IT-MITTELSTAND https://www.it-zoom.de/it-mittelstand/news/ IT-MITTELSTAND: IT-Business im Mittelstand de ©2019 Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH Mon, 25 Mar 2019 16:58:09 +0100 Mon, 25 Mar 2019 16:58:09 +0100 TYPO3 EXT:news news-22424 Mon, 25 Mar 2019 16:37:35 +0100 Die Steuerung ist eine Gratwanderung http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/die-steuerung-ist-eine-gratwanderung-22424/ Self-Service-Business-Intelligence-Werkzeuge, kurz SSBI, sollen auch Anwender ohne Vorkenntnisse befähigen, einfache Auswertungen selbst zu erstellen. Damit entfällt der Umweg über die IT-Abteilung, die Fachabteilungen können schneller auf Änderungen in den täglichen Abläufen reagieren und die richtigen Entscheidungen treffen. Soweit die Theorie. Damit sie auch in der Praxis funktioniert, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, erläutert Christian Götz, Managing Consultant bei Procon IT. ITM: Self-Service-BI funktioniert nur, wenn alle Anwender ungehinderten Zugang zu den Daten haben, die sie für ihre Analysen benötigen. Welche Hürden gibt es beim Thema Datenverfügbarkeit, und wie lassen sie sich bewältigen?
Christian Götz: Damit die Fachabteilungen ihre eigenen Reports erstellen können, müssen die für die Analyse benötigten Daten rechtzeitig vorliegen. Auf der anderen Seite ist es aber auch nicht sinnvoll, jedem Mitarbeiter Zugriff auf alle Informationen im Unternehmen zu gewähren. Dies erhöht die ohnehin schon große Informationsflut und überfordert die Mitarbeiter. Zudem besteht die Gefahr von Fehlinterpretationen, etwa dann, wenn sich eine Fachabteilung Daten aus dem System zieht, ohne zu wissen, wie sich diese zusammensetzen oder wie sie berechnet wurden. Und natürlich gibt es sensible Daten, die nicht in die Hände aller gelangen sollten – etwa Informationen der Personalabteilung.

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ITM: Wie ist sichergestellt, dass die Mitarbeiter nur auf bestimmte Datenquellen Zugriff haben, aber immer genau die Daten erhalten, die sie gerade benötigen?
Götz:
In modernen SSBI-Anwendungen lassen sich individuelle Nutzerrechte bereits sehr granular einstellen. Zuvor muss man sich allerdings auf Basis der Daten genau überlegen, welcher Benutzerkreis Zugriff darauf haben darf und warum. Dabei gilt es, alle rollen- und rechte-relevanten Fragen zu berücksichtigen: Wer darf was zu welchem Zweck anlegen? Wer darf welche Daten sehen? Wer darf welche Daten wohin verteilen, wer trägt die Verantwortung dafür? Und wie lässt sich sicherstellen, dass die Daten richtig interpretiert werden?

Solche Entscheidungen hängen allerdings auch vom Anwendungszweck und dem IT-Know-how der Endanwender ab. Bei Softwareentwicklern etwa muss man die Nutzung vermutlich weniger einschränken, weil sie sehr IT-affin sind und von sich aus auf einheitliche Prozesse beim Umgang mit Daten achten.

ITM: Eine gute Überleitung zur nächsten Frage: Wie wichtig sind klare Regeln und Standards? Und wie lässt es sich vermeiden, dass dadurch die Flexibilität, die SSBI ja eigentlich bietet, verloren geht?
Götz: Regeln für einen einheitlichen Umgang mit den Daten sind beim Einsatz von Self-Service-Analytics unerlässlich. Legen alle Anwender in Eigenregie Kennzahlen an, sind Chaos und Redundanzen programmiert. Es entstehen Missverständnisse, weil es unterschiedliche Kennzahlen gibt, die das gleiche meinen. Oder, schlimmer noch: Zahlen werden falsch interpretiert, weil die Kennzahlen die gleiche Bezeichnung haben, aber unterschiedlich definiert sind. All das ist ineffizient und verursacht hohe Kosten im Unternehmen. Natürlich schränkt eine strikte Steuerung die Freiheit, die SSBI grundsätzlich attraktiv macht, ein Stück weit wieder ein. Das ist eine Gratwanderung, weswegen letztlich jedes Unternehmen seine individuelle Strategie entwickeln muss.

ITM: Das Thema Datensicherheit hat durch die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) an Brisanz gewonnen. Was bedeutet die Verordnung für SSBI?
Götz: Nach der neuen Datenschutzgrundverordnung dürfen Datenquellen, die personenbezogene Informationen enthalten, nicht als Datenpool für unternehmensweite Self-Service-Analysen herangezogen werden. Das heißt, Unternehmen müssen ihre BI-Systeme auf personenbezogene Daten prüfen, sie einer Risikoanalyse unterziehen und bei Bedarf löschen oder pseudoanonymisieren. Die Herausforderung beim Prüfen besteht darin, die Daten nicht nur personenbezogen, sondern auch zweckgebunden zu definieren beziehungsweise zu limitieren. Man muss also einen Schritt weiterdenken und nicht nur überlegen, welche Anwender welche Daten benötigen, sondern welche sie brauchen könnten. Das Trennen bestimmter Daten von den restlichen Daten lässt sich mithilfe von Berechtigungen oder mit technischen Lösungen bewerkstelligen. 

ITM: Self-Service-Analytics-Tools sind den Herstellern zufolge so leicht zu bedienen, dass jeder Anwender ohne Vorkenntnisse damit Daten auswerten kann. Wie realistisch ist das? Können wirklich alle Mitarbeiter gleich „loslegen“, oder brauchen sie erst einmal gezielte Schulungen?
Götz: Das hängt zum einen von der Bedienung des Self-Service-Tools, zum anderen vom Know-how der Endanwender ab. Insbesondere wenn es darum geht, Daten zu integrieren, zu kombinieren oder differenziert auszuwerten, sollten technische Vorkenntnisse schon vorhanden sein. Auch bei Analysen, die Coding-Kenntnisse erfordern, sind so genannte Power-User gefragt, die ihre Ergebnisse dann den Endanwendern zur Verfügung stellen. Und wenn die intuitive Bedienbarkeit der Software an ihre Grenzen stößt, sollten die Mitarbeiter gezielt geschult werden.

ITM: SSBI ist nur sinnvoll, wenn die Anwender die Tools auch nutzen. Allerdings trauen sich weniger technik-affine Mitarbeiter dies oft nicht zu. Wie können Unternehmen solche Ängste abbauen und die Nutzung fördern?
Götz: Wichtig ist zunächst, dass die Software auch wirklich intuitiv zu bedienen ist und praktische Visualisierungsfunktionen bietet. Und dass die Anwender mit ganz einfachen Auswertungen anfangen und genug Zeit bekommen, sich an die Handhabung heranzutasten. Dann merken sie selber nach kurzer Zeit, dass Self-Service-Analytics wesentlich komfortabler ist als Excel.

Bildquelle: Procon IT

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IT-Mittelstand Startseite it-zoom Business Intelligence / Big Data
news-22406 Thu, 21 Mar 2019 16:48:48 +0100 Aus alt mach neu http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/aus-alt-mach-neu-22406/ Unternehmen in der Entsorgerbranche haben sich von ehemals reinen Entsorgern zu Spezialisten für Recycling und Rohstoffverwertung entwickelt. Um die damit verbundene Ausweitung des Leistungsangebots möglichst wirtschaftlich abdecken zu können, ist der Einsatz moderner Betriebsmittel einschließlich transparenter Prozessabläufe erforderlich. Das macht auch vor den kaufmännischen Prozessen nicht Halt und führte bei der Götz GmbH Schrott + Metalle zur Ablösung der bis dato im Einsatz befindlichen Buchhaltungssoftware durch die Fibunet Finanzbuchhaltung.

Die Einführung der Finanzbuchhaltung sei mit einem Reengineering der buchhalterischen Prozesse verbunden worden. Unter anderem sei erstmals eine Kostenrechnung konzipiert und eingeführt sowie ein Teil der arbeitsintensiven Abrechnungsprozesse automatisiert worden. Beispielsweise würden die Tollcollect-Abrechnungsdaten, die aufgrund der umfassenden LKW-Transport- und Logistikleistungen entstehen, jetzt über eine neu geschaffene Schnittstelle automatisch in die Fibu-Lösung überspielt und den einzelnen LKW zugerechnet.

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IT-Mittelstand FIBU REWE Controlling
news-22404 Thu, 21 Mar 2019 16:36:41 +0100 Sauberes Omni-Channeling http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/sauberes-omni-channeling-22404/ Alpheios, Großhändler von Reinigungsmaschinen, Reinigungsprodukten und Reinigungsmitteln für die professionelle Nutzung, hat eine neue Omni-Channel-Plattform eingeführt. Das Unternehmen analysierte zunächst wie Kunden den bestehenden, sehr einfachen Web-Shop nutzten, bevor sie sich für eine Investition in eine neue E-Commerce-Plattform entschied. Die Daten aus dieser Analyse seien zum Ausgangspunkt für seine neue Omni-Channel-E-Commerce-Plattform geworden, die ein verbessertes Kundenerlebnis und Kundenbetreuung bieten und damit die Verkaufsergebnisse steigern soll.

Der Grund für die Entscheidung für Intershop seien die sofort einsatzbereiten B2B-Funktionalitäten. Die Plattform wachse nun kontinuierlich mit den sich ändernden Bedürfnissen der Kunden.

Leon Hermse, Manager Marketing & Innovations bei Alpheios International: "In den letzten Jahren hat sich unser Unternehmen von einem Reinigungsgroßhändler zu einem Partner im Bereich der Reinigungsbranche entwickelt. Unsere Kunden kaufen immer noch Reinigungsmittel und Maschinen, profitieren aber auch von unseren Workshops, Schulungen und Beratungen. Die Omni-Channel-Plattform erleichtert und automatisiert Kommunikation und Vertrieb. Die dabei gewonnenen Daten geben uns Erkenntnisse in aktuelle Kundenerwartungen und damit neue Anregungen, wie wir die neue Strategie weiterentwickeln und damit unser Wachstum weiter ausbauen können".

Implementierungspartner Fenego wurde von Alpheios International mit der Umsetzung des Projekts beauftragt.

Bild: gettyimages/iStock

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IT-Mittelstand CRM E-Commerce / Marketing
news-22403 Thu, 21 Mar 2019 16:03:37 +0100 Digital in die Regale des Handels http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/digital-in-die-regale-des-handels-22403/ Spätestens seit der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen” ist Pumperlgsund bekannt. Ihre „Good Eggwhites“, flüssiges Bio-Eiweiß in der Flasche und im Getränkekarton, haben auch im Lebensmitteleinzelhandel schnell Bedarf geweckt. Die Herausforderung für das Unternehmen ist dabei, die Sprache des Handels zu sprechen. Der Handel spricht gerne digital und effizient: Barcode scannen und schon sind alle relevanten Daten im Warenwirtschaftssystem. In einem gemeinsamen Projekt mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards hat das Start-up Lösungen für das „Sprachenproblem“ erarbeitet. „Für die Belieferung des stationären Einzelhandels sind bestimmte Standards für Identifikation, Kennzeichnung und elektronischen Datenaustausch (EDI) gefordert. Ziel des Projekts war es, eine Lösung zu schaffen, die diesen Anforderungen entspricht, ohne in der eigenen Logistik dafür neue, manuelle Prozesse einzurichten. Alle erforderlichen Informationen müssen im Warenwirtschaftssystem abgefragt, verknüpft und an entsprechender Stelle ausgegeben werden, damit die Produkte ‚digital in die Regale des Handels‘ gelangen“, erläutert Niklas Kuhnert vom Kompetenzzentrum eStandards, der das Projekt begleitet hat.

Um die Vorgaben des stationären Einzelhandels zu erfüllen und gleichzeitig die eigenen internen Logistikprozesse effizienter zu gestalten, setze der Eiweißproduzent nun auf ein standardisiertes Transportetikett, auf dem alle wichtigen Informationen enthalten seien. Im Rahmen einer Bedarfsanalyse habe sich klären lassen, welche dies sind: Wie sieht die Hierarchie der Produkte und Handelseinheiten aus? Welche Anforderungen haben die Kunden? Welche Anforderungen bestehen für die interne Logistik? Welches ist der kleinste gemeinsame Nenner aller Anforderungen? Wie verläuft der Prozess? Welche Hardware ist vorhanden? Was kann das IT-System umsetzten?

Die Ergebnisse der Bedarfsanalyse seien in die Einführung eines Transportetiketts mit standardisiertem Design eingeflossen. Auf diesem sind sowohl Informationen zu Artikeln und Versandeinheiten über Identifikationsnummern wie GTIN (Global Trade Item Number) und NVE / SSCC (Nummer der Versandeinheit/Serial Shipping Container Code) als auch zu Charge und Mindesthaltbarkeitsdatum eindeutig und maschinenlesbar im GS1-128 Barcode aufgebracht. Dieses Transportetikett ist nun das Bindeglied zwischen elektronischem Datenfluss und physischem Warenfluss. Dadurch, dass alle erforderlichen Daten in einem Etikett zusammengeführt werden, könne die Lieferung auch elektronisch avisiert werden.

Der Teufel steckt bekanntlich immer im Detail: Jeder Einzelhandelskonzern hat entsprechend seiner Logistiksysteme Anforderungen an Inhalt und Ausführung des Transportetiketts. Größe, Format, Schriftgröße und Barcodegröße sind ebenso vorgegeben wie die im Strichcode hinterlegten Informationen wie Herstellungsdatum, Mindesthaltbarkeitsdatum, Nummer der Versandeinheit, etc. Auch die einzelnen Paletten müssen eindeutig identifizierbar sein und deshalb eine Tracking-Nummer erhalten. All diese spezifischen Attribute werden heute aus verschiedenen Tabellen des Warenwirtschaftssystems gezogen. Statische Stammdaten und dynamische Produktionsdaten werden so beim Etikettendruck zusammengeführt.

„Durch den Auftritt in der Fernsehshow haben wir bundesweit unsere Bekanntheit gesteigert und damit auch schnell das Interesse des stationären Einzelhandels geweckt. Um die gesteigerte Nachfrage zusammen mit den Logistikanforderungen des Lebensmitteleinzelhandels zu erfüllen, haben wir eine schnelle Lösung gesucht, die wir im laufenden Produktionsprozess umsetzen können“, sagt Fabian König, Geschäftsführer von Pumperlgsund. „Das Projekt mit dem Kompetenzzentrum hat uns gezeigt, welche Standards sich für diesen Prozess eignen und wie sich diese in unsere bestehenden Prozesse implementieren lassen. So haben wir nicht nur einen weiteren Vertriebskanal erschlossen, sondern gleichzeitig unsere Logistik effizienter gestaltet.“

Bild: gettyimages/iStock

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IT-Mittelstand Startseite it-zoom Lager und Logistik
news-22401 Thu, 21 Mar 2019 14:52:42 +0100 Den Betriebshof digital im Blick http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/den-betriebshof-digital-im-blick-22401/ Die Prozessautomatisierung entlang der gesamten Supply Chain rückt immer mehr in den Fokus – auch an der Schnittstelle zwischen Lager und Transport. Für die Steuerung der Hofaktivitäten auf Werks- und Betriebshöfen steht mit Inconso YMS (Yard Management System) eine Softwarelösung für die Verkehrsplanung und -steuerung zur Verfügung, die oft unabhängig voneinander geplante Prozesse zentral zusammenführen und Wartezeiten, Planungsunsicherheiten und damit Kosten reduzieren können soll. Erweiterte Funktionalitäten stellt das Logistiksoftwareanbieter in Form des neuen Softwarereleases vor, das über erweiterte Steuerungs- und Leitstandfunktionalitäten, neu entwickelte App-Features und Erweiterungsbausteine für den „Smart Yard“ verfüge.

Das neue Release soll umfassende Funktionalitäten für die effiziente Steuerung von Be- und Entladeverkehren und der Verwaltung von Ressourcen auf dem Werksgelände bereitstellen. Dazu zähle der komplett modernisierte grafische Leitstand zur verbesserten Nachvollziehbarkeit von Vorgängen und Transportbewegungen auf dem Yard. Ebenfalls enthalten seien erweiterte Funktionen für die Verwaltung von mehrfachtiefen Brücken- und Aufliegerstellplätzen sowie Sammelplätzen. Über konfigurierbare Abbildungsmöglichkeiten schaffe die funktionell erweiterte Lösung somit Optimierungspotenzial für Yard-Topologien jeglicher Ausprägung.

Innerhalb des neuen Releases soll auch die neu entwickelte, mehrsprachige Business-App mit integriertem Leitsystem zur Verfügung stehen. Sie dient als Navigationssystem für ankommende LKW und als Kommunikationsmedium zwischen Disposition und Fahrern. So werde ein Ablösen technischer Komponenten in Form von Pagersystemen und lokalen WLAN-Infrastrukturen für die Steuerung der Bewegungen auf dem Hofgelände ermöglicht. Denn im Zusammenspiel mit der App bietet das System einen Überblick zu geplanten LKW-Ankünften für eine verbesserte Priorisierung von Be- und Entladeprozessen. Auch integrierte Sprachsteuerungsszenarien seien möglich, beispielsweise in Kombination mit gängigen Releases des Amazon Echo.

Als Teil der Inconso Logistics Suite könne das System nahtlos in bestehende Systemlandschaften integriert werden.

Bild: gettyimages/iStock

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IT-Mittelstand Lager und Logistik
news-22394 Thu, 21 Mar 2019 09:22:59 +0100 Cobots mit Schlüsselrolle bei der Digitalisierung http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/cobots-mit-schluesselrolle-bei-der-digitalisierung-22394/ Für Mittelständler könnten kooperierende Roboter (Cobots) zu wichtigen Helfern werden: Sie unterstützen bei neuen Aufträgen, für die das Personal fehlt, und machen die Produktion flexibler, ohne dass dafür Roboterexpertise nötig wäre. Immer mehr kooperierende Roboter lassen sich wie mit einer einfachen Smartphone-App programmieren und ohne allzu großen Aufwand für die Automatisierung nutzen. „Bei der Auswahl ist Prozesswissen gefragt: Der Leichtbauroboter sollte spezifisch zur Aufgabe passen. Vor allem geht es darum, wie das Bauteil aussieht, welches Gewicht es hat und ob es sich um einfache Handhabungsaufgaben oder um Montage handelt“, erklärt Julia Berg, Gruppenleiterin Kooperierende Robotik an der Fraunhofer-Einrichtung für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik IGCV. Die Sensitivität zum Fügen und die Traglast sind dabei wichtige Eigenschaften. Für Mittelständler könnten Cobots einen guten Einstieg in einfache Automatisierungsaufgaben darstellen, meint Berg. Dazu gehört z.B. das Einlegen von Teilen in Werkzeugmaschinen, für das sonst ein Mitarbeiter benötigt wurde. „Man kann mit Cobots definitiv Kapazitätsschwankungen ausgleichen und, in Richtung Fachkräftemangel gedacht, können Roboter manche Aufgaben übernehmen“, bestätigt Julia Berg.

Platzsparende und mobile Helfer

Cobots spielen so eine Schlüsselrolle für Industrie-4.0-Konzepte. „Indem mobile Cobots immer mehr Teilaufgaben übernehmen und das Produkt selbst sich zunehmend durch eine modulare Fertigung steuert, lässt sich der Produktionsablauf in kürzester Zeit verändern“, erklärt Dieter Faude von Cobot Consulting. Gerade indem zum Beispiel autonome fahrerlose Transportsysteme in Verbindung mit Roboterinseln arbeiten, lasse sich der Fertigungsablauf frei programmieren.

