Widerrufsrecht für Apps

Bald kommt die Geld-zurück-Garantie

Beim Kauf von Apps gibt es kein Widerrufsrecht nach dem Fernabsatzgesetz. Eine Initiative des Wirtschaftsministers von Schleswig-Holstein will das jetzt ändern.

Geld zurück - bei Apps bisher nur schwer möglich

Das per Versandhaus bestellte Smartphone ist doch nicht so schick wie auf den Fotos? Kein Problem, in Deutschland kann jeder eine per Versand bestellte Ware innerhalb von 14 Tagen zurückgeben – einfach so, ohne irgendeinen sinnvollen Grund zu nennen.

Eine App auf dem Smartphone funktioniert nicht? Das ist ein Problem, denn das 14tägige Widerrufsrecht gilt nicht für Download-Käufe. Doch leider zeigt sich bei Software oft erst nach einiger Zeit, dass sie fehlerhaft ist oder den eigenen Ansprüchen nicht genügt. Das ist bei kostenlosen Apps nicht schlimm, sie werden halt einfach gelöscht.

Bei kostenpflichtigen Apps dagegen ist Geld im Spiel. Wer also die App zurückgeben und den Kaufpreis erstattet bekommen möchte, ist auf die Freundlichkeit des Anbieters angewiesen. So räumt Google seinen Kunden ein Rückgaberecht während der ersten 15 Minuten nach dem Download ein. Apple-Kunden dagegen sind auf einen Gnadenerweis („Kulanz“) angewiesen, eine automatische Rückgabefunktion gibt es nicht.

Das Fernabsatzrecht hat also eine Lücke. Bereits vor einem Jahr hat die damalige hessische Verbraucherschutzministerin Lucia Puttrich (CDU) ein allgemeines Widerrufsrecht für Apps gefordert. Vor kurzem schloss sich der für Verbraucherschutz in Schleswig-Holstein zuständige Wirtschaftsminister Reinhard Meyer dieser Forderung an.

Für die im Mai geplante Verbraucherschutzministerkonferenz der Länder hat er einen Katalog mit acht Forderungen für ein besseres wirtschafts- und verbraucherfreundliches Funktionieren des digitalen Marktes präsentiert. Bei Apps geht es neben dem Rückgaberecht um erhöhte Informationspflichten für Anbieter, vor allen Dingen bei Funktionen, die den Datenschutz betreffen.

Ein Widerrufsrecht für App-Käufe dürfte die großen Anbieter kaum vor Schwierigkeiten stellen und ist für die Käufer eine enorme Absicherung vor Fehlkäufen. Jedoch wird als Gegenargument sofort das auch im Versandhandel bekannte Phänomen der Rückgabe nach Gebrauch auftauchen.

Sollte eine App 14 Tage lang zurückgegeben werden können, so wird sicher manch einer auf Ideen kommen: App runterladen, nutzen, zurückgeben. Allerdings dürften sich nur wenige Apps wirklich dafür eigenen. Macht es – auch kriminell-energetisch gesehen – Sinn, eine wenige Euro teure App für ein paar Tage zu nutzen und dann mit Rückgabe das Geld wieder einzuspielen?

Ein zweites Problem für die Anbieter sind die gemessen am Betrag hohen Transferkosten jeder Rückerstattung, die irgendwer ja übernehmen muss. Das wird hinter der kurzen Rückgabefrist von Google stecken, denn anfangs galt eine Frist von 24 Stunden. In der Konsequenz könnten Bezahl-Apps für die Entwickler weniger attraktiv werden, da die Storebetreiber die Kosten sicher an die Hersteller weiterreichen.

Bildquelle: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

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