Nie mehr nach Kleingeld suchen

Bürgerfreundliche Mobile-Payment-Lösungen gefragt

Verbraucher legen Wert auf einen unkomplizierten, mobilen und weltweit funktionierenden Zahlungsverkehr. Bisher hapert es an der technischen Umsetzung, dabei könnte sich die öffentliche Verwaltung das mobile Bezahlen zum Vorteil machen.

Vor allem die öffentliche Verwaltung steht vor der Herausforderung, dem geänderten Mediennutzungsverhalten der Bürger gerecht zu werden – dazu zählen auch Mobile-Payment-Lösungen.

Eine Studie des Instituts für Handelsforschung Köln und der KPMG AG bestätigt: Von den derzeitigen Mobile-Payment-Anwendern würden 40 Prozent in Zukunft gerne häufiger mobil zahlen und mehr als die Hälfte derjenigen, die bisher noch keinen Gebrauch davon machen, glaubt, dass dieses Bezahlverfahren zukünftig lukrativ werden wird.

Vor allem die öffentliche Verwaltung steht vor der Herausforderung, dem geänderten Mediennutzungsverhalten der Bürger gerecht zu werden. Laut dem im Frühjahr veröffentlichten EU-Digital-Index, der den Vernetzungsgrad von Wirtschaft und Gesellschaft in den europäischen Mitgliedsstaaten vergleicht, landet Deutschland bei der Prozessdigitalisierung allerdings nur im Mittelfeld. Zum Vergleich: In Dänemark nutzen rund drei Viertel der Bürger elektronische Behördendienste, in Deutschland nur 18 Prozent. Insbesondere das Bezahlen via Smartphone wurde im öffentlichen Bereich bisher gänzlich ignoriert. Betrachtet man die steigende Zahl an Smartphone-Besitzern in Deutschland – aktuell 40 Millionen – wird deutlich, welches Potential Mobile Payment in sich birgt.

Mobile Bezahlprozesse steigern Effizienz

Einsparungspotential bieten mobile Zahlungsmöglichkeiten insbesondere für Gebühren wie Personalausweis-, Reisepass- oder Führerscheingebühren sowie Steuer- und Bußgeldbescheide. Gebührenbescheide könnten mit einem QR-Code ergänzt werden, dessen Zahlungsinformationen per QR-Scanner-App direkt in einer Zahlungsanweisung oder Überweisung umgesetzt werden. Positiver Vorreiter für ein solches Mobile-Banking-Tool sind die Sparkassen und Volksbanken Raiffeisenbanken, die zusammen mit Crossinx die Funktion „Girocode“ in ihre Banking-Apps integriert haben. Anstatt die Überweisungsdaten manuell eingeben zu müssen, erhält der Rechnungsversender eine Rechnung mit einem QR-Code, der alle relevanten Zahlungsdaten wie Empfänger, IBAN, BIC, Zahlbetrag und Verwendungszweck enthält. Beim Scannen des QR-Codes werden diese Daten dann automatisch in ein Überweisungsformular übertragen. Dadurch wird möglichen Eingabefehlern des Nutzers vorgebeugt und es kommt nicht nur zu einem schnelleren Zahlungsprozess, sondern auch zu einem geringeren Ressourcenaufwand seitens der Behörde für die Zuordnung des Zahlungseingangs.

Lösungen noch nicht bürgerfreundlich genug

Viele Städte und Gemeinden bieten bereits die mobile Zahlung von Parkgebühren an. Trotzdem wird diese Möglichkeit von einem Großteil der Bürger nicht genutzt. Grund hierfür könnte sein, dass zusätzlich zu den Parkticketkosten oftmals noch eine Bearbeitungsgebühr anfällt. Zudem ist die Funktion nicht bundesweit einheitlich umgesetzt und verursacht für den Nutzer derzeit mehr Aufwand als Zeitersparnis. Finanzdienstleister sind hier in der Verantwortung, Nichtnutzer über die Funktion aufzuklären und diese anwendungsfreundlicher zu gestalten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Bürger könnte sich die Suche nach Kleingeld sparen und die Gemeinde durch automatisierte, elektronische Prozesse Einsparungs- und Entlastungseffekte erzielen.

Mobile Bezahlverfahren bieten im öffentlichen Bereich großes Potential, denn Unentschlossene würden die Optionen nutzen, wenn sie leicht bedienbar wären und überall gleichermaßen funktionieren würden. Um die Ziele der Digitalen Agenda 2020 tatsächlich umsetzen zu können und den Anschluss in Europa nicht zu verpassen, müssen Länder und Kommunen die Umsetzung und Integration von digitalen Prozessen nicht nur vorantreiben, sondern diese vor allem bürgerfreundlicher gestalten.



Thinkstock/ iStock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok