Höherer Stellenwert für quelloffene Systeme

„Wordpress ist unsterblich, allerdings äußerst unsicher“

Im Interview bemerkt Arash Kaffamanesh, Gründer und Geschäftsführer der in Köln ansässigen Clouds Sky GmbH, dass Open-Source-Content-Management-Systeme eine wesentlich höhere Agilität und Flexibilität bieten und zugleich kostengünstig sind.

Arash Kaffamanesh, Clouds Sky

„Inzwischen haben die Open-Source-Anbieter verstanden, dass Support eine wichtige Rolle spielt“, meint Arash Kaffamanesh, Geschäftsführer von Clouds Sky.

ITM: Herr Kaffamanesh, welchen Stellenwert haben heutzutage Open-Source-Content-Management-Systeme (CMS) im Vergleich zu Standard-Content-Management-Software?
Arash Kaffamanesh:
Quelloffene Systeme haben einen wesentlich höheren Stellenwert, da sie einfacher und schneller angepasst werden können, z.B. wenn ein Sicherheitsproblem bekannt wird oder funktionale Fehler behoben werden müssen.

ITM: Wie gestaltet sich das derzeitige Interesse des Mittelstands an Content-Management-Systemen auf Open-Source-Basis?
Kaffamanesh:
Laut einer Studie haben rund 84 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen ihre Website im vergangenen Jahr nicht aktualisiert. Dieses ernüchternde Ergebnis zeigt eine Auswertung von 70.000 Unternehmenswebsites. Dies kann allerdings auch bedeuten, dass einige dieser KMUs propritäre Content-Management-Systeme einsetzen, die nicht so einfach und kostengünstig angepasst werden können wie ihre Open-Source-Pendants.

ITM: Was hält das eine oder andere Unternehmen noch von Open-Source-Modellen im CMS-Bereich ab?
Kaffamanesh:
Open-Source-CMS hatten in der Vergangenheit bei manchen KMUs keinen guten Ruf, da sie oft von ihren proprietären Mitbewerbern zu Unrecht als instabil oder sogar unsicher abgestempelt wurden. Dies hat sich aber in den letzten Jahren geändert. Open-Source-Content-Management-Systeme wie Wordpress, Joomla, Typo3, OpenCms, Hippo CMS oder Magnolia CMS sind heute insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen im Einsatz. Es gibt jedoch auch eine Reihe großer Unternehmen, die beweisen, dass Open-Source-CMS enterprise-tauglich ist.

ITM: Welche Vorteile und Möglichkeiten bieten sich jenen Unternehmen, die auf Open-Source-CMS vertrauen?
Kaffamanesh:
Open-Source-Content-Management-Systeme bieten eine wesentlich höhere Agilität und Flexibilität und sind zugleich kostengünstig, da in der Regel entweder keine oder sehr geringe Lizenzierungskosten entstehen und die Wartung bzw. das „Fixing“ wesentlich schneller erfolgen kann.

ITM: Inwiefern bedeutet „Open Source“ tatsächlich Kostenfreiheit und mehr Flexibilität?
Kaffamanesh:
Durch den frei verfügbaren Quellcode kann jeder faktisch die Software selber bauen und auch kostenfrei einsetzen. Das bedeutet gleichzeitig ein Maximum an Flexibilität und Anpassbarkeit.

ITM: Was sind die Nachteile und Hürden von Open-Source-CMS im Vergleich zu Standardsoftware?
Kaffamanesh:
Durch die Offenheit der Quelle werden Sicherheitslücken schneller bekannt als bei proprietären Systemen. Dies bedeutet auch, dass sie leichter angreifbar sind. Beim Bekanntwerden von Sicherheitslücken müssen diese schnell gefixt werden. Bei manchen Open-Source-Content-Management-Systemen klagen die Anwender über die mangelnde Benutzerfreundlichkeit und manche finden die Systeme nicht leicht erlernbar.

