15.12.2017

Wie Werkzeug- und Formenbauer ihr Angebot erweitern

Das Beratungs- und Softwarehaus Ams.Solution zeigt auf der Metav 2018, wie Werkzeug- und Formenbauer die vierte industrielle Revolution nutzen können, um zusätzliche Geschäftsfelder zu erschließen.

Rund ein Fünftel des Outputs bei Stickel sind Blechteile, bei denen die Anforderungen an Geometrie und Materialeinsatz besonders hoch sind. ((Symbolbild))

Rund ein Fünftel des Outputs bei Stickel sind Blechteile, bei denen die Anforderungen an Geometrie und Materialeinsatz besonders hoch sind. ((Symbolbild))

Im Zentrum des Messeauftritts steht die Weiterentwicklung der Branchenlösung Ams.erp Tool. Die rein auftragsbezogen arbeitende Unternehmens-Software synchronisiert die technischen und kaufmännischen Informationen aller Projektbeteiligten in Echtzeit. Beispielsweise sorgt das integrierte Produktdaten-Management Ams.pdm dafür, dass sich der Datenaustausch zwischen dem ERP des Werkzeugbauers und den CAD-Systemen seiner Auftraggeber automatisieren lässt.

Dank der durchgängigen Prozessabdeckung schafft die Branchenlösung eine gemeinsame Datenbasis für Marketing, Vertrieb, Konstruktion, Disposition, Einkauf, Fertigung, Versand, Montage und Service-Management. Werkzeug- und Formenbauer nutzen das zentral vorgehaltene Wissen, um für ihre Kunden attraktive Zusatzleistungen zu entwickeln: Auf der Grundlage ihrer Kernkompetenz, des kundenspezifischen Werkzeugbaus, können sie z.B. eine rein auftragsbezogen ablaufende Teilefertigung aufbauen und sich hierüber ein wichtiges Differenzierungsmerkmal im internationalen Wettbewerb verschaffen.

Luft wird dünner


Im Wettlauf um die Güte der Werkzeuge wird die Luft dünner. Zu hoch ist das Innovationstempo der asiatischen Konkurrenz, als dass sich die europäischen Werkzeug- und Formenbauer allein über die Qualität ihrer Produkte abheben können. Nachhaltigeren Erfolg verspricht es, wenn die hiesigen Anbieter einen Trumpf ausspielen, den nur sie in der Hand halten: die räumliche und kulturelle Nähe zu ihren Auftraggebern. Diese Nähe erlaubt es ihnen Angebote abzugeben, die neben dem Bau der Werkzeuge auch deren Anwendung beinhalten.

Für die Ablauforganisation des Werkzeugbauers führt der Portfolioausbau zu einer Zäsur. Um zusätzlich zu den Werkzeugen auch die letztendlich benötigten Teile zu produzieren, müssen sie sich von einem Auftragsfertiger mit der Losgröße 1 zum Teilefertiger mit der Losgröße n entwickeln. Gefordert ist eine Kleinserienfertigung, aus der sich die Abrufe bedienen lassen, die in den Rahmenkontrakten vereinbart sind.

Anwendungsbeispiel Stickel


Wie Werkzeugbauer den Weg zum integrierten Teilefertiger erfolgreich gehen können, zeigt der schwäbische Automobilzulieferer Stickel. Der 95 Mitarbeiter starke Ams-Anwender fertigt hochwertige Umformteile aus Stahl, Aluminium und nichtrostenden Blechen. Rund drei Viertel der Produktion gehen in den Prototypen- und Versuchsbau. Weitere 20 Prozent sind Ersatzteile, die Stickel für Oldtimer der Marken Porsche und Daimler produziert.

„Im Jahr stellen wir rund 500 verschiedene Produkte her. Bei etwa 80 Prozent der Aufträge liegen die Stückzahlen zwischen 20 und 200 Bauteilen“, skizziert Inhaber Matthias Stickel den Umfang des Geschäfts und weist gleichzeitig auf die hohe Komplexität vieler Projekte hin: „Rund ein Fünftel des Outputs sind Blechteile, bei denen die Anforderungen an Geometrie und Materialeinsatz besonders hoch sind.“

Im Schnitt bleiben acht bis zwölf Wochen für den kompletten Prozess. Ams.erp erlaubt es dem Anwender, die Projekte in kurzer Zeit einzulasten. Von seinen Kunden erhält das Unternehmen in der Regel die CAD-Daten des Bauteils. Auf dieser Basis geht Stickel sofort in die Methodenplanung und klärt – zum Teil über Tiefziehsimulationen – ab, wie sich das gewünschte Teil fertigen lässt. Anschließend erfolgt die Konstruktion der Umformwerkzeuge. Parallel dazu startet die Beschaffung des Materials für den Werkzeugbau und die Teileproduktion. Vergleichbar vielfältig sind Stickels Fertigungsabläufe. Sie reichen vom Fräsen der Werkzeuge über das Umformen der gewünschten Blechteile bis zum Beschneiden der Teile per Laser. Je nach Kundenwunsch schließt die Montage von Baugruppen das Projekt ab.

Erprobte Vorgehensweisen


Das Beispiel des Automobilzulieferers zeigt, wie Werkzeugbauer zusätzliche Absatzmärkte erschließen, indem sie Teile des Wertschöpfungsprozesses ihrer Auftraggeber übernehmen. Um passgenaue Angebote zu machen, müssen die Unternehmen ihre Prozesskompetenz noch einmal deutlich ausbauen. Leitplanken für diesen Entwicklungsprozess bietet das Auftragsmanagementsystem Ams.erp. Die integrierte Geschäfts-Software bietet Best Practices, die Werkzeugbauer gemeinsam mit dem Anbieter entwickelt haben. So z.B. zu der Frage, wie man in kürzester Zeit über die Lose, Stücklisten und Arbeitspläne zu gesicherten Kalkulationsdaten kommt. Für Praxisanforderungen wie diese hält die Branchenlösung erprobtes Prozesswissen bereit, mit dem Auftragsfertiger ihre Position im internationalen Wettbewerb verteidigen können.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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