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Cobots und Leichtbauroboter lassen sich ähnlich einsetzen wie die bisher verbreiteteren Industrieroboter, die allerdings meist hinter Schutzzäunen weggesperrt sein müssen. „Cobots brauchen weniger Platz, weil die Umzäunung wegfällt, sie haben kürzere Bremszeiten, verbrauchen weniger Energie und lassen sich einfacher handhaben und trainieren“, nennt Faude einige Unterschiede. Aus seiner Sicht eignen sich die neuen, leichten Roboter vor allem für ergonomisch ungünstige, körperlich belastende und langweilige Aufgaben. Er meint: „Wir wollen den Menschen nicht ersetzen, sondern unterstützen.“ Weil die Roboter auf alle möglichen Unterbauten montiert werden können, sind sie auch mobil und flexibel. So könnte zum Beispiel in der Logistik ein kooperierender Roboter auf einem fahrerlosen Transportsystem auf dem Weg von A nach B schon Montagearbeiten erledigen.

Einfacher Einstieg

„Mittelständler stehen häufig vor der Situation, geringe Stückzahlen bei gleichzeitig hoher Typenvielfalt herzustellen, trotzdem muss der Preis passen. Eine Fachkraft für Roboterprogrammierung gibt es meist auch nicht. Roboter-Farming oder Roboterinseln mit Leichtbaurobotern oder Cobots geben darauf eine Antwort“, stellt der Roboterexperte fest, der sein Unternehmen Faude Automatisierungstechnik an Kuka verkauft und dann Cobot Consulting gegründet hat. Weil sich eine Roboterlösung schnell kopieren lässt, können bei wachsender Auftragslage also schnell neue Roboter hinzugefügt werden.

Wann lohnt sich ein Cobot-Einsatz?
Ein Cobot kann helfen, wenn eine oder
mehrere Fragen bejaht werden. Gibt es ...

  • ... Tätigkeiten, die unergonomisch, schmutzig oder laut sind?
  • ... Routine-Abläufe, die sich immer wiederholen?
  • ... Bereiche, für die man zu wenig Mitarbeiter hat?
  • ... gefährliche Teil- oder Arbeitsschritte oder gefährliche Werkstoffe?
  • ... kleine Stückzahlen bei unterschiedlichen Varianten?
  • ... bisher nicht wirtschaftlich automatisierbare Tätigkeiten?

Quelle: Cobot Consulting

Je mehr kleine, filigrane Aufgaben der Roboter erledigen soll, desto aufwendiger wird es mit der Programmierung, meint die Fraunhofer-Expertin. Sobald Sicherheitsaspekte ins Spiel kommen, wird es ebenfalls schwieriger. „Da braucht es Expertenwissen, um die Vorschriften anzuwenden und die Roboter einzusetzen“, so Berg. Für die meisten Leichtbauroboter gibt es gute intuitive Benutzerschnittstellen, mit denen die Aufgaben definiert werden können, meint Berg: „Man wird durch die Parametrisierung in den Apps so geleitet, dass es auch Mitarbeiter ohne Programmierkenntnisse machen können.“ Wer bei null beginnt, benötigt für die Einrichtung einer einfachen Tätigkeit, wie zum Beispiel einer Handhabungsaufgabe, rein von der Bewegung und dem Greifen her eine gute Stunde. Soll der Roboter an die Maschine angebunden werden, dauert es entsprechend länger.

Herausforderung rechtliche Sicherheitsvorgaben

„Die Rechtslage ist für den Einsatz einer Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) einigermaßen kompliziert und für Unternehmen erst einmal schwierig zu verstehen, auch wenn es viele Handlungsleitfäden gibt, um damit umzugehen“, stellt Julia Berg fest. Für die jeweilige Nutzung muss eine CE-Kennzeichnung erstellt werden. Das macht jedoch Änderungen der Applikation problematischer. „Das stellt gerade Mittelständler vor Schwierigkeiten, die viele Produktvarianten haben oder den Einsatzort häufiger verändern wollen“, so Berg. Echte Flexibilität sei deshalb noch nicht wirklich möglich.

„Es gibt bis heute nicht den sicheren Cobot oder die sichere Sensorik, mit der man per se auf der sicheren Seite ist“, meint Dieter Faude. Es müssen je nach Aufgabe biomechanische Grenzwerte beim Cobot eingehalten werden, die in den Normen ISO TS 15066 und ISO 10218 -1 und -2 definiert sind. „Die größte Hürde besteht darin, diese Grenzwerte nicht zu überschreiten. Auf dieser Basis muss überlegt werden, welche Lösung passt: eine MRK-Lösung mit Cobot oder eher ein Leichtbauroboter mit Lichtschranke oder Scanner“, so Faude. Die Roboter selbst sind sicherheitstechnisch schon sehr weit. „Es gibt zusätzlich eine taktile Schutzhaut, die Berührung wahrnimmt, und eine Art Zwiebelschalensystem mehrerer Sicherheitseinrichtungen, die eine Abschaltung bewirken können“, erklärt der Cobot-Berater. Mittelständler stehen aber vor der Herausforderung, die biomechanischen Werte richtig zu messen und die Vorschriften einzuhalten, meint Faude: „Da haben wir unsere Probleme, eine wirtschaftliche Lösung zu finden. Sonst wäre die Technologie schon längst in großen Stückzahlen in Richtung Mittelstand ausgerollt.“

Schnelle Einführung von Cobot-Kollegen

Kleine und mittelständische Unternehmen sind nach eigenem Bekunden die Hauptzielgruppe des dänischen Cobot-Pioniers Universal Robots. Für den Einstieg bietet das Unternehmen 90-minütige Schulungen in seiner Online-Akademie an, danach soll jeder in der Lage sein, den Roboterarm zu bedienen. Der Roboter wird über ein „Teach Panel“ bedient, mit „Hand Guiding“ kann er manuell in die Positionen geführt werden, die er sich merken soll. „Einfache Anwendungen, bei denen der Cobot zum Beispiel ein Produkt in die Maschine einlegt und wieder herausnimmt oder etwas vom Förderband nimmt, lassen sich in maximal einem Tag realisieren, hochkomplexe Aufgaben dauern entsprechend länger“, erklärt Helmut Schmid, Geschäftsführer der deutschen Niederlassung und General Manager Western Europe bei Universal Robots. Mit Gewichten um die 30 Kilo sind die Cobots einfach zu bewegen, es lassen sich verschiedene erlernte Programme hinterlegen.

Die e-Series von UR erfüllt zwar die Roboternorm 10218, doch es muss jeweils die komplette Applikation betrachtet werden, erklärt Helmut Schmid: „Es ist ein Unterschied, ob ein Roboter ein Windelpaket greift und transportiert oder scharfkantige Objekte. Auch die Art des Greifers ist entscheidend bei der Betrachtung von Sicherheits- und Verletzungsrisiken.“ Dafür arbeitet der Cobot-Hersteller mit Partnern und Integratoren zusammen, die eine CE-Beurteilung für jede Anwendung erstellen. „Man darf das Thema Sicherheit nicht herunterspielen, aber es ist auch kein Hexenwerk. Es reicht aus, mit normalem Menschenverstand an solch eine Beurteilung heranzugehen“, meint Schmid.

Eine durchschnittliche einfache Integration dauert mit allem Drum und Dran zwischen vier und sechs Wochen, einschließlich Planung, Beschaffung der Greifer, der vorbereitenden Umstellung der Produktion und rund 1,5 Tagen für die Zertifizierung, schätzt Schmid. Die kollaborativen Helfer eignen sich zum Beispiel auch für logistische Aufgaben wie das Etikettieren und Verpacken von Teilen, aber auch für das Schrauben, Löten, Kleben und Schweißen.

Cobots in der Praxis

Der mittelständische Produzent, Cobot-Integrator und IoT-Berater WS System GmbH, der unter anderem Türaußengriffe für den Smart herstellt, hat die Erkundung und Einführung von Industrie-4.0-Technologien genutzt, um sein Geschäftsfeld zu erweitern. Schon früh steckte man Energie in den Einsatz von AR-Technologie (Augmented Reality) – die Mitarbeiter arbeiten mit Datenbrillen in der Produktion, die sie durch Prozessschritte führen und die nebenbei für die Qualitätssicherung sorgen. Beim Thema Cobots nutzte man die Technologie ebenfalls zunächst in der eigenen Produktion, auch um Lernmodelle für die Software-Plattform IGO (Intelligent Guide Operator) aus der realen Praxis zu generieren. Jetzt bietet man das daraus entstandene Know-how als Systemintegration inklusive IoT-Anbindung an. „Wir konnten eine Produktivitätssteigerung von 60 Prozent im Shop Floor erreichen. Ein solches Ergebnis lässt sich auch auf andere Unternehmen übertragen“, sagt Wassim Saeidi, Geschäftsführer von WS System. Zudem gebe es weitere Einsparungen im Back-Office, wo die Quote ebenfalls im zweistelligen Prozentbereich liege: Durch die digitalen Analysen aus den generierten Daten lassen sich Probleme frühzeitig erkennen und reale Reaktionszeiten zum Beispiel beim Qualitätsmanagement vermeiden.

Die verbreiteten Ängste vorm neuen „Kollegen Roboter“ hält Saeidi für unbegründet: „Es geht uns nicht um Vollautomatisierung. Wir glauben, dass in den meisten Fällen bei Montage oder Hilfsschritten eine Vollautomatisierung vom Platz oder vom Konzept her nicht passt.“ Sämtliche stupiden, immer gleichen Aufgaben sollten perspektivisch von Cobots erledigt werden, findet Saeidi. Dazu gehören zum Beispiel das Aufbringen von Klebstoff, Verschraubungsprozesse, das Bedienen von Standbohrern/CNC oder Spritzgussmaschinen, das Abschneiden von Stegen im Plastik, das Wegpacken und die Kontrolle am Ende des Förderbandes, das Anbringen von Gummilippen oder Sortiertätigkeiten.

Industrie-4.0-Konzepte verändern Mitarbeiterführung

Cobots können verlorene Arbeitszeiten kompensieren, wenn Menschen wegen Krankheit oder Weiterbildung ausfallen oder für diese Form von Arbeit nicht mehr zu begeistern sind. „Mit Leichtbaurobotern lässt sich teilweise der Fachkräftemangel auffangen, der vielen Firmen zu schaffen macht. Cobots ermöglichen aber auch, neue Aufträge anzunehmen, die man vorher aus Personalmangel ablehnen musste“, stellt auch Saeidi fest. Mit seinem Industrie-4.0-Konzept geht das niedersächsische Unternehmen bei der Mitarbeiterführung neue Wege. „Wir setzen stark auf Kompetenzentwicklung, fördern sie mit Incentives und sagen klar: Jeder ist frei, sich weiterzuentwickeln.“ So können sich die Mitarbeiter zum Beispiel auch als Cobot-Programmierer qualifizieren. Wer die Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen hat, erhält einen Gehaltsaufschlag. Hinter dem Cobot-Programm bei WS steht ein selbstlernendes, neuronales Netz in Form der eigenen Plattformlösung namens IGO, das immer mehr Wissen rund um die Robotic-Prozesse generiert. Basis dafür ist die KI-Lösung Tensorflow von Google. Die IGO-Plattform will man im Rahmen einer Partnerschaft mit Universal Robots weiteren Fertigungsunternehmen zugänglich machen, damit andere nicht bei null anfangen müssen.

Wiederverwendbarkeit und klare Sicherheitseinstufungen

Mit dem Grundstock, der be-reits geschaffen wurde, lassen sich gut 60 Prozent einer neuen Cobot-App bereits fertig übernehmen, nur der Rest muss individuell angepasst werden, sagt Saeidi. So sind bestimmte Abläufe immer gleich, zum Beispiel wenn ein Cobot ein Teil aus einer Kiste nehmen soll. Zu erkennen, ob die Kiste da ist und wo sie steht, ist so eine KI-Aufgabe, die sich bei jeder vergleichbaren Arbeit wiederholt. Auf die Sicherheitsherausforderung hat man eine klare Antwort gefunden: „Man muss die richtige Sicherheitstechnik einkaufen, installieren und für den Prozess qualifizieren. Es gibt genaue Vorgaben, was ein Roboter in welcher Kollaborationsstufe darf. Dafür ist Fachwissen notwendig“, erklärt Wassim Saeidi. Für die Lösungen, die gemeinsam mit anderen Unternehmen entwickelt werden, vergibt das Unternehmen CE-Erklärungen.

Der Industrie-4.0-Ansatz bei WS sieht vor, dass die Mitarbeiter mehr Zeit für kreative Aufgaben haben. Zugleich will man mit der zweiten Version der eigenen Mitarbeiter-App ermöglichen, dass jeder Mitarbeiter sich aussuchen kann, welche Aufträge er gerade bearbeiten will, welche Tätigkeiten er machen möchte. Dafür sind Aufträge im System mit Mitarbeiterkompetenzen und Ressourcen gekoppelt. „Ein Cobot ist als Insellösung wirtschaftlich lange nicht so interessant wie als vernetzte Lösung, bei der die Daten der Roboternutzung für die Optimierung von Prozessen ausgenutzt werden“, konstatiert der WS-Geschäftsführer.

Großer Markt für kooperierende Roboter
Neben traditionellen Roboterherstellern wie Kuka, Fanuc, ABB oder Yaskawa gibt es viele neue Player im Cobot-Markt, darunter Rethink Robotics, Universal Robots, Engineering for you oder Kassow Robots. In der Regel handelt es sich um montierbare Roboterarme, die häufig direkt mit Menschen in der sogenannten MRK (Mensch-Roboter-Kollaboration) zusammenarbeiten können. Deutschland ist laut Branchenverband IFR der fünftgrößte Markt für Robotik. Bis 2020 soll es drei Millionen Indus-trieroboter geben, doppelt so viele wie 2014. Dabei entfällt ein zunehmend höherer Anteil auf kooperierende Roboter.

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IT-Mittelstand Startseite it-zoom Industrie 4.0 / MES
news-22389 Wed, 20 Mar 2019 11:26:28 +0100 Auf Nummer sicher gehen http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/auf-nummer-sicher-gehen-22389/ Bei dem Kfz-Kennzeichenspezialisten Erich Utsch AG sorgt eine Lösung für modernes Datenmanagement nicht nur für sichere Backups, sondern auch für die schnelle Wiederherstellung von Daten im laufenden Geschäftsbetrieb. Die Erich Utsch AG zählt zu einem der führenden Anbieter für Kfz-Kennzeichentechnologie und Fahrzeugregistrierungssysteme. Das Unternehmen produziert jährlich Millionen von Nummernschildern. Es wurde 1961 gegründet und beschäftigt weltweit mehr als 1.500 Mitarbeiter. Um das hochsensible Datenmanagement modern aufzustellen und die jederzeitige Verfügbarkeit von Daten zu gewährleisten, haben sich die Verantwortlichen des Unternehmens für die Cloud-Data-Management-Plattform von Rubrik entschieden.

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Der Kfz-Kennzeichenspezialist stand unlängst vor der Aufgabe der Modernisierung seiner IT-Infrastruktur. „Wir sehen IT als echten Wegbereiter für unseren Geschäftserfolg“, sagt Dominic Höffgen, CFO bei dem Mittelständler. „Da die IT das Rückgrat des Unternehmens ist, muss unsere Infrastruktur effizient, hochverfügbar und sicher sein“, so Höffgen weiter. Und Jörg Voosen, Teamleiter IT-Systeme, ergänzt: „Unser Geschäftsmodell ist datenintensiv und sicherheitsrelevant. Daher sind Backups für uns unerlässlich. Wir wollen uns als zukunftsorientiert und führend in unserer Branche positionieren. Als innovatives Unternehmen sind wir stolz darauf, frühzeitig Next-Generation-Technologien zu identifizieren und zu implementieren, die auf Einfachheit und Geschwindigkeit ausgelegt sind. Die neue Cloud-Data-Management-Plattform passt perfekt in dieses Konzept, da wir mit dieser Datenmanagementlösung die Infrastruktur von morgen schon heute aufbauen können.“

Wiederherstellung von Dateien in 30 Sekunden

Zuvor setzte Utsch bei der Sicherung auf Bandarchive. „Unsere veraltete Lösung bedeutete für uns lange Wiederherstellungszeiten. Hinzu kam, dass unser Team viel Zeit mit der Verwaltung von Backups verbrachte“, berichtet Jörg Voosen. „Wir wussten, dass unsere bisherige Lösung nicht mit dem Tempo des Unternehmenswachstums Schritt halten konnte und weit hinter unseren Standards für eine leistungsstarke IT zurückblieb.“ Von daher sucht man nach einem System, das die Infrastruktur zukunftssicher macht und die virtualisierte Umgebung effizient unterstützt. Nach Rücksprache mit der DTS Systeme GmbH waren die Verantwortlichen überzeugt, dass die Plattform für Cloud-Data-Management die ideale Lösung bietet. „Dabei zeichnet sich die Datensicherung durch einfache Bedienung und hohe Performance aus, wodurch sich die Lösung schnell wieder bezahlt macht“, erklärt Jörg Voosen.

Die Erich Utsch AG

  • Branche: Metall
  • Standort: Siegen
  • Gründungsjahr: 1961
  • Gesamtmitarbeiterzahl: 200 am Standort Siegen

Kurz nach der Implementierung meldet Utsch erste Verbesserungen: Mit der Plattform dauert das Wiederherstellen von Dateien nur 30 Sekunden. Der Aufwand ist deutlich geringer als mit der bisherigen Lösung. Dazu kommt eine Zeitersparnis durch eine richtlinienbasierte Verwaltung, denn das Management der Backups war zuvor sehr zeitaufwendig. Mit der automatisierten Policy-Engine von Rubrik muss der Mittelständler lediglich Service Level Agreements festlegen. Auch die Compliance-Prozesse werden beschleunigt. Bei dem Mittelständler geben die IT-Policies einen strengen Rahmen für die Implementierung, Wartung und Überwachung der IT-Assets vor. Unter anderem müssen die Backups regelmäßig getestet werden. Mit der Live-Mount-Funktion des Plattformanbieters können diese Tests innerhalb von Sekunden durchgeführt und dokumentiert werden.

Jörg Voosen
Alter: 51 Jahre
Hobbys: Laufen und Krafttraining
Derzeitige Position: Teamleiter ITS
(Systeme und Infrastruktur) bei der
Erich Utsch AG

Für uns stellt die Informations- und Kommunikationstechnologie (ITK) ...
... einen Grundpfeiler eines modernen Unternehmens dar. Sie nimmt eine zentrale Rolle ein und ist daher in allen Firmenbereichen von äußerst hoher Bedeutung.

In unserer Branche muss IT-seitig in der Regel am meisten ...
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Von ITK-Anbietern für den Mittelstand erwarten wir ...
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IT-Mittelstand Startseite it-zoom Cloud
news-22372 Tue, 19 Mar 2019 09:10:09 +0100 Digital und international aufgestellt http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/digital-und-international-aufgestellt-22372/ Hohe Bandbreiten, IT-Sicherheit und eine flexible Hybrid-Cloud-Lösung ermöglichen es der Rowi-Gruppe, ihr internationales Geschäft auszuweiten. Digitalisierung und Online-Handel bestimmen immer stärker Märkte und Einkaufsverhalten – so auch bei Elektrogeräten. Die Rowi-Gruppe stellt Elektrogeräte und Maschinen her und bedient Handel, Unternehmen sowie Privatkunden in Europa und den USA. Dabei suchen und kaufen Kunden zunehmend über das Internet, wie die KPMG-Studie „Trends im Handel 2025“ zeigt. Diese Entwicklung geht auch an einem Familienunternehmen wie Rowi nicht vorbei: „Der Trend geht weg von unseren traditionellen Abnehmern im stationären Einzelhandel hin zum Online-Geschäft. Hier herrscht absolute Preistransparenz. Da müssen wir mit unseren Angeboten mithalten“, bestätigt Frank Bechert, Leiter Prozesse und Systeme bei Rowi.

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Das im baden-württembergischen Ubstadt-Weiher ansässige Unternehmen stellt Geräte, Werkzeuge und Maschinen für Betriebe in Landwirtschaft und Industrie ebenso wie für Privatkunden her. Die Angebotspalette reicht von Heizgeräten, Kompressoren und Maschinen aus der Schweißtechnik bis hin zu Rauchmeldern, Alarmsystemen und anderen Produkten aus der Elektrotechnik. Zum Kundenkreis gehören vor allem der stationäre und digitale Einzelhandel wie Baumärkte und Discounter. Der Mittelständler liefert europaweit – und mittlerweile hat man auch die USA als Absatzmarkt erschlossen.

Auf Marktentwicklungen reagieren

In seinem umkämpften Markt hat sich der Mittelständler seit der Gründung 1964 auch deshalb behaupten können, weil die Geschäftsführung Markttrends rechtzeitig erkannt und in der Unternehmensstrategie berücksichtigt hat. So lagerte Rowi schon Ende der 1970er- Jahre aufgrund steigenden Preisdrucks seine Produktion aus. Heute fertigen Partner in China und Italien die Geräte und Maschinen – die Optimierung und Qualitätssicherung der Produkte obliegt jedoch weiterhin der Firmenzentrale in Ubstadt-Weiher. Diese arbeitet eng mit den Produktionsstandorten zusammen und steuert das gesamte globale Geschäft. Rund 40 Mitarbeiter kümmern sich neben der Qualitätssicherung um alle logistischen Fragen und beraten weltweit Kunden telefonisch oder via Internet.

Um das Geschäft im asiatischen Raum auszuweiten, baut der Mittelständler eine neue Einheit in Hongkong auf. Dort arbeitet ein Ingenieurteam gemeinsam mit Zulieferbetrieben an der Produktentwicklung. Der neue Standort und die zunehmende internationale Ausrichtung erhöhen die Anforderungen an die Verfügbarkeit der IT und die Leistungsfähigkeit der Internetanbindung. Unter anderem erwies sich die bisherige 10-MBit-Leitung als zu langsam für das Tagesgeschäft. Zudem war der Zugriff auf Daten und Unternehmensanwendungen nicht jederzeit und überall möglich – was für den neuen Standort aber unverzichtbar ist. „Wir müssen große Datenmengen schnell und sicher austauschen. Unsere Informationen und Systeme müssen Mitarbeitern und Partnern weltweit 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehen“, sagt Frank Bechert. So blieben der IT-Abteilung zuletzt auch kaum Zeitfenster für Updates und Wartungsarbeiten an den eigenen Systemen und Servern.

Auf der Wunschliste standen daher eine schnellere Internet-anbindung und die schrittweise Auslagerung der gesamten IT in eine flexibel skalierbare Cloud-Lösung. Sowohl die neue, server-basierte IP-Telefonanlage für das Callcenter als auch Exchange Server sowie Finanz- und ERP-Systeme von Rowi sollten in die „Wolke“ wandern. Darüber hinaus galt es eine neue Sicherheitslösung zu finden. Denn bei der Verarbeitung von Bestell- und Kundendaten muss der Mittelständler auch hohe Standards im Datenschutz erfüllen.

Der Schritt in die Cloud

Zum Anforderungsprofil von Rowi passte die Telekom-Lösung „Managed Hybrid Azure“: „Uns überzeugten der Preis und die Leistungen“, sagt Frank Bechert. Die Cloud-Lösung umfasst Buchung, Anbindung und Integration der IT-Ressourcen aus der Microsoft Azure Cloud in die bestehende Infrastruktur als Managed Service. Heißt: Der Mittelständler muss nicht verschiedene Einzelkomponenten buchen, sondern bezieht alle Cloud- und Connectivity-Dienste über die Telekom aus einer Hand – mit Datenspeicherung in Deutschland und Datenschutz nach deutschem Recht.

Eine 100-Mbit-Private-Cloud-Connect-Leitung verbindet nun den Firmensitz in Ubstadt-Weiher mit dem Private-Telekom-Cloud-Rechenzentrum. Hier betreibt der Dienstleister die neue Firewall-Lösung von Rowi als Managed Service aus der Cloud und entlastet so die IT. Hinzu kommt eine dedizierte, vom öffentlichen Internet getrennte Hybrid-Cloud-Connect-Verbindung vom Telekom- zum Microsoft-Rechenzentrum in Frankfurt am Main.  Die derzeitige Bandbreite von 50 Mbit/s kann der Mittelständler jederzeit aufstocken. Aus der Unternehmens-IT sind bereits das Finanzsystem und die neue IP-Telefonanlage auf Server in der Azure-Cloud migriert.

Den Applikationsbetrieb für alle Anwendungen steuert der Mittelständler selbst. Rechenkapazitäten aus der Managed Hybrid Azure Cloud lassen sich an den aktuellen Geschäftsbedarf anpassen. Abgerechnet werden nur tatsächlich genutzte Leistungen. Die hat man über das MITS-Service-Center jederzeit im Blick, ebenso wie die Auslastung der Internetverbindungen. Desweiteren stellt der Anwender auslaufende Office-Lizenzen stetig auf Office 365 um, was man ebenfalls über die Telekom bezieht. Damit soll besonders Skype for Business künftig verstärkt zum Einsatz kommen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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IT-Mittelstand Cloud
news-22371 Tue, 19 Mar 2019 08:53:24 +0100 IoT auf dem Acker http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/iot-auf-dem-acker-22371/ Digitale Technik ist schon heute auf vielen Bauernhöfen verbreitet: Bauern und Dienstleister für Landmaschinen erhöhen damit Produktivität und Effizienz. IoT und Künstliche Intelligenz treiben nun die Optimierung der Ernteprozesse weiter voran. Roboter melken Kühe, Drohnen überwachen Reifeprozesse von Gemüse oder kartieren Felder, Sensoren messen Nährstoffgehalte im Boden: Die digitale Transformation ist in der Landwirtschaft längst in vollem Gange. Gerade beim Drohneneinsatz sieht der Digitalverband Bitkom die Landwirtschaft sogar als Vorreiter: So zeigte eine aktuelle repräsentative Umfrage im Auftrag des Deutschen Bauernverband (DBV) unter 420 landwirtschaftlichen Betriebsleitern, dass bereits neun Prozent der Landwirte Drohnen nutzen. „In keiner anderen Branche werden Drohnen vergleichbar intensiv genutzt wie in der Landwirtschaft“, so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

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Was in der Landwirtschaft die digitale Transformation antreibt, ist – wie in vielen anderen Branchen und Unternehmen auch – der Wunsch, die Produktivität und Effizienz von Arbeitsabläufen zu erhöhen und den Einsatz von Betriebsmitteln zu optimieren. Gleichzeitig geht es darum, angesichts des Klimawandels gute Ernteerträge zu erzielen und dabei Überdüngung und Erosion zu vermeiden, den Einsatz von Herbiziden zu minimieren und insgesamt für eine dauerhaft nachhaltige Bewirtschaftung der Böden zu sorgen.

Digital Farming

Im Rahmen des sogenannten Precision Farming werden Felder beispielsweise nicht gleichmäßig, sondern teilflächenspezifisch bewirtschaftet, um den unterschiedlichen Bodenverhältnissen innerhalb eines Ackers gerecht zu werden: Sensoren messen dabei Feuchtigkeit, Temperatur und Nährstoffgehalte verschiedener Teilflächen und ermöglichen so den präzise dosierten Einsatz von Düngemitteln, Herbiziden und Co.

Datengestütztes Farm-Management ermöglicht eine Optimierung von Wegen, Maschinennutzung und Betriebsmitteleinsatz. Und robotergestützte Systeme melken auf dem Bauernhof 4.0 nicht nur die Kühe, sondern helfen auch beim Stallausmisten und sorgen für eine individuellen Fütterung der Tiere. Internet Of Things (IoT) und Künstliche Intelligenz (KI) optimieren nun auch den Einsatz von Landmaschinen in der Erntezeit.

Die Erntezeit in der Landwirtschaft schafft ein äußerst komplexes Szenario für den Einsatz von Maschinen und Mitarbeitern, weil sie durch zahlreiche variable Faktoren geprägt ist: Millionenschwere Spezialfahrzeuge wie Mähdrescher oder andere Erntemaschinen müssen dabei in einem kurzen saisonalen Zeitraum optimal eingesetzt werden. Spezialisierte Dienstleister für die Bereitstellung dieser landwirtschaftlichen Fahrzeuge müssen so eine extrem hohe Nachfrage in einem extrem kurzen Zeitfenster optimal mit ihren Spezialfahrzeugen bedienen.

Die konkrete Planung für deren Einsatz erfolgt in Abhängigkeit von Erntezeit und -ort und natürlich vom angebauten Gemüse. Außerdem sind oft die Anforderungen eines Lebensmittelunternehmens oder Händlers zu beachten – wie beispielsweise Kühlkette oder Transportdauer. Manchmal müssen für einen Ernteprozess verschiedene Fahrzeuge oder Maschinen gemeinsam eingeplant werden, häufig
auch in Kombination mit speziell ausgebildeten Fahrern. Und schließlich spielt sogar tagesaktuell das Wetter in einer Einsatzregion für den Ernteprozess und die entsprechende Planung der Landmaschinen eine wichtige Rolle.

Mit IoT auf dem Acker vernetzt

Die Grundidee vom Internet der vernetzten Dinge gilt dabei laut der Elie GmbH für Landmaschinen und Erntefahrzeuge auf dem Acker ebenso wie für den Kühlschrank im Haushalt: Landwirtschaftliche Fahrzeuge eines Dienstleisters lassen sich mit einer IoT-Komponente versehen, die mit dem zentralen Planungssystem in der Leitstelle vernetzt ist. Dadurch können alle Daten, die für die Tourenplanung oder Qualitätssicherung der Fracht relevant sind, automatisch erhoben werden.

Die Einsatzplanung aller Ressourcen lässt sich so automatisieren, beschleunigen und auch für kurzfristige Änderungen flexibilisieren. Die IoT-Apps an Bord der Landmaschinen und Erntefahrzeuge können dabei auch eine bidirektionale Kommunikation mit dem Fahrer ermöglichen, der z.B. einfach per Klick die Fertigstellung eines Auftrags in die Zentrale zurückmelden kann. So kann er mit seinem Fahrzeug direkt wieder für neue Einsätze eingeplant werden.

Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Machine Learning im zentralen Planungssystem helfen dann dabei, auch bei kurzfristigen Änderungen schnell neue Einsatzpläne zu errechnen – unter optimalem Einsatz aller Ressourcen. So können die manchmal engen Zeitfenster während der Erntezeit für alle Seiten bestens genutzt werden. Bei Bedarf lässt sich hier sogar die gesamte gemeinsame Wertschöpfungs- und Lieferkette verzahnen, sodass am Ende eine nahtlose IT-Unterstützung aller logistischen Abläufe vom Bauern bis zum Supermarkt gewährleistet ist.

Hof- und Fahrzeug-Management in der Cloud

Erfasste Fahrzeugdaten wie gefahrene Strecken oder Tankinhalte sind darüber hinaus wertvoll für eine vorausschauende Instandhaltung des Fuhrparks und eine weitere Optimierung der Prozesse in landwirtschaftlichen Betrieb. Online-Plattformen wie trecker.com bringen für diese Zwecke Landwirte und Fahrzeugdienstleister zusammen. Sie unterstützen die Bauern mit smarten Apps in ihrem Farm-Management und Lohnunternehmer bei der Einsatzplanung ihrer Landmaschinen. IoT und KI läuten dabei jetzt die nächste Phase der digitalen Transformation in der Landwirtschaft ein. Und auch wenn auf dem Bauernhof 4.0 vielleicht nicht jede Milchkanne 5G benötigt, ohne umfassende Mobilnetzabdeckung wird die digitale Transformation in der Landwirtschaft nicht zu machen sein.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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IT-Mittelstand Startseite it-zoom Internet of Things (IoT)
news-22368 Mon, 18 Mar 2019 16:29:16 +0100 Fit für Industrie 4.0? http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/fit-fuer-industrie-40-22368/ Mit einer neuen Initiative will die Cosmo-Consult-Gruppe mittelständische Unternehmen dabei unterstützen, die Herausforderungen der Digitalen Transformation zu bewältigen. Im Mittelpunkt soll dabei ein Digitalisierungscheck stehen, mit dem Teilnehmer ihren digitalen Reifegrad feststellen und mit ähnlich strukturierten Unternehmen gleicher Branche vergleichen können. Der Mittelstand läuft Gefahr, die Digitalisierung zu verschlafen. Das liegt nicht nur an fehlenden Kapazitäten, sondern auch daran, dass viele Betriebe immer noch nach dem richtigen Einstieg suchen. Nun will die auf Digitalisierung spezialisierte Cosmo-Consult-Gruppe Mittelständlern mit einer neuen Initiative unter die Arme greifen. Diese wird in Kooperation mit Microsoft und Techconsult, einem Unternehmen der Heise-Gruppe, durchgeführt. Im Mittelpunkt soll dabei ein kostenloser Digitalisierungscheck stehen, mit dem Teilnehmer ihren digitalen Reifegrad selbst feststellen und mit ähnlich strukturierten Unternehmen gleicher Branche vergleichen können. Zusätzlich machten Themenvideos, Webinare und Fachinformationen die Digitalisierung erlebbar. Am Ende seien die Teilnehmer besser informiert – vor allem über sich selbst.

Die KfW Bank beklagt, dass der Mittelstand Digitalisierung als Rationalisierungsprojekt begreift, die Technischen Hochschule Mittelhessen stufte den Digitalisierungsgrad des Mittelstandes kürzlich gar als „bedenklich“ ein. Und das, obwohl die Rheinische Fachhochschule Köln (RFH) feststellte, dass digitalisierte Unternehmen bis zu 20 Prozent mehr Umsatz erwirtschaften. Warum also die Zurückhaltung?

Darum fällt Digitale Transformation so schwer

Ein Problem ist die Komplexität der Materie: Digitale Transformation bedeutet nicht nur moderne Technologien, sondern auch neue Geschäftsmodelle, smarte Produkte und Dienstleistungen. Hierfür sind Märkte, Geschäftsprozesse, Kunden- und Lieferantenbeziehungen in einem digitalen Umfeld neu zu durchdenken. Einige Mittelständler haben hierfür noch keine Vision entwickelt oder es fehlen schlicht Personal und Know-how. Andere interpretieren den Wandel als rein technische Herausforderung und überlassen das mit Abstand wichtigste Zukunftsprojekt einer mitunter überforderten IT-Abteilung. Das Ergebnis sind partielle Prozessverbesserungen und kleine Kosteneinsparungen. Für eine existenzsichernde Zukunft reicht dies jedoch nicht.

Der wichtigste Erfolgsfaktor? Die Menschen!

Das Software- und Beratungsunternehmen begleitet Unternehmen durch die Digitale Transformation. „Die Digitalisierung verändert auch unseren Markt. Wir haben daher unser Geschäftsmodell angepasst, unser Portfolio erweitert und unsere Beratungskompetenz deutlich ausgebaut“, unterstreicht CEO Uwe Bergmann. Seitdem gibt es mehrere Arbeitsgruppen im Unternehmen, die für zentrale Fragen wie Produktentwicklung, Geschäftsmodelle oder Kundenzentrierung ständig nach neuen Ansätzen und Wegen suchen. Die Erfahrungen aus der eigenen Transformation teilt das Unternehmen nun kostenlos mit anderen Firmen. „Viele Betriebe laufen Gefahr, die Digitalisierung zu verschlafen, weil sie nicht wissen, wie man ein solches Projekt angeht. Diese Betriebe wollen wir mit unserer Initiative unterstützen. Es geht um den richtigen Einstieg aber vor allem darum, die Menschen auf dem Weg in die Zukunft mitzunehmen. Hierfür müssen wir ihre Sorgen und Ängste ernst nehmen, den bevorstehenden Wandel erklären und sie für die Chancen der Zukunft begeistern“, bekräftigt Bergmann.

Wie digital tickt der Mittelstand?

Ein Kernelement ist dabei der Digitalisierungscheck. Anhand eines Online-Fragebogens können mittelständische Betriebe ihren individuellen Digitalisierungsgrad bezogen auf das gesamte Unternehmen und einzelne Bereiche ermitteln. Zusätzlich vergleicht eine Benchmark-Analyse den eigenen Status quo mit dem, ähnlich strukturierter Betriebe aus der gleichen Branche. Teilnehmer erfahren also nicht nur, wie es um die eigene Transformation steht, sondern auch, ob man bereits ins Hintertreffen geraten ist. Ein Newsletter, der firmeneigene Blog und kostenlose Webinare liefern zusätzlich praxisrelevante Informationen zum Thema. „Der digitale Reifegrad ist die ideale Ausgangsbasis für eine umfassende Digitalisierungsberatung. In jedem Fall lässt sich mit dem Ergebnis die eigene Situation besser einschätzen und man versteht, um was es bei der Digitalisierung wirklich geht“, ist sich Klaus Aschauer, Vorstand der Cosmo-Consult-Gruppe sicher.

Eine Blaupause liefert der Digitalisierungscheck allerdings nicht. „Es wäre falsch, mit festgelegten Konzepten und starren Vorstellungen in den Transformationsprozess zu starten“, betont Aschauer. Stattdessen setzen die Consultants zuerst auf eine Analyse, um dann gemeinsam innovative Ideen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und umzusetzen. Dreh- und Angelpunkt sind dabei die Mitarbeiter. Sie bringen oft die besten Ideen in den Prozess ein und führen Digitalisierungsprojekte so zum Erfolg. Wie schnell die Digitale Transformation voranschreitet und wie weit der Prozess geht, entscheidet jedes Unternehmen für sich.

Bild: gettyimages/iStock

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IT-Mittelstand Startseite it-zoom Industrie 4.0 / MES
news-22357 Mon, 18 Mar 2019 12:18:43 +0100 Mehr Flexibilität bei den Infrastrukturen http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/mehr-flexibilitaet-bei-den-infrastrukturen-22357/ Knapp drei Viertel der realisierten Rechenzentren sind klassische Inhouse-Lösungen. Dazu zählen sowohl als eigenes Gebäude errichtete Datacenter als auch Raum-in-Raum- respektive Schranklösungen. Künftig jedoch könnten zunehmend Container-Lösungen Einzug halten. Insbesondere dann, wenn sie für spezielle Anforderung gedacht sind. Doch warum sollten sich die Verantwortlichen für RZ-Container entscheiden? Container befinden sich hinsichtlich der Sicherheit mit klassischen Lösungen auf Augenhöhe. Zudem ist der Feuerschutz mindestens identisch, da die meisten Container über eine F90-Wertigkeit verfügen. Eine Erweiterung des Feuerschutzes ist möglich.

