Kommentar

Zwang macht den Mittelstand zur Zielscheibe

Das Thema Entschlüsselung wird spätestens seit dem Vorschlag von Bundesminister Horst Seehofer heiß diskutiert. Laut dessen Plan müssten Verschlüsselungsanbieter künftig die Nachrichten ihrer Nutzer auf richterliche Anordnung hin an Sicherheitsbehörden weitergeleiten. Peter Ruchatz, CRO bei Tresorit, erklärt, warum das ruinöse Konsequenzen für den deutschen Mittelstand hätte.

Zielscheibe beim Bogenschießen

Macht ein aktueller Vorstoß von Horst Seehofer, der Sicheheitsbehörden den Zugriff auf verschlüsselte Nahrichten vereinfachen soll, den Mittelstand zur Zielscheibe?

Es gibt keine Hintertür nur für die „Guten“. Genauso, wie es keine unbedeutsame Unternehmensgröße im Kalkül von Angreifern gibt. Hacker scheuen sich nicht, sich jede mögliche Schwachstelle zunutze zu machen, um hochsensible Firmendaten zu erbeuten. Da sicherheitsbewusste Unternehmen zunehmend auf Lösungen wie verschlüsselte Chat-, Messaging- und Speicherdienste umsteigen, würde ein Entschlüsselungszwang für sie fatale Folgen nach sich ziehen. Und wie gut ist Ihr Unternehmen vor der Raffinesse des Darknets geschützt?

Parallel zur rasanten Digitalisierung im Mittelstand vergrößert sich die Angriffsfläche für Hacker. Und die Kehrseite der Innovationsmedaille, die Bedrohungen aus dem Cyberraum, werden oft unterschätzt - strategischer Fehltritt. Denn die weitreichenden Folgen einer Attacke könnten den Nutzen der Digitalisierung ruinieren.

Deshalb ist Ende-zu-Ende-verschlüsselte Sicherheit gerade für Mittelständler geschäftskritisch. Denn die ultrasichere Verschlüsselungstechnologie bietet KMU nicht nur zuverlässigen Schutz vor Cyberkriminellen, sondern hilft ihnen auch dabei, DSGVO-Compliance zu erfüllen und die sensiblen Daten vor unbefugtem Zugriff und menschlicher Fahrlässigkeit zu schützen.

Mittelständler sind leichte Beute für Angreifer

Es vergeht kaum eine Woche ohne alarmierende Schlagzeilen über Hackerskandale, wie Ende Juli 2019 die großangelegten Spähangriffe auf Dax-Konzerne wie Roche, Siemens und BASF. Laut dem Lagebericht 2018 des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik wurden 70 % der deutschen Unternehmen in den Vorjahren Opfer von Cyberangriffen. Und dabei sind Mittelständler besonders häufig betroffen.

Ende 2018 wurde die Produktion beim Maschinenbaukonzern Krauss Maffei infolge eines Trojaner-Angriffs lahmgelegt. Ein Tag zuvor erlitt das Klinikum Fürstentum eine ähnliche Attacke. Wie die Beispiele zeigen, verbergen sich hinter den Zahlen kleine Fabriken, Ärzte, Rechtsanwälte, Einzelhändler und das Familienhotel um die Ecke. Am stärksten betroffen ist jedoch die Chemie- und Pharmabranche – laut Bitkom gaben 74 Prozent der befragten Unternehmen an, Opfer von Cyberangriffen zu sein. Im Automobilbau berichten 68 Prozent der Unternehmen von gegen sie gerichteten Attacken. Auch der Maschinenbau sowie die Hersteller von Kommunikations- und Elektrotechnik stehen im Fokus von Angreifern.

Kein Wunder, denn das Umgehen der IT-Systeme und hausinternen Schutzmechanismen von Mittelständlern ist eine Fingerübung für Hacker. Zudem handhaben Betriebe hochsensible Daten wie Patientenakten, Patente, Finanz- und Kundendaten – begehrte Waren auf dem Online-Schwarzmarkt, die sich schnell ausspionieren und zu Geld machen lassen.

Die Folgen von Datenschutzverletzungen sind gravierend: Neben finanziellen Kosten können die Imageschäden existenzbedrohend sein. Die direkten Kostenverursacher werden von Aufklärungskosten und Reputationsschäden möglicherweise sogar noch in den Schatten gestellt.

Positiv zu bewerten ist, dass sich Mittelständler indes der Gefahr der Cyberkriminalität bewusst sind, so die IT-Sicherheitsstudie 2019 des eco-Verbands: 90 Proznet der Befragten empfinden die Bedrohungslage als wachsend und zählen Datenschutz (89 Prozent) und die Verschlüsselung von Daten (82 Prozent) zu den Top-Sicherheitsthemen.

Cybersicherheit verschafft KMU Wettbewerbsvorsprung

In der digitalen Ära, in der Daten als monetäre Währung gelten, sollte Cybersicherheit auf der strategischen Agenda des Mittelstands etabliert werden. Die Ende-zu-Ende-verschlüsselten Business-Lösungen wie Chat-, Email- und Datentauschdienste untermauern jegliches ganzheitlich ausgerichtete Sicherheitskonzept. Die technisch unknackbare Verschlüsselungsmethode hilft Unternehmen dabei, Einfallstore vor Angreifern zu schließen und ihre Innovationspotenziale freizusetzen – ohne dass menschliches Versagen oder Angreifer künftig reale Bedrohungen für sie darstellen würden.

Bildquelle: Tresorit

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