Neue Smartphones aus China

Das Smart Home vor dem Durchbruch

Im Interview berichtet Dr. Jie Lin, Geschäftsführer der Phicomm Europe GmbH, wie das Unternehmen mit einer Smartphone-Produktlinie sowie Smart-Home-Lösungen auf dem deutschen Markt Fuß fassen möchte.

  • Dr. Jie Lin, Geschäftsführer der Phicomm Europe GmbH

  • Das neueste Phicomm-Smartphone nennt sich Passion – bei der Herstellung wurden Technologien wie das Verfahren der Laser-Direktstrukturierung, welches die Miniaturisierung von Bauteilen ermöglicht, eingesetzt.

Herr Lin, im Herbst 2012 wurde die Phicomm Europe GmbH gegründet, die sich auf den Vertrieb, Service und Support von Mobilfunkausrüstungen und Smartphones konzentriert. Was hat Sie dazu bewogen, in den deutschen Markt einzutreten?
Jie Lin:
Unser Mutterkonzern ist auf dem asiatischen Markt bereits sehr erfolgreich. Der nächste Schritt war dann folgerichtig die Ausweitung der Aktivitäten auf andere Kontinente. Deutschland ist für alle chinesischen Unternehmen und Investoren ein wichtiger Markt. Wenn man in Deutschland Fuß gefasst hat, kann man seine Geschäftstätigkeiten Schritt für Schritt in die anderen europäischen Länder ausweiten.

Wie gestaltet sich denn der Mobility-Markt aktuell in China – insbesondere im Vergleich zu Deutschland?
Lin:
Im Vergleich zu den deutschen Kunden gehen chinesische Kunden erheblich schneller auf technische Neuerungen und Änderungen ein. Somit werden in China und auch im Rest von Asien mehr Endgeräte wie Smartphones oder Router verkauft.Besonders im Bereich der Netzwerktechnik stellt dies einen erheblichen Unterschied im Kaufverhalten dar. Der deutsche Kunde legt sich beispielsweise größtenteils nur im Falle eine Defekts oder eines Anbieterwechsels einen neuen Router zu.

Vor allem die großen Hersteller – namentlich Samsung, Apple und Huawei – dominieren den weltweiten Smartphone-Markt gegenwärtig. Wie können grundsätzlich auch „kleinere“ Unternehmen im Geschäft der mobilen Endgeräte mitmischen und sich hier behaupten?
Lin:
Technisch überragende Neuerungen wird es immer weniger geben, dafür wird das Preis-Leistungs-Verhältnis immer wichtiger – gepaart mit dem richtigen Paket aus guter Produktqualität und Service haben auch die kleineren Hersteller und Unternehmen eine Chance auf dem Smartphone-Markt.

Welche Bedeutung schreiben Sie generell dem Service und Support im Smartphone-Geschäft zu?
Lin:
Wir schreiben dem Service und Support vor allem in Deutschland eine große Bedeutung zu. Das liegt in erster Linie an den Anforderungen des Marktes und den Kundenwünschen nach umfassende Beratungen und Erklärungen. Trotz des allgemeinen Rufs einer Wegwerfgesellschaft legen die Kunden großen Wert auf die Einhaltung der Gewährleistungsrechte. Kundensupport inklusive Reparaturdienstleistungen ist eine unabdingbare Voraussetzung für eine Tätigkeit auf dem deutschen Markt.

Worauf legen vor allem Geschäftsleute bei ihren mobilen Endgeräten Wert und wie gehen sie demnach bei der Produktauswahl vor?
Lin:
Geschäftsleute legen vor allem Wert auf eine vielfältige Funktionalität der Geräte. Smartphones müssen heutzutage in der Lage sein, nicht nur als Kommunikationsendgerät, sondern auch als Mini-büro zu funktionieren. Dafür muss exzellente Hardware im Inneren der Geräte verbaut werden. Immer interessanter wird für Geschäftskunden die Funktion der Dual-SIM-Karte. In einem einzigen Smartphone kann man somit seine private und seine geschäftliche SIM-Karte verwenden.

Was macht grundsätzlich einen guten Forschungs- und Entwicklungsingenieur für mobile Endgeräte aus? Wo findet man entsprechende Fachkräfte heutzutage?
Lin:
Ein guter Forschungs- und Entwicklungsingenieur ist mit den nationalen und internationalen Standards von Smartphones und Smart-Home-Produkten vertraut. Er kennt die neuesten Trends und auch Entwicklungen von rechtlichen Rahmenbedingungen bzw. Normen.

Phicomm besitzt darüber hinaus vier Forschungs- und Entwicklungszentren in Shanghai, Nanjing, Chengdu und Wuhan. Welche Vorteile bieten diese Standorte?
Lin:
Es wurde sehr viel Wert darauf gelegt, diese Forschungs- und Entwicklungszentren möglichst in der Nähe renommierter Universitäten der Elektrotechnik zu etablieren. Dadurch können zahlreiche dynamische und flexible Arbeitnehmer für die wichtigsten Bereiche unseres Unternehmens gewonnen werden.

Inwiefern würden sich entsprechende Zentren auch in Europa lohnen? Planen Sie in dieser Hinsicht etwas?
Lin:
Solch ein Forschungs- und Entwicklungszentrum lohnt sich selbstverständlich auch in Europa. Mitte des Jahres beginnt der Bau unserer Europazentrale in Unterhaching. Hier entstehen jeweils eigene Gebäude für Vertrieb, After-Sales, Forschung- und Entwicklung sowie ein Rechenzentrum.

