Umdenken nötig

Windows-10-Updates erfordern angepasste Prozesse

Etwas mehr als ein halbes Jahr bleibt Unternehmen noch, um Systeme auf Windows 10 umzustellen. Dann läuft der Support für Windows 7 aus und Updates sind mindestens jährlich einzuspielen. Keine leichte Aufgabe, aber mit der richtigen Strategie lässt sie sich ideal bewältigen.

Microsoft Surface mit Windows 10

Etwa mehr als ein halbes Jahr bleibt Unternehmen noch Zeit, um von Windows 7 auf Windows 10 umzustellen.

„Wie sollen wir das nur schaffen?“, diese Frage hören IT-Dienstleister in den vergangenen Monaten häufig von ihren Kunden. Nicht selten fühlen sie sich von der neuen Update-Politik von Microsoft regelrecht überrollt. „Wir haben sowohl die kurzen, halbjährlichen Update-Zyklen unterschätzt als auch den Windows-as-a-Service-Aspekt“, gibt so mancher offen zu. „Früher haben wir nur alle fünf Jahre eine neue Version implementiert. Demnächst müssen wir mindestens alle zwölf Monate migrieren, da führt kein Weg dran vorbei.“

Diese kurze Zeitspanne für Updates verändert so einiges: Umfassende Tests und Machbarkeitsstudien entfallen und auch die Prüfung der zeitaufwendigen Abwärtskompatibilität ist nicht mehr umsetzbar. Aufgrund des dafür einzuplanenden zeitlichen Aufwands wäre die genutzte Version beim Rollout bereits veraltet. Zudem bringt die neue Version veränderte Berechtigungs- und Sicherheitsstrukturen innerhalb des Systems mit sich. Gleichzeitig sorgt die geänderte Update-Politik von Windows 10 für Veränderungen bei den internen Applikationen, Cloud-Services und Angeboten von Drittanbietern. Um diese neuen Markt- sowie Kundenanforderungen zu erfüllen und auch Compliance- sowie Sicherheitsrichtlinien zu genügen, müssen sowohl Hersteller als auch Anwendungsunternehmen ihre Prozesse anpassen. Das erfordert ein komplettes Umdenken.

Die neue Update-Politik von Microsoft

Unternehmen sollen in die Lage versetzt werden, schneller und flexibler agieren zu können. Das ist das Ziel der aktuellen Update-Politik von Microsoft. Doch viele der derzeit in Unternehmen eingesetzten PCs laufen noch mit Windows 7. Dieses Betriebssystem stammt aus einer Zeit, in der die Anforderungen und die Nutzung von Technologien noch grundlegend anders waren: Von Smartphones sowie mobilen Messenger-Diensten und den damit verbundenen Möglichkeiten konnte damals kaum die Rede sein. Aber genau solche Anwendungen haben dazu geführt, dass die Kommunikation rasanter und individueller geworden ist – und ganz unterschiedliche Kanäle in Echtzeit umfasst.

In vielen Betrieben wird jedoch auf seit Jahren bestehenden IT-Infrastrukturen gesetzt. Mit der geänderten Update-Politik veranlasst Microsoft diese Unternehmen nun, den nächsten Schritt zu gehen und ihre IT-Umgebung zu modernisieren – um künftig Kunden- und Mitarbeiterwünsche effizienter zu erfüllen.

Die Cloud als Basis

Als Basis der schnelleren und flexibleren Prozesse gilt die Integration der Cloud in das Betriebssystem Windows 10. PCs verbinden sich im Hintergrund zusätzlich mit Cloud-Diensten, rufen beispielsweise Wetter- oder Verkehrsinformationen ab oder senden Telemetriedaten. Da heutzutage vieles über die Cloud läuft, müssen Unternehmen einen Weg finden, sie sinnvoll und regelkonform zu nutzen und die damit verbundenen Risiken zu minimieren. Das kann mit einem entsprechenden Digital Rights Management funktionieren, das die Nutzung von digitalen Medien auf Basis einer entsprechenden Nutzerverwaltung reguliert.

Sind Organisationen in der Lage, die Sicherheitsgrenze schon im Rechenzentrum zu installieren und nicht am Computer selbst, kann der PC cloud-integriert sein. Dann ist nicht mehr relevant, wo die Informationen verarbeitet werden. Unternehmen müssen künftig die Entscheidung treffen, für welche Plattformen sie Anwendungen entwickeln möchten. Damit werden auch Macs und Cloud-Services sowie Apps häufiger in Unternehmen eingesetzt. Mit diesen neuen Tools können Anwender sowohl innerhalb ihrer Organisation als auch mit Kunden und Partnern in Zukunft besser zusammenarbeiten.

Keine Zeit für langwierige Rollouts

Das Betriebssystem jedoch einfach nur auszurollen, ist wenig zielführend. Es ist vielmehr notwendig, ein neues Betriebsmodell zu implementieren. Experten und auch Microsoft empfehlen deshalb, geeignete Prozesse und End-to-End-Services einzuführen. Damit können Organisationen die Auswirkungen des Feature-Release testen sowie Probleme während der Test- und Implementierungsphase erkennen und beheben. Dazu sind jedoch neue, veränderte Betriebs- und Anwendungstests erforderlich. Gleichzeitig bedarf es einer geeigneten Personalstruktur und angepassten internen Prozessen. Denn Windows wird künftig kontinuierlich aktualisiert. Dadurch werden stetige Prozesse für Tests, erste Rollouts und Massen-Rollouts notwendig.

Diese Aufgabe lässt sich allerdings bewältigen: Um die benötigten Personalressourcen für die Updates zu garantieren, sollten Unternehmen entsprechende, auf die einzelnen Phasen spezialisierte Teams zusammenstellen. Darüber hinaus kann es ratsam sein, sich von einem externen IT-Dienstleister bei der Migration unterstützen zu lassen. Dieser übernimmt die eigentliche Betriebsaktualisierung, während sich die eigenen Mitarbeiter weiterhin auf ihre Kernaufgaben fokussieren können. Werden das richtige Betriebsmodell und eine gewisse Standardisierung eingesetzt, lässt sich der Update-Aufwand für Organisationen sogar verringern. Denn die bisherigen, sehr umfangreichen Migrationsprojekte von Windows XP nach Windows 7 oder von Windows 7 nach Windows 10 verursachten häufig Kosten von mehreren Millionen Euro. Das entfällt dank der skizzierten „Evergreen-Strategie“.

* Der Autor Jörg Tewes ist Solution Manager Digital Workplace bei Computacenter.

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