E-Cash auf dem Vormarsch

Wird es eine bargeldlose Gesellschaft geben?

Interview mit Toby Young, CTO (Chief Technology Officer) des Fintech-Unternehmens Ebury, über die Hürden internationaler Finanztransaktionen, die Bedeutung von Bitcoin im Mittelstand und wie wahrscheinlich eine bargeldlose Gesellschaft ist

Ebury-CTO Toby Young

„Meiner Meinung nach ist es unwahrscheinlich, dass Bitcoin in näherer Zukunft einen signifikanten Einfluss auf mittlere Unternehmen hat“, so Ebury-CTO Toby Young

ITM: Herr Young, inwieweit ist ein bargeldloser Finanzzyklus ­erstrebenswert?
Toby Young:
Alternativen zu Bargeld sind seit mehreren Jahren auf dem Vormarsch. Schon für 2020 wird erwartet, dass häufiger Zahlungen per Smartphone als per Karte durchgeführt werden. Bereits heute bieten mobile Zahlungen verschiedene Vorteile gegenüber klassischen Bezahlmethoden, wie etwa einen Überblick über die eigenen Ausgaben in Echtzeit, den Ort und die Zeit der Zahlungen und zusätzliche Sicherheits-Features wie Zwei-Wege-Authentifizierung oder Fingerabdruckerkennung.

Die überarbeitete Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) der Europäischen Kommission ist ein Schlüsselelement für einen veränderten Umgang mit diesem Thema. Ab 2018 werden Banken dazu verpflichtet, ihre Konten für Drittanbieter zu öffnen. Das wird dazu führen, dass Kunden nicht mehr die Anwendung der eigenen Bank nutzen müssen, sondern die beste Anwendung von Drittanbietern wählen können, um all ihre Konteninformationen zu aggregieren. Dieser Wandel stellt offensichtlich eine gewaltige Chance für Fintechs und innovative Banken dar.

ITM: Worin bestehen die Tücken des E-Cashs? Können Sie konkrete Beispiele nennen?
Young:
Aktuell haben noch immer mehr als zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu Finanzinstituten. E-Cash setzt eine Internet-Verbindung und mindestens ein Mobiltelefon voraus. Das dient einerseits der Sicherheit, stellt andererseits aber auch einen Fallstrick dar.

ITM: Wie ist es aktuell um die Sicherheit im Bereich Online-Banking bestellt?
Young:
Durch die Einführung der Zwei-Wege-Authentifizierung, biometrischer Techniken sowie von Verhaltensidentifikationstechniken im Online-Banking und in E-Money-Apps wurde der Sicherheitsaspekt stark verbessert. Dennoch gibt es auch weiterhin Risiken durch z.B. Bugs, die versierte Cyber-Kriminelle durch komplexe Phishing-Verfahren oder Identitätsdiebstähle ausnutzen können.

ITM: Welche Hürden müssen hier bei internationalen Finanztransaktionen gemeistert werden?
Young:
Internationale Transaktionen sind natürlich stark abhängig vom Wechselkurs zum Zeitpunkt der Zahlung. Externe Faktoren wie die Geldpolitik oder politische Ereignisse sind nur zwei Beispiele, die Wechselkurse beeinflussen und dazu führen können, dass Unternehmen (aber auch Einzelpersonen) eine Menge Geld verlieren, besonders wenn es um volatile Währungen z.B. aus Schwellenländern geht.

ITM: Können Sie die Rolle der unterschiedlichen Währungen konkretisieren? Wie gehen moderne Finanz-Software-Lösungen damit um?
Young:
Währungen sind definitiv zugänglicher geworden, während damit einhergehende Risiken dank alternativer Finanzlösungen einfacher zu managen sind. Diese hochmodernen Technologieprodukte sind zentral für unseren Erfolg. Eine fortschrittliche Infrastruktur ist heutzutage elementar für Finanzanbieter, um Liquiditäts-Pools zu verwalten und die Geschwindigkeit zu maximieren. Wir beobachten, dass Fintech-Unternehmen das sehr ernst nehmen und dass sie versuchen, mitzuhalten.

ITM: Welche Bedeutung schreiben Sie Bitcoins und ähnlichen Krypto-Währungen im Mittelstand zu?
Young:
Meiner Meinung nach ist es unwahrscheinlich, dass ­Bitcoin in näherer Zukunft einen signifikanten Einfluss auf mittlere Unternehmen hat. Bitcoin benötigt eine deutliche Verbesserung hinsichtlich Liquidität, Regulierung und eine Stabilisierung der Volatilität, um vorwärtszukommen.

ITM: Wird es die bargeldlose Gesellschaft in Zukunft geben?
Young:
In vielerlei Hinsicht sind wir dort bereits angekommen. Einige Länder, z.B. Kenia, haben uns in der Entwicklung bereits hinter sich gelassen; 43 Prozent (oder sogar mehr) des kenianischen Bruttoinlandsprodukts werden bereits über die mobile Zahlungsplattform M-Pesa abgewickelt. Mit anstehenden Regulierungsverfahren und Größen wie Facebook und Google, die auf den Markt drängen, wird es sehr spannend sein, dieses Thema in den nächsten fünf Jahren zu verfolgen.

Bildquelle: Ebury

 

 

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