Wir haben den Standort Unterhaching bewusst gewählt, da die Nähe zu bekannten Hochschulen, Forschungseinrichtungen sowie Unternehmen mit zahlreichen gut ausgebildeten Fachkräften gegeben ist.

Welche Rolle sollte der Anwender bei der Entwicklung spielen? Wie lässt er sich mit einbinden?
Lin:
Mit eigener Forschung und Entwicklung sowie eigener Produktion ist es uns jederzeit möglich, auf Markttrends zu reagieren. Uns ist jedes kons­truktive Feedback vom Anwender wichtig, um zu überprüfen, wie wir die Anregungen in unsere Produkte implementieren könnten.

Sie sprachen bereits Smart-Home-Lösungen an – wie gestaltet sich das aktuelle Interesse der Anwender an diesen Produkten?
Lin:
Die Einstellung der Bevölkerung gegenüber Smart-Home-Lösungen ist positiv. Was vor Jahren noch als futuristisch galt, wird zur Normalität werden. Etwa 40 Prozent der Haushalte zeigen konkretes Interesse an intelligenten Smart-Home-Produkten. Vor allem die Themen Energiesparen und Sicherheit werden in der DACH-Region nachgefragt. Alle Weichen für eine Einführung von Smart-Home-Lösungen in Deutschland sind bereits gestellt.

Mit welchem Aufwand ist die Gestaltung eines „Smart-Home“ verbunden?
Lin:
Der Aufwand für die Gestaltung eines Smart-Home-Systems hängt wesentlich von der gewünschten Funktion des Nutzers ab sowie auch von der Wohnungsgröße. Es fällt mir schwer, hier eine pauschale Aussage zu treffen. Zur benötigen Zeit kann ich sagen, dass sich ein einfaches Starterpaket z.B. für die Steuerung der Heizungsanlage mittels Smartphone an einem Nachmittag einrichten lässt. Je nach geografischer Gegebenheit bestehen unterschiedliche Anforderungen seitens der Benutzer. Sehr gefragt ist auch die Videoüberwachung des Zuhauses. Aber wie schon erwähnt, hängt das von den Anforderungen des Nutzers an das System ab – mit entsprechenden Lösungen kann man auch sehr komplexe Abläufe programmieren.

Wo sehen Sie die Risiken eines „Smart Home“? Welche Stolpersteine gibt es?
Lin:
Die Risiken des Smart-Home-Marktes liegen im Bereich der Sicherheit. Viele intelligenten Produkte der ersten Generation haben Sicherheitslücken in der Software. Aber auch der Nutzer selbst ist für die Sicherheit verantwortlich. So verfügen viele nur über einen einfachen WLAN-Schlüssel bis hin zu gar keiner Verschlüsselung ihres Netzwerkes. So kann schon ein WLAN-fähiges Radio ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Wer Probleme hat, den Fernseher zu bedienen, wird mit manchem Smart-Home-System sicherlich überfordert sein und damit nicht glücklich werden.

Inwieweit ist Ihr Eigenheim bereits „smart“?
Lin:
Aufgrund der erhöhten Wohn- und Lebensqualität durch Smart-Home-Produkte bin ich ein Smart-Home-Fan der ersten Stunde. Zuhause habe ich eine Reihe von intelligenten Lösungen wie z.B. ein Temperaturüberwachungssystem oder Türöffnersystem, dass Handwerkern aus der Ferne die Wohnungstür öffnet, wenn ich beruflich unterwegs bin.

Welche Zukunft sagen Sie dem „Smart Home“ in Deutschland voraus?
Lin:
Wir erwarten im Smart-Home-Markt in Deutschland einen gewaltigen Durchbruch. Die Anzahl der Smart Homes wird sich innerhalb der nächsten fünf Jahre mehr als verdreifachen. Das bedeutet, dass bis zum Jahr 2020 voraussichtlich eine Million Haushalte intelligent vernetzt sein werden. Genau deshalb ist es für Phicomm so wichtig, in diesen aufstrebenden Markt zu investieren.


Dr. Jie Lin …

… absolvierte sein Studium der Elektrotechnik an der TU in Berlin und ist daher bereits seit mehr als 30 Jahren in Deutschland ansässig. Er war in mehreren namhaften deutschen Unternehmen in der Forschung und auch in führenden Sales-Positionen tätig. Seit Januar 2013 führt Dr. Lin die Geschäfte der Phicomm Europe GmbH in Unterhaching und ist für die Ausweitung der Geschäftstätigkeiten und die Umsetzung der Firmenphilosophie der Feixun Shanghai auf dem europäischen Markt zuständig.

Die Shanghai Feixun Communication Co. Ltd …

… mit dem Marken­namen Phicomm – ist ein Hightechanbieter von Endgeräten für mobile Kommunikation sowie Netzwerklösungen und Systemtechnik. Um sich auf dem europäischen und vor allem auf dem deutschen Markt zu positionieren, wurde im Herbst 2012 die Phicomm Europe GmbH mit Firmensitz im Süden von München gegründet. Seitdem hat sich das Unternehmen auf dem Weg als Anbieter innovativer Kommunikationstechnologie (u.a. Smartphones und Netzwerkprodukte) mit den Schwerpunkten von europaweitem Vertrieb, Service und dem technischen Support etabliert und weiterentwickelt.

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