Das sagen die Profis

Wie können Anwender ERP-Know-how aufbauen?

Um nicht wegen jeder Kleinigkeit auf den Software-Lieferanten oder externe Kräfte angewiesen zu sein, sind viele Anwender bestrebt, eigenes ERP-Know-how aufzubauen.

  • Godelef Kühl, GUS

  • Wilfried Gschneidinger. IFS

  • Holger Behrens von Cormeta

  • Helmut Rabanser von Kumavision

„Wer die Hotlines der großen Software-Konzerne kennt, weiß, dass Service und Kundenorientierung meist nicht mehr als Lippenbekenntnisse sind“, kritisiert Godelef Kühl, GUS, scharf. Das wollen die Anbieter im Mittelstand besser machen. Eines der Kernziele bei GUS besteht denn auch darin, den Kunden eigenes ERP-Know-how zu vermitteln. Schließlich sei man Lösungspartner und kein Technologielieferant. Für die eigene webbasierte ERP-Software stehen bereits in der Standardversion mehr als 1.000 vorkonfigurierte Prozesse und Teilprozesse zur Verfügung, die sich auch ohne Programmierkenntnisse zu einem Gesamtprozess modellieren lassen sollen.

Darauf, dass die Kunden Unterstützung bei der Ausbildung und teilweise auch bei der Rekrutierung erwarten, reagiert IFS mit Schulungen oder durch direktes „Training on the Job“. Bei Bedarf wird auch die komplette Ausbildung neu eingestellter Mitarbeiter beim Anwender übernommen, die dann über einen längeren Zeitraum als „Praktikanten“ bei IFS selbst tätig sind. „Für diese Mitarbeiter ist es oft ein zusätzlicher Anreiz, mit IFS-Know-how einen höheren Stellenwert auf dem Markt zu erzielen – einfach aufgrund der quantitativen Unterschiede zum großen Angebot an SAP-Beratern“, sagt Wilfried Gschneidinger.

Doch natürlich gehen auch SAP-Partner wie Cormeta gezielt auf die Anforderungen der Kunden ein. Hier erachtet man das Schulungskonzept bei der Einführung als entscheidend. „Das technische Know-how für den Betrieb ist bei geeignetem Personal in der Regel schnell aufgebaut, gegebenenfalls durch Partner über entsprechende Support- und Serviceverträge“, so Holger Behrens. Für seine Anwender liege der Vorteil darin, dass sie ein breites Schulungsangebot erhalten, auch hersteller- und partnerunabhängig.

Wissen macht unabhängig

Das Wissen um das ERP-System ist unternehmenskritisch, weshalb Mitarbeiter mit entsprechendem Know-how zur Verfügung stehen müssen, die entweder in einem kargen Arbeitsmarkt teuer eingekauft oder langwierig selbst ausgebildet werden müssen. Daher dürfe dieses Wissen keinesfalls auf zu wenige Köpfe verteilt sein, mahnt Helmut Rabanser von Kumavision. Um eine zukunftssichere Weiterentwicklung zu gewährleisten, sollten die Anwender auch ein großes Budget für laufende Fortbildungen einplanen. Doch selbst dann fehle in der Regel die Erfahrung aus unterschiedlichen Projekten, die sich zu Best-Practice-Prozessen verdichten.

Insgesamt sei die komplette Betreuung des eigenen ERP-Systems daher im Grunde nur den Großen zu empfehlen. „Unsere Erfahrung zeigt, dass es für Mittelständler dennoch sinnvoll ist, partielles ERP-Know-how aufzubauen. So ist es meist von Vorteil, wenn bestimmte Modifikationen intern erledigt werden können. Dazu gehören die Gestaltung von Reports, die Anpassung von Pages, die Administration des Rechtesystems, die Organisation der optimalen technischen Umgebung und vor allem die Unterstützung der User in den Prozessen“, so Rabanser.

Bildquelle: Thinkstock / iStock

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