maschinenbauer heißt die Herausforderung digitaler Wandel. Klassische Ingenieure müssen sich in einer Industrie zurechtfinden, die zur Software-Welt wird. So wie Alexander Ulferts. Der Leiter Prozessentwicklung bei Inductoheat aus Reichenbach in Württemberg beo-bachtet, „wie moderne Härtemaschinen immer mehr zu Computern werden“. Seit neun Jahren arbeitet Ulferts bei Inductoheat. Zuvor war er an der Uni Hannover als wissenschaftlicher Mitarbeiter für elektrothermische Prozesse tätig. 2010 folgt der Wechsel in die Industrie. Ein Fachartikel hatte Ulferts Aufmerksamkeit nach Schwaben gelenkt. Management, Entwicklung und Troubleshooting gehören seither zu seinem Alltag. „Ich stehe gerne mal im blauen Kittel vor der Anlage“, lacht der Ingenieur.

Um digitale Systeme abzuleiten, arbeiten bei Inductoheat interdisziplinäre Teams zusammen. Die Kollegen sitzen in den USA, Indien und China. Ziel ist eine flexible und systemoffene Plattform der Prozesskontrolle, die ein Daten- und Energiemanagement bietet und universell einsetzbar ist. „Ich kann auch C, Java und Python, aber ein Programm von Grund auf entwickeln, ist etwas anderes“, meint Ulferts, der Wissenslücken vor allem mit digitalen Lernplattformen schließt.

Dass ihn hierbei KI unterstützt, weiß wiederum Christian Wachter. Der Vorstand der IMC AG sitzt in Saarbrücken unweit des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) und damit an einer Quelle für KI-Trends. Unter seinen 250 Mitarbeitern finde sich ein knappes Dutzend KI-Spezialisten. Sie programmieren adaptive Lernpfade, die berechnen, was 7,5 Millionen Nutzer lernen sollten. „Die Flut an Informationen, auch in der Technik, ist überwältigend“, verdeutlicht Wachter. KI, oder besser lernende Maschinen, legen IMC-Curricula an, die Inhalte bereitstellen und zwar so, dass dem Lernwilligen genau die Aspekte vorgeschlagen werden, die er für seine Arbeit wissen will.

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