Schrumpfender Tablet-Markt

Abschied vom Post-PC-Zeitalter

Der Hype frisst seine Kinder: War eben noch vom Post-PC-Zeitalter der Tablets die Rede, wird jetzt bereits der Untergang dieser Geräteklasse ausgerufen.

Alle reden vom Post-PC-Zeitalter, wir nicht mehr.

Im Ernst: Der anfängliche Enthusiasmus in Sachen Tablets ist erkaltet. In den euphorischen Überlegungen zum Tablet-Markt hieß es, dass diese Geräte langfristig das Notebook, für Privatanwender sogar den Desktop-PC, ersetzen werden. Zurzeit sieht die Entwicklung eher nach dem Gegenteil aus: Der Gesamtmarkt schrumpft erstmals.

Sogar Branchenprimus Apple sieht hier gar nicht mehr so toll aus. Im Kalenderjahr 2014 hat Apple laut den Analysten von IDC fast 15 % weniger iPad-Verkäufe als im Vorjahr zu verzeichnen. Und das angesichts der Verkaufsrekorde des iPhones, das sich wie das sprichwörtliche geschnittene Brot verkauft.

Dabei hatte Apple den Hype um Tablets überhaupt erst mit seinem iPad ausgelöst. Angesichts der Erfolge des iPhones hatte kaum jemand Zweifel daran, dass Tablets zu einer eigenen Produktkategorie im Computermarkt werden. Die euphorischen Prognosen lauteten auf 300 Millionen verkaufte Geräte pro Jahr. In Wirklichkeit sind es etwa 230 Millionen, mit sinkender Tendenz.

Allerdings gibt es eine Nische, in der Wachstum zu verzeichnen ist. Das sind die sogenannten Hybrid-Notebooks, die auch Hybrid-Tablets heißen könnten. Sie kombinieren die Vorteile eines Tablets (Touchscreen) mit dem eines Notebooks (Tastatur). Erfolgreichstes Gerät: Das Microsoft Surface Pro, dass ein vollwertiger Windows-PC mit Touchscreen ist.

Doch die hybride Konkurrenz ist nicht der einzige Druck auf den Tabletmarkt. Denn die Geräte verlieren ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal: Das große, für den Medienkonsum gut geeignete Display. Praktisch alle Hersteller bieten Smartphones mit einem 6-Zoll-Display an, sodass die Geräte von einem kleineren Tablet fast nur noch durch Nachmessen zu unterscheiden sind.

Phablets verdrängen Tablets

Dieses Größenwachstum ist die logische Konsequenz der Tatsache, dass Smartphones von vielen Anwendern nur noch selten für das Telefonieren genutzt werden. Das verstärkt den Trend zu den als Telefon eher unhandlichen Sechs-Zoll-Smartphones. Ihr größerer Touchscreen ist aber besser für den Einsatz von Apps geeignet.

Ein drittes Problem im Tablet-Markt ist der Mangel an genuinen Apps für ein sehr großes Display. Die meisten etwas aufwändigeren Apps sind auf einem Smartphone ab 5 Zoll Größe problemlos zu bedienen. Der Mehrwert eines 10-Zoll-Displays zeigt sich den meisten Anwendern lediglich beim Lesen von Büchern und Betrachten von Filmen.

Weitere Apps, die ein großes Display erfordern, sind nur in Nischenmärkten entwickelt worden. Ein häufig genanntes Beispiel sind Apps für DJs und Musikproduzenten. Oft werden auch Präsentations- und Grafik-Apps als Vorzeigeanwendungen bezeichnet, doch letztlich konnten sie sich ebenso wie Office-Apps nicht auf breiter Front durchsetzen und ausreichend Käufer von Tablets überzeugen - mit einer Tastatur arbeitet es sich eben besser.

Ein weiterer Grund für die Stagnation im Tabletmarkt könnte allerdings auch schlicht und einfach eine Marktsättigung sein. Tablets sind eben nicht für jeden gut geeignet. Wer viel unterwegs ist, nutzt lieber ein Phablet. Wer unterwegs viel arbeiten muss, ein Notebook.

Und außerdem könnte die Langlebigkeit der Geräte ebenfalls für eine Marktsättigung gesorgt haben: Für das typische Tablett-Anwendungsprofil reicht auch ein älteres Gerät vollkommen aus und da sie häufig als zusätzliches (drittes oder viertes) Gerät genutzt werden, haben vermutlich viele Anwender nur wenig Lust, regelmäßig neue Tablets zu kaufen.

So ist es plausibel anzunehmen, dass sich der Markt in den nächsten zwei bis drei Jahren „gesundschrumpfen“ wird. Vermutlich werden Tablets nicht verschwinden. Doch sie werden ein Nischenprodukt, dessen Verkaufszahlen nicht - wie vom Hype vorhergesagt - den PC-Markt überholen.

Bildquelle: Thinkstock

Aktuelle Analyse des Tablet-Markts von IDC

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