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Bedenken, dass RZ-Container jederzeit zugänglich und damit angreifbar sind, müssen die Verantwortlichen nicht haben. Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass sich die Container im Außenbereich meistens auf dem Firmengelände befinden. Allerdings gilt: Da Teile der IT-Infrastruktur wie z.B. die Klimatisierung außerhalb des Containers stehen, sollten beispielsweise Sichtschutzzäune errichtet werden. Hintergrund ist laut der Data Center Group weniger der Schutz vor physikalischen Gefahren als vielmehr vor zufälligen respektive versehentlichen Beschädigungen.

Regelmäßige Wartung

Die Überwachung und Wartung der Container sind ebenfalls nicht komplizierter als die ihrer Inhouse-Pendants. Für Erstere werden häufig neben Sichtschutzzäunen auch Kameraüberwachung und Beleuchtungskonzepte durch Bewegungsmelder verwendet. Für die Kontrolle der Hardware im Inneren nutzen viele Kunden von Anfang an entsprechende Monitoring-Lösungen. Zur Wartung wird,
wie für jedes andere Rechenzentrum, ein Wartungsmanagement eingesetzt. Egal welcher Typ, welcher Standort oder welche Größe: Alle Datacenter benötigen eine regelmäßige Wartung durch erfahrene Techniker, denn nur so kann ein sicherer Betrieb gewährleistet werden.

Manchmal führt auch die Schnelligkeit bis zur Inbetriebnahme zur Wahl eines Containers: Manche Containerlösungen sind infolge einer Modulbauweise in vier Monaten schlüsselfertig – das kann bis zu 70 Prozent schneller sein als die Errichtung herkömmlicher Inhouse-Rechenzentren. Aber auch wenn neue Containerlösungen schnell verfügbar sind, müssen sie ebenfalls projektiert, gefertigt, vor Ort in Betrieb genommen und vom Betreiber respektive in dessen Auftrag mit Servern, Switches und Co. ausgestattet werden.

Mögliche Backup-Lösung

Für Container spricht deren Flexibilität – RZ-Verantwortliche entscheiden sich für sie, weil sie standortunabhängiger sind. Natürlich bleiben sie dennoch fest positioniert auf dem Firmengelände. Das ergibt sich allein schon durch ein etwaiges Fundament sowie diverse Anschlüsse. Zudem müssen Unternehmen auch bei Container-Lösungen eine Baugenehmigung erwirken und Anbindungen für Strom und Daten sicherstellen.

Im Gegensatz zu Inhouse-Lösungen entfallen allerdings Baumaßnahmen, Veränderungen am Bestandsgebäude oder kostspieligere Neubauten. Wie bei Inhouse-RZ planen auch bei den Containern viele Verantwortliche bereits zukunftsfähig, schließlich ist ein Rechenzentrum auf mehrere Jahre ausgelegt. Hier unterscheiden sich dann die RZ-Typen voneinander: Klassische RZ müssen einen Platz für Wachstum berücksichtigen, Containerlösungen werden deutlich einfacher um einen zweiten Container ergänzt.

Generell sind solche Lösungen kein Allzweckmittel und RZ-Betreiber sollten genau prüfen, was für ihr Unternehmen die geeignetste Variante wäre. Neben Containerlösungen behalten auch klassische RZ-, Raum-in-Raum-Lösungen oder Mini-Data-Center ihre Daseinsberechtigung. Die Vorteile von Containern liegen unter Umständen in der Schnelligkeit ihrer Inbetriebnahme. Ein weiterer Nutzen liegt in der Flexibilität. Gemeint ist dabei die Flexibilität bei der Wahl des Standorts und bei einer etwaigen Vergrößerung.

Bildquelle: Data Center Group

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IT-Mittelstand Rechenzentrum / Server
news-22355 Mon, 18 Mar 2019 11:08:26 +0100 Das Bindeglied zwischen Maschinen und IT http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/das-bindeglied-zwischen-maschinen-und-it-22355/ Elvira Wallis von SAP und Walter Graf von Fujitsu im Gespräch über die Rolle von Edge Computing im Werk, die richtige Infrastruktur und den Umgang mit der Cloud. „Flexible Anpassung: Mehr Traum(a) als Wirklichkeit!“ So lautete schon 1988 eine Schlagzeile in der IT-Fachpresse, als es um die Vorläufergeneration von „Industrie 4.0“ ging. Damals sprach man noch von „Computer Integrated Manufacturing“ (CIM) und von Systemen für die Produktionsplanung und -steuerung (PPS), die im Sinne des „Enterprise Resource Planning“ in ein übergreifendes IT-System integriert wurden. Zeitgleich wurden die bisher aus IT-Sicht autonomen Werke und Filialen vernetzt und damit besser eingebunden.

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Damals wie heute war vor allem „die Integration nach unten“ entscheidend für den Erfolg von ClM- bzw. Industrie-4.0-Konzepten. Werks- oder Leitstandsrechner, heute sagt man „Edge-Computer“, verarbeiten die Planungsdaten und übernehmen die Echtzeitsteuerung auf Basis aller Feedback-Daten von Maschinen und Mitarbeitern, während der Zentralrechner nach wie vor die Stammdaten verwaltet und die Grobplanung übernimmt. Zentrale ERP-Systeme sind damals wie heute überfordert, wenn es um den Durchgriff auf Fertigungsmaschinen oder Rückmeldungen vom Shopfloor geht. Edge Computing übernimmt daher eine Integrationsfunktion. Dazu befragte IT-MITTELSTAND zwei Experten.

ITM: Das sogenannte Edge Computing soll die Datenflut in modernen Fabriken bändigen helfen. Wie kann das gelingen?
Walter Graf: Entscheidend ist, wofür die Daten benötigt werden. Meist stehen dabei zwei Aspekte im Vordergrund: erstens Daten zu sammeln, um neue Erkenntnisse zu gewinnen, etwa bei der Analyse von Fehlerbildern für Predictive Maintenance, und zweitens Daten zwecks weiterer Automatisierung dezentral im Rahmen von sogenannten „Cyber Physical Systems“ zwischen Maschinen auszutauschen – auch über Firmengrenzen hinweg.

Damit steht zunächst eine möglichst vollständige Datengewinnung aus der Fertigung im Vordergrund. Die daraus resultierende Herausforderung besteht darin, diese Daten ihrer Bestimmung (z.B. einer Analyseplattform) zuzuführen. Eine Edge-Plattform kann die Daten filtern und kanalisieren, sodass die Datenabnehmer und die Netzwerke – inklusive der Verbindung in die Cloud – nicht überfordert werden. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, die Datenabnehmer direkt auf einer Edge-Plattform in unmittelbarer Nähe zur Fertigung zu implementieren. Ein Beispiel dafür ist eine optische Qualitätskontrolle, die mit entsprechend umfangreichen Bild- oder Videodaten arbeitet. Die Analysten von Gartner sagen vorher, dass bis 2020 etwa 60 Prozent der Analytikaktivitäten auf diese Weise lokal betrieben werden.

Elvira Wallis: Im Rahmen von Internet der Dinge (IoT) und Industrie 4.0 stellt sich seit einiger Zeit immer häufiger die Gretchenfrage: Ist die Cloud für die anfallenden, riesigen Datenmengen überhaupt ausgelegt? Sind denn alle anfallenden Daten für die Cloud relevant? Sind die Latenzzeiten entsprechend niedrig, um diese Datenflut noch in Echtzeit zu bewältigen?

Sollen also alle Daten, die eine vernetzte Maschine mittlerweile produziert, direkt zur Auswertung in die Cloud wandern oder ist es sinnvoll, diese Daten direkt lokal im oder am Gerät zu persistieren, vorzufiltern und dann zu verarbeiten, damit lediglich relevante Daten an die Cloud übergeben werden?

Daten, die ein gewisses „Grundrauschen“ erzeugen, werden vor Ort eliminiert, das Datenvolumen, das in die Cloud wandert, wird deutlich reduziert. Die Bearbeitung von Daten dort, wo sie auftreten, am Entstehungsort, das ist Edge Computing. Und das hat für die Befürworter einen weiteren Vorteil: Es gehen weniger kritische Daten in die Cloud. Allein dieser Aspekt ist für viele Firmen ein guter Grund, auf Edge Computing zu setzen. Dabei ist Edge Computing als Erweiterung bestehender Netzarchitekturen zu verstehen, nicht als deren Ablösung.

ITM: Werksrechner vor Ort bewähren sich ja schon seit über 30 Jahren. Was ist das Neue bzw. grundsätzlich Andere an den sogenannten Edge-Computern?
Wallis: Neu ist beispielsweise, dass Daten über mehrere Produktionswerke aggregiert werden können. Neu ist auch, dass eben Daten in die Cloud übergeben werden können, um dann in der Cloud Modelle zu schärfen, zu verbessern sowie holistischere Modelle an die Edge zurückzuspielen. In der Cloud kann man diverse Regeln definieren, sie durchspielen und dann an die Edge zurückspielen, wo sie letztlich zur Ausführung kommen.

Das zeigt deutlich: Die Edge verarbeitet zeitkritische Daten, die Cloud dagegen ruft Daten ab, analysiert sie, verarbeitet sie weiter und sendet Ergebnisse zurück. Beide Bereiche arbeiten Hand in Hand. Selbst der Einsatz von maschinellem Lernen kann direkt live am Netzwerkrand stattfinden.

Graf: Die Edge arbeitet als Bindeglied zwischen den Maschinen in der Produktion (Operational Technology, kurz OT) und der IT. Bislang gab es eine klare Trennlinie zwischen der OT, die durch IT-Technologie angereichert ist, und der IT-Infrastruktur, die den Zugang zu allen klassischen IT-Diensten sowie dem Internet ermöglicht. Diese Trennlinie zu überwinden ist eine der Aufgaben einer Edge-Infrastruktur.

Sogenannte OT-IT-Gateways helfen hier, einen sicheren Datenverkehr zu ermöglichen: Ein Edge-Computer kann einerseits in der rauen Umgebung einer Fabrik arbeiten, hat aber andererseits klassische IT-Sicherheitsmerkmale wie IT-wartbare Betriebssysteme, regelmäßige Updates oder sichere Ablaufumgebungen. Er versteht die Protokolle der Maschinen und kann sie in die Protokolle übersetzen, die im Internet gebraucht werden. Entscheidend ist dabei nicht nur die Hardware, sondern auch der Software-Stack, der eine gesamte Infrastruktur umfassen kann – inklusive der Orchestrierung der einzelnen Services über einen Edge-Rechnerverbund und eines Standardisierens der Datenformate über alle Systemgrenzen hinweg.

ITM: Was sind die wichtigsten Voraussetzungen in puncto Infrastruktur und Connectivity, die im Werk geschaffen werden müssen, damit Edge-Computing die gewünschten Erfolge zeitigt?
Wallis: Die Einstiegshürde für Edge Computing in den Werken ist relativ niedrig, denn es reicht aus, lokal ein Gateway, also eine Verbindung zu den Maschinen, einzurichten. Somit müssen nicht alle Maschinen mit der Cloud „sprechen“. Es genügt diese lokale Verbindung via Gateway, um mit der Cloud zu kommunizieren. Dieses Szenario impliziert, dass OT und IoT zusammenarbeiten müssen. Und es bedeutet auch, dass wir mit Edge einen Ansatz für Bestandskunden haben, die bereits seit Jahren in ihren Werken Prozesse digitalisiert haben. Wir sprechen hier von einem „brownfield approach“, also dem Ansatz, dass sich neu entwickelte Software in ein bestehendes Software- und Architekturkonzept eingliedern muss.

Graf: Da die Edge das Bindeglied zwischen OT und IT ist, muss sie die Datenverbindung zwischen ihnen gewährleisten und zudem für Sicherheit sorgen. Sie ist dabei nicht auf einen einzelnen Rechner beschränkt, sondern stellt vielmehr ein Konzept dar, in welchem Sicherheit und Konnektivität kosteneffizient gewährleistet werden.

Daneben nimmt die Edge wichtige Dienste beim Pre-processing und beim Weiterleiten von Daten bis hin zur Bereitstellung von Anwendungen für Analytik, Künstlicher Intelligenz, Machine Learning oder dem Advanced Condition Monitoring wahr. Entscheidende Faktoren sind dabei die Umsetzung der Edge-Funktionen in einer container- und VM-basierten Umgebung inklusive eines zentralen Managements, über das Dienste erzeugt und zwischen den einzelnen Hardware-Instanzen bewegt werden können. Und zweitens ein standardisiertes Datenmodell bzw. -protokoll, welches die Datenqualität in einheitlichem Format gewährleistet und die Basis für eine effektive Datenkommunikation in Richtung aller involvierten IT-Plattformen sicherstellt.

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IT-Mittelstand Startseite it-zoom Rechenzentrum / Server
news-22349 Fri, 15 Mar 2019 16:23:32 +0100 Viel Licht ins Dunkel bringen http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/viel-licht-ins-dunkel-bringen-22349/ Das Freiburger Unternehmen Heliotron, das Flüssigwachskerzen im In- und Ausland vertreibt, bezieht sein ERP-System seit Jahren aus der Cloud. Über die Beweggründe spricht Geschäftsführer Oliver Schneeberger. ITM: Herr Schneeberger, wie organisierte sich Heliotron vor der Nutzung der Cloud-ERP-Software?
Oliver Schneeberger: Vor der Einführung von SAP Business ByDesign hatten wir eine sehr dezentralisierte, kleine Warenwirtschaftslösung im Einsatz, die viel manuellen Buchungsaufwand verursachte, insbesondere in den Bereichen Logistik, Auftragssachbearbeitung und Finanzwesen. Es gab keine automatisierten Prozesse, vielmehr mussten alle Schritte von Mitarbeitern „angestoßen“ werden. Dies bedeutete einen enormen Zeitaufwand und brachte ein hohes Fehlerpotential mit sich. Zudem musste das Beschaffungswesen auf Excel-Tabellen zurückgreifen, um Bedarfe zu planen und Bestände zu prüfen. Ein Echtzeit-Reporting gab es nicht. Das Berichtswesen war ausschließlich monatsbasiert und lieferte nur Informationen über die zurückliegenden Monate, jedoch keine vorwärtsgerichteten Prognosen.

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ITM: In welcher Weise wird BusinessByDesign heute genutzt, an wie vielen Standorten arbeiten wie viele Mitarbeiter und welche Fachabteilungen mit dem System?
Schneeberger: Mit Ausnahme der Projektmanagement-Funktionalitäten nutzen wir die Software vollumfänglich. Den für uns wesentlichsten Bereich machen die Module für CRM, Logistik/Warehousing, internes und externes Finanzwesen, Personalverwaltung sowie Produktion aus. Wir nutzen das System auch für unsere Beschaffung.

Von der Bedarfsprognose bis zur Bestellung ist dieser Prozess vollständig automatisiert. So reagiert das System auch auf stark schwankende oder plötzliche Bedarfe sehr gut und sorgt für einen optimierten Warenfluss sowie für eine verbesserte Lagerumschlaghäufigkeit. Insgesamt beschäftigen wir 67 Mitarbeiter, von denen ca. die Hälfte mit SAP Business ByDesign arbeitet. Unsere Vertriebsmitarbeiter im Außendienst nutzen lediglich den Mitarbeiter-Self-Service-Bereich des Systems zur Eingabe und Verwaltung von Spesenabrechnungen und Abwesenheitsanträgen.

ITM: Was sprach für ein ERP-System aus der Cloud?
Schneeberger: Bevor die Entscheidung für SAP Business ByDesign im Jahr 2010 fiel, nutzten wir bereits einige Jahre eine CRM-Lösung aus der Cloud, mit der wir sehr zufrieden waren. Insofern hat uns diese Erfahrung hinsichtlich der Entscheidung bekräftigt, künftig auch ein ERP-System aus der Cloud zu beziehen.

Als kleiner mittelständischer Betrieb können wir nur eine begrenzte Kapazität an personellen Ressourcen für die Wartung und den Betrieb unserer Systeme vorhalten, sodass die Entscheidung für eine Cloud-Lösung naheliegend war. Zudem können wir in unserer Größenordnung kein System aufbauen, welches den Sicherheitsanforderungen eines großen Rechenzentrums genügen würde. Daher waren wir von Anfang an der Überzeugung, dass unsere Daten im Rechenzentrum der SAP besser aufgehoben sind, als sie es bei uns wären.

ITM: Inwieweit musste sich Heliotron an den Standards der Software orientieren bzw. inwieweit lässt die Software Individualisierungen überhaupt zu?
Schneeberger: Bereits vor der Entscheidung für SAP Business ByDesign wussten wir, dass das System auf Basis von Best-Practice-Prozessen operiert. Daher war es uns bewusst, dass wir unsere Prozesse zu einem wesentlichen Teil an die Software würden anpassen müssen. Dies war für uns jedoch eine willkommene Veränderung, da unsere bisherigen Prozesse stark geprägt waren von jahrelanger manueller Abarbeitung einzelner Aufgaben. Somit konnte Heliotron die von SAP definierten Prozesse für sich nutzen, diese zudem auf die individuellen Bedürfnisse zuschneiden und hierdurch eine erhebliche Verbesserung der Effizienz erreichen. Auch wurden im Rahmen der Implementierung diverse Individualisierungen umgesetzt, die spezifische Unternehmensprozesse ermöglichten.

ITM: In welcher Weise erhält Heliotron Unterstützung beim Prozess-Design?
Schneeberger: Wir verfolgen grundsätzlich das von SAP empfohlene Key-User-Konzept. So haben wir seit Einführung ein feststehendes Team an Key-Usern etabliert, die in ihrem Fachbereich Experten sind. Diese Key-User bringen ihre Kenntnisse hinsichtlich der betriebswirtschaftlichen Komponenten und Erfordernisse in die Anpassung der Lösung auf unsere individuellen Bedürfnisse mit ein. Diese Key-User sind auch für die Schulung der Endanwender zuständig. Insofern konnte mit Ausnahme eines initialen Implementierungsprojekts, bei dem wir die Hilfe von SAP in Anspruch genommen haben,  nahezu jede Anpassung hausintern vorgenommen werden.

ITM: Welche Rolle spielten Datenschutzüberlegungen bei der Auswahl?
Schneeberger: Bei unserer Projekteinführung (2010) war das Thema Datenschutz noch nicht ein alles bestimmendes Thema, wie dies heute in Zeiten der DSGVO der Fall ist. Dennoch war es uns natürlich wichtig, dass unsere Daten sicher sind und nicht in die Hände unberechtigter Dritter gelangen, da dies neben datenschutzrechtlichen Problemen auch eine unmittelbare Auswirkung auf unser Betriebsergebnis gehabt hätte. Diesbezüglich ist (und war) Business ByDesign jedoch so gut aufgestellt, dass alle unsere Anforderungen übertroffen wurden.

ITM: Wie erfolgt die Anbindung, um eine möglichst hohe Performance und geringe Latenzzeiten zu erreichen?
Schneeberger: Aufgrund unseres geografischen Standorts, der nur einen sehr begrenzten Breitbandzugang zulässt, erfolgt die Anbindung nach wie vor über eine Kupferleitung mit einer synchronen Geschwindigkeit von 10 MBit/s. Dies ist jedoch für unsere Zwecke viel zu gering dimensioniert, da Business ByDesign bei Weitem nicht unsere einzige Cloud-Anwendung ist. Da sämtliche Telekommunikationsanbieter an unserem Standort keine höhere Bandbreite anbieten, war uns bisher der Weg zu einer performanten Anbindung verwehrt. Glücklicherweise konnten wir nun mit nicht unerheblichen Tiefbauarbeiten eine dedizierte Glasfaserleitung verlegen, welche in den nächsten Wochen in Betrieb genommen wird. Damit stellt die Bandbreite für uns in Zukunft keine Einschränkung mehr dar. Dies dürfte sich sehr positiv auf die Antwortzeiten auswirken.

