Standards im Mobile Payment

Apple Pay: Neuer Konkurrent im Payment-Markt?

Der Angriff auf die Finanzbranche läuft: Werden „Big Player“ wie Apple, Facebook oder Google als eigenständige Finanzdienstleister die Standards für das mobile Bezahlen setzen? Oder kommen ihnen Start-ups mit marktreifen Produkten zuvor?

Unter dem Mobile-Payment-Anbietern herrscht ein regelrechter Wettkampf darin, von Nutzern als präferierte Lösung akzeptiert zu werden.

Der Wettlauf um die Technologieführerschaft beim mobilen Bezahlen hat längst begonnen. Kaum eine Woche vergeht ohne den Auftritt eines weiteren Unternehmens, das mobile Zahlungssysteme für die Masse attraktiv machen und einen allgemeingültigen Standard im Mobile Payment etablieren will. Die Liste ist schon jetzt lang und prominent besetzt: von Internet­riesen wie Apple, Facebook, Google, Amazon und Paypal, über Kreditinstitute wie Mastercard und Visa bis zu Mobilfunkern wie T-Mobile, Vodafone und Eplus oder Start-ups wie Cashcloud und Yapital. Jüngst hat auch das Bonusprogramm Payback bekanntgegeben, ein eigenständiges Bezahlsystem für das Smartphone zu testen. Doch wer hat am Ende die Nase vorn?

Wer erobert den Payment-Markt?

Seit Oktober ist in den USA Apples neuer Bezahldienst Apple Pay verfügbar. Die Aufregung in den Reihen der Mobile-Payment-Branche hat sich langsam gelegt und hinterlässt nun die Frage: Schafft es Apple mit dem eigenen Dienst, das mobile Bezahlen massentauglich zu machen? Dank 220.000 Akzeptanzstellen und starker Partner wie Disney, McDonalds und Toys’R‘Us konnten bereits vom ersten Tag an zahlreiche Apple-Nutzer mit iPhone oder iPad an der Ladenkasse bezahlen. Doch ein Selbstläufer wird Apple Pay nicht. Bereits jetzt regt sich Widerstand bei einflussreichen Händlern wie Walmart, Kmart, 7-Eleven und Best Buy. Diese wollen 2015 das mobile Zahlungssystem CurrentC einführen, welches Einkäufe direkt zwischen Händler und Kunden ermöglicht – ohne ein dazwischen geschaltetes Kreditinstitut. Während sich Apple Pay auf Visa, Mastercard und American Express stützt, wollen viele US-amerikanische Händler die Kreditkartenunternehmen zurückdrängen und auf deren Gebühren verzichten. In Europa ist Apple noch weiter entfernt von den angestrebten Zielen. Mit einem Start vor 2016 ist voraussichtlich nicht zu rechnen.

Nur wenige Wochen nach der Vorstellung von ­Apples Bezahlsystem verkündete Ebay, dass die Tochter Paypal bis spätestens Ende 2015 abgespalten und an die Börse gebracht werden soll. Zufall? Das Onlinebezahlsystem scheint als Marktführer im E-Commerce prädestiniert für den großen Wurf im Mobile Payment. Zudem hat sich Paypal für das Bezahlen an der Kasse einen starken Verbündeten gesucht: Samsung.

Konkret sind die Ambitionen auch bei Facebook: Das milliardenschwere US-Unternehmen will seinen Nutzern ermöglichen, sich untereinander Geld zu überweisen. Die entsprechende Lizenz für Europa ist bereits beantragt. Als „E-Geld-Institut“ kann der Konzern eine eigene Währung an Mitglieder ausgeben, die innerhalb der Community überwiesen oder zum Kauf von speziellen Waren und Dienstleistungen verwendet werden kann. Eine Bezahloption für den Handel wäre diese jedoch nicht.

Google verfügt bereits über eine Lizenz, die dem Unternehmen Geldgeschäfte gestattet. Mit der Google Wallet wurde auch schon ein Onlinebezahlsystem für den eigenen Playstore und andere Einkaufsoptionen entwickelt. Nutzer können Kredit-, Debit-, Kunden- oder Geschenkkarten in der elektronischen Geldbörse hinterlegen und damit auch in angeschlossenen Einzelhandelsketten per NFC-Übertragung zahlen – wie bei Apple Pay bisher allerdings nur in den USA.

Auch Amazon versucht, seinen Einflussbereich im Mobile Payment zu vergrößern: Bereits 2013 wurde der Anbieter Gopago gekauft; zukünftig soll ein neuer Bezahldienst Start-ups und anderen Anbietern von Abomodellen ermöglichen, regelmäßige Zahlungen abzurechnen, und der E-Book-Reader Kindle könnte bald zum Bezahlen an der Kasse genutzt werden. Inwieweit das US-Unternehmen wirklich ernsthaft auf den Einzelhandel zielt, bleibt abzuwarten. Der Erfolg des Onlinehandels lässt jedoch vermuten, dass Amazon auch als Bezahldienst für den Einzelhandel keine schlechten Karten hätte.

Der letzte Big Player, der ein eigenes Bezahlsystem für den Handel ankündigte und sich öffentlich als direkte Konkurrenz zu Apples Pay positionierte, ist Payback. Mit 620 Partnern im Rücken und rund 75 Millionen aktiver Nutzer, davon 24 Millionen in Deutschland, sind die Voraussetzungen für eine eigene Mobile-Payment-Lösung des Bonusprogramms vielversprechend. Zurzeit befindet sich der Bezahldienst noch in der Testphase. Wann mit dem Start zu rechnen ist, hängt laut Payback auch von den Partnern im Handel ab, die ihre Kassensysteme zunächst noch für das mobile Bezahlen fit machen müssen. Indirekte Schützenhilfe bekommt Payback dabei wiederum von Mastercard. Der US-Kreditkartenanbieter will das kontaktlose Bezahlen speziell in Deutschland forcieren und übt Druck auf die Händler aus, ihre Terminals mit der NFC-Technologie auszustatten. Bereits ab 2015 sollen alle Terminals, die Zahlungen mit einer Mastercard akzeptieren, auch Handyzahlungen erlauben. Dass Mastercard die Umrüstung der 700.000 Akzeptanzstellen in Deutschland so schnell wie möglich vorantreiben möchte, könnte auch ein Fingerzeig für eine eigene Bezahllösung sein. Pläne für eine ­Mastercard-„eWallet“ wurden bisher jedoch nicht bestätigt.

Diese Beispiele verdeutlichen: Die Big Player bringen sich in Stellung. Wer jedoch am Ende die Nase vorn haben wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Apple, Paypal und Payback scheinen aktuell die beste Ausgangsposition zu haben, um einen ­Standard im Mobile Payment zu etablieren. Denkbar ist jedoch auch, dass die Big Player sich den Markt aufteilen und es künftig zwei, drei oder vier Standards geben wird. Gerade in Deutschland wird der Mobile-Payment-Markt in jedem Fall erst dann richtig in Schwung kommen, wenn eine echte Cross-Channel-Payment-Lösung das Bezahlen über alle Kanäle hinweg ermöglicht. Zudem brauchen die Kunden das Gefühl, einen wirklichen Mehrwert gegenüber der Bar- oder Kartenzahlung geboten zu bekommen. Einige Start-ups sind den Big Playern in diesem Punkt bereits weit voraus. Über Applikationen wie Cashcloud können ­Kaufempfehlungen, Coupons oder Cashback-Aktionen genutzt werden, die den Gang zum Händler anstoßen.

 

Bildquelle: Thinkstock/ Moodboard

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