ITM: Welche Kriterien sollte ein gutes CMS erfüllen?
Kaffamanesh:

•    einfache Installation und Inbetriebnahme
•    einfache Bedienung
•    leichte Integration mit externen Systemen und sozialen Netzwerken
•    Erweiterbarkeit
•    Anpassungsfähigkeit
•    hohe Sicherheit
•    SEO-Freundlichkeit (tagging)
•    leistungsfähige Suchmaschine
•    einfache und schnelle Aktualisierung
•    Unterstützung auf mobilen Geräten mit Simulatoren
•    Kosten und TCO (Total Cost Of Ownership)
•    Auswahl von Hosting-Anbieter
•    Skalierbarkeit (Cloudfähigkeit)
•    Kundenorientierung (Unterstützung des „Customer Engagement“-Paradigmas für Marketingabteilungen)

ITM: Wie gestaltet sich die jeweilige Kompatibilität/Integrierbarkeit zu/mit anderen Systemen?
Kaffamanesh:
Die Integration mit externen Systemen wie MS Sharepoint, SAP, Owncloud oder CRM-Systemen ist sehr unterschiedlich umgesetzt. Manche bringen das „out-of-the-box“, bei anderen muss man das je nach Anwendungsfall extra programmieren.

ITM: Welche Anforderungen stellen Open-Source-CMS an die Leistungs- und Konfigurationsfähigkeit eines verwendeten Servers?
Kaffamanesh:
Das kommt sehr stark auf das verwendete System an. In der Regel sind java-basierte CM-Systeme hungriger und brauchen mehr Leistung auf dem Server.

ITM: Wonach entscheidet sich, ob ein Open-Source- oder Standardmodell für ein Unternehmen in Frage kommt?
Kaffamanesh:
Das kommt sehr stark auf den bestimmten Anwendungsfall an. So bringen z.B. manche .Net-basierte proprietäre CM-Systeme die Sharepoint-Integration mit und könnten für Unternehmen, die solch eine Integration schnell brauchen, die richtige Lösung sein.

ITM: Wie sollten Mittelständler bei der Anbieter- bzw. Lösungsauswahl vorgehen?
Kaffamanesh:
KMUs müssen erst wissen, was sie genau brauchen, und sollten sich zu diesem Zweck umfassend beraten lassen. Bei der Lösungsauswahl ist darauf zu achten, dass das System auf längere Sicht für sie ein Mehrwert bietet und zur Expertise im Unternehmen bzgl. vorhandener Administratoren, Programmierer, etc. passt.

ITM: Mit welchem Aufwand ist die Einführung eines Open-Source-CMS verglichen zu einem Standardsystem verbunden?
Kaffamanesh:
Es kommt auf den Anwendungsfall an. In der Regel muss man anhand von definierten Anforderungen überprüfen, ob man das System eigenständig einführen möchte und ob die erforderliche Expertise im eigenen Unternehmen oder bei der beauftragten Agentur vorhanden ist. Die Integration von externen Systemen wie beispielsweise SAP (z.B. bei Implementierung von HR- oder Job-Portalen) spielt dabei eine große Rolle.

ITM: Wie ist es um die Sicherheit sowie Zukunftsfähigkeit von Open-Source-CM-Modellen bestellt?
Kaffamanesh:
Wordpress ist unsterblich, allerdings ist es gleichermaßen äußerst unsicher. Deshalb gilt auch hier: Es kommt auf den jeweiligen Fall an.

ITM: Wie gestaltet sich der Support durch den Hersteller bzw. Entwickler bei Open-Source-Modellen?
Kaffamanesh:
Inzwischen haben die Open-Source-Anbieter verstanden, dass Support eine wichtige Rolle spielt, und bieten angemessene Supportverträge an.

ITM: Welcher Trend ist im CMS-Bereich abzusehen? Wohin geht es zukünftig?
Kaffamanesh:
Mobile Unterstützung und Integration mit sozialen Netzwerken sowie Unterstützung des „Customer Engagement“-Paradigmas für Marketingabteilungen.

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