ITM: Wie fällt die Bewertung des bisherigen Einsatzes von Business ByDesign aus und wie sehen die Planungen für die mittelfristige Zukunft aus?
Schneeberger: Wir sind, abgesehen von einigen Kinderkrankheiten in den ersten zwei Jahren, mit dem System sehr zufrieden. Nach wie vor sehen wir kein Produkt, das besser zu unseren spezifischen Anforderungen passen würde. Mittelfristig planen wir die Integration eines eigenen Webshops sowie die Anbindung mobiler Endgeräte für unsere Verkäufer.

Heliotron

  • Standort: Freiburg im Breisgau
  • Gründung: 1967 
  • Mitarbeiter: 67
  • Branche: hochwertige Kerzen, Flüssigwachs für Flüssigwachskerzen, Leuchten, Dauerkerzen, Ewigbrenner und Zubehör für Hotellerie, Gastronomie, Kirchen und Bestatter
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Guido Piech IT-Mittelstand Startseite it-zoom ERP
news-22344 Fri, 15 Mar 2019 15:26:38 +0100 Patienten-Daten sicher austauschen http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/patienten-daten-sicher-austauschen-22344/ Leipziger Unternehmen und Institutionen entwickeln im Zuge des „Health.connect”-Projekts einen offenen Standard ein digitales Gesundheitssystem. „Health.connect“ ist ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer mitteldeutscher Unternehmen und Institutionen zur Entwicklung und zum Betrieb einer Plattform für die IT-Vernetzung in der Gesundheitsversorgung. Das Projekt soll eine sogenannte elektronische Fallakte (EFA) ermöglichen. Im Gegensatz zu einer digitalen Patientenakte (EPA), welche Patientendaten dauerhaft und zentral speichert, werden hier Daten nur fallweise und zeitlich begrenzt und dezentral abgelegt. Derzeit sind Behandlungsinformationen verstreut und untereinander inkompatibel im Einsatz.

Mit der „Health.connect“-Plattform soll nun ein Ökosystem aus verschiedenen Schnittstellen, Services und Apps entstehen, durch das die unterschiedlichen IT-Systeme all dieser Akteure im Gesundheitswesen angebunden werden können. Mittels nahtloser digitaler Prozesse sollen so die Abläufe im Gesundheitswesen spürbar verbessert und revisionssicher nachvollzogen werden. So können zukünftig Fallinformationen zum Beispiel Medikationen, Medikationsänderungen und Behandlungspläne automatisiert zwischen den Ärzten und Pflegeeinrichtungen ausgetauscht oder auch Vorbefunde oder Bilder schnell und sicher auf digitalem Wege vom Krankenhaus an alle an der Behandlung beteiligten Parteien übertragen werden. Auch die Implementation eines E-Rezepts wird evaluiert.

„Wir setzen dabei idealerweise auf die bestehende Sicherheitsinfrastruktur der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte und binden zusätzlich Partner ein, die nicht über diese Infrastruktur verfügen, wie zum Beispiel Heime und Therapeuten. Dabei nutzen wir offene und bestehende internationale Standards im Gesundheitswesen wie zum Beispiel HL7 FHIR“, erklärt Frank Richter, geschäftsführender Gesellschafter der EWERK-Gruppe. „Auf diese Weise wollen wir die Tür für weitere Partner offenhalten. Die Integration neuer Technologien, etwa Blockchain Smart Contracts, sind im Bereich E-Health in Deutschland und Europa richtungsweisend.“

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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news-22343 Fri, 15 Mar 2019 15:14:17 +0100 Support für eine sichere Vitaminversorgung http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/support-fuer-eine-sichere-vitaminversorgung-22343/ Nutrilo, einer der größten Lieferanten für Vitamine und Mineralstoffe in Europa, hat sich für Kardex Mlog als Service-Partner entschieden. Der noch auf der LogiMAT 2019 unterzeichnete Service-Vertrag erstreckt sich über sechs Jahre und umfasst neben der Vor-Ort-Wartung auch den Remote-Support, über den sich in der Regel rund 95 % aller möglichen technischen Störungen lösen lassen sollen. Die Anlage – ein Schmalganglager sowie ein hoch dynamisches Kleinteilelager vom Typ Kardex Mlog MDynamic – dient der Produktionsbereitstellung und -entsorgung und wird in drei Schichten an sechs Wochentagen betrieben. Eine hohe Verfügbarkeit ist daher unabdingbar. Bei vertraglich vereinbarten Reaktionszeiten von maximal einer Stunde und einer gezielten Ferndiagnose Fachkräfte, die 24 Stunden und sieben Tage in der Woche zur Verfügung stehen, sollen unnötige Stillstandzeiten auf sichere und wirtschaftliche Weise verhindert werden.

Bildquelle: Kardex Mlog

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news-22342 Fri, 15 Mar 2019 15:03:53 +0100 Holtzmann & Sohn rüstet auf http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/holtzmann-sohn-ruestet-auf-22342/ Die Münsteraner Gesellschaft für Warenwirtschafts-Systeme (GWS), ein Anbieter von ERP-Lösungen für den Handel, hat vom Großhändler Holtzmann & Sohn in Ronnenberg bei Hannover einen umfangreichen Software-Auftrag bekommen. Dieser sehe vor, dass deren bisherige Warenwirtschaftslösung Sangross komplett abgelöst und stattdessen an allen fünf Standorten Gevis ERP NAV installiert werden soll. Mit der Auftragsvergabe will sich der SHK-Fachgroßhändler für die Zukunft rüsten und die Projektabläufe im Unternehmen effizienter gestalten.

Wie Ralf Kühnel erklärt, ging der Auftragsvergabe eine intensive Marktrecherche und Wettbewerbsanalyse voraus. „Bei der Bewertung der Anbieter“, so der Projektleiter IT bei Holtzmann & Sohn, „haben wir dann festgestellt, dass wir mit dem Anbieter aus Münster sehr gut fahren. Durch die Größe des Unternehmens, die Zahl der Mitarbeiter und die vorhandene Wirtschaftskraft sind wir sehr sicher, dass wir auch noch in vielen Jahren die Beratung und den Support erhalten, den ein großes Unternehmen wie unseres benötigt“. Von großer Bedeutung war laut Kühnel zudem die enge Partnerschaft des Anbieters mit Microsoft. Da niemand wisse, welche Potenziale sich aus dem Einsatz der Künstlichen Intelligenz noch ergeben, sei die Technologie eines Weltunternehmens für die Zukunft enorm wichtig. „Wir denken“, so Kühnel, „dass nur ganz wenige Konzerne der Welt die Kraft haben werden, auf dem neuesten Stand der Technik zu sein.“ Mit der Lösung auf Basis von Microsoft Dynamics sei man deshalb technologisch gut aufgestellt und könne den Herausforderungen der Digitalisierung positiv entgegenblicken, so der Projektleiter  weiter.   

Die bis 2021 geplante Neuausrichtung der IT bei dem Großhändler sieht die stufenweise Einführung zahlreicher Softwarelösungen aus dem Produktportfolio des ERP-Anbieters sowie von Kooperationspartnern vor. Hervorzuheben sei hierbei die Nutzung der Business Intelligence Lösung bi1 sowie die parallele Inbetriebnahme der Lagerverwaltungssoftware PL-Store Techline von Prologistik. Letztgenannte Anwendung, die die im neuen Warenwirtschaftssystem angelegten Kundenaufträge automatisch übernimmt und für die Kommissionierung nutzt, werde am Unternehmenshauptstandort in Ronnenberg installiert. Das Stufenkonzept sehe vor, dass nach Abschluss der Implementierung rund 120 Nutzer mit dem System arbeiten können.

Bild: Holtzmann & Sohn GmbH

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IT-Mittelstand ERP
news-22341 Fri, 15 Mar 2019 14:59:40 +0100 Kooperative Erfolge im Mittelpunkt http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/kooperative-erfolge-im-mittelpunkt-22341/ Beim ECR Tag in Essen kommen Experten aus der Konsumgüterbranche zusammen, um über aktuelle Trends zu debattieren. Im Fokus steht dieses Jahr die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen. Kooperationen werden in Zeiten von Digitalisierung, immer kürzeren Produktzyklen und datengetriebenen Geschäftsmodellen zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor für Unternehmen aller Größenordnungen. Großunternehmen und etablierte Mittelständler kennen den Markt, junge Gründer bringen frische Ideen und neueste Technologien mit. In der Praxis mangelt es deutschen Unternehmen laut Bitkom jedoch an Kontakten mit innovativen Start-ups. Eine aktuelle Umfrage soll ergeben haben, dass zwei Drittel der Mittelständler überhaupt nicht mit jungen Unternehmen zusammenarbeiten. Großunternehmen hätten im Vergleich die Nase vorn: Nur vier von zehn verzichten auf die Zusammenarbeit mit Start-ups. Doch Nachholbedarf gäbe es allemal, bestätigt auch der Digitale Job-Monitor des Handelsblatts: Die digitale Transformation in Deutschland stockt, weil Fachleute fehlen. Kooperationen könnten helfen. Doch wie können sich Start-ups, Mittelständler und Konzerne erfolgreich aufstellen? Wie können Kooperationen konkret aussehen? Was bedeutet das für die Unternehmenskultur und wie schnell lässt sich ein solcher Wandel realisieren?

Antworten sollen Unternehmen auf dem ECR Tag finden. Seit 20 Jahren bietet der Kongress die Plattform für den fachlichen und strategischen Austausch mit Experten und Entscheidern der Konsumgüterbranche. ECR steht dabei für Efficient Consumer Response – vereinfacht gesagt: Kooperationen im Sinne der Verbraucher. Auch in diesem Jahr sollen rund 80 Referenten und Querdenker ihre Erfahrungen und Projekte zeigen, diskutieren und vermitteln. Unter ihnen Sprecher wie Jörg Heinemann, Principal Innovation & Digitalisierung bei Otto, Dieter Hieber, Geschäftsführer von Hieber's Frische Center, Olaf Koch, Vorstandsvorsitzender bei Metro, Stefan Leitz, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Carl Kühne, und Michael Rybak, Geschäftsführer bei Rossmann.

Vertiefende Fachforen greifen darüber hinaus aktuelle Fragestellungen und Entwicklungen in Themenfeldern wie Blockchain, Omni-Channel, Künstliche Intelligenz, Logistik, Category Management, Datenqualität und Datenmanagement auf. Erwartet werden etwa eintausend Entscheider aus der Industrie und dem Online- und Offline-Handel.

Der ECR Tag 2019 findet am 18. und 19. September 2019 im Congress Center Essen statt.

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news-22330 Thu, 14 Mar 2019 11:00:01 +0100 „Innovation mit moderner Software ist nötig“ http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/innovation-mit-moderner-software-ist-noetig-22330/ Im Interview wirft Manfred Gravius, geschäftsführender Gesellschafter der DPS Software GmbH, einen Blick auf die Digitalisierung in der Möbelindustrie. ITM: Herr Gravius, welche Rolle spielt die digitale Transformation für die Möbelindustrie?
Manfred Gravius: Die Holz verarbeitende Industrie und das Handwerk wandeln sich infolge des Preisdrucks des Handels, zunehmender Produktindividualisierung, kleiner werdender Losgrößen und steigender Energie- und Rohstoffkosten. Folglich arbeiten die Möbelhersteller an der Reduktion ihrer Entwicklungs- und Herstellungskosten sowie der Aufwände für die Auftragsabwicklung. Dafür ist moderne Software nötig: beginnend mit einer intelligenten Verkaufskonzeption und Produktentwicklung über die Arbeitsvorbereitung und Produktion bis hin zur Dokumentation von Montageanleitungen – optimalerweise in einer integrierten IT-Lösung.

ITM: Warum sollten gerade kleinere Unternehmen schrittweise digitalisieren?
Gravius: Vielen Anwendern ist es nicht möglich, ein oder zwei hoch qualitative Mitarbeiter abzustellen, um alle Prozesse zugleich zu digitalisieren. Meist fangen unsere Kunden mit einer CAD-Software an, die speziell für die Bedürfnisse der Möbelherstellung entwickelt wurden. Wir stellen fest, dass sich kleine Unternehmen viel leichter tun, gute Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten, wenn die Arbeitsplätze eben auch am Computer sind und die Technik auf dem neuesten Stand ist. Gerade junge Schreiner sind hoch motiviert, wenn sie zur Schulung kommen. Sie erkennen die Chancen der Digitalisierung am besten. Schritt für Schritt heißt natürlich auch, dass die Investition sich auf einen längeren Zeitraum verteilen lässt.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Wo liegen die Stolpersteine bei der Digitalisierung in der Möbelbranche?
Gravius: Im Maschinenbau wird seit Jahrzehnten digitalisiert, während dieser Prozess in der Möbelindustrie erst mit der jungen Generation gestartet wurde. Manche Mitarbeiter besitzen weniger EDV-Kenntnisse, daher sollte man behutsam vorgehen. Außerdem sind typisch handwerkliche Arbeitsprozesse oft seit Langem erfolgreich, weswegen ein digitaler Umstieg schwerer fällt.

ITM: Wie lassen sich digitale Insellösungen vermeiden?
Gravius: Wichtig ist es, einen Anbieter zu finden, der nicht nur den gesamten Prozess versteht, sondern auch durchgängig gelöst hat. Was hilft es mir, wenn ich eine tolle Konstruktion habe, sie aber nicht optimal auf die Maschine bringe? Da braucht man beim Software-Partner auch ein Programmierteam, das einen Postprozessor einrichten kann. Dasselbe gilt übrigens auch für die Datenübernahme in die kaufmännische Software, um die ERP-Lösung optimal zu nutzen.

ITM: Welche Chancen bietet die Digitalisierung den Anwendern?
Gravius: Positive Aspekte finden sich auf allen Ebenen, so ergeben sich Verbesserungen in der Qualitätssicherung und größere Flexibilität bei veränderten Produkten. Zeitersparnis ergibt sich aus der regelbasierten, parametrischen Konstruktion, was wiederum zu einer schnelleren Amortisierung der Investition führt. Kostenersparnis dank besserer Materialnutzung ist ebenso ein weiterer Punkt wie die schnelle Erstellung der NC-Programme. Kleineren Schreinereien eröffnet sich die Möglichkeit, als Zulieferer zu arbeiten, weil Daten einfach und zuverlässig übermittelt werden können. Es entstehen also sogar neue Betätigungsfelder. Und die verbesserte Kommunikation auf Basis von 3D-Daten, Bildern, Videos, VR und AR macht den Beruf für Fachkräfte interessant, die  Personalsituation verbessert sich, weil sich geeignete Mitarbeiter leichter finden und besser binden lassen.

Bildquelle: DPS Software GmbH

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Lea Sommerhäuser IT-Mittelstand Startseite it-zoom IT-Markt
news-22319 Wed, 13 Mar 2019 14:46:11 +0100 Popp Fahrzeugbau mit neuem ERP-System http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/popp-fahrzeugbau-mit-neuem-erp-system-22319/ Popp Fahrzeugbau vertraut auf die digitale Gesamtlösung der Wedderhoff IT. Der große private Volvo-LKW-Händler will hierzu das ERP-System Wias Enterprise des Software- und Beratungsanbieters aus Mettingen einsetzen. Dieses ermögliche den nahtlosen Informationsaustausch zwischen sämtlichen Abteilungen und sorge für strukturiertere und effizientere Prozesse. Mithilfe der Lösung will der Fahrzeugbauer zudem die einzelnen Arbeitsschritte während der Auftragsabwicklung verkürzen und gleichzeitig die Transparenz im gesamten Unternehmen erhöhen. Außerdem würden dadurch Fehlerquellen bei der Auftragserfassung eliminiert.

 

„Durch steigende Auftragszahlen wurde die Koordination der Abläufe immer komplexer. Mit der Lösung haben wir eine branchenspezifisches ERP-System eingeführt, das sich genau auf unsere Bedürfnisse zuschneiden lässt“, sagt Rocco Campo, Prokurist bei der Popp Fahrzeugbau GmbH. Von den rund 850 verkauften Lkw pro Jahr führt der LKW-Händler bei etwa 200 Fahrzeugen individuelle Erweiterungen dadurch. Bislang sind in dem Unternehmen lediglich Insellösungen mittels Excel-Tabellen oder Access-Datenbanken im Einsatz, die mit großem Zeitaufwand verbunden sind. „Mit der Einführung sind wir endlich in der Lage, alle internen und externen Prozesse genau zu analysieren und klar zu definieren. Das System gibt uns dazu die notwendige Struktur vor“, sagt Campo. 

 

 

 

Der Einsatz des neuen ERP-Systems sorgte auch für effizientere Prozesse: „Wias bietet uns die optimale Grundlage für eine präzise Planung. Dies führt zu einer Produktivitätssteigerung und Zeitersparnis in allen Bereichen“, sagt Campo. Für sämtliche verkaufte Lkw werden künftig digitale Fahrzeugakten angelegt. So hat das Unternehmen stets eine transparente Übersicht über den Fertigstellungsfortschritt der Fahrzeuge. „Dadurch sparen wir Platz, Papier, Laufwege und Zeit“, sagt Campo. Neben dem Fahrzeugbau vermietet Popp zudem etwa 200 Lkw. Das System übernimmt hier die Verwaltung und automatische Rechnungsschreibung. „Indem wir mit der Software gleich zwei Bereiche abdecken, stellen wir andere Anforderungen als reine Fahrzeugbauer. Von den eigens dafür entwickelten Modulen werden künftig auch andere Kunden des IT-Anbieters profitieren“, so Campo.

 

Mit der Einführung des ERP-Systems habe der Fahrzeugbauer zudem einen Paradigmenwechsel eingeläutet: „Wir möchten demnächst auch zusätzlich Workflows einrichten und streben den Weg eines papierlosen Unternehmens an“, sagt Campo. Auch hier sei der Mettinger Anbieter wieder Ansprechpartner. Denn mit der Dokumentenmanagement-Lösung Docuware biete der Software- und Beratungsdienstleister auch in diesem Segment ein Modul, das sich vollständig in das ERP-System integrieren lasse.

Bild: Gettyimages/iStock

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IT-Mittelstand ERP
news-22312 Wed, 13 Mar 2019 11:26:37 +0100 Additive Fertigung in der Ersatzteilbeschaffung http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/additive-fertigung-in-der-ersatzteilbeschaffung-22312/ Reparatur und Ersatzteilbeschaffung sind vor allem im produzierenden Mittelstand wiederkehrende Themen. Doch speziell Kleinserienfertigungen rentieren sich kaum, wenn für die herzustellenden Ersatzteile keine CAD-Modelle vorliegen und diese von Hand gefertigt werden müssen. Im Gespräch mit IT-MITTELSTAND erklärt Pedro Santos, der für das Fraunhofer IGD am Projekt M3D arbeitet, wie bei der additiven Fertigung 3D-Daten dazu eingesetzt werden, Produktionsprozesse zu verschlanken und zu präzisieren.

ITM: Herr Santos, vor welchen Herausforderungen steht der deutsche Mittelstand im Hinblick auf Reparatur und Ersatzteilbeschaffung für Produkte oder Produktionsanlagen?
Pedro Santos: Momentan ist die Kleinserienfertigung zumeist noch sehr teuer und aufwendig. Kompliziert wird es, wenn Ersatzteile produziert werden sollen, zu denen keine CAD-Modelldaten vorliegen, also Daten für die rechnergestützte Konstruktion. Dies kann bei der Wartung von Produktionsanlagen der Fall sein, wenn beispielsweise bestimmte Komponenten nicht mehr erhältlich sind.

Bisher werden deshalb oftmals anhand von Zeichnungen oder Koordinatenmessmaschinen am alten Bauteil CAD-Modelle in Handarbeit gefertigt, die für die Herstellung von Gussformen eines Ersatzteils genutzt werden. Eine solche Herstellung ist recht zeit- und kostenintensiv, sodass sich eine Kleinstserienfertigung bisher nur für hochpreisige Produkte gelohnt hat.

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ITM: Was sind die perspektivischen Entwicklungen, um die Herstellung von Ersatzteilen unkomplizierter und damit auch rentabler zu machen?
Santos: Die Entwicklungen bei der Nutzung von 3D-Daten schreiten derzeit rasant voran. Mussten bisher Bauteile manuell oder semimanuell in CAD-Modelle überführt werden und Ersatzteile z. B. mithilfe von Umformtechniken gefertigt werden, so ermöglichen 3D-Technologien einfachere Verarbeitungsprozesse. Sie erlauben es, zu ersetzende Baugruppen in 3D zu erfassen, zu modellieren, zu simulieren und mithilfe additiver Fertigung zu produzieren. Durch diese Entwicklung ist es nicht mehr notwendig, zur Nutzung von Skaleneffekten in großen Stückzahlen zu produzieren. Stattdessen können auf den Anwendungszweck optimierte Objekte einzeln und direkt vor Ort entworfen und gefertigt werden.

ITM: Welche Rolle kann die additive Fertigung dabei übernehmen?
Santos: Ein wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit neuen Herstellungsprozessen ist die rasante Entwicklung bei additiven Fertigungsverfahren. Während diese Technologien bislang meist industriell zur Herstellung von Prototypenteilen verwendet wurden, zielen neue Anwendungen auch auf die Fertigung von Produkt- und Ersatzteilen ab. Neue Simulationsverfahren können die additiven Fertigungsprozesse wesentlich unterstützen und zu Materialeinsparungen gegenüber den Originalbauteilen führen. Auch ist es mittlerweile möglich, zahlreiche Materialien, von Photopolymeren bis hin zu Metall, zu verdrucken.

ITM: Wo liegen derzeit noch die Hürden bei der Implementierung der notwendigen Technologien?
Santos: Neue Herstellungsprozesse erfordern stets die Weiter- bzw. Neuentwicklung von Technologien. Bei der Produktion von Ersatzteilen mithilfe von additiver Fertigung gehört beispielsweise die präzise Erfassung von Objekten zu den Herausforderungen.

Die physikalischen und thermischen Materialeigenschaften eines nachgefertigten Bauteils müssen außerdem simuliert werden, um seine Strukturfestigkeit im späteren Lastfall zu garantieren. Die Simulation von Materialeigenschaften ist meist noch sehr zeitaufwendig und vielfach nicht in Echtzeit möglich. Benötigt werden neue Verfahren, die eine Echtzeitmodellierung bzw. -simulation ermöglichen, sodass Aussagen über das Materialverhalten getroffen werden können.

ITM: Was leistet in diesem Hinblick das Projekt M3D, das im Rahmen des Technologieprogramms PAiCE vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird?
Santos: Die Identifizierung von Bauteilen in Großgeräten, die sich durch eine Lebensdauer von teilweise über 50 Jahren auszeichnen, kann durch Servicetechniker oft nur unzureichend durchgeführt werden, wenn beispielsweise die Konstruktionsdaten nicht mehr verfügbar sind. Die im M3D-Projekt entwickelten Technologien, Verfahren und Plattformen erlauben hier einige Verbesserungen. Durch die Erfassung mit autonomen Scanrobotern kann z.B. die Objektgeometrie defekter Bauteile schnell und präzise abgebildet werden. Zudem kann durch Ansätze zur Echtzeitsimulation und Modellierung von Bauteilen die Nachfertigung von Ersatzteilen enorm beschleunigt werden. Außerdem können durch die Fortschritte im 3D-Druck immer mehr Bauteile mit additiven Verfahren produziert werden.

ITM: Ende November wurden die Ergebnisse des Projektes M3D in Berlin vorgestellt: Was wurde während der Projektlaufzeit erreicht und wo muss noch geforscht werden?
Santos: Das Projekt konnte erfolgreich abgeschlossen werden, jeder Aspekt des Projekts bedarf jedoch naturgemäß weiterer Forschung und Erprobung in der Praxis. Beispielsweise erwarten wir eine Kommerzialisierung autonomer 3D-Scanstationen sowie die Lizensierung von grafikkartenbeschleunigten Ansätzen zur Simulation strukturmechanischer Stabilitätsanalysen und deren Lastfallspezifikationen für das Jahr 2019. Durch die Simulation von Stabilitätsanalysen können beispielsweise Festigkeiten oder Verformungen von Bauteilen erprobt und die Lasten, die auf das Teil einwirken können, schnell und präzise ermittelt werden. Damit werden kosteneffiziente Fertigungsprozessketten von der 3D-Erfassung bis zur Modellierung, Simulation und Produktion mit additiven Technologien für Kleinserien möglich.

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Guido Piech IT-Mittelstand Startseite it-zoom Industrie 4.0 / MES
news-22306 Tue, 12 Mar 2019 14:59:19 +0100 DVGW mit neuem Reporting http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/dvgw-mit-neuem-reporting-22306/ Rund 14.000 Mitglieder hat der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfachs e.V. (DVGW), der sich u.a. mit den Regeln und Normen der Branche sowie mit Forschung, Weiterbildung und dem Arbeits- und Gesundheitsschutz befasst. Nun setzt der Verein auf Unit4 Prevero als neues Planungs- und Reportingtool. Um den zahlreichen und stets steigenden Anforderungen besser gerecht werden zu können, war das Controlling des DVGW auf der Suche nach einem integrierten Planungs- und Reportingtool. Mit Hilfe eines hinzugezogenen Beraters wurde zunächst eine interne Projektgruppe gebildet, in der Vertreter der Fachbereiche und Abteilungen und auch Geschäftsführer der Tochtergesellschaften vertreten waren, um so die Anforderungen der gesamten DVGW-Gruppe berücksichtigen zu können. Es wurden Bewertungskriterien definiert, aus denen sich der Anforderungskatalog ergeben hat, der die Grundlage für die Anbieter-Auswahl war. Insgesamt fünf Hersteller seien dabei zu halbtägigen Showcases eingeladen worden, bei denen sie sich vorstellen konnten. Der Verbandentschied sich schließlich für Unit4 Prevero, den Münchner Hersteller von Corporate-Performance Management (CPM)- und Business-Intelligence (BI)-Lösungen. Nach der anfänglichen Implementierungsphase, die im März abgeschlossen sein soll, starten der erste innerjährliche Forecast-Prozess und das Reporting für die Gremien. Die zweite Phase, in der es um die gesamte Wirtschaftsplanung gehen soll, ist für den Herbst dieses Jahres vorgesehen.

Christian Hennies, Controlling-Referent im DVGW: “Das Angebot hat uns inhaltlich überzeugt, unsere fachlichen Anforderungen waren erfüllt. Besonders angetan waren wir von dem Konzept der integrierten Lösung, denn damit stehen uns Module zur Verfügung, die wir später auch noch in anderen Bereichen einsetzen können, zum Beispiel in der Personalplanung.“ Insgesamt sei dem Verein die Skalierbarkeit der Software sowie die Voraussetzung, dass durch den Single Point of Truth mit absolut korrekten und verlässlichen Daten gearbeitet werden könne, wichtig.

Bild: gettyimages/iStock

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Business Intelligence / Big Data IT-Mittelstand
news-22300 Tue, 12 Mar 2019 11:26:56 +0100 Künstliche Intelligenz um jeden Preis? http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/kuenstliche-intelligenz-um-jeden-preis-22300/ Ein neues Schlagwort erobert in rasantem Tempo die Schlagzeilen: Künstliche Intelligenz. Die Muster der öffent- lichen Diskussion sind dabei dieselben wie bei den digitalen Vorgängern „Transformation“ und „Industrie 4.0“. Erst einmal hinkt Deutschland – natürlich – wie immer weit hinterher, dann wird auf die in dem Bereich technologisch führenden Länder verwiesen, und erst dann wird einmal geschaut, was Künstliche Intelligenz denn überhaupt bedeutet und ob die erneut disruptiv-alternativlose Technologie nicht auch Gefahren birgt. Denn China mag führend sein, was Forschung- und Anwendungsstand von KI anbelangt, China ist aber auch das Land, in dem bereits heute anhand von Algorithmen die eigenen Bürger im Rahmen von Social Scoring bewertet und überwacht werden. Will man das? – Die Frage ist doch, welchen ethischen Standards eine solche Technologie unterliegen muss. Aber vielleicht ist das irgendwann auch egal, wenn KI selbst gelernt hat, wie man diese Standards aushebelt.

Welch groteske Züge die Debatte annehmen kann, zeigt sich in einem Papier des BVDW zur Digitalen Ethik. Darin befindet sich eine Grafik, die die Antworten von Menschen auflistet, wer im Fall der Fälle am ehesten von einem mithilfe von KI gesteuerten autonomen Fahrzeug verschont bleiben sollte. Gewinner ist der Kinderwagen, Verlierer die Katze. Das eigentlich interessante an dem Ergebnis der Umfrage ist aber, dass ein Arzt im Auge der Befragten mehr wert ist als eine Sportlerin, die aber wiederum mehr wert ist als ein übergewichtiger oder alter Mensch. Allein das lässt schon tief blicken ...

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Bildquelle: Thinkstock/iStock

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Guido Piech IT-Mittelstand Startseite it-zoom
news-22298 Tue, 12 Mar 2019 09:28:08 +0100 Zentraler (Neu-)Einstieg http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/zentraler-neu-einstieg-22298/ Nicht viele Bereichsverantwortliche erhalten die Möglichkeit, Prozesse und Abläufe auf der vielbeschworenen „Grünen Wiese“ zu starten und zu gestalten. Michael Schöberl (re.) und Michael Schaich hingegen schon, und zwar im Rahmen des Joint Ventures OSRAM Continental, das intelligente Licht-lösungen für die Automobilindustrie fertigt. Wir befragten den IT-Leiter und den Verantwortlichen für das IT-Service-Management, worauf es ihnen bei der Ablauforganisation ankam. ITM: Herr Schöberl, wann und mit welchem Ziel wurde das Joint Venture gegründet?
Michael Schöberl: Der Startschuss erfolgte am 2. Juli 2018 mit der Zielsetzung, Continentals Elektronik- und Software-Kompetenz mit OSRAMs Expertise in Sachen Lichttechnologie zusammenzuführen.

Die Ausgliederung aus den Mutterkonzernen ist noch im Gange. Wir betreiben in Grundzügen bereits eigene Dienste, aber natürlich kann man nicht alle grundlegenden Services im bestehenden und laufenden Betrieb von heute auf morgen umschalten. Daran arbeiten wir intensiv.

ITM: Wo waren Sie beide zuvor beschäftigt?
Michael Schaich: Ich war zuvor fünf Jahre bei Continental in Regensburg und habe dort das Thema IT-Service-Management vorangetrieben. Da dieser Bereich jedoch bereits relativ etabliert war, ließen sich nur minimale Änderungen herbeiführen.

Schöberl: Ich war 34 Jahre lang bei Continental bzw. bei dessen Vorgänger Siemens Automotive beschäftigt. Zuständig war ich auf IT-Ebene für alle Carve-Out- sowie Merger & Acquisition-Projekte im gesamten Conti-Automotive-Bereich. So führte mich mein Weg auch in dieses Unternehmen.

ITM: Was ist Ihr jeweiliger beruflicher Hintergrund?
Schaich: Ich habe Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Informatik in Ulm studiert, habe dann hier in München als Berater gearbeitet und bin in diesem Zuge in verschiedenen Firmen, u.a. bei Audi, beim Flughafen München und zuletzt bei Continental, immer tiefer in das Thema IT-Service-Management eingestiegen. Seit Juli 2018 bin ich nun bei OSRAM Continental.

Schöberl: Nach meiner Lehre bei Siemens arbeitete ich dort zunächst in der Entwicklungsabteilung, parallel bildete ich mich berufsbegleitend zum Techniker fort. In den 90er Jahren bewegte ich mich dann thematisch in Richtung IT und blieb dort hängen. Damals gab es ja noch keine IT-spezifischen Ausbildungen, weshalb viele Infrastruktur-Spezialisten in die IT hineinrutschten.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 3/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Herr Schaich, Sie sagten, es sei schwierig gewesen, bei Continental im Service-Management noch entscheidend eingreifen zu können. Hier ergab sich nun die Chance, etwas Neues aufzubauen?
Schaich: Den Schritt zu OSRAM Continental machte ich ganz bewusst. Die Möglichkeiten, etwas bewegen zu können, waren hier deutlich größer als in einem etablierten Konzern mit über 200.000 Mitarbeitern. Ein Konzern bietet zwar den Vorteil, auf viele vorhandene Tools und Services zurückgreifen zu können. Die Kehrseite ist hingegen, dass einige Dinge fest definiert sind.

Schöberl: Bei mir waren es dieselben Motive. Meine vorherige Position hatte ich acht Jahre innegehabt. Mich reizte an dem Joint Venture ebenfalls die Aussicht, von Grund auf mitzugestalten.

ITM: Wie viele Mitarbeiter beschäftigt das Joint Venture?
Schöberl: Derzeit sind es 1.500 Mitarbeiter, was im Vergleich zu einem Konzern mit 200.000 Leuten klein ist. Dennoch erfordert diese Größe, möglichst schnell professionelle Strukturen zu schaffen. Eine der größten Schwierigkeiten dabei ist, dass unsere Mitarbeiter auf 16 Standorte in zehn Ländern verteilt sind, von China über Europa bis in die USA und nach Mexiko.

ITM: Wo produzieren Sie?
Schaich: Anders als Continental und OSRAM besitzt das Joint Venture keine Werke in Deutschland. Diese befinden sich in China, Italien und den USA.

Continental und OSRAM waren beide unabhängig voneinander bereits im Automotive-Geschäft aktiv, so dass wir mit dem Joint Venture in ein bestehendes Geschäftsumfeld eintreten und nicht in allen Bereichen ganz bei Null starten mussten. In einigen Support-Bereichen wie der IT hingegen schon. Alle zentralen IT-Dienste mussten komplett und von Grund auf strukturiert und organisiert werden. Damit haben wir in der IT natürlich die Chance, unsere eigenen Ziele und Prozesse definieren zu können.


ITM: Wie darf man sich das vorstellen? Welche Budgets oder Konzernweisungen gab es, auch in Richtung IT?
Schaich: Natürlich gab es keinen offenen Geldtopf, jedoch sind wir an keine Weisungen der Mutterkonzerne gebunden. Als Joint Venture sind wir in unseren Entscheidungen eigenständig.

Schöberl: Alles, was über grundlegende Standards wie den Einsatz gängiger Microsoft-Rechner mit Windows 10 hinausgeht, stellen wir erst einmal infrage. Es steht uns frei, zu entscheiden, wie wir die IT betreiben und wie wir unsere Clients administrieren. Für letzteres nutzen wir beispielsweise eigene Management-Lösungen für Windows-10-Clients.

Auf der anderen Seite versuchen wir, mit allen unseren Services möglichst nahe an den Herstellerstandards zu bleiben. Auch mit Windows 10. Wir verbiegen die Betriebssysteme nicht, sondern wollen sie mit Standardmitteln managen.

ITM: Welche betriebswirtschaftliche Software haben Sie im Einsatz?
Schöberl: Im Rahmen des Joint Ventures sind wir Referenzkunde für SAP S4/Hana.

Michael Schöberl

Alter: 50 Jahre  |  Familienstand: verheiratet 
Werdegang: Lehre, 34 Jahre bei Continental (vormals Siemens und SiemensVDO)
Derzeitige Position: Head of IT  |  Hobbys: Familie, Reisen, Baseball

ITM: Versuchen Sie, bei Hana ebenfalls nahe am Standard zu bleiben?
Schöberl: Das war die Vorgabe. S4/Hana innerhalb eines halben Jahres für sieben Gesellschaften aufzusetzen, wäre anders nicht möglich gewesen. Schon gar nicht, wenn die IT-Mannschaften, die das System betreiben, noch nicht komplett sind. Wenn IT-technisch nichts vorhanden ist, lassen sich Dinge nur dann innerhalb kurzer Zeitvorgaben bewältigen, wenn man nah am Standard bleibt. Extrem hilfreich war dabei, dass wir uns der Unterstützung des Managements sicher sein konnten, unsere Entscheidungen durchzusetzen.

ITM: Auf Individualentwicklungen müssen die Mitarbeiter folglich verzichten?
Schöberl: So weit es möglich ist, müssen sie auf Anpassungen verzichten. Es wird allerdings nicht immer möglich sein, einige Anpassungen muss man immer realisieren.

ITM: Wie ist der Stand der ERP-Implementierung?
Schöberl: Wir haben das Ziel erreicht, innerhalb des vorgegebenen Zeitraums an den Start zu gehen. Wir sehen es als Alleinstellungsmerkmal, S4/Hana in einem international agierenden Unternehmen innerhalb von sechs Monaten von Grund auf implementiert zu haben.

Vier Ländergesellschaften, die noch auf R/3-Systemen der Mütter laufen, müssen wir in Kürze noch migrieren. Der Ansatz war, zu validieren, wie weit wir mit den Standardprozessen eines fertigen Cloud-Systems von S4/Hana als Basis kommen. Etwaige verbleibende Lücken sollten im Anschluss geschlossen werden. Alle nachträglichen Anpassungen erledigten wir mit Hana-internen Bordmitteln.

ITM: Für SAP sind Sie ein Prestige-Projekt: Bei Ihnen klingeln sicher einige Leute durch, um sich nach dem Projekt zu erkundigen?
Schöberl: Umso mehr, seit wir unser Projekt auf dem letzten DSAG-Jahreskongress vorgestellt haben. SAP wollte uns als erfolgreiches Projekt präsentieren, was wir begrüßten, weil es den Anbieter in gewisser Weise verpflichtet, mit uns wie beabsichtigt weiterzugehen. Und wir gehen weiter, denn vier Werke müssen wir ja noch migrieren.

Es war eine große Herausforderung, vor der uns einige gewarnt haben und prophezeiten, wir würden es nicht schaffen. Aber: Wir haben es geschafft.

ITM: Ihr Hauptsystem steht in St. Leon-Rot?
Schöberl: Ja, das S4-System steht bei SAP. Darüber hinaus greifen wir auch im In-frastrukturbereich sehr stark auf Cloud-Dienste zurück, wie beispielsweise im Falle unseres IT-Service-Managements. Wir beziehen die Dienste erst einmal von der Stange und versuchen, soweit es geht mit diesen zu arbeiten. Fehlende Funktionalität ergänzen wir, wo sie für unser Geschäft notwendig ist. Wieder gilt das Credo, immer weitgehend nah am Standard zu bleiben.

ITM: Stichwort Service-Management-Lösung: Worauf kam es Ihnen an?
Schaich: Das Hauptziel für OSRAM Continental bestand darin, zunächst innerhalb von zwölf Tagen einen funktionierenden Service Desk mitsamt Service-Management-Software auf die Beine zu stellen. Wir hatten den harten Anschlag, kannten den Stichtag und wussten, dass unsere 1.500 Mitarbeiter gerade in den ersten Wochen und Monaten sehr viel Support benötigen würden, weil die Veränderungen immens waren.

Es gab ehemalige OSRAM-Mitarbeiter, die jetzt an Continental-Standorten sitzen, es gab den umgekehrten Wechsel und es gab komplette Neueinsteiger. IT-seitig war es gerade in den Anfangswochen eine der größten Problemstellungen, erst einmal zu verstehen, wer derjenige ist, der gerade anruft, und welchen Hintergrund er hat, um dann die mögliche Ursache für sein Anliegen zu finden.

Michael Schaich

Alter: 34 Jahre  |  Familienstand: ledig
Werdegang: Studium, drei Jahre Berater im Bereich ITSM, fünf Jahre bei Continental, seit Juni 2018 im Joint Venture  | Derzeitige Position: Verantwortlicher für IT-Service-Management  |  Hobbys: Reisen, Kochen, Autos

ITM: Für welches Service-Management-Tool haben Sie sich entschieden?
Schaich: Die Wahl fiel auf KIX von c.a.p.e. IT. Mithilfe des Anbieters brachten wir das Service-Tool in diesem kurzen Zeitraum so zum Laufen, dass wir die Anfangswochen gut bewältigen konnten.

ITM: Wie kam es zu der Entscheidung?
Schaich: Die Wahl für c.a.p.e. IT basiert zu großen Teilen auf der Empfehlung eines Mitarbeiters. Wir schauten uns das Tool daraufhin näher an, inklusive einer Reihe von Referenzen. Nachdem wir relativ konkret wussten, was das Produkt an Funktionalitäten und Prozessen mitbrachte, luden wir einen Mitarbeiter des Anbieters zur Präsentation ein. Wir hinterfragten die technische Machbarkeit und konnten innerhalb eines Tages abklopfen, dass sowohl die Funktionalitäten, die wir in jedem Fall an Tag eins benötigen würden, als auch weiterführende Features vorhanden waren, die wir in einer zweiten Phase umsetzen wollen. Nach einer internen Kosten-/Nutzen-Abwägung fiel die Entscheidung relativ schnell.

ITM: Was war denn eher entscheidend – Kosten oder Nutzen?
Schaich: Beides gleichermaßen. Es gibt bestimmt Tools, die billiger sind oder gar nichts kosten, oder auch Tools, die man mit viel Aufwand an seine individuellen Anforderungen anpasst. Beides wollten wir nicht. Wir brauchten ein System, das in diesem kurzen Zeitraum lauffähig sein sollte, und zudem zu uns passte. Wir sind ein junges Unternehmen und kein Konzern, weshalb wir mit Ziel und Maß handeln mussten.

ITM: Haben Sie denn die Option, selbständig Anpassungen vorzunehmen?
Schaich: Ich habe die volle Berechtigung, Anpassungen vorzunehmen. Dies geschieht allerdings immer nur in sehr enger Abstimmung mit c.a.p.e. IT. Kleinere Konfigurationen nehme ich selbst vor. Aber es gibt Anwendungsfälle, für die wir vielleicht keine Lösung im Kopf haben. In solchen Fällen ziehe ich den Anbieter zurate. Denn ich will sichergehen, dass wir eine Lösung schaffen, die nicht nur in der Theorie funktioniert, sondern unser Problem behebt. Sollte die benötigte Funktionalität mit dem nächsten Release kommen, warten wir lieber zwei Monate, anstatt das System selbst zu verbiegen. Weil wir uns damit vom Standard entfernen und uns Wege verbauen würden.

ITM: Ihr Service-Management-System basiert auf Open Source. Nutzen Sie von der Community entwickelte Module und Templates?
Schaich: Es gibt eine Version der Lösung, die sich relativ nah am Open-Source-Standard bewegt, darüber hinaus gibt es sogenannte Professional-Module, die ausgefeiltere Funktionalitäten mitbringen – beispielsweise Reportings oder KPI-Messungen. Diese ausgereiften Module kann man hinzubestellen und einfach integrieren, ohne selbst programmieren zu müssen.

Natürlich muss man sich den vorgegebenen Prozessen anpassen, was gerade für die Service-Desk-Agenten, die von Continental kommen, eine Umstellung bedeutet. Aber diesen Wandel müssen im Wesentlichen alle Mitarbeiter vollziehen.

Schöberl: In meinen Augen liegt genau hierin die Chance für ein junges Unternehmen. Wir müssen die Tools nicht in unsere Prozesse zwängen, sondern können im Gegenteil unsere Prozesse den Tools anpassen. Gerade jetzt zum Start haben wir die Möglichkeit, den wirklichen Geschäftszweck zu hinterfragen, und unsere Ziele sowie die Wege dorthin exakt zu definieren.

Unser Geschäftszweck besteht nicht darin, eine IT-Landschaft aufzubauen, sondern intelligente Lichtlösungen für Automobile zu verkaufen. Dabei sollte uns möglichst wenig im Wege stehen und der Support sollte reibungslos laufen. Folglich passen wir den Support so an, dass wir ihn mit unserer relativ schlanken IT-Mannschaft möglichst effizient betreiben können. Und das können wir nur, wenn wir möglichst nah am Standard bleiben.

Früher machte man sich sehr viele Gedanken über Prozesse. Relativ losgelöst von Software-Werkzeugen ging es meist darum, wie man Prozesse am besten aufsetzt. Anschließend wurde versucht, die Tools auf die Prozesse zuzuschneiden, was zumeist in einem immensen Customizing endete, das jede weitere Veränderung oder jeden Wechsel zu einem anderen Tool verkomplizierte.

ITM: Als Neugründung haben Sie hier aber einen deutlichen Vorteil gegenüber traditionellen Mittelständlern.
Schöberl: Das stimmt, entscheidend ist jedoch, dass unsere Geschäftsführung den Mut zu diesem Vorgehen aufbringt. Wenn wir feststellen, dass wir einen falschen Weg eingeschlagen haben, müssen wir reagieren. Glücklicherweise haben wir bislang noch keine größeren Fehler begangen, aber das Ziel ist es, so schnell wie möglich vom Fleck zu kommen und in Kauf zu nehmen, durchaus auch einmal einen Schritt in die falsche Richtung zu gehen.

ITM: Bilden die heutigen Standardmodule die Geschäftspraxis besser ab als noch vor einigen Jahren?
Schöberl: Zum einen das, zum anderen muss man sich aber wie gesagt auch trauen, den Standard zu nutzen. Gerade im Hana-Umfeld war die größte Warnung, ein Standardsystem habe noch nie funktioniert und wir müssten am Ende doch wieder anpassen. Und ja, das tun wir, aber nicht in dem prognostizierten Maße und schon gar nicht so, wie es früher üblich war, als die Standardprozesse weit weniger hergaben.

ITM: Was dann auch erst den Schritt in die Cloud ermöglicht, die Standards voraussetzt.
Schöberl: Wenn man zu Standards nicht bereit ist, sollte man von der Nutzung der Cloud besser absehen.

ITM: Sie gehen den Weg in die Cloud?
Schöberl: Ja, bis auf in den Fertigungsstätten, wo man schlichtweg noch lokale Systeme braucht, versuchen wir, konsequent in die Cloud zu gehen. Es ist allerdings nicht immer unsere alleinige Entscheidung, denn unsere Kunden müssen zustimmen. Gerade im Automotive-Umfeld haben sehr viele Hersteller sehr konkrete Vorgaben, wie mit ihren Daten zu verfahren ist. Dem müssen wir folgeleisten. Aber wo unsere Kunden es zulassen, nutzen wir die Cloud.

ITM: Wie können Sie diese Kundenvorgaben denn gewährleisten?
Schöberl: Einen großen Stellenwert besitzen in der Automobilindustrie Zertifizierungen wie Tisax, ISO oder VDA. Für deren Umsetzung haben wir Spezialisten im Team. Wenn wir mit den Daten unserer OEMs nicht entsprechend ihrer Vorgaben umgehen, wird die Geschäftsbeziehung nicht lange halten. Hier ist sehr große Expertise der Mütter eingeflossen, weil man das Geschäft mit seinen Auditierungen und Zertifizierungen dort bestens kennt.

ITM: Worauf kommt es bei der Tool-Auswahl im Service-Management generell an, gerade, wenn man nicht bei Null anfangen kann?
Schaich: Man sollte sich meiner Meinung nach davon verabschieden, dass es ein System für alle Anwendungsfälle gibt. Mit vielen Tools lassen sich zwischen 70 und 80 Prozent der gängigen Anforderungen relativ gut und ohne große Anpassungen abdecken. Ich glaube, es ist wichtig, sich mit diesen passenden 80 Prozent zu begnügen und sich mit den restlichen 20 Prozent im konkreten Einzelfall zu beschäftigen.

Wenn ich auf frühere Erfahrungen zurückblicke, wurde sehr häufig versucht, das Produkt zu finden, das alle Funktionalitäten und Eventualitäten abdeckt. Dieser Ansatz führt aber meist geradewegs ins Desaster. Denn entweder wird man mit der Auswahl nicht fertig oder man individualisiert derart stark, dass die Lösung technisch alles kann, dabei jedoch so komplex wird, dass keiner sie versteht und letztlich auch nicht nutzt – oder nicht nutzen will. Dies hat meist zur Folge, dass Service-Management für kompliziert und aufwendig gehalten wird.

Schöberl: Ich denke, gerade Mittelständler mit gewachsenen Strukturen und größer werdenden Teams, in denen es nicht mehr auf Zuruf funktioniert, sollten die Schritte kleinhalten. Auch für uns stellte sich die Frage, wie weit wir im IT-Service-Management gehen wollen. Unsere Mutterkonzerne gehen bei der Prozesseinführung teilweise sehr große Schritte, die in der Praxis dann mitunter nicht sauber gelebt werden. Dadurch bleibt der Nutzen auf der Strecke.

Zum Start am 2. Juli 2018 kannten wir die Ausprägung mancher Dienste noch gar nicht. Zunächst ging es darum, grundlegendste Services in dieser besonderen Umgebung zu erbringen. Jetzt kommen wir langsam an den Punkt, in den nächsten drei bis sechs Monaten in einen gewissen Regelbetrieb eintreten zu können. Wir schließen die Ausgliederung aus den Mutterkonzernen endgültig ab. Dann wird sich zeigen, was die nächsten sinnvollen Schritte im Service-Management sein können. Es hilft nicht, zehn Module einzuführen, um zehn Module zu haben. Vielmehr wollen wir uns auf die Themen konzentrieren, die das Unternehmen voranbringen.

ITM: Inwieweit muss die Geschäftsführung dabei wiederum mitspielen? Manche Unternehmer führen SAP ein, weil es SAP ist, nicht weil es sinnvoll ist ...
Schaich: Das ist im Service-Management bisweilen ähnlich, wenn das große ITIL-Buch gezückt wird und die darin beschriebenen Prozesse eins zu eins eingeführt werden sollen. In meinen Augen ist ITIL jedoch nur eine Sammlung bewährter Verfahren und kein striktes Regelwerk. Also schaue ich mir unseren konkreten Anwendungsfall dahingehend an, ob die Beschreibung passen könnte. Ich muss nicht auf Biegen und Brechen jede Seite der ITIL-Bibel umsetzen. Denn man sollte den Faktor Mensch nicht unterschätzen.

ITM: Wie weit ist ITIL denn vom Faktor Mensch entfernt?
Schaich: Das beginnt damit, dass ITIL den Service Desk als einzigen Kontaktpunkt zu den Mitarbeitern beschreibt. Und es gibt Mitarbeiter, die tatsächlich gerne den Service Desk anrufen, andere hingegen bevorzugen den persönlichen Kontakt. Sie möchten, dass ein Service-Mitarbeiter zu ihnen kommt. Und es gibt solche, die Probleme ignorieren und glauben, die IT werde sich schon irgendwie darum kümmern.

Schöberl: Manche Mitarbeiter wollen den persönlichen Kontakt, weil sie vielleicht zuvor schon einmal schlechte Erfahrungen mit dem Service Desk gemacht haben. Deshalb ist es immens wichtig, zunächst einmal Vertrauen aufzubauen.

Bei einer derart großen Veränderung weiß nicht jeder Service-Mitarbeiter von Beginn an mit allen Problemstellungen umzugehen. Aber wir müssen den Mitarbeitern zeigen, dass wir ihre Anliegen ernstnehmen. Wir müssen jeden Einzelfall analysieren, um die Fehler schnellstmöglich abzustellen. Dies ist ein stetiger Prozess. Wir dachten auch, dass es ein wenig schneller ginge. Aber Rückschläge führen dazu, dass wir den Dingen noch intensiver nachgehen.


ITM: Wo stehen Sie auf diesem Weg?
Schöberl: Ich denke, mit dem finalen Aufbau unserer neuen Client-Infrastruktur wird es gelingen, dass die Mitarbeiter die neuen Strukturen noch konsequenter nutzen und davon wegkommen, jederzeit einen persönlichen IT-Ansprechpartner zur Verfügung zu haben. Unser Konzept ist jetzt eben ein anderes. Nun kommt es darauf an, den Mitarbeitern zu beweisen, dass es funktioniert.

ITM: Wie unterscheidet sich Ihr Service-Konzept von denen anderer Mittelständler oder Konzerne?
Schöberl: Konzerne haben zumeist sehr stringente Prozesse und Zuständigkeiten. Sowohl Continental als auch OSRAM halten sehr starke Support-Truppen vor Ort vor, die sich parallel neben dem Service Desk als Erstkontakt präsentieren. Letztlich werden dort beide Strukturen genutzt.

Unser Konzept mit unserer sehr global ausgerichteten IT-Organisation sieht nun vor, dass wir in unserer verzweigten Umgebung mit Niederlassungen in mehreren Ländern nicht unbedingt überall IT-Personal vorhalten. In puncto Client-Management wollen wir erreichen, dass die Mitarbeiter sowohl ihre mobilen Geräte als auch ihre stationären Rechner selbst aktivieren. Sie bekommen keine ge-„imageten“ Clients mit einem verbogenen Windows 10, für das selbst der Administrator erst einmal eine Schulung benötigt. Stattdessen verwenden wir Windows 10 im reinen Standard.

ITM: Herr Schaich, war dies Ihr Konzept?
Schaich: Nein, es war nicht mein Konzept, aber ich stehe jetzt in der Verantwortung für seine Umsetzung.

Schöberl: Wenn man vor Ort sehr „IT-los“ mit Standardprodukten arbeitet, braucht man im Hintergrund starke und funktionierende Support-Strukturen. Weil die Mitarbeiter sonst ins Leere greifen. Dieses Konzept müssen wir den Mitarbeitern schrittweise beibringen. Wir waren da zu Beginn relativ radikal und haben später ein wenig nachjustiert, indem wir an einigen Standorten wieder IT-Personal eingebracht haben. Ziel ist es aber, an den nicht-produzierenden Standorten auf IT-Personal zu verzichten.

ITM: Wie reagieren die Mitarbeiter?
Schöberl: Die Reaktionen reichen von sehr positiv bis sehr negativ. Um die Akzeptanz zu erhöhen, wurde ein Key-User-Konzept etabliert. Jede Abteilung bestimmt, wie viele Mitarbeiter sie als Key User benennt.

Wir moderieren die Key-User-Community an allen Standorten und weisen sie in alle neuen Prozesse, Tools und Installationswege ein, die sie als „Piloten“ testen können. Daraus ergibt sich relativ schnell ein nüchternes Feedback dahingehend, wo Nachbesserungen oder zusätzliche Dokumentationen erforderlich sind. Die Key User sind unsere Multiplikatoren an den Standorten. Momentan prasselt noch eine Menge auf sie ein, aber das wird sich einpendeln.

Man trifft im Mittelstand vermehrt Key-User-Konzepte an. Dieser Ansatz muss wachsen, wenn man jedoch intensiv an ihm arbeitet, zahlt er sich letztlich aus.

ITM: Wie kommunizieren die Key User untereinander?
Schaich: Als zentrales Kommunikationsmittel dient Microsoft Teams mit eigenen News-Channels für jeden Mitarbeiter und der Möglichkeit, Fragen in die Community zu stellen. Dies wird immer häufiger genutzt, weil die Fragen tatsächlich beantwortet werden.

Speziell für die Key User, die wir technologisch einen Schritt weiter vorne abholen, gibt es in „Teams“ noch einmal eine spezielle Community. Hier beobachten wir, dass sich die Key User mittlerweile gegenseitig unterstützen – auch international. Eine Kollegin moderiert die Community und lädt zu Meetings ein, die wegen der unterschiedlichen Zeitzonen zweimal täglich stattfinden.

ITM: Was sind die Hauptgründe für die Kontaktaufnahme mit dem Support?
Schaich: Die meisten Kontaktaufnahmen sind Service Requests oder vermeintliche Incidents, bei denen der User annimmt, es funktioniere etwas nicht, dabei funktioniert es einfach nur anders. Beispiel: Wir haben jetzt Festnetztelefonie in Teams integriert, was heißt, dass die klassischen Telefonapparate durch Headsets ersetzt wurden. Dies ist für viele Mitarbeiter eine gravierende Umstellung, die Fragen drehen sich dann um die Einrichtung der Mailbox und um Rufweiterleitungen. Oder es geht um die Ablage und das Teilen von Dateien in der Cloud mit Office 365 und OneDrive, um die Freigabe von Ordnern oder die Erstellung von Berechtigungen. Viele Anfragen drehen sich um die reine Handhabung.

ITM: Sammeln und dokumentieren Sie die Anfragen in einer Art Bibliothek?
Schaich: Eine solche Sammlung gibt es, viele Mitarbeiter nutzen sie auch, bevor sie ein Ticket aufmachen. Andere suchen bereits schon im Internet nach Fehlerbehebungen. Weil 90 Prozent der bei uns eingesetzten Software Standardprodukte sind, finden sich die Lösungen für Standardfragen in der Regel mit wenigen Klicks. Wir müssen nicht alle Informationen selbst bereitstellen, sondern können auf externe Quellen und die Hersteller verweisen, zum Beispiel auf Youtube-Videos von Microsoft.

ITM: Sie sprachen das Change Management an. Wie geht es dort weiter?
Schaich: Change Management ist der zweite Schritt. Der erste Schritt, an dem wir gerade noch arbeiten, ist das Request Fulfillment, also die Software-Bestellung. Wir beginnen derzeit, die neuen Rechner auszurollen. Da gibt es natürlich immer einmal wieder Anwender, die Software benötigen, die standardmäßig nicht mitgeliefert wird und für die extra Lizenzgebühren anfallen. Aber die Zeiten, in denen der Vorort-Techniker mit einer CD vorbeikam, sind eben vorbei. Auch CD-Laufwerke gibt es nicht mehr.

Diesen gesamten Request-Prozess wollen wir über KIX abbilden: Der User beantragt Software, es ist hinterlegt, ob es ein kostenpflichtiges Programm ist, für das eventuell die Zustimmung des Kostenstellenverantwortlichen benötigt wird. Ist der Genehmigungsfluss durchlaufen, wird die Software dem Gerät automatisch über die Management-Software bereitgestellt.

Schöberl: Unsere Erfahrung zeigt, dass die Mitarbeiter einen zentralen Einstieg brauchen, um mit der IT Kontakt aufzunehmen. Sei es für Anfragen oder für neue Software. Dieser zentrale Einstieg wird KIX sein.

ITM: Wie verknüpfen Sie Ihr Client- mit dem Service-Management?
Schaich: Das Client-Management für die mobilen Endgeräte und die Windows-10-Computer erfolgt über VMware/AirWatch. Damit liefert uns AirWatch sämtliche Informationen zum Gerät. Sobald ein Anruf im Service Desk eingeht, sehen wir, welches Handy der Nutzer besitzt und welche Applikationen sich darauf befinden. Gleiches gilt künftig auch für die neuen PCs.

Wir können sehen, dass eine bestimmte iOS-Version im Einsatz ist, die vielleicht für einen bestimmten Fehler bekannt ist. Dadurch wird die Fehlereingrenzung immens beschleunigt. Außerdem greifen wir auf diese Informationen bei Software-Bestellungen zurück, weil der Bestellprozess erst abgeschlossen ist, wenn die Software installiert wurde. Das wissen wir, weil AirWatch uns diese Information zurückliefert.


ITM: Mit den Rechnern sind Sie in der Windows-Welt, bei mobilen Geräten bei iOS?
Schöberl: Wir bewegen uns relativ tief in der Microsoft-Welt, deshalb wäre es für uns sinnig gewesen, auch die mobilen Clients unter Windows (Phone) laufen zu lassen. Aber Microsoft hat nicht den Weg genommen, den man erwartet hatte.

Für unsere mobilen Geräte bietet iOS die richtige Plattform. Wir haben mittlerweile tatsächlich User, die nur noch ein iPad Pro anstelle eines herkömmlichen Rechners einsetzen. Für Word, Powerpoint und Excel reicht das allemal. Das funktioniert natürlich nicht immer, gerade Entwickler benötigen mehr Betriebssystemnähe und damit ein vollwertiges Windows-System. Aber grundsätzlich können wir allen Nutzern die benötigten Funktionalitäten über virtuelle Plattformen bereitstellen und somit die Lücken, die auf Nicht-Microsoft-Geräten bleiben, sehr elegant schließen.

ITM: Herr Schaich, was sind Ihre nächsten Schritte im Service-Management?
Schaich: Ganz aktuell ist es das Request Fulfillment, um sicherzustellen, dass Software-Bestellungen sauber durchlaufen. Zudem werden wir das Thema Asset- und Konfigurations-Management in den Fokus rücken. Zu Beginn wurden viele Altgeräte der Mutterkonzerne in das Joint Venture übergeben. Wenn wir nun anfangen, die neue Infrastruktur auszuliefern, brauchen wir ganz einfach eine sehr saubere Dokumentation. Und zwar nicht nur zu den Rechnern selbst, sondern auch zu den Netzwerkkomponenten.

Sobald alle Prozesse stabil laufen, möchten wir ebenso saubere Change-Prozesse etablieren. Auch hier ist es wichtig, den Mitarbeitern den Sinn unserer Abläufe darzulegen. Wenn sie irgendwo etwas verändern, z.B. an einem Router, sollen sie es nach Möglichkeit dokumentieren. Wir wiederum müssen zuvor dafür sorgen, dass diese Dokumentation mit zwei Klicks erledigt ist. Bei der Prozessdokumentation hielten wir den Anfangsaufwand gering, weil wir andere Prioritäten setzen mussten. Aber diese Arbeiten erfolgen jetzt, auch vor dem Hintergrund von Audits.

ITM: Wie wichtig ist die Nutzeroberfläche für Endanwender im Service-Management?
Schaich: Sehr wichtig. Dies ist ein guter Punkt, denn hier werden wir uns bewusst ein wenig vom Standard entfernen, weil wir feststellten, dass es für die Mitarbeiter infolge der Aufnahme von immer mehr Menü-Punkten zunehmend unübersichtlich wurde. Folglich haben wir uns in Abstimmung mit c.a.p.e. IT für eine kleine Weiterentwicklung entschieden, um die Navigation mit eigenen Gruppierungen und Icons zu erleichtern.

Ich glaube, dass man die Anwender mit der Nutzeroberfläche gewinnen oder verlieren kann. Für die Service-Agenten hingegen ist sie weniger entscheidend. Es gibt viele Service-Management-Tools, deren Oberflächen in Richtung Nutzer hochmodern daherkommen, während die Ansicht für die Service-Mitarbeiter immer noch aussieht wie vor 20 Jahren. Für die Service-Mitarbeiter muss es aber nicht bunt sein, sondern übersichtlich.

Schöberl: Wichtig ist der zentrale Einstieg. Die Mitarbeiter sollen nicht entscheiden müssen, in welches Menü sie müssen, sondern sie brauchen eine zentrale Anlaufstelle. Was im Hintergrund passiert, dass die Tickets letztlich in verschiedene Subsysteme von Dienstleistern übergeben werden, soll für die Nutzer unsichtbar sein.

Die Osram Continental GmbH...

... ist ein Joint Venture
der Technologieunternehmen OSRAM und Continental. Das global agierende Unternehmen mit Hauptsitz in der Region München kombiniert moderne Lichttechnologien mit Elektronik und Software und bietet ein breites Portfolio an intelligenten, innovativen Lichtlösungen für die Automobilindustrie. OSRAM und Continental sind zu jeweils 50 Prozent an dem Joint Venture beteiligt, das mit rund 1.500 Mitarbeitern an 16 Standorten weltweit vertreten ist.

Megatrends wie Digitalisierung, Urbanisierung und Individualisierung verändern die Mobilitätsbedürfnisse und -verhaltensweisen der Menschen und damit auch den Fokus einer ganzen Branche. Die Automobilindustrie steht durch die strategische Ausrichtung auf elektrisches, vernetztes und autonomes Fahren vor erheblichen Veränderungen. Gleichzeitig wird die Industrie aufgefordert, mit Produkten, die Energie sparen und Ressourcen schonen, zu mehr Nachhaltigkeit beizutragen. Dabei spielen Lichtlösungen eine zentrale Rolle. Intelligente Scheinwerfer, Projektoren und Sensoren sollen immer mehr Aufgaben vom menschlichen Fahrer übernehmen und Verkehrssituationen selbstständig erkennen. OSRAM Continental setzt sich dafür ein, die Zukunft der Automobilbeleuchtung mit innovativen optoelektronischen Lösungen aktiv zu gestalten – für eine vernetzte, sichere, individualisierte und nachhaltige Mobilität
in der Zukunft. 

Bildquelle: Claus Uhlendorf

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news-22287 Mon, 11 Mar 2019 14:51:29 +0100 Über die Brücke in die Cloud http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/ueber-die-bruecke-in-die-cloud-22287/ Gantner-Instruments, ein internationaler Anbieter von Mess- und Prüftechnologie mit Hauptsitz im österreichischen Schruns, hat seine Produkte um eine Cloud-Plattform für die Erfassung und Auswertung von Messdaten ergänzt. Das Viadukt in Millau, das Fußballstadion in Braga oder die Brücke über den Bosporus sind architektonisch herausragende und einzigartige Bauwerke. Sie haben eines gemein: Um ihre Sicherheit und Funktionsfähigkeit zu garantieren, wird modernste Messtechnik zur Erfassung und Kontrolle der Belastung eingesetzt. Dabei gilt es, enorme Datenmengen in Echtzeit zu erheben, zu analysieren und zu verwalten.

Mit ihren Messsystemen für mechanische, thermische und elektrische Größen hat sich Gantner Instruments seit der Gründung im Jahr 1982 zu einem weltweit anerkannten Player im Markt für Messsysteme entwickelt. Das Unternehmen ist inzwischen ein gefragter globaler Partner mit eigenen Standorten in ganz Europa, den USA, Indien, China und Singapur. Das Portfolio umfasst Mess- und Testlösungen für die Branchen Automotive, Luft- und Raumfahrt, Energie, Bauingenieurwesen und Produktion.

Gantner entwickelt und implementiert Instrumente für die Prüfung der statischen Festigkeit von Hubschraubern in Korea ebenso wie für Batterien im E-Drive-Umfeld, für die Lastmessung an Windkraftanlagen gleichermaßen wie für Vibrations- und Hochspannungstests des Metro-Systems in Singapur.

Während die ursprüngliche Kernkompetenz des Unternehmens in der Entwicklung unterschiedlichster Geräte für die zeitsynchrone dezentrale Messung physikalischer Größen lag, so haben sich in den vergangenen Jahren mit der fortschreitenden Vernetzung im Internet der Dinge (IoT) gänzlich neue Perspektiven eröffnet, die das Unternehmen nun konsequent nutzt. Der Fokus liegt hierbei auf der Bereitstellung einer Cloud-basierten Architektur, die es den Kunden ermöglicht, präzise auf die individuellen Anforderungen angepasste Lösungen zu verwirklichen.

Bis zu 100.000 Events pro Sekunde

Nicht erst seit dem Brückendesaster in Genua im vergangenen Jahr ist klar, dass etwa Verkehrsinfrastrukturen einer kontinuierlichen und granularen Überwachung bedürfen, um die Sicherheit zu garantieren und jederzeit ein aktuelles Bild der Bausubstanz zur Verfügung zu haben. In der Praxis bedeutet dies den Einsatz einer leistungsfähigen Technik für das zeitsynchrone dezentrale Messen aller wichtigen physikalischen Größen mit einer Messrate von bis zu 100.000 Messpunkten pro Sekunde.

Ähnlich anspruchsvolle Zeitvorgaben inklusive der enormen zu bewältigen Datenmengen entstehen auch in vielen anderen Bereichen, in denen Gantner die Kunden mit intelligenten Messsystemen unterstützt. So etwa in der Energieversorgung, in der Luftfahrtindustrie oder in der Forschung. Das Beispiel Gantner zeigt, wie die technische Evolution für die Fortentwicklung des Angebotsportfolios genutzt werden kann, um komplexe, vernetzte Lösungen anzubieten, die an die jeweils individuellen Kundenerfordernisse angepasst werden können. Die Entwicklung führte dabei von Stand-Alone-Lösungen mit Dateispeicherung auf Festplatten in Richtung einer skalierbaren, redundanten und geclusterten Infrastruktur in der Cloud.

Wertschöpfungskette konsequent erweitert

Gantner hat mit GI.cloud eine Plattform entwickelt, die dafür konzipiert ist, größte Datenvolumina effizient zu verarbeiten und schnell zu analysieren. Die Plattform kombiniert die Produkte für das hochauflösende Messen nahezu beliebiger physikalischer Größen mit leistungsfähigen Big-Data-Analytics sowie der weiteren Nutzung der Daten durch Folgesysteme. Eingesetzt werden dazu neue Technologien für das Management von Zeitreihendaten und den schnellen Zugriff auf gespeicherte und angereicherte Informationen. Gängige Schnittstellen sowie Benutzeroberflächen für die Verwaltung, die Visualisierung, die Erstellung von Berichten oder die Definition von Regeln für dedizierte Ereignisse vereinfachen dabei Zugriff und Integration.

„Im Prinzip haben unsere Kunden immer die gleiche Anforderung. Es geht darum, von verschiedenen Standorten Daten in Millisekunden zeitsynchron zu erfassen, zu analysieren und zu visualisieren, um daraus geeignete Schlüsse zu ziehen und notwendige Maßnahmen einzuleiten“, erklärt Jürgen Sutterlüti, Head of Cloud und Data Analytics, bei Gantner Instruments.  „Wir stellen dazu die komplette Kette von den physikalischen Messsystemen über das Datenmanagement inklusive Hosting bis hin zur Übergabe an Folgesysteme mittels entsprechender Schnittstellen bereit.“

Die Software basiert in allen Anwendungsumfeldern auf der gleichen adaptiven Architektur, die Flexibilität und Skalierbarkeit ermöglicht. Für datenintensive Anwendungen galt es insbesondere, die Problemstellung der Datenübertragung und der Datenspeicherung inklusive des schnellen Zugriffs auf Informationen zu lösen. Zusätzlich soll eine Adaptierung der Konfiguration jederzeit von der Ferne möglich sein. Obwohl das Thema IoT im industriellen Kontext seit geraumer Weile im Fokus der Entwicklung steht, sind entsprechende Streaming-Anwendungen für die Erfassung und On-the-Fly-Analyse von Echtzeit-Daten sowie leistungsfähige Datenbanklösungen am Markt eher rar.

„Wir haben uns beim Design des Data-Back-Ends nach umfangreichen Recherchen und Vergleichen für den Einsatz der Kombination aus Apache Kafka sowie CrateDB entschieden“, so Sutterlüti weiter. „Sie bilden quasi den Motor, um den herum das gesamte Konzept aufgebaut ist.“

Neue Datenbankgeneration

Apache Kafka ist ein Messaging-System, das es ermöglicht, die von den IoT-Sensoren und -Geräten empfangenen Daten in eine Warteschlange einzureihen und für Folgesysteme hochverfügbar zu machen. Kafka betrachtet jeden einzelnen empfangenen Wert und analysiert ihn im Hinblick auf aktuell zu treffende Maßnahmen („Stream processing”). Um allerdings die enormen Datenvolumina zeitgerecht zu erfassen, zu speichern und für Folgesysteme zugänglich zu machen, bedurfte es einer Datenbank, die nicht nur die entsprechende Performance bietet, sondern auch über Schnittstellen verfügt, die einen schnellen und komfortablen Zugriff zu erlauben.

Bei der CrateDB handelt es sich um eine neue Art verteilter SQL-Datenbanken, die die Handhabung von Zeitreihenanalyse verbessern. Der Rückgriff auf SQL als Abfragesprache vereinfacht die Anwendung und Integration und die NoSQL-Basistechnologie ermöglicht die Verarbeitung von IoT-Daten in unterschiedlichsten Formaten. Die CrateDB kann hunderte Terabytes an Daten aufnehmen und garantiert durch die Shared-Nothing-Architektur im Rahmen von Server-Clustern Echtzeit-Verfügbarkeit ohne Datenverluste oder Ausfallzeiten.

„CrateDB ist extrem schnell und hochskalierbar“, so Sutterlüti. „Deshalb nutzen wir die Datenbank zur Speicherung und zum Zugriff auf alle aggregierten Messdaten. Die Zusammenarbeit mit CrateDB zeigt das Potential auf, das aus der Kombination aus Edge-Computing, Big-Data-Handling und maschinellem Lernen entstehen kann.”

Mit der Entwicklung der GI.Cloud hat Gantner unter Verwendung innovativer Konzepte und Tools den Schritt unternommen, sich vom anerkannten Hersteller von Messsystemen in Richtung Anbieter zu entwickeln, der den Kunden komplexe individuelle Lösungen für das Monitoring, die Analyse und das Management ihrer Assets ermöglicht. Dabei sind Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und Flexibilität die Kernanforderungen für kundenspezifisch adaptierbare Lösungen, um Produkte, Systeme und Infrastrukturen zu überwachen und zu steuern.

Gantner Instruments

Branche: Mess- und Prüftechnologie
Gründung: 1982
Hauptstandort: Schruns (AT), acht weitere Niederlassungen

Mitarbeiter: 75

Bildquelle: Gantner Instruments

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news-22284 Mon, 11 Mar 2019 12:07:24 +0100 Kurze Sprints vonnöten http://www.it-zoom.de/it-mittelstand/e/kurze-sprints-vonnoeten-22284/ Auch Mittelständler müssen ihre Geschäftsmodelle, Prozesse und Services digitalisieren. Wie sie dabei vorgehen können, zeigt die folgende Checkliste. Digitalisierungsstrategien erarbeiten

Als spezialisierte Experten nutzen viele Mittelständler integrierte IT-Lösungen, die die Effizienz im jeweiligen Arbeitsumfeld erhöhen. Diese Teilspezifizierung ist häufig notwendig, kann jedoch der Entwicklung und Umsetzung einer IT-Strategie im Wege stehen. Doch ohne Digitalisierungsstrategie finden viele Prozesse, die man mittels Software optimieren könnte, zu wenig Beachtung – mit der Folge, dass Unmengen an Daten und Systemen nicht in die IT-Systemlandschaft integriert sind. Zudem haben viele Mittelständler nicht genügend IT-Fachpersonal und laufen Gefahr, den Anschluss an die fortschrittlichere Konkurrenz zu verlieren. Die Lösung: eine zukunftsweisende IT-Strategie, die ein gut positionierter CIO mit einem schlagkräftigen IT-Team zielstrebig verfolgt.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

IT-Infrastrukturen modernisieren

Mittelständler neigen oft zu lokal optimierten Einzellösungen und haben über die Jahre komplexe und heterogene IT-Strukturen aufgebaut. Eine Optimierung ist aufgrund  siloartiger IT-Architekturen
häufig problematisch. In solchen Fällen können IT-Dienstleister wie Arvato Systems bei der Anpassung der Geschäftsmodelle unterstützen, passende IT-Strategien entwickeln und geeignete Lösungen in die Cloud migrieren. Die Transformation sollte alle Cloud-Ebenen berücksichtigen –
PaaS, IaaS und SaaS – und schrittweise im laufenden Betrieb erfolgen.

Cloud-basierte Lösungen nutzen

Größtmögliche Flexibilität bietet ein Multi-Cloud-Ansatz. Die Entscheidung, welche Lösungen man in der Private Cloud eines deutschen Anbieters betreibt und welche Anwendungen und Systeme man in internationale Public Clouds auslagert, sollte gut durchdacht sein. Ein IT-Dienstleister zeigt verschiedene Möglichkeiten auf, skizziert adäquate Szenarien und erarbeitet eine bedarfsgerechte Kombination von dedizierten IT-Lösungen und verschiedenen Clouds. Daneben lagert er verschiedene Applikationen und Systeme in die Private Cloud aus, bindet Public Clouds möglichst sicher an die IT-Infrastruktur des Mittelständlers an und sorgt dafür, dass sich bei Bedarf im Projektverlauf weitere Services aus der Public Cloud einbinden lassen.

Agile Arbeitsweisen etablieren

Außer ihren veralteten IT-Strukturen sollten Mittelständler auch ihre Arbeitsweisen modernisieren, wenn sie agil, flexibel und effizient arbeiten wollen. Cloud-basierte IT-Infrastrukturen bieten eine Voraussetzung dafür. Entscheidend ist zudem die Balance aus Standardisierung und Individualisierung: Die Software-Basis sollte möglichst homogen sein, während einzelne Lösungen funktional angepasst werden. Um agil arbeiten zu können, müssen sie sich von etablierten, aber schwerfälligen Prozessen verabschieden. Es gilt, mutig zu sein und schnell zu entscheiden. Anstatt monatelang ein Pflichtenheft zu erarbeiten, braucht es kurze Sprints, in denen IT-Experten kleine Teilaufgaben umsetzen – und dann analysieren, ob Ergebnis und Herangehensweise sinnvoll sind. Ist das der Fall, können schnelle Erfolge die Basis für das weitere agile Vorgehen bilden. Entpuppt sich ein Ansatz als wenig erfolgversprechend, sollten Unternehmen das Ergebnis verwerfen und einen neuen Versuch starten. Flexibilität ist auch bei der Projektarbeit gefordert: Ein Kernteam sollte über die gesamte Projektdauer für Stabilität sorgen. Daneben ist es sinnvoll, Mitarbeiter mit ergänzenden Fähigkeiten für spezielle Aufgaben einzubinden. Sie können unvoreingenommen an Probleme herangehen und aus externer Perspektive kreative Lösungsansätze entwickeln.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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