App-Entwicklung

App zur Hochwasserprognose

Interview mit Tim Neugebauer, DMK E-Business GmbH, über die wichtige Rolle einer App im neuen Hochwasserprognose-System, an dem sein Unternehmen mitarbeitet.

Im Kooperationsprojekt „Proaktive Hochwasserprognose“ (PHP) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie wird Tim Neugebauers Unternehmen eine App entwickeln, die präzise Wasserstandsmeldungen für gefährdete Hochwassergebiete liefert.

Pegelmeldungen für das Smartphone gibt es mittlerweile wie Fische in der Elbe. Worin unterscheidet sich Ihre Hochwasserprognose-App von anderen mobilen Meldediensten?
Tim Neugebauer:
Unsere Anwendung ist Teil eines neuartigen Hochwasserprognose-Systems, das im Rahmen eines kooperativen Forschungsprojekts entwickelt wird. Bisherige Lösungen geben in der Regel nur Bestandsdaten aus. Unser Ziel ist es dagegen, hydrologische und meteorologische Daten zu einem umfassenden Vorhersagemodell zu kombinieren. Hierfür erweitern wir Pegelnetze um kostengünstige neue Messstellen durch Low-Cost-Sensorik. Wirklich spannend ist, dass die App-Nutzer selbst die Qualität der Vorhersagen durch eigene Beobachtungen vor Ort verbessern können. Die App ist ein wesentlicher Teil des Informationssystems: sie soll ein permanentes Gefahrenbereichsrouting ermöglichen und natürlich auch vor lokalen, regenbedingten Überschwemmungen warnen.

Welche Anforderungen stellen sich durch die avisierten Nutzergruppen an die App?
Neugebauer:
Wir ermitteln fortlaufend, welche konkreten Funktionen die Nutzer von der App und der Gesamtinfrastruktur erwarten. Dafür können wir in Abstimmung mit der Hochwasserzentrale Sachsen in einem Testgebiet erste Erfahrungen sammeln, die in das spätere Produkt einfließen. Wir wissen aber aus vielen Projekten: intuitives Oberflächendesign und klare Nutzerführung sind immer zentrale Bedingungen für eine erfolgreiche Adoption der Anwendung.

Welche Rolle spielen dabei die Themen Echtzeit und Big Data?
Neugebauer: Eine besondere Herausforderung im Kontext der mobilen Entwicklung wird tatsächlich sein: wie gewährleisten wir die grafische Visualisierung der angeforderten Daten in der App bei gleichzeitig eingeschränktem mobilen Netzzugriff? Derzeit ist unser Ansatz, aktuelle Gaming-Technologien und quelloffene Geodaten-Infrastrukturen zu verbinden. Im Umfeld Big Data werden aktuelle NoSQL-Technologien zum Einsatz kommen. Unser Ziel: Performanz und Skalierbarkeit bei hochwertiger grafischer Darstellung.

Wann ist die Markteinführung der Hochwasserprognose-App geplant?
Neugebauer: Das Forschungsprojekt ist auf den Zeitraum 01.01.2015 bis 31.12.2016 angelegt. Erste Zwischenergebnisse werden wir in der Testphase iterativ im Testgebiet überprüfen. Die Infrastruktur und die App als solche werden voraussichtlich im letzten Drittel der Laufzeit des Forschungsprojektes verfügbar sein.

Als Dienstleister sind Sie auf die Individualisierung mobiler Business-Applikationen spezialisiert. Was sind heute die generellen Anforderungen an moderne Apps?
Neugebauer:
Mobile Applikationen und ihre Benutzeroberflächen müssen zwingend nutzerzentriert entwickelt werden. Es bietet sich darum an, die späteren Nutzer frühzeitig zu involvieren, beispielsweise über qualitative Befragungen, Fokusgruppen und eine Konzeption nach dem User-Centred-Design-Prinzip. Zudem darf man mobile Anwendungen nie losgelöst betrachten. In der Regel ist die App nur ein Kontaktpunkt in der gesamten Kundenerfahrung. Das heißt, das Zusammenspiel verschiedener Kundenkontaktpunkte muss gestaltet werden. Hier ist Service Design ein geeignetes Vorgehen. Denn nur wer seine Nutzer kennt, kann die richtige Wahl aus nativen Apps, hybriden Applikationen und responsiven Websites treffen.

Über die App:
Das Beratungs- und Softwarehaus DMK E-Business GmbH ist Entwicklungspartner im Kooperationsprojekt „Proaktive Hochwasserprognose“ (PHP) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) wird DMK E-Business zusammen mit weiteren Projektpartnern eine App entwickeln, die präzise Wasserstandsmeldungen für gefährdete Hochwassergebiete liefert.

Die App soll amtliche Wetterdaten unterschiedlichster Messdienste integrieren und den Updatezyklus für Wasserstände verkürzen. Mit der echtzeitfähigen Übermittlung von Wasserständen und Prognosen zur aktuellen Gefahrenlage soll  die Lösung nicht nur den Anwohnern betroffener Gebiete helfen: auch Behörden, Feuerwehren und Hilfswerke sollen ihre Schutzmaßnahmen mit der Hochwasser-App künftig besser koordinieren. Ein kostenpflichtiger Zusatzservice ergänzt die Basisdaten mit detaillierten Informationen – so können die im Schadensfall gefragten Versicherer ihre Leistungen, basierend auf Geländecharakter, Überflutungsgebiet und Abflussgeschwindigkeit, exakt kalkulieren.

Die App ist funktional so konzipiert, dass Anwohner ihre Beobachtungen zu lokalen Pegelständen etwa per hochgeladenem Foto vom Smartphone veröffentlichen können. Dieses „Crowd Assist Monitoring“ ergänzt die herangezogenen topographischen Daten und Wetterbeobachtungen und soll zu einer qualifizierten Hochwasserprognose beitragen. Und mit der Funktion Fluchthelfernavigation weist die App betroffenen Anwohnern einen sicheren Weg aus dem Überflutungsgebiet
.

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok