Die Digitalisierung der Sportbranche

Apps im Profi-Sport

Mobile Apps und Technologien halten Einzug in den Profi-Sport. Sie liefern intelligent aufbereitete Daten, um Leistungswerte, Bewegungsabläufe oder Formkurven zu analysieren.

  • Es geht nicht um Fitnessarmbändchen. Die sind im Alltag angekommen und zählen Schritte und Kalorien – für ambitionierte Sportler ist das wenig interessant. Sie brauchen brauchen intelligent aufbereitete Daten.

  • (1) Der integrierte Sensor im „smarten“ Ball von Adidas erfasst Daten zum Schuss und gibt sie über Bluetooth 4.0 an Smartphone oder Tablet weiter. (2) Trotz Stecker für die Ladestation soll sich der Ball wie ein normaler Fußball anfühlen und auch so reagieren. Die Batterie hält etwa 2.000 Schuss bzw. eine Woche.

  • Der „Babolat Play Pure Drive Racket“ hat Sensoren im Griff und sammelt per App Daten für den Tennisspieler.

  • „Zepp" analysiert den Golf-Abschlag. Auch für Tennis und Baseball funktioniert das Gadget.

Profi-Sportler brauchen intelligent aufbereitete Daten, um Leistungswerte, Bewegungsabläufe oder Formkurven zu analysieren. Diese Informationen sind mittlerweile dank der Möglichkeiten von Sensoren und deren Verknüpfung mit mobiler Technologie sofort auf Smartphones und Tablets verfügbar. Die Digitalisierung von Trainingsmethoden, Sportgeräten und Sportlern hat begonnen.

Passend zur Fußball-WM in Brasilien hat Adidas einen neuen Fußball vorgestellt. Die Sensorkontruktion des „miCoach Smart Ball“ soll es Spielern ermöglichen, ihre Technik zu verbessern. Direktes Feedback zu Kraft, Drall, Stärke und Flugbahn gibt die App zum Ball aus. Schusstipps und Trainingsmethoden zur Ballbeherrschung sind Teil der mobilen Applikation – zusätzlich gibt es Protokollfunktionen.

„miCoach" System von Adidas


Doch nur den Ball zu vernetzen wäre zu kurz gedacht: Adidas bietet Vereinen eine komplette Ausstattung für den digitalen Trainingsbetrieb. Das System sammelt physiologische Daten der vernetzten Spieler und überträgt diese in Echtzeit auf bis zu vier Tablet-Computern des Trainerstabs am Spielfeldrand. Die deutsche Nationalmannschaft hat sich mit dem neuartigen Trainingssystem auf die Weltmeisterschaft in Brasilien vorbereitet.

Das System erhebt Daten der einzelnen Spieler aus dem Training wie Geschwindigkeit, zurückgelegte Distanz, Herzfrequenz, Leistung oder Beschleunigung. Zudem sammelt es sämtliche Leistungsdaten, verwaltet diese und macht sie für Analyse und Planung zugänglich.

Spinnt man diese Idee weiter, dann gibt es bald TV-taugliche Funktionsshirts, die die Zuschauer durch eingeblendete Messwerte darüber informiert, ob ihr Lieblingsspieler denn gerade wirklich alles gibt, oder ob er wieder nur 70 Prozent Leistung abruft.

Doch seien wir ehrlich: Eine Branche, die es nicht schafft, die Torlinientechnik einzuführen, kann in Sachen Digitalisierung kaum als Vorreiter herhalten. Andere Sportarten sind schon weiter und wesentlich technikaffiner.

Datenprofis beim Regatta-Segeln


So bot die technisch aufwendige Übertragung des 34. America’s Cup den Zuschauern einen Einblick, wie viel sich beim professionellen Regatta-Segeln um Daten und deren Analyse in Echtzeit dreht. Knapp mussten sich 2013 die Neuseeländer dem US-Team des Milliardärs Larry Ellison geschlagen geben. Sein Software-Unternehmen Oracle kann vor allem eins – Daten analysieren. Auch die Konkurrenz von SAP mischt auf dem Wasser mit: Die Walldorfer sponsern die deutsche Segel-Nationalmannschaft, SAP-Entwickler arbeiten mit dem Team an Anwendungen auf Basis von In-Memory-Computing sowie Cloud- und Mobillösungen für den Hochleistungssegelsport.

Bei der Datenanalyse sind auch die US-Sportarten ganz weit vorne. Längst werden die Spielfelder im Basketball und Football von Drohnenkameras zentime-tergenau vermessen, mit Leistungsdaten kombiniert und ausgewertet. Datenanalyse ist selbstverständlicher Teil des Trainerteams und dank mobiler Anwendungen auch auf dem Tablet verfügbar.  

Google Glass in der NBA


In der Profiliga NBA trauten sich die Indiana Pacers kürzlich sogar, ein Spiel mit Google-Glass-Datenbrillen auf der Nase zu spielen. Noch zwar nur im Training, aber der Weg zur Spielerperspektive auf dem TV-Geräte ist nicht mehr weit.

Ob es also um komplexe Datenauswertungen ganzer Ligen oder individuelle Trainingsmethoden geht: Mobile Applikationen schaffen einen einfachen Zugang, der Sportlern und Trainern weiterhilft. Längst sind nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft und alle Ideen verwirklicht. Was sich aber gottseidank nicht ändern lässt: Ab und zu, in den großen Momenten, besiegt im Sport individuelles Können, Glück oder Zufall alle Statistiken, Daten und Vorbereitungen.

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